Ich wünsche mir… Das Geschenk

Liebes Universum,

ich wünsche mir von Sportfreunde Stiller das Lied Das Geschenk. Als ich dieses Lied das erste Mal im Radio gehört habe, hatte ich Gänsehaut und es ging mir durch und durch. Ich dachte nur: Ja! Danke! Danke-danke-danke!!! Das tat soooo gut zu hören.

Mein Wunschzettel ist hier für alle einzusehen: Ingos Liste

Wer schafft es, mir dieses Geschenk zu machen? Der Artikel ist erst ab dem 7. Oktober erhältlich!

Ich würde mir wünschen, dass dieses Lied am 8. September beim Gesundheitstag des DAAD gespielt wird, um möglichst vielen Menschen dieses Unter-die-Haut-Gefühl zu schenken. Aber um mir diesen Wunsch zu erfüllen, müsste man ja beim Radio arbeiten und zufällig an der richtigen Stelle sitzen. Denn das ist ja schon morgen!

Oder, ob ich vielleicht auch selbst etwas tun kann? Ob ich vielleicht einfach mal beim Radio anrufe? Es ist auch nicht schlimm, wenn es erst übermorgen gesendet wird – Hauptsache ich weiß, auf welchem Sender. Am 9. September jährt sich nämlich der Todestag meines Vaters zum zweiten Mal, weshalb ich meine Mutter an ihrem neuen Wohnort im Rheinland besuche.

Und wo wir schon dabei sind… ich wünschte auch, ich hätte selbst die Zeit, mich ins Archiv zu setzen und nach meiner allerersten Veröffentlichung zu fahnden, aber das braucht wohl Heerscharen fleißiger lesebegeisterter Rentner_innen…. also noch etwas warten, Tee trinken und noch ein bissl berühmter werden, lieber Lysander!

Anleitung Therapeutisches Rollenspiel (1. Entwurf)

Liebe Lesenden, der Herr Rollenspieltherapeut erklärt euch heute, wie man ein therapeutisches Rollenspiel spielt.

Für den Einstieg geht es zunächst um die von mir noch nicht getestete Variante des einvernehmlichen Rollenspiels. (Die TPE-Variante ist nur für Fortgeschrittene, funktioniert aber auf jeden Falle und erzeugt zuverlässig eine Verhaltensänderung aller Beteiligten.)

Man nehme einen runden Tisch und für alle beteiligten hinreichend Sitzgelegenheiten. Eine Person – in diesem Falle: ich – übernimmt die Spielleitung. Die Spielleitung achtet darauf, dass die Spielregeln eingehalten werden.

Eine (andere) Person übernimmt die Verantwortung für die Kommunikation und sorgt moderierend dafür, dass bei Bedarf auf die Meta-Ebene (hier: Spieler-Ebene) zurückgekehrt wird. Meta-Kommunikation, also hier die (Feedback-)Gespräche von Spieler zu Spieler sind wichtig zur Beziehungspflege und damit zur Erhaltung tragfähiger Beziehungen (im Übrigen auch: Ehen).

Eine (weitere) Person ist zuständig dafür, dass die Rollen innerhalb des Spiels nicht durcheinander gebracht werden. Das entspricht also einem ingame-Rollenspieltherapeuten. Ein Spielleiter, der das Spiel zu leiten spielt – ich bin ja der Rollenspieltherapeut, der auf Spielerebene die Karten mischt und Rollen zuteilt und somit der outgame-Spielleiter. Der ingame-Spielleiter kontrolliert lediglich die Charaktere und nicht die Spieler.

Vielleicht kann der Herr Rückmann sich einmal hierzu äußern, da er sehr viel Erfahrung mit dem Meistern von RPGs hat. Natürlich freue ich mich auch über die Sichtweise der Psychologiestudentin Miriam Goerke.

Die vierte Person ist schließlich dafür zuständig, dass die Kommunikation zwischen den Charakteren stimmt. Das wäre die ingame-Beziehungspflege.

Alle anderen Spieler_innen sind nur Teilnehmer_innen oder Publikum.

Die Form des Rollenspiels richtet sich nach dem Zweck.

Sitzt man tatsächlich gemeinsam in einem Raum an einem Tisch, so bietet sich an, die verschiedenen Rollen auf Moderationskarten zu notieren. Dies hilft allen, in ihrer Rolle zu bleiben und nicht zu vergessen, welchen Platz in der Geschichte sie haben – der Stuhl, auf dem man sitzt, gerät höchstens bei einem Toilettengang (ob nun mit der ohne Stuhlgang) in Vergessenheit.

Diese Situation lässt sich in einer zusätzlichen Ebene auch einfach nur be-schreiben und so wären wir nicht mehr beim persönlichen Gespräch, sondern bei einer Schreibtherapie gelandet. Diese kann zB online stattfinden über in einem Chat, bei einer Skype-Konferenz oder eben über ein Blog.

Das Schreiben lässt sich wiederum einsparen, wenn man seine Gedanken einfach nur denkt. Das kann allerdings gefährlich werden, weil diese Gedanken nicht von allen Mitspielern lesbar und somit nicht nachweisbar sind – und schon hat man mir eine Psychose angehängt. Und das mir als Ober-Gedankenkontrolleur!

Daher bestehe ich auf der Schriftform. Würde ich an der Line arbeiten, würde ich mir das Geschichtenerzählen bezahlen lassen. Aber dann würde mein Image arg darunter leiden, was im Zusammenhang mit der schmutzigen Phantasie gewisser Saubermänner und Gutmenschen zusammenhängt, die mir so peinliche Fragen nach meiner Berufstätigkeit stellen, weil ihnen nichts bekloppteres für SmallTalk einfällt als DeepThroat – eben die Frage nach meinem Gelderwerb.

