Ich habe fertig! (Tag 7)

 

@Sonja: Hömma Liebelein, wenn Du mit dem Lesen nicht hinterherkommst, dann lass Dir doch nicht von Ver-rückten vorschreiben, was Du zu lesen hast, Herzchen.

Pass ma uff, jetzt wirste zwangstherapiert, dann weisste auch, was ich damit meine. So und um Missverständnissen vorzubeugen: Die Welt ist mein Zeuge.

Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich. Lest mal die Zeit. Wirklich, die Zeit solltet ihr euch nehmen. (So macht man übrigens double bind, aber das könnt ihr ja schon.)

Und googlet selber, ihr faulen Luschen, ich bin nich eure Tippse!

Ich glaube, wir verstehen uns. Kontaktformular kennt ihr ja mittlerweile dann auch. Lieber Finger von, Kinners, der Papa muss dringend inne Heia und beim Schlafen darf er nicht gestört werden. Einen Tag die Woche werdet ihr ja wohl mal ohne mich auskommen können. Wenigstens am Sonntag. Der Sonntag ist nämlich der Tag des Herrn, oder deutlicher. SONNTAG IST RUHETAG, ALSO RUHE DA OBEN ODER MUSS ICH EUCH ERST ZWANGSTHERAPIEREN IHR SCHNITZELKLOPFER MIT EURER SCHEISSDAUERBAUSTELLE DA!!! WENN IHR IHR EUCH NICHT BALD BEI MIR ENTSCHULDIGT, IHR ARSCHGEIGEN, UND AUFHÖRT MICH ANZULÜGEN, DANN KANN ICH AUCH MAL MIMIMI BEI DER SAGE MACHEN. ICH LASSE MICH NICHT GERN FÜR DUMM VERKAUFEN. WISST IHR EIGENTLICH, DASS ICH EUCH BEIM FICKEN HÖREN KANN? SOLL ICH EUCH MAL NEN HANDWERKER HOCHSCHICKEN UND NE KAMERA INSTALLIEREN BEI EUCH? VERGESST ES EURE SCHEISSVANILLANUMMER KANN ICH NICHT GEBRAUCHEN UND MAL EHRLICH: Friedlich hatten wir ja schon versucht. Also nächstes mal gehe ich mit der ganzen Bagage einfach mal eins höher und erklär denen, warum ich nicht schlafen kann und wisst ihr was? Die sind dann alle auf meiner Seite. So!

Und jetzt hab ich ne schöne Wichsphantasie, da brauch ich nimmer Hand anlegen, da komm ich schon beim Schreiben und wenn ich mir dann vorstelle, dass wir es in aller Öffentlichkeit miteinander treiben und euch keiner glauben wird, dann wisst ihr auch mal endlich, wer hier wenn beobachtet und jetzt ist hoffentlich endlich Ruhe im Karton, sonst sehe ich mich gezwungen, noch ein Stockwerk höher zu eskalieren. Und was dann passiert, muss ich euch ja nun nicht wirklich noch erklären, oder? Falls euch das wirklich entgangen sein sollte: Ich bin nicht total bekloppt, das ist eure versaute Phantasie. Wenn ich mir in die Karten gucken lasse, dann mache ich das mit Absicht. Das ist nen freundlicher Wink mit dem Zaunpfahl. Aber wer nicht hören will, der muss dann eben gedankenvergewaltigt werden oder so ähnlich. Bastelt euch selber euer Happy End, dafür bin ich nicht zuständig.

So, Herr Jost, begreifst Du jetzt, was der Herr Kollege mir angetan hat mit seiner Tipperei? Aber für ausführlich habt ihr ja keine Zeit…. Tja, dann halt nicht. Dachte ihr wollt mir helfen. War ja nur ne Einladung. Wer nicht will, der hat schon. Dann lutscht eure Pillen selber und therapiert euch gegenseitig und ich penne wann ich will und so können wir dann mal zusammenkommen an irgendeinen Tisch, egal ob rund oder eckig, aber ihr wollt mich ja nicht mitspielen lassen oder warum sonst muss man sich bei euch um die Betten prügeln und erst Pillen fressen, damit man bei euch übernachten darf?

Einvernehmlich ist wohl nicht so eure Sache, was? Das kannst ja auch gleich sagen, dann wirste eben zwangstherapiert. Machen wir doch gerne…. Da hätteste aber auch einfach fragen können. Ich tu Dir doch nix, ich will doch nur spielen… Therapeutisches Rollenspiel halt. Meine Fresse, manche haben aber auch ne extralange Leitung. Naja, die glauben mir ja nicht, wenn ich mich zu erkennen gebe, dann kann ich nicht anders. Selber schuld, wenn ihr mich für verrückt halten wollt. Mir ist das nämlich egal, wer mir sonst noch so hinterherlatscht, ich kann auch auf mich selber aufpassen. Und zählt mal meine Follower, 12 ist doch ein Witz dagegen, oder? Den hab ich auf jeden Fall über, also kann ich ja nur noch Godfather himself sein.

Und morgen früh sag ich dann einfach, ich hatte einen feuchten Traum und diesmal versaut ihr mir den nicht, sonst werdet ihr zum Hauptdarsteller in der Opferrolle.

