Ich habe fertig! (Tag 7)

 

@Sonja: Hömma Liebelein, wenn Du mit dem Lesen nicht hinterherkommst, dann lass Dir doch nicht von Ver-rückten vorschreiben, was Du zu lesen hast, Herzchen.

Pass ma uff, jetzt wirste zwangstherapiert, dann weisste auch, was ich damit meine. So und um Missverständnissen vorzubeugen: Die Welt ist mein Zeuge.

Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich. Lest mal die Zeit. Wirklich, die Zeit solltet ihr euch nehmen. (So macht man übrigens double bind, aber das könnt ihr ja schon.)

Und googlet selber, ihr faulen Luschen, ich bin nich eure Tippse!

Ich glaube, wir verstehen uns. Kontaktformular kennt ihr ja mittlerweile dann auch. Lieber Finger von, Kinners, der Papa muss dringend inne Heia und beim Schlafen darf er nicht gestört werden. Einen Tag die Woche werdet ihr ja wohl mal ohne mich auskommen können. Wenigstens am Sonntag. Der Sonntag ist nämlich der Tag des Herrn, oder deutlicher. SONNTAG IST RUHETAG, ALSO RUHE DA OBEN ODER MUSS ICH EUCH ERST ZWANGSTHERAPIEREN IHR SCHNITZELKLOPFER MIT EURER SCHEISSDAUERBAUSTELLE DA!!! WENN IHR IHR EUCH NICHT BALD BEI MIR ENTSCHULDIGT, IHR ARSCHGEIGEN, UND AUFHÖRT MICH ANZULÜGEN, DANN KANN ICH AUCH MAL MIMIMI BEI DER SAGE MACHEN. ICH LASSE MICH NICHT GERN FÜR DUMM VERKAUFEN. WISST IHR EIGENTLICH, DASS ICH EUCH BEIM FICKEN HÖREN KANN? SOLL ICH EUCH MAL NEN HANDWERKER HOCHSCHICKEN UND NE KAMERA INSTALLIEREN BEI EUCH? VERGESST ES EURE SCHEISSVANILLANUMMER KANN ICH NICHT GEBRAUCHEN UND MAL EHRLICH: Friedlich hatten wir ja schon versucht. Also nächstes mal gehe ich mit der ganzen Bagage einfach mal eins höher und erklär denen, warum ich nicht schlafen kann und wisst ihr was? Die sind dann alle auf meiner Seite. So!

Und jetzt hab ich ne schöne Wichsphantasie, da brauch ich nimmer Hand anlegen, da komm ich schon beim Schreiben und wenn ich mir dann vorstelle, dass wir es in aller Öffentlichkeit miteinander treiben und euch keiner glauben wird, dann wisst ihr auch mal endlich, wer hier wenn beobachtet und jetzt ist hoffentlich endlich Ruhe im Karton, sonst sehe ich mich gezwungen, noch ein Stockwerk höher zu eskalieren. Und was dann passiert, muss ich euch ja nun nicht wirklich noch erklären, oder? Falls euch das wirklich entgangen sein sollte: Ich bin nicht total bekloppt, das ist eure versaute Phantasie. Wenn ich mir in die Karten gucken lasse, dann mache ich das mit Absicht. Das ist nen freundlicher Wink mit dem Zaunpfahl. Aber wer nicht hören will, der muss dann eben gedankenvergewaltigt werden oder so ähnlich. Bastelt euch selber euer Happy End, dafür bin ich nicht zuständig.

So, Herr Jost, begreifst Du jetzt, was der Herr Kollege mir angetan hat mit seiner Tipperei? Aber für ausführlich habt ihr ja keine Zeit…. Tja, dann halt nicht. Dachte ihr wollt mir helfen. War ja nur ne Einladung. Wer nicht will, der hat schon. Dann lutscht eure Pillen selber und therapiert euch gegenseitig und ich penne wann ich will und so können wir dann mal zusammenkommen an irgendeinen Tisch, egal ob rund oder eckig, aber ihr wollt mich ja nicht mitspielen lassen oder warum sonst muss man sich bei euch um die Betten prügeln und erst Pillen fressen, damit man bei euch übernachten darf?

