Ich wünsche mir… Das Geschenk

Liebes Universum,

ich wünsche mir von Sportfreunde Stiller das Lied Das Geschenk. Als ich dieses Lied das erste Mal im Radio gehört habe, hatte ich Gänsehaut und es ging mir durch und durch. Ich dachte nur: Ja! Danke! Danke-danke-danke!!! Das tat soooo gut zu hören.

Mein Wunschzettel ist hier für alle einzusehen: Ingos Liste

Wer schafft es, mir dieses Geschenk zu machen? Der Artikel ist erst ab dem 7. Oktober erhältlich!

Ich würde mir wünschen, dass dieses Lied am 8. September beim Gesundheitstag des DAAD gespielt wird, um möglichst vielen Menschen dieses Unter-die-Haut-Gefühl zu schenken. Aber um mir diesen Wunsch zu erfüllen, müsste man ja beim Radio arbeiten und zufällig an der richtigen Stelle sitzen. Denn das ist ja schon morgen!

Oder, ob ich vielleicht auch selbst etwas tun kann? Ob ich vielleicht einfach mal beim Radio anrufe? Es ist auch nicht schlimm, wenn es erst übermorgen gesendet wird – Hauptsache ich weiß, auf welchem Sender. Am 9. September jährt sich nämlich der Todestag meines Vaters zum zweiten Mal, weshalb ich meine Mutter an ihrem neuen Wohnort im Rheinland besuche.

Und wo wir schon dabei sind… ich wünschte auch, ich hätte selbst die Zeit, mich ins Archiv zu setzen und nach meiner allerersten Veröffentlichung zu fahnden, aber das braucht wohl Heerscharen fleißiger lesebegeisterter Rentner_innen…. also noch etwas warten, Tee trinken und noch ein bissl berühmter werden, lieber Lysander!

Z-Z-Zuniga!

Sonntag, 21. August 2016

Ich denke oft und gerne, wenn ich mich schon an meine Kindheit erinnere, an meine bzw. unsere Putzfrau (Frau Zuniga) zurück. Sonja würde es vermutlich eine Hommage schreiben nennen, aber ich möchte mich einfach mal bedanken, ohne mich persönlich aufdrängen zu müssen- zudem ich überhaupt gar keine Ahnung habe, wie ich die gute, inzwischen auch deutlich ältere, Dame denn erreichen könnte, falls sie überhaupt noch unter uns weilt.

Das Z von Zorro setze ich mal bei allen als bekannt voraus. Einigen dürfte auch die Abkürzung zz für ziemlich zügig bekannt sein. Anderen Reinhard Mey- Fans fällt womöglich auch die Strophe mit dem „Nimm das Z von Zorro, drehs um neunzig Grad und dann wird aus dem Z ein N und das bin ich: Der Nasenmann“ (aus dem Gedächtnis rezitiert) dazu ein. „Z-Z-Zuniga!“ weiterlesen

Ich habe fertig! (Tag 7)

 

@Sonja: Hömma Liebelein, wenn Du mit dem Lesen nicht hinterherkommst, dann lass Dir doch nicht von Ver-rückten vorschreiben, was Du zu lesen hast, Herzchen.

Pass ma uff, jetzt wirste zwangstherapiert, dann weisste auch, was ich damit meine. So und um Missverständnissen vorzubeugen: Die Welt ist mein Zeuge.

Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich. Lest mal die Zeit. Wirklich, die Zeit solltet ihr euch nehmen. (So macht man übrigens double bind, aber das könnt ihr ja schon.)

Und googlet selber, ihr faulen Luschen, ich bin nich eure Tippse!