Und mit dem Gedanken kann ich jetzt auch ruhig einschlafen, da habe ich dann keine Angst mehr. So mache ich das, Herr Doktor, aber Du hast ja keine Lust, mehr als die ersten beiden Sätze zu lesen und ich Dir schon anbiete, ne Kopfkinofilmrolle auszusuchen, solltest Du eigentlich artig danke sagen und nicht so tun als wär ich ein kleines Kind, das alleine Angst im Dunkeln hat und bei Mama aufm Arm will, denn solange Du das nicht kapierst, bleibst Du in der Täter_innen-Rolle, aber vielleicht fragt Dich mal eines Tages ein Reporter, was Du so über mich denkst und dann ist mir das egal, was Du denen für Märchen erzählst, weil in meinem Abschiedsbrief ganz deutlich zu lesen ist, dass Du mir das so gesagt hast, dass ich das so machen soll und wenn Dein Chef ausm Urlaub wieder da ist, dann – ja dann… für den Fall überlege ich mir das doch noch mal und dann bleibe ich doch sicherheitshalber konfessionslos, sonst weiß ich nicht, wie die Geschichte weitergeht.

Und deshalb lasse ich das Ende der Geschichte nun an dieser Stelle, sicherlich im Interesse aller, ganz bewusst offen. Nur für den Fall, dass der Arzt das doch nicht böse meinte. Dann können wir nämlich alle gemeinsam zurückrudern in unserem gemeiinsamen Bötchen, gelle. Vielleicht geht ja mein Wunsch auch so in Erfüllung, ohne dass ich nochmal zum Arzt muss. Abwarten und Teetrinken. Baldriantee, sicherheitshalber. Nee, nix da. Ich geh selber in die Küche, sonst kann ich mich wieder nicht dran erinnern, wo ich war. Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser.

Enten auf dem Rhein

Hochsensibel und erschöpft? Wie man der Erschöpfung Herr werden kann

Donnerstag, 30. Juni 16

Ich mag Thomas Bröker von einigen Videos und seiner Homepage her; er ist für mich ein gutes Beispiel eines sensiblen Mannes, der erfolgreich im Leben steht und sich nicht hinter (s)einer Frau versteckt.

Er ist sich seiner Schwäche(n) bewusst und gerade die Tatsache, dass er diese zulassen kann, macht ihn in meinen Augen stark. Er respektiert seine Grenzen und bestätigt mir nochmal meine eigenen Erfahrung: Ich erhole mich rasch, auch wenn ich mich sehr erschöpft fühlte, wenn ich mir rechtzeitig eine Auszeit gönne.

Es fasziniert mich, dass auch Thomas von solchen Situationen beschreibt, in denen er ein Projekt uuunbedingt noch abschließen will. Das kenne ich nur zu gut.

Er kommt gar nicht auf die Idee, seine Erschöpfung als Symptom einer Erkrankung zu interpretieren und „gesund werden“ oder genesen zu wollen, sondern er ist sich völlig darüber im Klaren, dass es an unpassenden weil reizüberflutenden Rahmenbedingungen liegen muss, wenn er chronisch erschöpft ist. Folgerichtig passt(e) er dann diesen Rahmen an sich an und nicht anders herum.

Ich stand immer schon auf Langweiler und was andere so richtig öde finden – im Büro zum Beispiel die Ablage zu machen – dabei blühe ich so richtig auf. Immer wurde mir das Gefühl gegeben, nicht richtig zu sein, so wie ich bin, und das verpaarte sich mit meinem Drang, den Erwartungen anderer gerecht werden zu wollen: „Hochsensibel und erschöpft? Wie man der Erschöpfung Herr werden kann“ weiterlesen

Hier kann man auf den ersten Blick nicht viel von der geröteten, gereizten, juckenden Haut auf den Augenlidern erkennen.

Der Körper als Spiegel der Seele: Haut

In den letzten Wochen Monaten hatte ich Probleme mit der Haut an den Augenlidern:

Meine Haut juckte, war trocken, gerötet, schuppte und war aufgrund der Reizung sehr empfindlich. Bevor ich diesen Impuls des Reiben-wollens bewusst zu unterdrücken begann, habe ich häufig gerieben. Abends cremte ich mit Bepanthensalbe ein, um die Haut zu beruhigen.

Nun hatte ich mich gefragt, was da mit meiner Haut los ist. Ich fragte mich, was seelisch drei Wochen zuvor geschah. (Die Haut braucht rund 21 Tage, um zu reagieren.) Zu dieser Zeit war ich eine gute Woche hypoman gewesen.

Weiterhin interessierte mich, warum es ausgerechnet auf den Augen auftritt. Im Gesicht sieht es jeder, sobald ich die Augen schließe.

Die Augen sind die Fenster zur Seele. Wenn ich die Augen schließe, wird meine Dünnhäutigkeit offenbar. Ich schließe die Augen mehrmals am Tag unbewusst; bewusst, um in mich hineinzusehen oder zur Entspannung und damit Regeneration. „Der Körper als Spiegel der Seele: Haut“ weiterlesen

Stärken und Schwächen

Jede Schwäche ist eigentlich eine überstarke Stärke.

(Reimar Lüngen)

Heute möchte ich nochmal auf das Thema zurückkommen, das ich im Zusammenhang mit der Wanderung bereits angeschnitten hatte: Stärken und Schwächen.