Einvernehmlich ist wohl nicht so eure Sache, was? Das kannst ja auch gleich sagen, dann wirste eben zwangstherapiert. Machen wir doch gerne…. Da hätteste aber auch einfach fragen können. Ich tu Dir doch nix, ich will doch nur spielen… Therapeutisches Rollenspiel halt. Meine Fresse, manche haben aber auch ne extralange Leitung. Naja, die glauben mir ja nicht, wenn ich mich zu erkennen gebe, dann kann ich nicht anders. Selber schuld, wenn ihr mich für verrückt halten wollt. Mir ist das nämlich egal, wer mir sonst noch so hinterherlatscht, ich kann auch auf mich selber aufpassen. Und zählt mal meine Follower, 12 ist doch ein Witz dagegen, oder? Den hab ich auf jeden Fall über, also kann ich ja nur noch Godfather himself sein.

Und morgen früh sag ich dann einfach, ich hatte einen feuchten Traum und diesmal versaut ihr mir den nicht, sonst werdet ihr zum Hauptdarsteller in der Opferrolle.

Und mit dem Gedanken kann ich jetzt auch ruhig einschlafen, da habe ich dann keine Angst mehr. So mache ich das, Herr Doktor, aber Du hast ja keine Lust, mehr als die ersten beiden Sätze zu lesen und ich Dir schon anbiete, ne Kopfkinofilmrolle auszusuchen, solltest Du eigentlich artig danke sagen und nicht so tun als wär ich ein kleines Kind, das alleine Angst im Dunkeln hat und bei Mama aufm Arm will, denn solange Du das nicht kapierst, bleibst Du in der Täter_innen-Rolle, aber vielleicht fragt Dich mal eines Tages ein Reporter, was Du so über mich denkst und dann ist mir das egal, was Du denen für Märchen erzählst, weil in meinem Abschiedsbrief ganz deutlich zu lesen ist, dass Du mir das so gesagt hast, dass ich das so machen soll und wenn Dein Chef ausm Urlaub wieder da ist, dann – ja dann… für den Fall überlege ich mir das doch noch mal und dann bleibe ich doch sicherheitshalber konfessionslos, sonst weiß ich nicht, wie die Geschichte weitergeht.

Und deshalb lasse ich das Ende der Geschichte nun an dieser Stelle, sicherlich im Interesse aller, ganz bewusst offen. Nur für den Fall, dass der Arzt das doch nicht böse meinte. Dann können wir nämlich alle gemeinsam zurückrudern in unserem gemeiinsamen Bötchen, gelle. Vielleicht geht ja mein Wunsch auch so in Erfüllung, ohne dass ich nochmal zum Arzt muss. Abwarten und Teetrinken. Baldriantee, sicherheitshalber. Nee, nix da. Ich geh selber in die Küche, sonst kann ich mich wieder nicht dran erinnern, wo ich war. Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser.

Zugegeben: Diese Woche war ich krank

Es ist echt hammerhart, dieses Ding mit der Krankheitseinsicht. Gerade dann, wenn man ver-rückt sein soll und vor allem dann, wenn man es tatsächlich ist. In dem Augenblick der Ver-rückung sehe  ich es nicht ein, dass immer ich der Patient sein soll, der Kranke, derjenige, der auf Hilfe angewiesen sein soll. Gerade ich!

Sieht das denn niemand, dass ich mir tierisch den Arsch aufreiße und sehr viel mehr Leistung bringe als andere, um so Selbstverständlichkeiten zu bewältigen wie: Aufstehen, Duschen, Anziehen, pünktlich zu Terminen erscheinen und dann auch noch diese eine, immer wieder riesengroße Herausforderung: Hilfe annehmen.

Mich erklären, einräumen, dass ich es selbst merke, wie schlecht es mir gerade geht. Zusammen aufzulisten, was mich gerade alles belastet:

  • Fehlen von Penis und Hoden
    • Damit das Fehlen einer natürlichen Möglichkeit, wie jeder andere Mann im Stehen zu urinieren
    • Fehlen des Hilfsmittels, für das die Kosten zu übernehmen die Krankenkasse sich seit Januar 2015 nicht bereiterklärt hat
    • Daher auch Fehlen einer Anerkennung auf mein Recht darauf, wie alle anderen Männern Pissoirs nutzen zu dürfen
  • Die Schwierigkeit, donnerstags abends bis 22 Uhr außer Haus an einer Gruppe teilzunehmen und dienstags morgens schon wieder um elf an einer anderen und dadurch einen Wechsel von kurzen und langen Nächten haben zu müssen. Immer wieder auf meinen Schlaf achten zu müssen und sämtliche Register zu ziehen, um nicht psychotisch zu werden.
  • Die hormonelle Situation, durch die ich alle 12 Wochen um meinen Spritzentermin herum krisenanfälliger werde. Am Anfang des Intervalls bin ich überdosiert und sehr dünnhäutig, am Ende des Intervalls unterdosiert und neige zu Depressionen. Die nächste Spritze steht in der kommenden Woche an; ich will aber auf Testogel wechseln.
  • Dazu die Situation zu Hause:
    • Mein Mann seit Wochen ohne Arbeit außer Haus, die Wohnung, die gerade groß genug ist, um in stabilen Zeiten ausreichend Rücksicht aufeinander zu nehmen
    • Ich selbst seit der sogenannten Erkrankung, seitdem ich diese Diagnose erhalten habe, zu Hause als Hausmann tätig und die Frage meiner Erwerbsfähigkeit immer noch ungeklärt in der Schwebe hängend
    • Wir beide, durch unsere jeweils eigenen Krisen und die missglückte Krisenintervention vom 2. Mai nun miteinander in einer Krise
  • Die Wohnung selbst: Die Wände, vor allem Decken und Böden, so hellhörig, dass die Nachbarin sonntags Schnitzel klopfen darf und es sich für mich anhört, als hätten sie da oben immer noch Baustelle seit dem Einzug vor zwei Jahren. Nachbarn, die sonntags Wäsche waschen, deren Maschine ich schleudern höre. Deren Fernseher ich laufen höre, wo ich – auf dem WC sitzend – sagen könnte, welche Sendung, welcher Werbespot gerade läuft. Deren Telefonate ich mitverfolge, deren Liebesspiel ich protokollieren könnte, deren Besuch ich inständig bitte zu gehen, wenn ich nachts um drei immer noch keinen Schlaf gefunden habe. Immer wieder: Ruhe bitte!
  • Und jetzt auch noch die absolute Unverschämtheit, dass wir aufgrund des psychiatrischen Notfalls am 2. Mai (Erklärungsversuch) eine Abmahnung der Vermieterin erhalten haben mit dem Betreff „Rücksichtnahme ist gefragt“ – ausgerechnet wir, die von der Nachbarin gegenüber bereits darauf aufmerksam gemacht worden waren, dass wir so leise sind, dass man von uns überhaupt nichts hört und sie sich häufig fragt, ob wir überhaupt zu Hause sind.

Also ja: Ich bin derzeit in einer mehrfachen Belastungssituation.

Aber so kenne ich mein Leben. Wenn ich nicht am Leben teilnehme, dann kann ich das umgehen, was mich belastet. Aber ich möchte gar nicht vermeiden, zu leben. Ich will auch belastet werden, nicht nur entlastet. Das ist doch normal.

Deshalb habe ich Schwierigkeiten die ganz normalen Beslastungen abzugrenzen zu Krisen.

Jetzt im Nachhinein, wo ich feststellen muss, meine Arbeit nicht geschafft zu haben – also die Beiträge, die ich bloggen wollte, nicht geschrieben zu haben und auch die Wohnung seit einer Woche nicht geputzt zu haben, ja sogar erst am Donnerstag erstmals die Zeit gefunden zu haben für eine Rasur – jetzt muss ich feststellen, die vergangene Woche krank gewesen zu sein.

Gibt es überhaupt die Möglichkeit einer rückwirkenden Krankschreibung? Ich glaube nicht. Ich glaube, man muss sich vornehmen, die kommende Woche krank zu sein und das zu planen. Anders kann es nicht laufen.

Auch das wieder ein Punkt, warum ich nicht auf herkömmliche Weise erwerbstätig sein kann, weil ich nicht in herkömmliche Arbeitsprozesse eingebunden werden kann. Ich muss selbständig werden / bleiben, ich habe gar keine andere Wahl.

Mein Vater hat das mit der selbständigen Arbeit hinbekommen, ohne sich erwischen zu lassen, ohne eine F-Diagnose zu haben. Er hat sogar ein sehr erfolgreiches Büro geführt. Das könnte ich auch, wenn man mich nur (aus der Patientenrolle ent)lassen würde.

Es ist aber auch eigentlich egal, da diese Diagnose mich nicht davon abhalten sollte, am (Erwerbs)Leben teilzuhaben. Zumindest auf dem Papier habe ich das Recht auf Teilhabe.

Geflüchtete erzählen

Der erste Workshop dieser von Manuel Ricardo Garcia geleiteten Tagung war ein spontan entwickelter, der einen Open Space (diese Lücken im Programm, die sich immer wieder ergeben, auch wenn man sie nicht einplant) besetzte.