Vielleicht gibt es ja irgendwo eine Telefonseelsorge für einfallslose Schriftsteller_innen? Da könnte ich mir gut vorstellen, ein bisschen auszuhelfen und Nachhilfe gleichermaßen in Diktat zu geben. Aber auch damit lande ich wieder beim Telefonsex: Herr Lehrer liest dem faulen Schüler die Leviten – rohrstockfrei!

Ich habe fertig! (Tag 7)

 

@Sonja: Hömma Liebelein, wenn Du mit dem Lesen nicht hinterherkommst, dann lass Dir doch nicht von Ver-rückten vorschreiben, was Du zu lesen hast, Herzchen.

Pass ma uff, jetzt wirste zwangstherapiert, dann weisste auch, was ich damit meine. So und um Missverständnissen vorzubeugen: Die Welt ist mein Zeuge.

Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich. Lest mal die Zeit. Wirklich, die Zeit solltet ihr euch nehmen. (So macht man übrigens double bind, aber das könnt ihr ja schon.)

Und googlet selber, ihr faulen Luschen, ich bin nich eure Tippse!

Ich glaube, wir verstehen uns. Kontaktformular kennt ihr ja mittlerweile dann auch. Lieber Finger von, Kinners, der Papa muss dringend inne Heia und beim Schlafen darf er nicht gestört werden. Einen Tag die Woche werdet ihr ja wohl mal ohne mich auskommen können. Wenigstens am Sonntag. Der Sonntag ist nämlich der Tag des Herrn, oder deutlicher. SONNTAG IST RUHETAG, ALSO RUHE DA OBEN ODER MUSS ICH EUCH ERST ZWANGSTHERAPIEREN IHR SCHNITZELKLOPFER MIT EURER SCHEISSDAUERBAUSTELLE DA!!! WENN IHR IHR EUCH NICHT BALD BEI MIR ENTSCHULDIGT, IHR ARSCHGEIGEN, UND AUFHÖRT MICH ANZULÜGEN, DANN KANN ICH AUCH MAL MIMIMI BEI DER SAGE MACHEN. ICH LASSE MICH NICHT GERN FÜR DUMM VERKAUFEN. WISST IHR EIGENTLICH, DASS ICH EUCH BEIM FICKEN HÖREN KANN? SOLL ICH EUCH MAL NEN HANDWERKER HOCHSCHICKEN UND NE KAMERA INSTALLIEREN BEI EUCH? VERGESST ES EURE SCHEISSVANILLANUMMER KANN ICH NICHT GEBRAUCHEN UND MAL EHRLICH: Friedlich hatten wir ja schon versucht. Also nächstes mal gehe ich mit der ganzen Bagage einfach mal eins höher und erklär denen, warum ich nicht schlafen kann und wisst ihr was? Die sind dann alle auf meiner Seite. So!

Und jetzt hab ich ne schöne Wichsphantasie, da brauch ich nimmer Hand anlegen, da komm ich schon beim Schreiben und wenn ich mir dann vorstelle, dass wir es in aller Öffentlichkeit miteinander treiben und euch keiner glauben wird, dann wisst ihr auch mal endlich, wer hier wenn beobachtet und jetzt ist hoffentlich endlich Ruhe im Karton, sonst sehe ich mich gezwungen, noch ein Stockwerk höher zu eskalieren. Und was dann passiert, muss ich euch ja nun nicht wirklich noch erklären, oder? Falls euch das wirklich entgangen sein sollte: Ich bin nicht total bekloppt, das ist eure versaute Phantasie. Wenn ich mir in die Karten gucken lasse, dann mache ich das mit Absicht. Das ist nen freundlicher Wink mit dem Zaunpfahl. Aber wer nicht hören will, der muss dann eben gedankenvergewaltigt werden oder so ähnlich. Bastelt euch selber euer Happy End, dafür bin ich nicht zuständig.

So, Herr Jost, begreifst Du jetzt, was der Herr Kollege mir angetan hat mit seiner Tipperei? Aber für ausführlich habt ihr ja keine Zeit…. Tja, dann halt nicht. Dachte ihr wollt mir helfen. War ja nur ne Einladung. Wer nicht will, der hat schon. Dann lutscht eure Pillen selber und therapiert euch gegenseitig und ich penne wann ich will und so können wir dann mal zusammenkommen an irgendeinen Tisch, egal ob rund oder eckig, aber ihr wollt mich ja nicht mitspielen lassen oder warum sonst muss man sich bei euch um die Betten prügeln und erst Pillen fressen, damit man bei euch übernachten darf?

Einvernehmlich ist wohl nicht so eure Sache, was? Das kannst ja auch gleich sagen, dann wirste eben zwangstherapiert. Machen wir doch gerne…. Da hätteste aber auch einfach fragen können. Ich tu Dir doch nix, ich will doch nur spielen… Therapeutisches Rollenspiel halt. Meine Fresse, manche haben aber auch ne extralange Leitung. Naja, die glauben mir ja nicht, wenn ich mich zu erkennen gebe, dann kann ich nicht anders. Selber schuld, wenn ihr mich für verrückt halten wollt. Mir ist das nämlich egal, wer mir sonst noch so hinterherlatscht, ich kann auch auf mich selber aufpassen. Und zählt mal meine Follower, 12 ist doch ein Witz dagegen, oder? Den hab ich auf jeden Fall über, also kann ich ja nur noch Godfather himself sein.