Ich bin sehr froh, nun endlich dahinter gestiegen zu sein, wie ich mit mir selbst umgehen muss, um in dieser Welt zurechtzukommen. Denn so kann ich nun endlich mein Potential entfalten. Eigentlich alles, was bisher nach Schwächen aussah, sind – bei Drosselung bis in die Angemessenheit – in Wahrheit Stärken.

Ich nutze die von Ulrike Hensel in Hochsensible Menschen im Coaching aufgezählten Stärken und ergänze, wie ich meine Hochsensibilität erlebte, als ich damit noch überfordert war, und stelle dem meinen Lösungsweg zur Drosselung dieser Stärken gegenüber. Nicht jede hochsensible Person (HSP) ist gleich, aber es gibt viele Gemeinsamkeiten.

Als mit mir selbst überforderte HSP war ich schwach. Hochsensibilität ist eine Gabe – Fluch und Segen zugleich. So kam/komme ich von der Überforderung in die Kraft.
Mir droht in der Stadt ständig die Gefahr der Übererregung durch Reizüberflutung. HSP nehmen aufmerksam und umfangreich wahr. Ich nehme in der S-Bahn Kopfhörer mit und höre Musik, mit der ich die Stimmen und andere Geräusche übertöne.
Auch hilft es, mich gezielt auf anderes zu fokussieren, zB ein Buch zu lesen und die Fahrtzeit so zu nutzen.
Bei akuter Übererregung senke ich gezielt das Cortisol mithilfe binauraler Klänge.
Ich sehe oft den Wald vor lauter Bäumen nicht und häufig verschiebt sich mein Fokus auf negative Aspekte. Dadurch neige ich zu Depressionen. HSP haben einen Blick für Details und Nuancen. Fortschritt statt Perfektion!
Ich führe Tagebuch, um Dinge mit innerem emotionalem Abstand betrachten zu können.
Manchmal bin ich zu sehr von mir selbst überzeugt und habe gelegentlich eine Tendenz zu Größenwahn. HSP nehmen subtil wahr und bekommen viel mit. Gedanken lesen kann ich nur, wenn man sie mir aufschreibt!
Ich muss immer im Hinterkopf behalten, dass ich sehr häufig nur Vermutungen ausspreche. Wirklich sicher sein, was in einer anderen Person vorgeht, kann ich recht selten, auch wenn ich oft ins Schwarze treffe.
Ich brauche manchmal sehr lange für bestimmte Aufgaben. Gerade bei der Entscheidungsfindung bin ich sehr langsam. Wenn ich versuche, in die Tiefe und in die Breite zu gehen, überfordere ich mich. Daran bin ich sowohl in der Kochprüfung als auch während des Studiums gescheitert. In der Küche war ich „zu langsam“, dagegen im Büro „zu schnell“.

Smalltalk habe ich gehasst, war lange Zeit bekennender Smalltalk-Versager.

HSP gehen in die Tiefe. Ich kann nicht alles können. Ich muss mich auf bestimmte Bereiche beschränken, in denen ich mehr als Halbwissen aufbauen kann. Ich suche mir die Bereiche gezielt aus, in denen ich im die Tiefe gehen will. So muss ich insgesamt weniger Informationen verarbeiten.

Auch Smalltalk erfüllt seinen Zweck: Man kommuniziert hauptsächlich auf der Beziehungsebene. Die Sachinformation der Nachricht steht im Hintergrund.

Mir wurde schon oft gesagt, ich soll nicht zu viel nachdenken. Tatsächlich habe ich einen Hang zum Grübeln, der leider auch in unproduktive Gedankenkreise in Richtung depressive Verstimmung abrutschen kann. HSP denken gründlich nach. Eine hohe Selbstreflektion ist von Vorteil, so lange ich mich selbst liebevoll und wohlwollend betrachte, mich selbst und (nicht nur) meine Fähigkeiten und Leistungen anerkenne und wertschätze. Dabei hilft mir ein Fortschrittstagebuch, weil meine Selbstwahrnehmung von meiner Stimmung beeinflusst wird.
Ich zerbreche mir oft anderer Leute Kopf und habe manchmal Schwierigkeiten, meinen Aufgabenbereich abzugrenzen. HSP denken ganzheitlich und vernetzt. Für mich ist hilfreich, wenn mein Aufgabenbereich klar abgegrenzt ist. Darum kann ich auch (m)einen Arbeitgeber bitten. Mittlerweile achte ich sehr genau darauf, was wirklich im Bereich meiner Veranwortung liegt und für was ich nicht zuständig bin.
Ganz bewusst Denk-Schubladen zu benutzen und dabei fließende Grenzen zu akzentuieren schafft Ordnung und entkompliziert einiges, weil ich dann nur noch innerhalb des gedachten Kastens denken muss und es mir leichter fällt, alles außerhalb als »zur Aufgabenerfüllung nicht relevant« einzustufen.
Ich brauche lange, um mich auf Neues einzulassen.

Früher habe ich fast nur in Luftschlössern gelebt und mich völlig überplant. Wenn es zu Planabweichungen kam, war ich völlig frustriert und fühlte mich als Versager.