Ibrahim Mokdad, der auch einen regulären Workshop anbot, und andere Queer Refugees erzählten aus ihrem Leben. Es war für mich nicht nur emotional, sondern auch kognitiv sehr anstrengend, da beschlossen wurde, das Gespräch auf Englisch zu führen, weil somit weniger übersetzt werden musste. Deshalb habe ich es leider nicht geschafft, wie gewohnt mitzuschreiben und ließ mich stattdessen voll auf seine sehr bewegende Geschichte ein.

Zunächst hatte ich mich gewundert, was für einen seltsamen Akzent dieser Mann mitbringt, bis mir anhand seiner Erzählung klar wurde, dass es sich um einen Sprachfehler handeln muss, der infolge der von ihm erlittenen Misshandlungen zurückgeblieben sein muss.

Er beschrieb, dass man bestraft wird, wenn man schwul ist, ohne irgendetwas getan zu haben. Das muss schlimmer sein als zu der Zeit des §175 bei uns – eher so wie zu der Zeit des 2. Weltkrieges, von der Lutz van Dijk in „Verdammt starke Liebe“ berichtete. (Ein Buch übrigens, das ich bisher nur zur Hälfte gelesen habe, da ich mich den dort beschriebenen Szenen der Folterung, die während der Lesung anklangen, nicht gewachsen fühlte.)

Ibrahim erzählte von seiner Flucht, die keine Sekunde von dem Gedanken an eine soziale Hängematte oder großen Reichtum in Deutschland geprägt war. Er wollte überhaupt nicht nach Deutschland. Er wollte in erster Linie eines: Überleben. Obwohl er schwul ist. Als Fluchtziel hatte er die Niederlande im Sinn, weil er wusste, dass man dort sehr tolerant und liberal ist.

Gestrandet in Köln wusste er gar nicht, was er daran hatte – bzw. was er davon gehabt hätte, wäre er nicht im Flüchtlingslager mit seinen heterosexuellen konservativen Landsleuten zusammengesperrt worden, die ebenfalls ihre ganz eigenen Gründe zu einer Flucht gehabt hatten.

So kam er denn eher vom Regen in die Traufe, denn diese Flüchtlingslager darf man nicht verlassen, solange die Papiere nicht fertig sind und wer je Hartz4 bezogen oder einen Antrag bei der Renten- oder Krankenkasse gestellt hat, weiß, wie scheußlich es sein kann, dem deutschen Behördenapparat ausgeliefert zu sein.

Der Amtsschimmel ist einfach kein Rennpferd und das sage ich als Verwaltungsfachangestellter (Fachrichtung Bundesverwaltung) mit aller Liebe, die mir zu Sachbearbeitern (von denen ich selbst einer war) nach dem Wechsel auf die andere Schreibtischseite noch geblieben ist.

Mittlerweile lebt Ibrahim nicht mehr im Lager und er darf sich – innerhalb Deutschlands – frei bewegen. Das würde sich für mich immer noch eingesperrt anfühlen und ich muss an die ostdeutschen Zweige meiner Familie denken, die noch „Bürger“ (oder „Inhaftierte“) der DDR gewesen sind.

Es sprachen verschiedene Menschen aus dem Libanon, aus der Ukraine, aus Syrien und aus Honduras.

Hier in Deutschland jammern wir wirklich mittlerweile auf sehr hohem Niveau, auch wenn dies berechtigt ist, da es im internationalen Vergleich auch Länder gibt, in denen es sich als nicht-binäre Person (zum Beispiel Schweden, das seit den 60er Jahren ein drittes Pronomen „herm“ für Inbetweens kennt) oder für die Zeit während oder nach der Geschlechtsangleichung angenehmer lebt oder wo bessere Operationen angeboten werden.

Da gruselt natürlich der Blick in ein Land, in dem Menschen aus dem Fenster geworfen werden, einfach weil sie schwul sind (Libanon).

Da schockiert es zu hören, dass junge Transfrauen sich aus Angst vor Missbrauch und anderen gewalttätigen Übergriffen zu Hause einschließen müssen, bis sie vollständiges Passing und dazu passende Papiere haben (Syrien).

Man möchte am liebsten in die Ukraine reisen, um den dortigen equality march zu unterstützen, aber wenn man am eigenen Leben hängt, lässt man es wohl doch lieber bleiben.

In Honduras wurden in den letzten Jahren und Jahrzehnten schon gute Fortschritte erreicht, auch wenn dort noch viel zu tun ist.