Und morgen früh sag ich dann einfach, ich hatte einen feuchten Traum und diesmal versaut ihr mir den nicht, sonst werdet ihr zum Hauptdarsteller in der Opferrolle.

Und mit dem Gedanken kann ich jetzt auch ruhig einschlafen, da habe ich dann keine Angst mehr. So mache ich das, Herr Doktor, aber Du hast ja keine Lust, mehr als die ersten beiden Sätze zu lesen und ich Dir schon anbiete, ne Kopfkinofilmrolle auszusuchen, solltest Du eigentlich artig danke sagen und nicht so tun als wär ich ein kleines Kind, das alleine Angst im Dunkeln hat und bei Mama aufm Arm will, denn solange Du das nicht kapierst, bleibst Du in der Täter_innen-Rolle, aber vielleicht fragt Dich mal eines Tages ein Reporter, was Du so über mich denkst und dann ist mir das egal, was Du denen für Märchen erzählst, weil in meinem Abschiedsbrief ganz deutlich zu lesen ist, dass Du mir das so gesagt hast, dass ich das so machen soll und wenn Dein Chef ausm Urlaub wieder da ist, dann – ja dann… für den Fall überlege ich mir das doch noch mal und dann bleibe ich doch sicherheitshalber konfessionslos, sonst weiß ich nicht, wie die Geschichte weitergeht.

Und deshalb lasse ich das Ende der Geschichte nun an dieser Stelle, sicherlich im Interesse aller, ganz bewusst offen. Nur für den Fall, dass der Arzt das doch nicht böse meinte. Dann können wir nämlich alle gemeinsam zurückrudern in unserem gemeiinsamen Bötchen, gelle. Vielleicht geht ja mein Wunsch auch so in Erfüllung, ohne dass ich nochmal zum Arzt muss. Abwarten und Teetrinken. Baldriantee, sicherheitshalber. Nee, nix da. Ich geh selber in die Küche, sonst kann ich mich wieder nicht dran erinnern, wo ich war. Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser.

Verdunstungskälte bei hochsommerlichen Temperaturen

Ist euch auch so heiß? Für heute sind 30 Grad angesagt und ich habe hier im Appartment einen schönen Erker mit drei Fenstern, aber keine Vorhänge oder gar Plissees. Natürlich bleibt das Fenster geschlossen.

Letztes Jahr, als es auch in Hamburg über 35 Grad waren, hat eine Freundin mir einen Trick verraten: Eine Flasche mit etwas Salzwasser füllen, einfrieren und dann geöffnet unter den Schreibtisch stellen. Durch die Verdunstungskälte, während das gefrorene Salzwasser schmilzt, fällt kalte Luft aus der Flasche nach unten und kühlt die Füße.

Dazu reicht schon sehr wenig Wasser, etwa ein Achtelliter. Für den optimalen Salzgehalt so viel Salz reinfüllen, dass sich kein weiteres Salz mehr im Wasser auflösen lässt. Wenn man mehr als eine Flasche vorbereitet, kann man diese wechseln und während eine gerade die Füße kühlt, die andere Flasche wieder einfrieren.

Wer keine Tiefkühltruhe und somit ideale Bedingungen hat, muss sich keine Sorgen machen: Ich habe hier nur eine Singleküche mit *-Sternefach und es funktioniert trotzdem. Ich habe den Kühlschrank auf die kälteste Stufe gestellt (was natürlich mehr Abwärme produziert…) und die Flasche ist trotzdem innerhalb einer Stunde eingefroren. Durch die Temperaturdifferenz müsste es eigentlich auch bei nur kühlschrankkalter Flasche klappen, allerdings dann mit weniger deutlich spürbarem Effekt.

Skizze Ge-schlecht

Ge-schlecht

Den Beitrag Aktionswoche: Trans*Inter*-Tagung München habe ich aktualisiert und möchte unter dieses Thema erstmal einen Haken machen.

Ich würde mir wünschen, wenn mir meine Vergangenheit nicht immer wieder auf die Füsse fallen würde. In meiner Gegenwart tue ich alles dafür, meine Zukunft entsprechend zu gestalten.

Es gibt die Möglichkeit, bei der Akademie Waldschlösschen eine Qualifizierung als Trans*Berater_in zu erwerben. Die aktuelle Reihe hat gerade im Juni begonnen, eine weitere Reihe ist in Planung.

Das wäre etwas, das mich vielleicht nach der EX-IN-Ausbildung interessiert. Ich möchte aber nicht zu sehr in Zukunftsmusik schwelgen, um mich auch auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.

Ich wünsche mir eine trans*-Community, in der alle an einem Strang ziehen.

Ich wünsche mir eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen trans*- und inter* – Menschen.

Ich wünsche mir mehr gegenseitiges Verständnis zwischen Cisleuten und Transleuten.

Ich wünsche mir, ihr ahnt es… Weltfrieden. Darauf läuft es hinaus. Ich kann aber nur klein anfangen, mir an meine eigene Nase fassen und vor meiner eigenen Haustüre kehren. Wenn das wirklich jeder so machen würde, dann wäre an alle gedacht – theoretisch.

Es gibt noch andere Träumer, die möchte ich hier aber vorerst nicht verlinken. Die träumen auch vom Weltfrieden und wünschen sich – so hab ich das verstanden – dass keine Unterschiede mehr zwischen den Geschlechtern gemacht werden. So ein allumfassendes eines Ober-Geschlecht für alle sozusagen.