Ich glaube, wir verstehen uns. Kontaktformular kennt ihr ja mittlerweile dann auch. Lieber Finger von, Kinners, der Papa muss dringend inne Heia und beim Schlafen darf er nicht gestört werden. Einen Tag die Woche werdet ihr ja wohl mal ohne mich auskommen können. Wenigstens am Sonntag. Der Sonntag ist nämlich der Tag des Herrn, oder deutlicher. SONNTAG IST RUHETAG, ALSO RUHE DA OBEN ODER MUSS ICH EUCH ERST ZWANGSTHERAPIEREN IHR SCHNITZELKLOPFER MIT EURER SCHEISSDAUERBAUSTELLE DA!!! WENN IHR IHR EUCH NICHT BALD BEI MIR ENTSCHULDIGT, IHR ARSCHGEIGEN, UND AUFHÖRT MICH ANZULÜGEN, DANN KANN ICH AUCH MAL MIMIMI BEI DER SAGE MACHEN. ICH LASSE MICH NICHT GERN FÜR DUMM VERKAUFEN. WISST IHR EIGENTLICH, DASS ICH EUCH BEIM FICKEN HÖREN KANN? SOLL ICH EUCH MAL NEN HANDWERKER HOCHSCHICKEN UND NE KAMERA INSTALLIEREN BEI EUCH? VERGESST ES EURE SCHEISSVANILLANUMMER KANN ICH NICHT GEBRAUCHEN UND MAL EHRLICH: Friedlich hatten wir ja schon versucht. Also nächstes mal gehe ich mit der ganzen Bagage einfach mal eins höher und erklär denen, warum ich nicht schlafen kann und wisst ihr was? Die sind dann alle auf meiner Seite. So!

Und jetzt hab ich ne schöne Wichsphantasie, da brauch ich nimmer Hand anlegen, da komm ich schon beim Schreiben und wenn ich mir dann vorstelle, dass wir es in aller Öffentlichkeit miteinander treiben und euch keiner glauben wird, dann wisst ihr auch mal endlich, wer hier wenn beobachtet und jetzt ist hoffentlich endlich Ruhe im Karton, sonst sehe ich mich gezwungen, noch ein Stockwerk höher zu eskalieren. Und was dann passiert, muss ich euch ja nun nicht wirklich noch erklären, oder? Falls euch das wirklich entgangen sein sollte: Ich bin nicht total bekloppt, das ist eure versaute Phantasie. Wenn ich mir in die Karten gucken lasse, dann mache ich das mit Absicht. Das ist nen freundlicher Wink mit dem Zaunpfahl. Aber wer nicht hören will, der muss dann eben gedankenvergewaltigt werden oder so ähnlich. Bastelt euch selber euer Happy End, dafür bin ich nicht zuständig.

So, Herr Jost, begreifst Du jetzt, was der Herr Kollege mir angetan hat mit seiner Tipperei? Aber für ausführlich habt ihr ja keine Zeit…. Tja, dann halt nicht. Dachte ihr wollt mir helfen. War ja nur ne Einladung. Wer nicht will, der hat schon. Dann lutscht eure Pillen selber und therapiert euch gegenseitig und ich penne wann ich will und so können wir dann mal zusammenkommen an irgendeinen Tisch, egal ob rund oder eckig, aber ihr wollt mich ja nicht mitspielen lassen oder warum sonst muss man sich bei euch um die Betten prügeln und erst Pillen fressen, damit man bei euch übernachten darf?

Einvernehmlich ist wohl nicht so eure Sache, was? Das kannst ja auch gleich sagen, dann wirste eben zwangstherapiert. Machen wir doch gerne…. Da hätteste aber auch einfach fragen können. Ich tu Dir doch nix, ich will doch nur spielen… Therapeutisches Rollenspiel halt. Meine Fresse, manche haben aber auch ne extralange Leitung. Naja, die glauben mir ja nicht, wenn ich mich zu erkennen gebe, dann kann ich nicht anders. Selber schuld, wenn ihr mich für verrückt halten wollt. Mir ist das nämlich egal, wer mir sonst noch so hinterherlatscht, ich kann auch auf mich selber aufpassen. Und zählt mal meine Follower, 12 ist doch ein Witz dagegen, oder? Den hab ich auf jeden Fall über, also kann ich ja nur noch Godfather himself sein.