HSP sind umsichtig und vorsichtig. Veränderungen gehe ich schrittweise an und vermeide radikale Umbrüche.

Ich kann das Leben nicht planen und lasse bewusst Spielraum für Improvisation.

Ich neige dazu, mich zu überfordern, weil ich Bedürfnisse anderer über meine eigenen stelle.
Gerade als Maniker neige ich zur Übermotivation und zu Überengagement.
HSP sind engagiert und pflichtbewusst. Mittlerweile achte ich sehr genau darauf, was wirklich im Bereich meiner Veranwortung liegt und für was ich nicht zuständig bin.

Bevor ich neue Aufgaben übernehme, überlege ich mir das sehr gründlich, ob ich das auch tatsächlich tun will, was ich davon habe und ob nicht nur die Aufgabe danach schreit, erledigt zu werden.

Mein Anspruch an mich selbst ist sehr hoch. Schon oft bin ich an meinen eigenen Zielen gescheitert, weil ich sie zu hoch steckte. HSP sind werteorientiert und idealistisch. Babyschritte führen zum Erfolg!

Ich frage mich: Ist das Ziel überhaupt erreichbar?

In manischen Phasen habe ich viel zu viele Ideen und kann gar nicht alle umsetzen. HSP verfügen über ein reiches kreatives Potential. Um nicht tausend Dinge anzufangen und nichts davon zu vollenden, führe ich Listen mit meinen Vorhaben und arbeite diese systematisch der Reihe nach ab. Dabei fange ich mit dem an, woran mein Herz am meisten hängt. Manches streiche ich auch wieder, wenn ich zwischenzeitlich eine bessere Idee bekommen habe.
Wenn ich sehr dünnhäutig bin, bin ich auch sehr verletzlich.

Da braucht es dann nur noch einen einzigen Tropfen, um das Faß zum Überlaufen zu bringen.

HSP sind gefühlsstark. Einen Stimmungskalender zu führen, hat mir sehr dabei geholfen, möglichst ausgeglichen zu bleiben. Dennoch lasse ich tiefe Gefühle auch bewusst zu und genieße sie – und konserviere sie gelegentlich in Textform.

Wenn ich dünnhäutig bin, beantworte ich eMails etc. nicht im Affekt, telefoniere nicht und ziehe mich insgesamt zurück. Ich brauche dann viel mehr Zeit für mich als sonst, bis sich die Wogen innerlich wieder geglättet haben.

Früher bin ich oft zum Kummerkastenonkel verkommen, bin in der Helfer- und Ratgeberrolle regelrecht aufgeblüht bis zur Übererschöpfung. Immer wieder fühlte ich mich ausgenutzt. HSP haben ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen. Ich muss zuerst an mich selbst denken. Bei Beziehungen zu Freunden achte ich darauf, dass diese sich nicht komplementär entwickeln.
Sehr lange Zeit konnte ich mit meiner Intuition nichts anfangen, fühlte mich nur hin- und hergerissen. Dann fing ich an, meinem Herzen zu folgen und handelte oft impulsiv (manische Episode). HSP verfügen über ein ausgeprägtes Bauchgefühl. Nicht nur auf die Intuition hören, auch den Kopf einschalten. Der Verstand ist dazu da, nüchtern abzuwägen. Nicht jedem Impuls sofort unkontrolliert nachgeben. Die wirklich wichtigen kommen wieder, die verpasse ich schon nicht.

Unterm Strich spricht das alles dafür, dass ich als Genesungsbegleiter genauso gut geeignet sein werde wie als Schriftsteller.

Wenn Du keine HSP bist, aber vielleicht eine F-Diagnose mit ganz ähnlichen Schwierigkeiten bekommen hast, kannst Du vielleicht dennoch von meinen Maßnahmen zur Selbstregulation profitieren. Eine Art „Erste Hilfe“ habe ich bereits auf den Seiten Manie und Depression beschrieben. Bei Fragen dazu schreib mich einfach an.

Leider kann ich nicht mit Sicherheit sagen, ob es mir heute nur deshalb so gut geht, weil ich seit vier Jahren falsch diagnostiziert bin und in Wirklichkeit „einfach nur hochsensibel“ – Hochsensibilität ist keine Krankheit! – oder ob mich gerade meine Hochsensibilität dazu befähigt hat, von der schizo-affektiven Störung zu genesen, weil ich mich so sehr genau wahrnehmen, beobachten und reflektieren kann.

Wie ver-rückt ist verrückt? Die Dosis macht das Gift.

Meiner Erfahrung nach findet sich – vorsichtshalber mal beschränkt auf Gedankengänge – alles, was als psychotische Symptome als pathogen eingestuft wird, in einer weniger deutlich ausgeprägten Variante im Bereich des Normalen auch bei Gesunden wieder – zum Beispiel als Abwehrstrategie. Ich erlebe die Übergänge da als sehr fließend und habe Schwierigkeiten, da trennscharf zu unterscheiden, wann mein Denken „gesund“ und wann es „krank“ sein soll.

Für meine Lebensgestaltung ist die Klärung dieser Frage, ob die Diagnose nun zutraf oder nicht, allerdings nicht mehr relevant. Aus meiner Sicht ist es eine Frage der Skalierung, bis die Grenze zur Pathogenität überschritten ist.