Weil so vom Ding her – so sehe ich es wiederum (auch) – jeder Mensch eine männliche und eine weibliche Seite hat. Animus und Anima. Und je nachdem, wie man dann damit umgeht, ob man die Differenzen betont oder die Gemeinsamkeiten betont, wirkt man dann androgyn oder bigender, dh geschlechtslos oder zweigeschlechtlich.

Oder man wirkt eben eindeutig m oder eindeutig w, obwohl man es so ganz streng genommen und mit der Genderlupe besehen eigentlich gar nicht ist.

Wenn ich mir einen Rock anziehe, dann kann ich den als Herrenrock verkaufen, ich kann mir aber auch ganz bewusst etwas anziehen, das als aus der Damenabteilung stammend erkenntlich ist. Dabei haben Textilien gar kein Geschlecht. Sachen gibts…

Mein neues Krafttier nach dem Pegasus (bzw. dem Pferd und dem Adler, welche für mich auch für den Kontakt zu Himmel und Erde standen) ist auf jeden Fall die Schnegge:

Weil die Schnegge ist ein Zwitter. Und die ist auch gar nicht beleidigt, wenn man sie so nennt. Hoff ich mal.

Und ganz im Notfall kann sie sich selbst befruchten, zieht es aber vor, sich mit einer anderen Schnegge zu verpaaren. Das kann ganz schön laaaaaaaaaaaange dauern, bis die sich dann geeinigt haben, wer m und wer w ist. Denk ich mal.

Schonmal Schneggensex beobachtet?

Ich wär ja neugierig, hab aber leider gar keine Zeit dazu. Sonst komme ich ja überhaupt nicht mehr zum Schreiben, also nicht nur nicht zum Buch-Schreiben, sondern auch nimmer zum Bloggen. Und das kann ich uns ja wohl nicht antun.

Die Schnegge ist mir am 17.6. dreimal begegnet. Für mich ganz eindeutig. Am 2. Mai, als ich in dem Zustand war, den die Psychiatrie „Psychose“ nennt, hatte ich bereits Kontakt mit Nacktschnecken, wie ich euch im Zusammenhang mit dem Thema Haut, die mich nochmal auf meine Dünnhäutigkeit hingewiesen hat, berichtete.

Und die Bedeutung (Krafttier Schnecke) hab ich erst hinterher bei meiner Recherche nachgeschlagen, um euch das zu verlinken und mir für den Kopf nochmal eine Bestätigung zu holen, dass ich meiner Intuition vertrauen darf.

Mein Totemtier ist sicherlich die Schildkröte mit dem Vogel, der auf ihr sitzt.

Schon als Kind habe ich mit Begeisterung Die gepanzerte Doris von Ruth Werner gelesen über eine Schildkröte namens Doris Achtermai. An ein 1973 in der DDR erschienenes Buch kann ich nur über unsere Verwandten von drüben gekommen sein – mal Mama fragen…

Und damit das ganze auch wie geplant, in Richtung Zukunft fährt ein schickes Meme mit double bind:

Schnegge volldampf voraus

Schlaf, Cortisol und binaurale Klänge

Georg Parlow ist nicht der einzige, der binaurale Klänge produziert und vertreibt. Aber von ihm habe ich im Rahmen des Onlinehochsensibilitätskongress 2016 erläutert bekommen, wie diese funktionieren.

Auf beide Ohren werden zwei unterschiedliche Töne gegeben, die sich um zB 10 Hz unterscheiden. So wie ich es verstanden habe, wird das Gehirn durch die Frequenzdifferenz künstlich in Tiefschlaf versetzt. In der Tiefschlafphase wird normalerweise das Langzeitstresshormon Cortisol abgebaut.

Ein Quartal lang habe ich damit experimentiert und Stimmungstagebuch geführt. Als Fazit kann ich festhalten, dass ich etwa vier Stunden Schlaf mit einmal binauralen Klängen ersetze. Wenn ich also eine ganze Nacht nicht schlafen kann, höre ich mir die Tonspur zweimal an.

Für mich hat sich diese Methode (Kopfhörer aufsetzen, den Klängen lauschen, dabei ein Mantra wiederholen und ein bestimmtes Bild visualisieren – ich nenne das „beten“) bewährt, um schlaflose Nächte, in denen ich mich unruhig hin- und herwälze und das Gefühl habe, nicht richtig vorbereitet zu sein, im Vorfeld zu vermeiden. So konnte ich auch die Nacht vor dem gestrigen Bewerbungsgespräch schlafen, was für mich einen Erfolg darstellt.

Wichtig war für mich (aus dem „Beipackzettel“) zu erfahren, dass dieses Gefühl, mich noch besser vorbereiten zu müssen, bereits die Folge von zu viel Stress ist und nicht etwa mangelnde Vorbereitung noch mehr Stress verursacht, so dass ich welchen davon durch noch mehr Vorbereitung hätte vermeiden können. Nur so konnte ich diesen Teufelskreis durchbrechen.

Wichtig ist mir dabei zu erwähnen, dass man es nicht übertreiben sollte, da man auch zu wenig Cortisol haben kann, was sehr unangenehm werden kann: Symptome Cortisolmangel

Als Nebenwirkung hatte ich zu Beginn das Gefühl, als wenn mich viele kleine Nadeln stechen, an Armen und Beinen. Dieses hat sich nach einigen Anwendungen nach und nach verloren.