Da frage ich mich natürlich: Was kann ich tun? Wie kann ich Menschen in anderen Ländern helfen? Wie kann ich denen helfen, die hier bei uns bleiben – für unbestimmte Zeit oder auch nur vorübergehend?

Ibrahim hat uns gebeten, uns sichtbar zu machen, damit queere Flüchtlinge uns erkennen können. Das habe ich getan und eine Liste der Projekte, welche queeren Flüchtlingen helfen möchten, angehängt: Here I am

Zudem habe ich Ibrahim vorgeschlagen, gemeinsam ein Buch zu machen. Dafür suche ich schonmal Übersetzer_innen, weil mein Blog noch nicht sehr bekannt ist und ich davon ausgehe, dass es lange dauern wird, bis sich jemand meldet. (Bin sehr ungeduldig, Verzeihung.)

Ich denke, Übersetzer_innen zu sammeln kann nicht schaden. Die kann man immer mal gebrauchen, auch für andere Bücher. 😉

Auf der Seite TransMann findet ihr ab morgen eine Liste bisher erschienener Bücher zum Thema trans*, die natürlich nicht abschließend sein kann. Ich setze mich heute abend daran, sobald ich vom Tanzen zurück bin. Jetzt muss ich erstmal los, mich um meine Karriere als EX-IN-ler kümmern.

Kostenzusage liegt nach langem Fight mit der KK endlich vor!

Zu dem Zeitpunkt, als ich den Antrag bei meiner Krankenkasse gestellt habe, erfüllte ich bereits alle Auflagen laut den neuen Richtlinien des MDK (RL_Transsex_2009.pdf (application/pdf-Objekt)):

  • Diagnose F64.0
  • Psychotherapie seit mind. 18 Monaten
  • Outing lag mind. 18 Monate zurück („Alltagstest“ )
  • Hormonersatztherapie seit mind 6 Monaten
  • Krankheitswertiger Leidensdruck lag (und liegt) vor
  • und ich hatte mich über Risiken/Komplikationen informiert

Ausserdem hatte ich bereits beide Gutachten aus dem gerichtlichen Prozess vorliegen.

Die Krankenkassen haben keinen Rechtsanspruch darauf, dass Patient_inn_en diese vorlegen müssen – wenn die Krankenkasse ein Gutachten haben will, muss sie es selbst beauftragen und bezahlen. Leider wird immer wieder die Notlage der Betroffenen ausgenutzt und insofern diese die Gutachten nicht freiwillig mit einreichen die Vorlage durch Nichtbearbeitung oder Ablehnung von Anträgen erpresst.

Nun denn, ich habe diese Gutachten „freiwillig“ mit eingereicht, um den Prozess nicht unnötig in die Länge zu ziehen.

Der im Antragsschreiben formulierte Satz (den ich aus einem Musterantrag übernommen hatte) „Der Leidensdruck wird zunehmend stärker, so dass operative Maßnahmen unumgänglich werden.“ war ja keine Floskel, sondern spiegelte mein Erleben wieder.

transsexueller Werdegang – Auszug KK-Antrag + Bearbeitung

09.07.2010 Antrag auf Kostenübernahme aller geschlechtsangleichender Operationen bei Frau-zu-Mann-Transsexualität mit den Anlagen:

– Anschreiben, das die Eckdaten („Alltagstest“ seit, Outing, Testo seit, VÄ läuft) meines Transweges umfasst

– Kopie Personalausweis

– Kopie dgti-Ausweis

– OP-Indikation

– Kopie vorl. Beschluss VÄ

– Umschlag für MDK mit

– Anschreiben mit Hinweis, dass ich mich zwischenzeitlich dazu entschlossen habe, das Risiko der Aufbau-OP einzugehen