Und morgen früh sag ich dann einfach, ich hatte einen feuchten Traum und diesmal versaut ihr mir den nicht, sonst werdet ihr zum Hauptdarsteller in der Opferrolle.

Und mit dem Gedanken kann ich jetzt auch ruhig einschlafen, da habe ich dann keine Angst mehr. So mache ich das, Herr Doktor, aber Du hast ja keine Lust, mehr als die ersten beiden Sätze zu lesen und ich Dir schon anbiete, ne Kopfkinofilmrolle auszusuchen, solltest Du eigentlich artig danke sagen und nicht so tun als wär ich ein kleines Kind, das alleine Angst im Dunkeln hat und bei Mama aufm Arm will, denn solange Du das nicht kapierst, bleibst Du in der Täter_innen-Rolle, aber vielleicht fragt Dich mal eines Tages ein Reporter, was Du so über mich denkst und dann ist mir das egal, was Du denen für Märchen erzählst, weil in meinem Abschiedsbrief ganz deutlich zu lesen ist, dass Du mir das so gesagt hast, dass ich das so machen soll und wenn Dein Chef ausm Urlaub wieder da ist, dann – ja dann… für den Fall überlege ich mir das doch noch mal und dann bleibe ich doch sicherheitshalber konfessionslos, sonst weiß ich nicht, wie die Geschichte weitergeht.

Und deshalb lasse ich das Ende der Geschichte nun an dieser Stelle, sicherlich im Interesse aller, ganz bewusst offen. Nur für den Fall, dass der Arzt das doch nicht böse meinte. Dann können wir nämlich alle gemeinsam zurückrudern in unserem gemeiinsamen Bötchen, gelle. Vielleicht geht ja mein Wunsch auch so in Erfüllung, ohne dass ich nochmal zum Arzt muss. Abwarten und Teetrinken. Baldriantee, sicherheitshalber. Nee, nix da. Ich geh selber in die Küche, sonst kann ich mich wieder nicht dran erinnern, wo ich war. Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser.

Familie: Mein Onkel

Samstag, 25. Juni 16

Meinen Onkel habe ich im Alter von 16 Jahren im Rahmen der Goldhochzeit meiner Großeltern kennengelernt weil jemand – ich glaube, es war meine Mutter – auf die Idee gekommen ist, uns beide einander gegenüberzusetzen, weil er sich von seiner Familie separiert hatte und daher an der Seite seiner in Trennung lebenden Frau nicht so recht in die Tischordnung passen wollte.

Ein Heidenglück für mich, eine göttliche Fügung, ein Zufall: Die Begegnung tat mir sehr gut. Natürlich kannte er mich auch schon als kleinen Hosenscheisser, aber ich konnte mich daran nicht mehr erinnern. So lernten wir uns ganz neu kennen, ein Halbstarker und ein gestandener Mann, den ich als Mentor akzeptieren konnte, eben gerade weil er sich nicht um diese Rolle bemühte.

Sich selbst bezeichnete er stets als das schwarze Schaf der Familie und ich hielt jedes Mal dagegen, dass er das einzige weiße sei. Nun denn: Ich bin irgendwie unbeabsichtigt in seine Fußstapfen getreten, obwohl ich stets meinem Vater nachgeeifert habe.

Mein Onkel hatte schweres Rheuma (chronische Polyarthritis), einen GdB von 100 und Merkzeichen aG und damals schon mehrere künstliche Gelenke. Dabei war er zu der Zeit noch vergleichsweise fix mit Krücken unterwegs. Am Ende war er auf den Rollstuhl angewiesen. „Familie: Mein Onkel“ weiterlesen

Mut zu mehr Lücken

Guten Morgen,

ich habe beschlossen, dass ich noch weniger schaffen darf als bisher.