Eine Wechselwirkung konnte ich mit kortisonhaltiger Salbe beobachten. Diese dreimal dünn aufgetragen angewandt führte zu sehr starkem Unwohlsein (siehe Haut), welches sofort rapide nachließ, als ich die binauralen Klänge hörte. Später recherchierte ich und fand heraus, dass Kortison im Körper aus Cortisol hergestellt wird.

Da bei mir die Psychosen immer im Zusammenhang mit fehlendem Schlaf standen und ich immer wieder um meinen Schlaf ringen musste, konnten mir die binauralen Klänge sehr helfen.

Vielleicht lohnt es sich auch für Dich, diese einmal auszuprobieren: binaurale Klänge (deepharmony.net)

HINFALLEN, AUFSTEHEN, KRÖNCHEN RICHTEN, WEITERGEHEN!

Sieh, was Du hast!

Mittwoch, 8. Juni 2016

Vor zehn Jahren, als ich in einer großen schweren Krise steckte, lehrte mich ein sehr weiser Mann:

Sieh nicht, was Du nicht hast. Sieh, was Du hast!

(R.)

Dieses Lenken des Fokus weg von der Misere hin zu dem, was gelungen, was nicht defizitär, sondern erfolgreich ist, ist wohl die wichtigste Lektion, die ich je gelernt habe, wenn es um Techniken geht, die mir beim Überleben helfen, bei meinem tagtäglichen Kampf. Das alles ganz „ohne shrinks“, wie er sich ausdrückte.

Denn die Hilfe kommt, wenn es hart auf hart kommt, ja doch nicht von außen. Schon Reinhard Mey singt davon, dass wir die Kreuzwege des Lebens immer ganz allein gehen. Text: Allein

Deshalb habe ich mir im Laufe der Jahre einige Selbsthilfestrategien erarbeitet, die ich hier im Blog nach und nach mit euch teilen möchte – live und direkt am Beispiel oder auch quasi im Schlaf vortragsmäßig heruntergetippt, weil ich es mittlerweile so sicher beherrsche, wie ich das bei Vokabeln oder beim Einmaleins nie konnte.

Wenn ich vergesse, wer ich bin und was ich kann, dann besinne ich mich darauf, wie am Ende des Beitrags Bunthäuser Spitze, Schwagerbesuch und wie die Psychiatrie (nicht) funktioniert oder notfalls lese ich solche nach.

Immer wieder klopfe ich mir auf die Schulter mit Beiträgen wie Juhu, nun hat Hamburg einen transmännlichen Rettungsschwimmer mehr! und notfalls lese ich solche nach.

Und immer wieder führe ich mir vor Augen, was ich habe:

Ich habe die Möglichkeit, mir einfach zu erlauben, auch mal einen Tag nicht zu funktionieren – bevor ich zusammenbreche und nicht mehr kann, wenn ich es müsste. Ich darf mir auch einfach mal einen Tag frei nehmen ganz ohne externe Termine, ohne Hausarbeit und ohne andere zu erledigende Aufgaben, die ich auch noch einen Tag weiterschieben kann. „Sieh, was Du hast!“ weiterlesen

Rückblick + Teamarbeit

Als Betthupferl für meine fleißigen Leseratten gibt es im letzten Abschnitt dieses Beitrags noch ein Memo an mich, indem ich veranschauliche, wie mein inneres Team zusammenarbeitet. Abkürzung direkt dahin: Memo an mich – Teamarbeit


Ich denke, ein Ruhetag die Woche wird mir ganz gut tun. Ich muss nicht jeden Tag etwas veröffentlichen.

Das nehme ich mir mit für das neue Wochenprogramm für die Woche nach der Tagung. (Ja, das ist auch schon fertig, falls ich den Plan nicht zwischenzeitlich anpassen will.)

Seit ich vor einer Stunde beschlossen habe, noch etwas zu essen und dann ins Bett zu gehen, habe ich mich noch nicht loseisen können. Böser Junge, tztztz!

Los, Pause. Essen. Jetzt!

Ah, prima. Müde bin ich schonmal. In der Küche eben gegähnt. Und festgestellt: Mal aufs Klo ist auch wieder ganz nett nach nunja mittlerweile – OMG Kopfrechnen – siebeneinhalb (24-19 = 5 | + 5,5 = 10,5) 9 Stunden konzentrierter Arbeit, davon eine Stunde Pause vom Bildschirm macht einen handelsüblichen Arbeitstag in Vollzeit.

Falls da jetzt jemand von der Rentenversicherung mitliest: Bitte keine voreiligen Rückschlüsse hinsichtlich meiner Arbeitsfähigkeit ziehen. Den Fehler hatte der homöopathiegläubige Gutachter auch schon gemacht. (Die Geschichte erzähle ich ein andermal.)

Sicherheitshalber erinnere ich noch daran, dass mein letzter Arbeitsausfall sich gerade auf die gesamte vergangene Woche erstreckt. Vom 23.- 29. hätte ich mich krankmelden müssen und das bei recht engmaschiger Betreuung durch meine Genesungsbegleiter. Diese Woche drei Stunden und in der Vorwoche eine Stunde war ich bei der Integrierten Versorgung zum Gespräch.

„Rückblick + Teamarbeit“ weiterlesen

Stimmtraining-Workshop am 18.04.16

Den letzten Termin der Gay-X-Men hatte ich dafür genutzt, einen Stimmtraining-Workshop anzubieten. Meine persönlichen Erfahrungen mit Stimmtraining und meinen Weg, wie ich zu meiner Stimme gefunden habe, hatte ich vorab beschrieben.