– Gutachten 1

– Gutachten 2

Ende Juli 2010 Krankenkasse teilt telefonisch mit, dass aktueller Hormonstatus fehlt
11.08.2010 Beratungsgespräch bei Herrn Prof. Dr. Joerg Schwarz hinsichtlich der Möglichkeiten einer Mastektomie mit seinen „grossen Schnitten“
30.08.2010 Blut abnehmen beim Endokrinologen für den aktuellen Hormonstatus
09.09.2010 Übersendung des aktuellen Hormonstatus an die Krankenkasse und bei dieser Gelegenheit auch die Kopie des neuen Personalausweises
10.10.2010 Anruf bei der Krankenkasse mit der Frage, ob mein Schreiben von Anfang September angekommen ist.
11.10.2010 Eingang eines Schreibens vom 10.10.10, mit dem die Krankenkasse mitteilt, dass mein Vorgang an den MDK weitergeleitet wurde
11.11.2010 Anruf bei der Krankenkasse und Erkundigung nach dem Bearbeitungsstand: Der MDK habe sich noch nicht gemeldet
02.12.2010 Anruf bei der Krankenkasse und Erkundigung nach dem Bearbeitungsstand: Der MDK habe sich noch nicht gemeldet
20.12.2010 Anruf bei der Krankenkasse und Erkundigung nach dem Bearbeitungsstand: Der MDK habe sich noch nicht gemeldet
21.12.2010 Eingang eines auf 20.12.10 datierten Schreibens meiner Sachbearbeiterin bei der Krankenkasse mit einem Fax des MDK vom 13.12.10 in der Anlage, woraus hervorgeht, dass folgende Unterlagen fehlen:

– das Antragsschreiben mit eigenem biographischen Bericht zum transsexuellen Werdegang

– Nachweis der durchgeführten somatischen Ausschlußdiagnostik (z.B.

durch den Endokrinologen)

– Nachweis dass der Operateur persönlich die Maßnahme für erforderlich hält (plausible Herleitung der Indikation)

– Nachweis der Aufklärung über Risiken, Nebenwirkungen und (irreversible) Folgen der Maßnahmen durch den Operateur

22.12.2010 Angeforderte Nachweise bei Herrn Prof. Dr. Joerg Schwarz erbeten
23.12.2010 Telefongespräch mit meiner Sachbearbeiterin Frau E. von der Krankenkasse, mit dem Ergebnis, dass mein Antragsschreiben dem MDK sehr wohl vorliegt und es für den geforderten „transsexuellen Werdegang“ keinerlei Formvorgaben gibt
23.12.2010 Angeforderte Nachweise bei den Herren Dr. Jacobeit und Prof. Dr. Schwarz erbeten.
07.01.2011 Kenntnis erhalten von einer Doktorarbeit aus dem Jahr 2010 über geschlechtsangleichende Operationen bei FzM mit Phalloplastik, die die Ergebnisse der beiden Münchner Vertragsärzte Dr. Liedl und Dr. Schaff gegenüber denen der Privatklinik Sanssoussi (Dr. Daverio) ausserordentlich schlecht gelungen darstellt.

Diese Neuigkeiten verunsichern mich hinsichtlich der Wahl des von mir bevorzugten Operateurs nun zusätzlich.

Link zur Dissertation: http://www2.sub.uni-hamburg.de/opus/volltexte/2010/4861/pdf/=%20DISSERTATION%20=.pdf

11.01.2011 Beleg über das geführte Gespräch mit Prof. Dr. Schwarz eingegangen
13.01.2011 Beleg des Endokrinologen eingegangen

Telefonat mit dem Sekretariat von Herrn Dr. Schaff in München: Ein einstündiges Beratungsgespräch, welches die Aufklärung über Risiken und Komplikationen beim Penoidaufbau mit einschliesst, kostet für gesetzlich versicherte Patienten 46,- EUR.

Telefonat mit der Krankenkasse: Kosten, die durch das Erbringen der vom MDK geforderten Nachweise entstehen (Reisekosten, Beratungsgespräch), übernehme die Krankenkasse nicht. Begründung: Den Antrag habe ich als Versicherter gestellt und es sei mein Wunsch, in München operiert zu werden.

Frau E. weist mich auf diesen Link hin: http://www.gobeg.com/transsexualitaet/GA_OP_Adressen.htm

Die Ärzte in Frankfurt kommen für mich nicht in Betracht, da die dort durchgeführten Operationen (laut Patienten) in München jeweils korrigiert werden müssen.

Schreiben an die Krankenkasse mit folgenden Unterlagen

– Anschreiben an den MDK Nord

– transsexueller Werdegang

– Nachweis über Beratungsgespräch bei Dr. Schwarz

– Nachweis der Ausschlußdiagnostik des Endokrinologen

17.02.2011 Gespräch mit Dr. Schaff in München
18.02.2011 Gespräch mit Dr. Markovsky in München.
21.02.2011 Rechnungseingang Dr. Schaff mit Zahlungsaufforderung EUR 46,25
24.02.2011 Überweisung an Dr. Schaff zur Begleichung der Rechnung
01.03.2011 Schreiben an die Krankenkasse mit folgenden Unterlagen

– aktualisiertes Anschreiben an den MDK Nord

– aktualisierter transsexueller Werdegang

– Nachweis über Beratungsgespräch bei Dr. Schaff

07.03.2011 Anruf bei der Krankenkasse, mein Schreiben vom 01.03.11 ist dort eingegangen und eine Rückrufbitte für den nächsten Vormittag wurde aufgenommen.