Es kommt ja, wie ich aus zuverlässiger Quelle weiß, doch keine Sau mit dem Lesen hinterher – abgesehen von Extremjunkies vielleicht, die ausreichend Tages- oder Nachtfreizeit haben.

Nachdem meine treue Leserin Sonja mir so hübsch die Hosen runtergezogen und mich vor den Spiegel gezerrt hat (O-Ton:

Wie immer ein gewollter und gekonnter Mix aus Berichterstattung mit informativen Elementen, aber aus subjektiver Sicht geschildert und über einen eingestreuten kurzen Exkurs in die Vergangenheit wieder zielgerichtet in die Zukunft geschaut.

)

Ganz ehrlich, meine Liebe?

Mein erster quergeschossener Gedankenimpuls dazu war die drängende Frage, wer Dir denn bitte ins Gehirn geschissen hat, mir eine derartige Absicht zu unterstellen. Wenn ich mich nicht entscheiden kann zwischen Hoch- und Tiefstapeln, dann kannst Du doch nicht einfach die Frechheit besitzen, mir ganz ungefragt zu erklären, warum meine Texte so gut beim Publikum ankommen – damit wärst Du nach Anklam Insultings schon die zweite Person, die mir das erklärt.

Nachdem der Schmerz dieser Erkenntnis verklungen war, frage ich mich zögernd: Hat sie vielleicht recht? Verwechsel ich jetzt schon Licht mit Scheffel und nicht mehr nur die Ausrichtung? Bin ich wirklich sooo genial, dass ich mich selbst für verrückt halte, obwohl ich es gar nicht bin? Das mittlerweile vier Jahre alte Dilemma, das ich mittlerweile satt habe.

So nach dem Motto:

  • Wenn der Hahn mich jagt und ich hock mich hin, bin ich ein Flittchen.
  • Lauf ich weg, bin ich feige.
  • Wie ichs mach, mach ichs verkehrt.
  • Ach watt, ich stolper einfach.

Und so mache ich das jetzt auch: Ich mache diesen EX-IN-Spagat und bin mit einem Auge durchgeknallt und mit dem anderen seriös. Halb Künstler, halb Heiler, halb krank = 150% ich. Ein Fuß in der Klapse und einer im Hörsaal vorm hochverehrten Auditorium. Man wird mir Gehör schenken. Man wird mich lesen. Ich komme vielleicht im Fernsehen, quatsche mit Domian und lerne noch mehr Promis kennen – High Society ich komme.

Ich werde endlich die Zeit zum Schreiben – also richtig produktiv schreiben, so mit nachher fertig Buch aufm Buchmarkt und so, ganz echt zum anfassen ein haptisches Buch zum Liebhaben – diese Zeit werde ich nicht nicht einfach so urplötzlich finden, sondern die werde ich mir ganz bewusst nehmen, indem ich meine Zukunft wie ein mündiger Bürger mitgestalte.

Und falls das nix werden sollte mit der Rente, bewerbe ich mich noch fix beim Netto um die Ecke, die suchen nämlich grad Aushilfen. Das gibt eh nur rentenverträgliche 450,- EUR und macht bestimmt Riesenspaß, das mal auszuprobieren. Und selbst wenn ich damit wieder zusammenbreche, dann ist das wieder ein Schritt in Richtung Rente und nebenbei eine prima Gelegenheit, Gleichstellung zu beantragen.

Ich mach das jetzt einfach wieder so wie früher, bevor ich wusste, was ich alles nicht können darf. Hm, nein, ich hatte eine bessere Formulierung dafür:

Sehr vieles in meinem Leben habe ich erreicht, weil ich gar nicht wusste, dass das unmöglich ist.

(Ingo S. Anders, Schriftsteller)

Und jetzt, liebe Sonja, möchte ich Dir die Füße küssen dafür, dass Du mir bewusst gemacht hast, wie mein therapeutisches Schreiben funktioniert. Durch genau diesen Weg vom Jetzt in die Vergangenheit geschwenkt, ein Blick in die Zukunft und zurück ins Hier und Jetzt. Genau so muss eine gut geführte Therapiesitzung verlaufen, um mir Halt bieten zu können.