Eine aktuelle Stimmprobe von mir kann ich euch nun auch zur Verfügung stellen:

Zum Vergleich noch einmal meine Stimme damals, nach einem Jahr Testo, wie ich den „Herr Otto Mayer“ spreche:

Vor dem Workshop hielt sich meine Aufregung zum Glück in Grenzen, obwohl ich nicht wusste, was auf mich zukommen würde. Würde ich überrannt werden oder alleine dasitzen? Ich habe mich bewusst nicht zu sehr vorbereitet, um nicht zu enttäuscht zu sein, falls alles für die Katz gewesen wäre. Es war eine sehr angenehme Überraschung, dass es eine sehr intensive Begegnung zu zweit werden sollte.

Ich habe vor, die in diesem Workshop vermittelten Übungen auch nach und nach als Videos aufzunehmen und hier zur Verfügung zu stellen. Um euch schonmal einen ungefähren Eindruck zu vermitteln, zeige ich euch mal das Konzept, das ich mir vorher zurechtgelegt hatte:

  1. Atemtechniken, lockern
  2. Knattern  (Übung zur Lockerung des Kehlkopfes, erweitert die Stimmgrenze nach unten)
  3. Brummen wie ein Auto, das in den Kurven quietscht (Kehlkopf lockern)
  4. Summen wie eine Biene (Kehlkopf lockern)
  5. Ausfallschritt und dabei klatschen (Koordination Bewegung und Atem)
  6. Auf dem Thron Platz nehmen (Mentaltechnik, Visualisierung)
  7. Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (kurz PMR, Entspannungstechnik)
  8. Fortschrittstagebuch

Das dahinterstehende Prinzip, wie ich schon auf der Seite Stimmtraining beschrieben habe, ist zunächst die Entspannung sowie die Verbesserung der Körperwahrnehmung und dann die Koordination der Bewegung mit der Atmung. Dieses Prinzip findet sich auch im Sport wieder, ganz besonders deutlich beim Schwimmen – aber auch beim Yoga oder anderer Körperarbeit, bei der PMR oder beim Singen. Da wird jeder etwas finden, das ihm am ehesten zusagt.

Mit meinem Workshopteilnehmer gemeinsam habe ich nicht nur eine Entspannungsübung gemacht, sondern auch zusammen gesungen. Die obige Reihenfolge habe ich dabei nicht eingehalten, aber die Liste war mir eine wichtige Gedankenstütze.

(Wenn man nur einen Teilnehmer hat, ist es doch recht einfach, das Programm auf diesen individuell zuzuschneiden. Je größer das Publikum wird, desto schwieriger wird das, gemeinsame Vorlieben zu finden. Ich glaube, ich bevorzuge doch Einzelsitzungen, um mich besser auf mein Gegenüber einlassen zu können.)

Im Austausch für mein Wissen bin auch ich beschenkt worden. Ich habe den Tip bekommen, als beruhigende Musik Taizé-Lieder zu googlen und mich über MET zu informieren.

Bei letzterem handelt es sich um eine Klopftherapie, die man erlernen und bei sich selbst anwenden kann: MET-Klopftherapie. Für einen Ersteindruck gibt es auch eine schriftliche Anleitung MET/EFT eines Schülers des erstverlinkten Herrn Franke.

Stärken und Schwächen

Jede Schwäche ist eigentlich eine überstarke Stärke.

(Reimar Lüngen)

Heute möchte ich nochmal auf das Thema zurückkommen, das ich im Zusammenhang mit der Wanderung bereits angeschnitten hatte: Stärken und Schwächen.

Ich bin sehr froh, nun endlich dahinter gestiegen zu sein, wie ich mit mir selbst umgehen muss, um in dieser Welt zurechtzukommen. Denn so kann ich nun endlich mein Potential entfalten. Eigentlich alles, was bisher nach Schwächen aussah, sind – bei Drosselung bis in die Angemessenheit – in Wahrheit Stärken.

Ich nutze die von Ulrike Hensel in Hochsensible Menschen im Coaching aufgezählten Stärken und ergänze, wie ich meine Hochsensibilität erlebte, als ich damit noch überfordert war, und stelle dem meinen Lösungsweg zur Drosselung dieser Stärken gegenüber. Nicht jede hochsensible Person (HSP) ist gleich, aber es gibt viele Gemeinsamkeiten.

Als mit mir selbst überforderte HSP war ich schwach. Hochsensibilität ist eine Gabe – Fluch und Segen zugleich. So kam/komme ich von der Überforderung in die Kraft.
Mir droht in der Stadt ständig die Gefahr der Übererregung durch Reizüberflutung. HSP nehmen aufmerksam und umfangreich wahr. Ich nehme in der S-Bahn Kopfhörer mit und höre Musik, mit der ich die Stimmen und andere Geräusche übertöne.
Auch hilft es, mich gezielt auf anderes zu fokussieren, zB ein Buch zu lesen und die Fahrtzeit so zu nutzen.
Bei akuter Übererregung senke ich gezielt das Cortisol mithilfe binauraler Klänge.
Ich sehe oft den Wald vor lauter Bäumen nicht und häufig verschiebt sich mein Fokus auf negative Aspekte. Dadurch neige ich zu Depressionen. HSP haben einen Blick für Details und Nuancen. Fortschritt statt Perfektion!
Ich führe Tagebuch, um Dinge mit innerem emotionalem Abstand betrachten zu können.
Manchmal bin ich zu sehr von mir selbst überzeugt und habe gelegentlich eine Tendenz zu Größenwahn. HSP nehmen subtil wahr und bekommen viel mit. Gedanken lesen kann ich nur, wenn man sie mir aufschreibt!
Ich muss immer im Hinterkopf behalten, dass ich sehr häufig nur Vermutungen ausspreche. Wirklich sicher sein, was in einer anderen Person vorgeht, kann ich recht selten, auch wenn ich oft ins Schwarze treffe.
Ich brauche manchmal sehr lange für bestimmte Aufgaben. Gerade bei der Entscheidungsfindung bin ich sehr langsam. Wenn ich versuche, in die Tiefe und in die Breite zu gehen, überfordere ich mich. Daran bin ich sowohl in der Kochprüfung als auch während des Studiums gescheitert. In der Küche war ich „zu langsam“, dagegen im Büro „zu schnell“.