Aus grübelnden Gedankenkreisen voller Selbstzweifel werden Depressionen, aus bislang unterdrückter Kreativität und nun plötzlich ungezügeltem Schaffensdrang wird Manie und der zu tiefe, weil viel zu lange hinausgeschobene Blick ins eigene Innenleben wird zur Psychose: Aus allzu gut ausgebauten Luftschlössern wird Wahn und die Grenzen zwischen Phantasie und Realität verschwimmen. Der eigenen Wahrnehmung wird beim Auftreten von Halluzinationen schließlich zu Recht misstraut.

Von der Zwangspause (ich flog durch Erkrankung bzw. Nebenwirkungen der Medikamente wider Willen vom Arbeitsmarkt) und den Therapien in der Zeit nach der Diagnose habe ich sehr profitiert. Ich wurde durch die Psychose dazu gezwungen, mich mit meiner Biographie und abermals mit meiner Identität auseinanderzusetzen und lernte, dass auch ich ein Recht auf Alleinzeit habe. Heute erlaube ich es mir, diese Zeit für mich selbst auch ganz bewusst zu gestalten und zu genießen und mache mir keine Vorwürfe mehr dafür, dass ich diese mehr als andere brauche.

Im Rahmen der Ergotherapie wurde ich dazu angeregt, mich überhaupt erstmals zu fragen, was ich denn will. Auf die Idee, ich dürfe selbst auch eigene Bedürfnisse haben oder diese gar anmelden bis hin zu durchsetzen, war ich vorher gar nicht gekommen. Viel zu sehr war ich darauf fokussiert, den Erwartungen anderer zu entsprechen, gefallen zu wollen und nur ja alles richtig machen zu wollen.

Seit ich nicht mehr versuche, ein anderer zu sein, „normal“ zu sein, sondern mich so angenommen habe wie ich bin, bin ich sehr viel zufriedener mit mir selbst und kann die Frage, ob ich glücklich bin, bejahen.

Mein Weg zur Vorbeugung weiterer akuter Episoden ist die Akzeptanz meiner (bisher) vermeintlich unangemessenen Wünsche und das Ausleben meiner Bedürfnisse, solange diese Wünsche noch klein sind. Mehrmals im Jahr eine Tagestour wandern oder einmal im Jahr zwei oder drei Wochen am Stück ist im Rahmen, ein halbes oder ganzes Jahr durch Neuseeland wandern ist dann vielleicht doch übertrieben.

Wenn Du selbst auch HSP bist, können Dir meine Tricks vielleicht auch helfen, mit Deiner Sensibilität besser umzugehen. Wenn Du noch Fragen zu meiner obigen Auflistung (oder auch andere) hast, kannst Du mich gerne über das Kontaktformular anschreiben oder unter dem Beitrag kommentieren.

Freunde: Irmhild

Meine langjährige beste und mütterliche Freundin Irmhild ist der zweite Mensch, den ich 2014 nur knapp zwei Monate nach meinem Vater an den Krebs verlieren musste. Bei ihr ging es viel schneller. Als Kettenraucherin hat sie sich nicht wirklich gewundert, Lungenkrebs zu bekommen. Sie meinte noch, sie wolle sich davon doch nicht unterkriegen lassen und die nächste Zeit werde spannend – es war kein halbes Jahr mehr.

Sie war am 20. April geboren und ist zeitlebens nie damit zurechtgekommen, eine persönliche Verbindung zu „Führers Geburtstag“ zu haben. Auch, dass sie eine großartige Führungspersönlichkeit war, konnte sie nicht annehmen. Sie leitete zwar den Unterricht in der Hundeschule, aber mit dem Begriff „führen“ oder gar „Führerin“ hat sie sich nie anfreunden können.

Als Lehrerin in der Hundeschule brillierte sie. Am Beispiel der Übung Ruhe in den Hund veranschaulichte sie mir, dass es idR der Hundehalter war, der seine Unruhe auf das Tier übertrug. Die Übung bestand darin, einfach nur ruhig da zu sitzen, bis der Hund sich von selbst entspannt hinlegte. Das war in manchen Fällen gar nicht so einfach.

Sie vermittelte mir, dass der Hund einen Wechsel aus Aufregung und Ruhe, brauchte. Nach einer stressigen Autofahrt braucht ein Hund erstmal ein paar Schritte Bewegung, nach etlichen befolgten oder auch nicht befolgten Kommandos braucht er eine Zeit für sich, in der er sein darf und nicht funktionieren muss. Dieses Prinzip lebte sie auch selbst vor, indem sie regelmäßig Pausen machte und dies in den Vordergrund vor die Erledigung von Aufgaben stellte.

Dadurch bot Irmhilds Haus und ihr aktiver Alltag häufig eine Fülle mich überfordernder Reize, inmitten derer sie selbst eine Insel der Ruhe war, auf die ich mich fokussieren konnte. Von ihren Lehren profitiere ich noch heute, wenn ich selbst mit meinem inneren Hund, dem Schweinehund, Gassi gehe oder ihn an die kurze Leine nehme.