Ich möchte doch wissen, dass der Vorgang weitergeleitet wurde, damit klar ist, dass es – wenn – am MDK hängt und nicht bei der KK liegt.

14.03.2011 Anruf bei der für mich zuständigen Sachbearbeiterin, Frau E. vom Servicezentrum Krankenhaus, der Techniker Krankenkasse mit der Frage nach dem Bearbeitungsstand und erneuter Bitte, den Vorgang zu beschleunigen. Sie spricht ein „derzeit erhöhtest Post- und Telefonaufkommen“ an und bittet mich weiterhin um Geduld.

19.03.2011

Eingang Schreiben Krankenkasse, meine Unterlagen seien jetzt beim MDK.

24.03.2011 Eingang Schreiben der Chirurgischen Klinik München-Bogenhausen mit der Beschreibung eines Penoidaufbaus aus dem UA und der Angabe der jeweiligen Liegezeiten und dem Hinweis, man benötige zur endgültigen Terminvereinbarung noch eine Kopie der Gutachten, der Indikationsstellung und der Kostenübernahmezusage der KK.
12.04.11 Anruf bei der Krankenkasse, Frau B. mit der Frage nach dem Bearbeitungsstand. Der Vorgang sei noch beim MDK und noch nicht retour.
27.04.11 Anruf bei der Krankenkasse, Gespräch mit Frau E.: Der MDK habe sich nicht gemeldet, aber sie werde mal nachhaken.
28.04.11 Anruf von der Krankenkasse, Frau E.: Beim MDK sei der Vorgang nach wie vor „in Bearbeitung“; wie lange dies noch dauern würde, sei aber nicht absehbar.
10.05.11 Anruf bei der TK: Fr. E. ist in einer Besprechung und meldet sich zum Sachstand. Laut Computer sei aber nichts eingegangen.

Später spricht Fr. E. aufs Band. Sie bitte nun ihrerseits um Rückruf, andernfalls bliebe es dabei: Der Vorgang sei beim MDK nach wie vor in Bearbeitung und ein Ende sei nicht abzusehen.

11.05.11 In der Hoffnung, in einem persönlichen Gespräch mehr erreichen zu können als per Telefon, suche ich die Filliale *** auf.

Nein, ob der Antrag persönlich abgegeben werde oder schriftlich eingereicht, das nehme keinen Einfluss auf die Bearbeitungsdauer. Der Vorgang sei auch beim MDK in Bearbeitung und insofern könne man da nichts machen. Solche Fälle würden immer durch den MDK geprüft und warum andere Fälle schneller bearbeitet würden wisse man auch nicht. Ob man viele oder wenige Leistungen beanspruche, nehme keinen Einfluss. Man könne nur warten und wenn dann ein Gutachten vom MDK gekommen sei, dann könne man dagegen Widerspruch einlegen, wenn es nicht zur Zufriedenheit sei.

27.05.11

Nachricht von Frau E. auf meinem Anrufbeantworter: Der Antrag sei befürwortet und die Genehmigungen auf dem Postweg.

28.05.11

Eingang des angekündigten Schreibens mit der Kostenzusage.

Eingang des neuen Sozialversicherungsausweises.

Besonders das mir zu Weihnachten präsentierte Schmankerl, an der Diagnose Transsexualität bestehe kein Zweifel, aber es fehlten laut Begutachtungsrichtlinien noch der transsexuelle Werdegang und Belege über die Aufklärung über Risiken und Komplikationen sowie Nachweise vorgenommener Ausschlussdiagnostik bezeugt, dass hier durch den MDK Nord eindeutig eine Hinhaltetaktik praktiziert wird, die sowohl Antragsteller_innen als auch behandelnde Ärzte entmündigt.

Versteht es sich nicht von selbst, dass ein_e Patient_in sich über die Risiken und Komplikationen bevorstehender OPs bzw. Nebenwirkungen von Hormonen informiert?

Versteht es sich nicht von selbst, dass ein Endokrinologe somatische Ausschlussdiagnostik betreibt, bevor er Hormone verabreicht?

Versteht es sich nicht von selbst, dass ein Operateur den Patienten darüber informiert, ob geplante Eingriffe in seinem Fall machbar sind oder nicht?