Smalltalk habe ich gehasst, war lange Zeit bekennender Smalltalk-Versager.

HSP gehen in die Tiefe. Ich kann nicht alles können. Ich muss mich auf bestimmte Bereiche beschränken, in denen ich mehr als Halbwissen aufbauen kann. Ich suche mir die Bereiche gezielt aus, in denen ich im die Tiefe gehen will. So muss ich insgesamt weniger Informationen verarbeiten.

Auch Smalltalk erfüllt seinen Zweck: Man kommuniziert hauptsächlich auf der Beziehungsebene. Die Sachinformation der Nachricht steht im Hintergrund.

Mir wurde schon oft gesagt, ich soll nicht zu viel nachdenken. Tatsächlich habe ich einen Hang zum Grübeln, der leider auch in unproduktive Gedankenkreise in Richtung depressive Verstimmung abrutschen kann. HSP denken gründlich nach. Eine hohe Selbstreflektion ist von Vorteil, so lange ich mich selbst liebevoll und wohlwollend betrachte, mich selbst und (nicht nur) meine Fähigkeiten und Leistungen anerkenne und wertschätze. Dabei hilft mir ein Fortschrittstagebuch, weil meine Selbstwahrnehmung von meiner Stimmung beeinflusst wird.
Ich zerbreche mir oft anderer Leute Kopf und habe manchmal Schwierigkeiten, meinen Aufgabenbereich abzugrenzen. HSP denken ganzheitlich und vernetzt. Für mich ist hilfreich, wenn mein Aufgabenbereich klar abgegrenzt ist. Darum kann ich auch (m)einen Arbeitgeber bitten. Mittlerweile achte ich sehr genau darauf, was wirklich im Bereich meiner Veranwortung liegt und für was ich nicht zuständig bin.
Ganz bewusst Denk-Schubladen zu benutzen und dabei fließende Grenzen zu akzentuieren schafft Ordnung und entkompliziert einiges, weil ich dann nur noch innerhalb des gedachten Kastens denken muss und es mir leichter fällt, alles außerhalb als »zur Aufgabenerfüllung nicht relevant« einzustufen.
Ich brauche lange, um mich auf Neues einzulassen.

Früher habe ich fast nur in Luftschlössern gelebt und mich völlig überplant. Wenn es zu Planabweichungen kam, war ich völlig frustriert und fühlte mich als Versager.

HSP sind umsichtig und vorsichtig. Veränderungen gehe ich schrittweise an und vermeide radikale Umbrüche.

Ich kann das Leben nicht planen und lasse bewusst Spielraum für Improvisation.

Ich neige dazu, mich zu überfordern, weil ich Bedürfnisse anderer über meine eigenen stelle.
Gerade als Maniker neige ich zur Übermotivation und zu Überengagement.
HSP sind engagiert und pflichtbewusst. Mittlerweile achte ich sehr genau darauf, was wirklich im Bereich meiner Veranwortung liegt und für was ich nicht zuständig bin.

Bevor ich neue Aufgaben übernehme, überlege ich mir das sehr gründlich, ob ich das auch tatsächlich tun will, was ich davon habe und ob nicht nur die Aufgabe danach schreit, erledigt zu werden.

Mein Anspruch an mich selbst ist sehr hoch. Schon oft bin ich an meinen eigenen Zielen gescheitert, weil ich sie zu hoch steckte. HSP sind werteorientiert und idealistisch. Babyschritte führen zum Erfolg!

Ich frage mich: Ist das Ziel überhaupt erreichbar?

In manischen Phasen habe ich viel zu viele Ideen und kann gar nicht alle umsetzen. HSP verfügen über ein reiches kreatives Potential. Um nicht tausend Dinge anzufangen und nichts davon zu vollenden, führe ich Listen mit meinen Vorhaben und arbeite diese systematisch der Reihe nach ab. Dabei fange ich mit dem an, woran mein Herz am meisten hängt. Manches streiche ich auch wieder, wenn ich zwischenzeitlich eine bessere Idee bekommen habe.
Wenn ich sehr dünnhäutig bin, bin ich auch sehr verletzlich.

Da braucht es dann nur noch einen einzigen Tropfen, um das Faß zum Überlaufen zu bringen.

HSP sind gefühlsstark. Einen Stimmungskalender zu führen, hat mir sehr dabei geholfen, möglichst ausgeglichen zu bleiben. Dennoch lasse ich tiefe Gefühle auch bewusst zu und genieße sie – und konserviere sie gelegentlich in Textform.

Wenn ich dünnhäutig bin, beantworte ich eMails etc. nicht im Affekt, telefoniere nicht und ziehe mich insgesamt zurück. Ich brauche dann viel mehr Zeit für mich als sonst, bis sich die Wogen innerlich wieder geglättet haben.