Dabei tun mir tatsächliche Spaziergänge an der frischen Luft sehr gut, auch und gerade ohne dabei auf einen Hund und andere Passanten achten zu müssen. Auch ich brauche einen Wechsel aus Bewegung und körperlicher Ruhe, aus geistiger und körperlicher Anstrengung, aus seelischer Belastung und entsprechendem Ausgleich, den ich in Gesprächen finde.

Irmhild war mir ein großes Vorbild darin, wie frei und selbstbestimmt sie agierte. Obschon sie immer wieder (ver)zweifelte, bemühte sie sich darum, möglichst wenig auf das zu geben, das andere Menschen über sie denken (könnten). Oft haderte sie mit sich, überwand aber immer wieder ihre Angst vor möglichen negativen Konsequenzen.

Zudem hatte sie einen unerschütterlichen Optimismus. Egal welche Widrigkeiten das Leben für sie bereithielt, sie stand immer wieder auf und kämpfte weiter. Sie fand immer wieder Sinn, auch wenn ihr der zwischenzeitlich mal verloren ging. Auch mir konnte sie Kraft und Zuversicht schenken, so dass es mir gelang, mich vom Elternhaus zu lösen.

Hätte ich nicht diesen Ausweg aufgezeigt bekommen, vorübergehend bei ihr unterzukommen, kann ich nicht ausschließen, dass ich den ein oder anderen Gedanken an Suizid über kurz oder lang auch in die Tat hätte umsetzen wollen.

Ich stand unter Druck durch das Abitur, sah keinen Platz für mich in der Welt und hatte Angst vor dem Leben. Vor allem aber war ich einfach verzweifelt, weil ich von meinen bisherigen Erfahrungen ausging, keinen Ausweg sah und nicht wusste, wie ich das noch länger aushalten sollte.

Um nun den wildesten Phantasien darüber, wie schrecklich es bei mir zu Hause damals gewesen sein mag, zuvorzukommen: Dem war nicht so. Die Hölle tobte in mir drin. Klar war nicht alles eitel Sonnenschein, aber in erster Linie machte mich die Inkongruenz zwischen meiner Seele und meinem Körper sowie meine damalige Sicht auf die Welt und mein Leben darin fertig.

Meine Freundin war mir in dieser schweren Zeit ein Anker, gab mir Halt, spendete Trost und liebte mich bedingungslos. Sie hörte zu, egal wie scheußlich das war, das ich von mir gab. So sehr ich mich auch hasste, sie fand immer etwas Liebenswertes an mir.

Und die Arbeit mit ihr und den Hunden tat mir gut. Sie lenkte mich ab und ich lernte, mich wenigstens einem Tier gegenüber zu behaupten und die Führung zu übernehmen. Das war immerhin ein Anfang, auf dem alle meine späteren Erfolge in der Therapie basieren.

Mit ihrer eigenen Mutter hatte Irmhild aus Selbstschutz brechen müssen und sie setzte alles daran, mir dazu zu verhelfen, dass ich mich mit meinen eigenen Eltern aussöhnte, um nicht denselben Leidensweg einschlagen zu müssen wie sie. Denn natürlich litt sie darunter, dass sie selbst keine bessere Lösung als einen Kontaktabbruch hatte erreichen können.

Ich denke, in diesem Fall hat sie ihr Ziel erreicht.

Viele andere Ziele gingen unter anderen, noch drängenderen Ideen unter. Sie hatte immer mehrere Vorhaben parallel in Bearbeitung und auf den ersten Blick bot sich stets ein Bild von Chaos aus lauter angefangenen Projekten, die scheinbar nie zu Ende gebracht wurden. Dabei ging es in kaum merklichen Babyschrittchen voran.

Vor allem aber folgte sie ihrer Intuition und tat nichts, das sich für sie nicht auch stimmig anfühlte. Auch das ist etwas, um das ich sie beneidete, weil ich selbst mich so vielen Zwängen unterworfen sah. Ich hatte übersehen, dass ich mich selbst meinen eigenen Vorstellungen davon, wie ich sein oder handeln wollte, unterworfen hatte.

In den letzten Jahren handhabe ich das glücklicherweise anders und wenn es nicht so gewesen wäre, dass wir beide oft sehr lange Rückzugsphasen gehabt hätten, aus denen wir dann unvermittelt wieder auftauchten und uns austauschten als hätten wir uns gerade erst gestern zuletzt gesehen, dann hätten wir uns nochmal getroffen und ich hätte ihr gerne erzählt, wie gut ich mich in der Zwischenzeit entwickelt habe, was zu einem Teil auch ihr Verdienst ist.

Dann wäre sie sicherlich stolz gewesen und vielleicht auch auf sich und nicht nur auf mich.

Leider ist es dazu nicht mehr gekommen, weil sie bereits vom Krebs zu schwach war, als ich nach meiner Psychose gerade wieder zu Kräften gekommen war. Dennoch tröstet es mich, dass sie mir noch geschrieben hatte, dass ich in ihren Augen auch ohne jegliche Veröffentlichung ein „richtiger“ Schriftsteller bin.

Und es war beruhigend, ihr zu schreiben, warum ich mich bei unserer letzten Begegnung so komisch verhalten hatte, weil ich da bereits krank war und sie wissen zu lassen, wie lieb ich sie habe.

Noch habe ich den Baum nicht besucht, unter dem ihre Asche liegt. Es wird Zeit.