Genau dieses Muster übernehme ich jetzt in einer Drei-Tage-Woche.

  • Montag: Gestern
  • Mittwoch: Heute
  • Freitag: Morgen

Damit kann ich an einem einzigen Arbeitstag eine Drei-Tage-Woche simulieren. Gut, oder? Ich muss nur meine Ergüsse noch besser aufdröseln und dafür brauche ich einfach eines: Zeit.

Und die Geschichte mit der Botschaft

Zeit hat man nicht. Zeit nimmt man sich.

(Meine bessere Hälfte, aber davor bestimmt auch schon jemand – http://www.gidf.de)

Der Faktor Zeit ist sehr entscheidend lehrt einer, der selbst gar nicht gut schreiben kann -aber er kann es einfach verdammt nochmal gut erklären, wie jemand anders das hinkriegen kann. Namen sind Schall und Rauch, solange man sich nicht für die Außenwelt interessiert, aber im Informatikstudium habe ich gelernt, dass es sehr wichtig ist, Objekte eindeutig bezeichnen zu können, damit sie wiedererkannt werden. Also wenn ich Dir nun eine Lektüreempfehlung machen will, muss ich entweder nach dem haptischen Buch in meinem Regal suchen (da steht der Name drauf!) oder in meinem angeblich kaputten, ganz unbestritten aus dem Takt geratenen, Hirn graben.

Also: Aufstehen, Bücherregal. Ohne meine Ordnung, wo alle Dinge ihren festen Platz haben, wäre ich manchmal echt im Arsch und nicht nur am Arsch.

Dazu: Zeit ist Geld und jeder Gang macht schlank.

Und bitte:

James N. Frey: Wie man einen verdammt guten  Roman schreibt 2.

Kann ich Dir gerne bei Gelegenheit mitbringen, falls Du Interesse hast. Der Vollständigkeit halber auch den ersten, den Du zum Vergleich heranziehen kannst, weil er in Teil 2 beschreibt, was er in Teil 1 falsch gemacht hat.

Das Buch „The Design of everyday Things“ musste ich überhaupt nicht lesen, weil der Autor so nett war im Vorwort der überarbeiteten Auflage reinzuschreiben, was er mit seinem Buch falsch gemacht hatte. Er hatte auf seinen eigenen Ratschlag nicht gehört. Das scheint irgendsoeine Art Betriebsblindheit zu sein, die viele Menschen ergreift, die Supervision benötigen. Da ich irgendwie anders ticke, kann man mich nun für einen seltenen biographischen Unfall (Prof. Peter Kruse über Kreativität) halten oder mich für verrückt halten und als krank etikettieren – mir mittlerweile alles recht, wie gesagt: Ich stolpere.

Nächsten Dienstag gehe ich zur Notfallsprechstunde der medizinischen Fachkraft mit Approbation, der ich derzeit noch vertrauen kann und bitte sie darum, mich wegen emotionaler Instabilität krankzuschreiben bis zu unserem nächsten regulären Termin am 1. September. Egal was sie denkt, egal, was sie auf den Zettel schreibt: Es bringt mich meinem Ziel näher. Entweder hält sie mich für verrückt, dann gehe ich in Rente, oder sie hält mich für gesund, dann bin ich endlich geheilt und auf der sicheren Seite und werde nie wieder weggesperrt.

An diesen Traum klammere ich mich jetzt, um bis Dienstag durchzuhalten.

Meine Krisenbegleitung ist (mal wieder) überfordert und heute morgen um fünf – ich habe ehrlich gesagt simuliert, aber ich musste wirklich ausprobieren, ob man nachts anrufen kann oder nicht – kann man nicht, jedenfalls nicht bei dieser Person und ich weiß ja nie wer dran ist.

