Bilder meiner Kindheit

Im Alter von vier Jahren habe ich angefangen zu lesen. Firmenschilder, Reklame, was auch immer an Buchstaben ich zu sehen kam. Ich las vorwärts und rückwärts, je nachdem in welcher Richtung unser Auto an X E T U A K  bzw. K A U T E X  vorbeifuhr.

Mit dem Schreiben der ersten Worte begann ich zwar auch schon vor der Einschulung, aber meine erste Veröffentlichung hatte ich erst so im Alter von neun oder zehn Jahren.

Es war eine Geschichte über den Weihnachtsmann, das Christkind, Elfen, Rentiere, Wichtel, etc.

Wir hatten über die Ferien die Hausaufgabe bekommen, einen Aufsatz zu diesem Thema zu schreiben. Irgendetwas an meinem war nicht in Ordnung, da die Lehrerin meinte, ich hätte die Geschichte aus einem Buch abgeschrieben.

Ich war sehr gekränkt und wusste nicht, was ich falsch gemacht hatte.

Es war genauso wie damals, als sie behauptet hatte, ich könne doch gar nicht so gut vorlesen können, ich hätte die unendliche Geschichte schon so oft vorgelesen bekommen, dass ich sie auswendig wisse.Wenn ich wirklich so gut auswendig lernen könnte, wie sie das von mir dachte, wäre ich wohl heute Psychiater.

Später gab es einen ähnliche Mobbing?-Bossing?-Frau_Schmidting!-Fall: Wir hatten im Handwerken zu flechten.

Ich flechtete davor schon sehr gerne und nahm sehr lange Fäden, die ich quer durchs Esszimmer spannte und während meine Mutter sich am Tisch mit einer Nachbarin, die selbst Lehrerin und Mutter einer Klassenkameradin war, stundenlang unterhielt, flechtete ich fröhlich vor mich hin.

Frau Schmidt war allen Ernstes der festen Überzeugung, ich hätte das nicht geflochten, sondern gehäkelt. Doch diesmal hatte ich Zeugen! Erwachsene!

Leider führte das nicht dazu, dass meine Lehrerin künftig wertschätzender mit mir umging. Ich glaube aber, dass genau das einen nicht unwesentlichen Teil zu meiner Kreativität respektive Intelligenz beigetragen hat.

Hierzu eines meiner Lieblingsvideos, Prof. Dr. Peter Kruse über (das Erzeugen von) Kreativität und intelligente Systeme:

Ich bin so ein Einzelfall des biographischen Unfalls wovon er spricht. Viel wichtiger ist aber, was er erklärt, warum es nicht mehr notwendig ist, Menschen (übertrage auf: die Kinder in den Schulen) zu quälen, damit Einzelpersonen kreativ werden.

Man kann auch Menschen so miteinander in Teams arrangieren, dass sie miteinander so interagieren, dass dieses Team als Gesamtes kreativ ist und somit intelligenter als die einzelnen Personen.

Erste plumpe Versuche, dies in „Gruppenarbeit“ zu fördern, gab es auch zu meiner Schulzeit. Mit dem Resultat, dass ich jeglichen Gruppen aus dem Weg ging.

Wenn Du den Professor nicht verstanden hast, dann frage mich bitte, ich erkläre das gerne auf deutsch für Nicht-Akademiker. Das ist keine Schande, das nicht sofort voll erfasst zu haben. Ich habe selbst sechs Jahre dafür gebraucht, das zu kapieren.

(Meine Chefin Nr. 1 hatte mich mal danach gefragt; zu dem Zeitpunkt konnte ich das noch nicht in Worte fassen und daher nicht beantworten.)

Meine Mutter hat meine Geschichte über den Weihnachtsmann an unsere damalige Tageszeitung geschickt. In einem Anfall von Selbsthass während der Pubertät oder Adoleszenz habe ich mein Belegexemplar vernichtet und seither nicht die Zeit gefunden, ins Archiv zu fahren und den Text herauszusuchen.

Weil ich in meinen frühen Jahren noch nicht geschrieben habe, möchte ich dafür Bilder sprechen lassen.

Hier geht es zu den Fotos: Fotos von mir als Kind

Hast Du irgendwo ein Mädchen gesehen? Nein? Ich auch nicht. Ich sehe nur ein glückliches Kind. Ein Junge, der verschiedenste Kleidung sowie Spielsachen und sich selbst in verschiedenen Rollen ausprobieren durfte.

Ich war ein Kind, das nur den Schmerz des Penisneids kennt und nichts von den Qualen der bevorstehenden Pubertät ahnt und sich keine Vorstellungen darüber macht, wie die Erwachsenen an den verschiedenen Geschlechterfronten miteinander umgehen.