 

90-Tage-Challenge Tag 22

Mein letztes EVAL im ersten Drittel. Diese Woche sind es noch drei Workouts, ab der kommenden Woche sind nur noch der Feiertag (jeden Mittwoch feiere ich die Teilung der Arbeitswoche) und das Wochenende der Regeneration vorbehalten.

Heute früh war ich wie auch gestern abend sehr aufgedreht und habe mich ganz bewusst gebremst und versucht, vor allem die Bodyrocks als erste Übung sehr langsam zu machen. Durch langsamere Bewegungen und langsames Atmen beruhigen sich auch die Neurotransmitter im Gehirn.* Deshalb ist das für mich sehr wichtig, wenn es mir besonders gut geht und ich einen sehr starken Antrieb habe, auch zur Ruhe zu kommen und an ausreichende Pausen zur Regeneration zu denken.

EVAL, Level 1
Bodyrocks:                37 34 32 35
Türziehen:                12 13 13 12
Prisoner Back Lunges:     12 12 12 12
Enge 3-Punkt-Liegestütze: 09 08 07 07

Heute war meine Konzentration relativ gut, auch wenn sie schonmal besser war. Bereits gestern beim Schwimmen war meine Koordinationsfähigkeit gefragt, weil ich mir die Abschlagsübung einprägen musste. (Das ist eine bestimmte Übung um die Technik beim Kraulen zu verbessern.)

Das Gehirn muss dabei dem einen Arm den Befehl geben, sich gerade zu strecken, während es dem anderen Arm sagt, dass dieser in angewinkelter Haltung durchgezogen werden soll. Dazu kommt noch der Kopf, der jeweils nur zu einer Seite atmen darf – die Beine steuer ich dann schon aus dem Rückenmark, wie mein Vater sagen würde.

Symmetrische Bewegungen fallen mir allesamt leichter als asymmetrische. Ich würde fast behaupten, das ginge jedem so.

Bei den 3-Punkt-Liegestütze ist es ähnlich: Das eine Bein bleibt gerade angespannt und trägt die gesamte Last, die auf den Unterkörper wirkt, während das andere Bein zwar auch gerade ausgestreckt ist, aber unbelastet bleibt und einen anderen Winkel zum Becken aufweist.

Das ist nicht so einfach, das alles im Kopf geregelt zu kriegen. Gerade dann, wenn ein Bewegungsablauf erst neu erlernt wird. Aber wie beim Auto fahren lernen, wo erst tausend verschiedenen ungewohnte Handgriffe und Blicke auf einen einstürmen, hat man es auch beim Sport irgendwann drauf und es läuft ganz fließend, ohne bewusst darüber nachdenken zu müssen, eben aus dem Rückenmark ab. Und dann trifft wohl auch der Satz, sowas wie Radfahren verlerne man nie – das ist vom Prinzip her eigentlich dasselbe. Eine ganzheitliche, sowohl geistige als auch körperliche Herausforderung.

Ich merke, ich schweife immer wieder ab.^^

Eigentlich gibt es nicht mehr viel zum heutigen Training zu sagen. Ich habe dreimal die Pausenzeit überschritten, weil meine Gedanken woanders waren. Ich finde, ich habe es sehr viel besser hingekriegt, meine Power auf die verschiedenen Übungen zu verteilen, auch wenn es keine besseren Zahlen für die Liegestütze gibt. Es hat sich insgesamt nicht so anstrengend angefühlt, ich war weniger aus der Puste und hatte auch nicht so einen roten Kopf wie neulich.

Ich überlege gerade, wo ich das am besten unterbringe, dass ich überhaupt mit Bewegung angefangen habe, weil das gut für mein Gehirn ist und nicht etwa, weil ich sooo unbedingt abnehmen wollte. -.-

Egal, Schluss jetzt. Gehen Sie bitte weiter, es gibt nichts zu sehen!


 

*) Es gibt ja diese Wechselwirkung zwischen dem Körper und der Seele, wovon psychosomatisch bedeutet, dass ein seelischer Konflikt sich auf der Körperbühne zeigt und somatopsychisch bedeutet, dass der Körper einen Einfluss auf die Seele hat. Jeder weiß, wie gut eine Massage oder ein angenehmes Wannenbad der Entspannung dienlich sein kann oder eben wie sehr es auch die Psyche belastet, wenn man körperliche Schmerzen leiden muss oder wenn man aufgrund von Körperform durch Über- oder Untergewicht, unpassenden Geschlechtsmerkmalen oder aus anderen Gründen mit seinem Körper nicht zufrieden ist.

90-Tage-Challenge Tag 19

It’s not about having time – it’s about making time.

(Mark Lauren)

Die morgige Bonusaufgabe lautet, sich diesen Satz an einem gut sichtbaren Ort aufzuhängen. Sich zu vergegenwärtigen, dass man sich nicht nur Zeit nehmen, sondern auch etwas daraus machen muss, kann sehr hilfreich sein im Kampf gegen den inneren Schweinehund. Die Hauptaufgabe für morgen ist nämlich: Eliminiere Deine Ausreden

Sobald der Schweinehund sich Ausreden ausdenkt, soll man sie aufschreiben und die stärksten Gegenargumente dazu notieren. Direkten Gebrauch in Form von Listen habe ich davon nie gemacht, aber es fließt sicherlich in meine Tagebücher mit ein.