Ich werde alles daran setzen, dass es mir gut geht, dass ich weiterhin funktioniere und ich werde mit Behinderung argumentieren. Das ist nicht gelogen und hilft mir dabei, mich durchzusetzen. Ob ich behindert bin oder werde lasse ich mal offen, aber normalerweise will da niemand den Feststellungsbescheid sehen.

Vom Steuerberater mal abgesehen. Aber dem bereite ich nur noch das vor, was ich noch schaffe. Denn ab Dienstag bin ich ja dann krank und muss nicht mehr funktionieren. Und das WE komme ich endlich hier raus und mein Mann ist unter Aufsicht und ich muss mich nicht selbst kümmern. Und das alles ohne Diagnose für ihn – was für ein Glück es doch ist, hinreichend liquide zu sein.

Was die Krankenkasse nicht zahlt, setzen wir von der Steuer ab und fertig. Ich fasse es echt nicht, dass ich jahrelang so verfickt verkrampft war und uunbedingt auf Teufel komm raus alles immer alleine und selbst machen wollte und niemandem zugetraut habe, irgendetwas auch mal ordentlich zu machen. Natürlich würde ich es selbst gründlicher machen und meinen eigenen Vorstellungen dafür näher kommen, wenn ich nur die Zeit hätte, alle die tollen Ideen auch so akribisch umzusetzen, wie ich das gerne würde.

Aber wie gesagt:

Geld ist Zeit. Die anderen haben das falsch verstanden. Nicht Zeit ist Geld, sondern Geld ist Zeit. Mit Geld kann ich mir Zeit kaufen um das zu tun, was ich gerne tun will anstatt dem, was ich zwar auch kann, aber nicht so gerne tun will.

(Ingo S. Anders, Schriftsteller)

Also ich will gerne jetzt mal bissl Gas geben mit meiner Schriftstellerkarriere. 2014 habe ich meiner Ergotherapeutin das versprochen. 2016 habe ich mir selbst das versprochen. Der Unterschied in Sachen intrinsischer Motivation ist gewaltig, wenn ich es für mich selbst tue.

Und vor allem, seit ich eingesehen habe, dass ich ohnehin keine andere Wahl habe als zu schreiben, weil das das ist, was ich tun muss, um halbwegs bei Sinnen zu bleiben, ist auch meine 16jährige Berufsorientierungskrise vorüber.

Meinen Weckruf hatte ich dieses Jahr am Valentinstag.

Es reicht vollauf, wenn diejenigen Bücher schreiben, die man von der Tastatur wegzerren muß, damit sie das Essen nicht vergessen…

(Andreas Eschbach, Schriftsteller)

Andreas Eschbach ist ein megamäßig gottgleich überhöhtes Ideal, wie ein Schriftsteller sein sollte – jetzt bin ich tatsächlich so weit, mich da wieder zu erkennen.

Meine erste Veröffentlichung hatte ich im Alter von zehn Jahren. Kommt bestimmt gut in der Vita.

Schade nur, dass ich in einem dieser beschissen Anfälle von Selbsthass mein Belegexemplar zerstört habe und nun einfach nicht die Zeit finde, mich selbst ins Archiv zu hocken und danach zu suchen. Aber ich bin sicher, es gibt fleißige Rentner_innen, denen nichts lieber wäre als eine gescheite Aufgabe, damit der Tag ein Highlight hat und die sich über ein Buch als Belohnung sicher freuen würden. Irgendwo da draußen sind sie und warten nur darauf, in Aktion treten zu dürfen.

Sobald ich mit meiner Mutter gesprochen habe und noch mal klar habe, welche Zeitung das war, wann das ungefähr war und wo die das Archiv haben und so weiter – dann blogge ich darüber und dann wünsche ich mir einfach vom Universum (Danke Hape!) , dass sich das früher oder später schon regeln wird und bin ganz gespannt darauf was werden wird.