Früher bin ich oft zum Kummerkastenonkel verkommen, bin in der Helfer- und Ratgeberrolle regelrecht aufgeblüht bis zur Übererschöpfung. Immer wieder fühlte ich mich ausgenutzt. HSP haben ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen. Ich muss zuerst an mich selbst denken. Bei Beziehungen zu Freunden achte ich darauf, dass diese sich nicht komplementär entwickeln.
Sehr lange Zeit konnte ich mit meiner Intuition nichts anfangen, fühlte mich nur hin- und hergerissen. Dann fing ich an, meinem Herzen zu folgen und handelte oft impulsiv (manische Episode). HSP verfügen über ein ausgeprägtes Bauchgefühl. Nicht nur auf die Intuition hören, auch den Kopf einschalten. Der Verstand ist dazu da, nüchtern abzuwägen. Nicht jedem Impuls sofort unkontrolliert nachgeben. Die wirklich wichtigen kommen wieder, die verpasse ich schon nicht.

Unterm Strich spricht das alles dafür, dass ich als Genesungsbegleiter genauso gut geeignet sein werde wie als Schriftsteller.

Wenn Du keine HSP bist, aber vielleicht eine F-Diagnose mit ganz ähnlichen Schwierigkeiten bekommen hast, kannst Du vielleicht dennoch von meinen Maßnahmen zur Selbstregulation profitieren. Eine Art „Erste Hilfe“ habe ich bereits auf den Seiten Manie und Depression beschrieben. Bei Fragen dazu schreib mich einfach an.

Leider kann ich nicht mit Sicherheit sagen, ob es mir heute nur deshalb so gut geht, weil ich seit vier Jahren falsch diagnostiziert bin und in Wirklichkeit „einfach nur hochsensibel“ – Hochsensibilität ist keine Krankheit! – oder ob mich gerade meine Hochsensibilität dazu befähigt hat, von der schizo-affektiven Störung zu genesen, weil ich mich so sehr genau wahrnehmen, beobachten und reflektieren kann.

Wie ver-rückt ist verrückt? Die Dosis macht das Gift.

Meiner Erfahrung nach findet sich – vorsichtshalber mal beschränkt auf Gedankengänge – alles, was als psychotische Symptome als pathogen eingestuft wird, in einer weniger deutlich ausgeprägten Variante im Bereich des Normalen auch bei Gesunden wieder – zum Beispiel als Abwehrstrategie. Ich erlebe die Übergänge da als sehr fließend und habe Schwierigkeiten, da trennscharf zu unterscheiden, wann mein Denken „gesund“ und wann es „krank“ sein soll.

Für meine Lebensgestaltung ist die Klärung dieser Frage, ob die Diagnose nun zutraf oder nicht, allerdings nicht mehr relevant. Aus meiner Sicht ist es eine Frage der Skalierung, bis die Grenze zur Pathogenität überschritten ist.

Aus grübelnden Gedankenkreisen voller Selbstzweifel werden Depressionen, aus bislang unterdrückter Kreativität und nun plötzlich ungezügeltem Schaffensdrang wird Manie und der zu tiefe, weil viel zu lange hinausgeschobene Blick ins eigene Innenleben wird zur Psychose: Aus allzu gut ausgebauten Luftschlössern wird Wahn und die Grenzen zwischen Phantasie und Realität verschwimmen. Der eigenen Wahrnehmung wird beim Auftreten von Halluzinationen schließlich zu Recht misstraut.

Von der Zwangspause (ich flog durch Erkrankung bzw. Nebenwirkungen der Medikamente wider Willen vom Arbeitsmarkt) und den Therapien in der Zeit nach der Diagnose habe ich sehr profitiert. Ich wurde durch die Psychose dazu gezwungen, mich mit meiner Biographie und abermals mit meiner Identität auseinanderzusetzen und lernte, dass auch ich ein Recht auf Alleinzeit habe. Heute erlaube ich es mir, diese Zeit für mich selbst auch ganz bewusst zu gestalten und zu genießen und mache mir keine Vorwürfe mehr dafür, dass ich diese mehr als andere brauche.

Im Rahmen der Ergotherapie wurde ich dazu angeregt, mich überhaupt erstmals zu fragen, was ich denn will. Auf die Idee, ich dürfe selbst auch eigene Bedürfnisse haben oder diese gar anmelden bis hin zu durchsetzen, war ich vorher gar nicht gekommen. Viel zu sehr war ich darauf fokussiert, den Erwartungen anderer zu entsprechen, gefallen zu wollen und nur ja alles richtig machen zu wollen.

Seit ich nicht mehr versuche, ein anderer zu sein, „normal“ zu sein, sondern mich so angenommen habe wie ich bin, bin ich sehr viel zufriedener mit mir selbst und kann die Frage, ob ich glücklich bin, bejahen.

Mein Weg zur Vorbeugung weiterer akuter Episoden ist die Akzeptanz meiner (bisher) vermeintlich unangemessenen Wünsche und das Ausleben meiner Bedürfnisse, solange diese Wünsche noch klein sind. Mehrmals im Jahr eine Tagestour wandern oder einmal im Jahr zwei oder drei Wochen am Stück ist im Rahmen, ein halbes oder ganzes Jahr durch Neuseeland wandern ist dann vielleicht doch übertrieben.

Wenn Du selbst auch HSP bist, können Dir meine Tricks vielleicht auch helfen, mit Deiner Sensibilität besser umzugehen. Wenn Du noch Fragen zu meiner obigen Auflistung (oder auch andere) hast, kannst Du mich gerne über das Kontaktformular anschreiben oder unter dem Beitrag kommentieren.