Muskelkater habe ich keinen und müsste schon nachlesen, wann ich zuletzt welchen hatte, wenn ich es wissen wollte. Ich denke, auch die Tatsache, dass ich das Mobility-Workout (Aufwärmübungen und Dehnen hinterher) recht kontinuierlich beibehalten habe, erleichtert mir die Workouts bei diesem Durchgang der Challenge. So ging mir eine grundsätzliche Körperspannung, ebenso wie Beweglichkeit, nicht völlig verloren. Beim ersten Durchgang war ich viel zu erschöpft an den Regenerationstagen, um auch noch freiwillig die Muskeln zu beanspruchen, die ich an den anderen Tagen schon gequält hatte. Auch das kalte Abduschen genieße ich inzwischen sehr.

Was mich etwas ärgert, ist, dass das Gewicht derzeit stagniert. Also bleibt mir nur, mich daran zu erinnern, dass ich gerade die Konfektionsgröße 48 zurückerkämpft habe und Muskeln eben mehr wiegen als Fett.

Dabei muss ich der Ehrlichkeit halber erwähnen, dass mein Kaloriendefizit, das ich seit drei Wochen wieder erhebe, von Woche zu Woche kleiner geworden ist. Ich darf nicht wieder den Fehler machen, die Ernährung schleifen zu lassen, um die Challenge zu schaffen. Der Hauptaugenmerk gleich nach der Regeneration sollte auf der Gewichtsreduktion bleiben.

Wie war das noch? Das Sixpack wird zu 80% in der Küche gemacht.

So, noch den wöchentlichen Wohnungsputz erledigt und schon fühle ich mich wieder wohl auf der Matte auf dem Fußboden. Inzwischen spüre ich auch schon deutlich Hunger. Jetzt kann es losgehen mit meinem Lieblingsworkout!

RUCKUS Anzahl Runden: 9

Wow! Als die Eieruhr klingelte, dachte ich trotz Vorwarnung meines Zeitgefühls: Was, jetzt schon? So in der 7. Runde hatte ich zu meinem Tempo gefunden und merkte in der 10. dann, wie ich einen roten Kopf bekam. Es fehlten gerade noch 3x Türziehen zur Vollendung der 10. Runde. Trotzdem bin ich froh, dass die Uhr mich davon abgehalten hat, wie eine Maschine immer weiterzumachen. 10 Runden waren, glaube ich, beim letzten Durchgang meine persönliche Bestleistung.

Meine Konzentration reichte meiner Erinnerung nach kaum aus, um bei den Lunges beim Aufwärmen sowohl 5 Sekunden Dehnung abzuzählen als auch mir zu merken, die wievielte Wiederholung ich gerade machte. Also habe ich abwechselnd entweder immer die Zahl wiederholt, die die Wiederholungen zählte oder die Wiederholungen geraten und dafür die Dehnung gezählt.

Heute ist mir beides gelungen, auch wenn ich manchmal weiter als bis 5 gezählt habe. Das ein oder andere Mal habe ich auch zu viele Wiederholungen gemacht, weil ich ganz versunken weiterzählte, aber dafür habe ich einige unsaubere Wiederholungen gelten lassen.

Bei den Liegestütze ist mir aufgefallen, dass der Schwerpunkt meines Oberkörpers von der Mitte weg zu der Seite des belasteten Beins hin changierte. Erstaunlich, wie fein meine Körperwahrnehmung geworden ist, wenn ich bewusst darauf achte.

Jetzt genieße ich mein Frühstück, während ich dies hier schreibe und wandere dabei mit der Aufmerksamkeit zwischen dem Tippen hier und dem Geschmackserlebnis hin und her. Einfacher ist es, wenn ich mich ins Esszimmer setze und mich ganz aufs Essen einlasse. Das kostet aber sehr viel Zeit, und auf diese Weise des bewusst gewechselten Fokus kann ich Mikropausen sinnvoll nutzen. Ich glaube, das ist das, was als Multitasking bezeichnet wird. Computer bearbeiten ja auch nie wirklich mehrere Prozesse zur selben Zeit, sondern sie teilen die Ressourcen unterschiedlich zu – da spricht man dann von Multithreading, wenn ich das korrekt in Erinnerung habe.

Gegen die häufige Ausrede, ich müsse jetzt die andere Hälfte Quark auch noch essen, damit das nicht heute früh nach Kühlschrank schmeckt, habe ich übrigens eine Behältnis mit Deckel angeschafft und gestern Abend Gebrauch davon gemacht.

Durch das Regal mit der Schokolade kann ich im Supermarkt jetzt total easy schlendern und mir rein aus Neugierde die Auslagen ansehen, um mich über das Angebot zu informieren. Da ist kein Verlangen, kein Suchtdruck, Jieper oder Heißhunger, nichtmal Appetit. Und sollte ein Gedanke auftauchen, wird der beiseite geschoben mit dem Hinweis: Ich mache Diät bis ans Ende der 90 Tage und dann können wir nochmal schauen, ob was Leckeres dabei ist. Es ist nicht das Ende aller Süßigkeiten in meinem Leben, nur eine vorübergehende Maßnahme.