Falls Du mal keine Zeit zum Pilgern hast, Sonja, aber Dir danach wäre: Das hat schonmal einer gemacht. Gibt ein Hörspiel, das ich Dir ausleihen könnte: Ich bin dann mal weg von Hape Kerkeling.

Und jetzt bin ich dann mal weg. Zumindest hier im RL stehe ich die nächste Zeit nicht mehr als Patient zur Verfügung. Ich lasse mich krankschreiben, um Urlaub vom Kranksein zu machen. So.

Ich werde berichten, früher oder später.

Und tschüß!

Reinhard Mey gibt mir Musik

Von klein auf erinnere ich die Stimme von Reinhard Mey in meinem Ohr, wenn es ans Einschlafen ging. Diese Stimme war und ist mir vertrauter als die meines eigenen Vaters. Wenn ich sie heute höre, gibt sie mir das Gefühl von Geborgenheit und Trost bei Einsamkeit.

Ich kann mich da gar nicht auf ein besonderes Lieblingslied festlegen. Mich derzeit besonders berührende Lieder sind:

  • 51er Kapitän
  • Gib mir Musik!
  • Ich glaube, so ist sie
  • Frei

Dabei ist zugegebenermaßen der 51er Kapitän schon längere Zeit unter den Favoriten. Das liegt daran, dass ich mir seinerzeit vorstellte, dass mein zuerst verstorbener Onkel nach dessen Tod sicher meinen Vater in einem Rennwagen abgeholt habe, da mein Onkel eigentlich Rennfahrer hatte werden wollen und leidenschaftlich die Formel 1 verfolgte. „Reinhard Mey gibt mir Musik“ weiterlesen

Therapieabbruch – Strukturwechsel

Mittwoch, 25. Mai 2016

So ihr Lieben, Schluss mit lustig.

Ich habe an einer Ergotherapie teilgenommen (das dritte Mal insgesamt in den letzten drei Jahren, ich steh total auf Ergo) und hatte vom ersten Moment an das Gefühl, dort nicht gut aufgehoben zu sein. In Begleitung habe ich die Räumlichkeiten das erste Mal aufgesucht und fast schon über meinen Kopf hinweg wurde ein Termin vereinbart. In dem Moment war ich außer mir und nicht in der Lage, das abzulehnen oder anderweitig gestaltend einzugreifen.

Als ich dann dort im Wartebereich saß bestätigte sich noch vor der Bekanntschaft mit der Therapeutin mein Ersteindruck: Das geht gar nicht hier. Die Räume sind viel zu offen gestaltet und es ist grausam hellhörig. Glastüren sind eine nette Sache für Konferenzräume, aber wenn ich therapiert werde in einer Einzelsitzung, wünsche ich dabei keine unnötige Ablenkung.

Gegen Publikum habe ich nichts, solange es sich nicht bewegt. Aber eine im Flur vorbeihuschende Person ist nunmal ein visueller Reiz, der mich unnötig belastet, wenn ich meine volle Konzentration brauche. In diesem Raum habe ich nie sitzen müssen, aber dennoch fiel es mir auf.

Ich habe Verständnis dafür, dass die Türe zum Treppenhaus mit einem Keil blockiert werden muss, weil man zu faul ist, den Klient_innen die Türe einzeln zu öffnen. Trotzdem fände ich es angenehmer, wenn man etwas Geld in die Hand nehmen und eine technisch komfortablere Lösung suchen würde, damit der Schall aus dem Treppenhaus auch dort bleibt.

Was ich aber das allerschlimmste finde, und das habe ich mehrfach und erstmals gleich bei der ersten Begegnung mit der Therapeutin rückgemeldet: „Wenn ich da sitze und warte, dann möchte ich mir nicht anhören müssen, wie ihre Kollegin auf der Toilette strullert.“ „Therapieabbruch – Strukturwechsel“ weiterlesen