Wer kontrolliert eigentlich, ob beim MDK nicht nur angelernte Hilfspsychiater auf 400-Euro-Basis sitzen, die stupide eine Checkliste abhaken und gar nicht wissen, was sie da tun?

Ärzte machen Druck

Es ist echt unglaublich.

09.07.2010 – Antrag gestellt
Ende Juli haben die angerufen und mitgeteilt, dass der aktuelle Hormonstatus fehlt.
Super, ich also rumgetelt und alles und nen näheren als den ohnehin nächsten Termin beim Endo kriegte ich nicht (es wären nur 10 Tage rauszuholen gewesen und dafür doppelt Blut abnehmen und Kosten verursachen wollte ich nicht).

09.09.2010 – hab ich diesen fehlenden Hormonstatus eingereicht

21.12.2010 – Nu schickt mir die von der KK nen Schreiben, worauf sie auf ein Fax des MDK verweist. Jetzt fehlen:
– das Antragsschreiben mit eigenem biographischen Bericht zum transsexuellen Werdegang
– Nachweis der durchgeführten somatischen Ausschlußdiagnostik (z.B.
durch den Endokrinologen)
– Nachweis dass der Operateur persönlich die Maßnahme für erforderlich hält (plausible Herleitung der Indikation)
– Nachweis der Aufklärung über Risiken, Nebenwirkungen und (irreversible) Folgen der Maßnahmen durch den Operateur

So und weil ich keine Lust hatte, dass ich den Kram da hinschicke und zwei Monate warte um zu erfahren, dass die den Krempel auch hinsichtlich der Aufbau-OP haben wollen oder dass die auf die Idee kommen, mir nur Mastek + Hysto zu bewilligen (so war es bei einem anderen TM, der auch komplett beantragt hatte), habe ich Termine in München gemacht und den ganzen Krempel besorgt. Son Termin gibts da nicht zu Weihnachten, das hat auch wieder gedauert.

Mit den Fahrtkosten hab ich mich natürlich auch übern Tisch ziehen lassen, weil die mir am Tel sagte „Die Fahrtkosten müssen Sie selber tragen. Sie wollen doch was von uns.“ und ihr egal war, dass ich gesagt hab, die KK wolle doch von mir die Nachweise haben. Also selbst gezahlt und im Nachhinein kannste Fahrtkosten nicht mehr erstatten lassen.

01.03.2011 – hab ich dann alles zusammen gehabt und an die KK geschickt. Seitdem warte ich mir nen Ast und ruf gelegentlich an, um mir die immerselbe Leier anzuhören, der Vorgang sei beim MDK in Bearbeitung und ein Ende sei nicht abzusehen.

Was mich jetzt fertig macht ist nicht das Warten an sich, sondern dass mir von allen Seiten Druck gemacht wird. Ich versuche mich ja in Geduld zu fassen, aber:

1.)
Mein begleitender Therapeut hat mich wuschig gemacht wegen der PÄ, weil er meinte, ich müsse den Richter jetzt mal (da waren ca. zwei Monate vergangen, seitdem ich den auf das BVG-Urteil hingewiesen hatte) in den Arsch treten.
Warum ich bei all den Antragstellern in HH? Irgendeiner müsse es ja tun. Aber mit mir kann mans ja machen.
Zwei Tage später hab ich mich dazu aufgerafft, hab ein Schreiben fertig gemacht mit ner Kopie von einem dämlichen Schreiben von der Rentenversicherung Bund, warum mir das wichtig ist mit der PÄ (mache ja im Juli das Praktikum und brauche den SozAusweis), alternativ wenigstens ein neutrales Schreiben, dass ich als dem männlichen Geschlecht anzusehen bin, notwendig wäre. Dazu ne Liste mit allen Gerichten, die bereits erkannt haben, dass die Voraussetzungen für die PÄ jetzt mit denen für die VÄ identisch sind.

Am Tag darauf ist bei mir die vorläufige PÄ im Briefkasten.
Echt klasse, grosses Kino. Ich war so sauer auf den Arsch von Therapeut.
Also fix wieder nen Schreiben ans Gericht und mich entschuldigt für das Schreiben vom Vortag und das zurückgenommen.

2.)
Mein begleitender Therapeut kennt das Gehänge mit der KK, weigert sich aber, mich darin zu unterstützen (entgegen früherer Aussagen) und hält mir jetzt Vorträge darüber, ich hätt jetzt erhöhtes Krebsrisiko wegen der Geschlechtsorgane und Hormontherapie.
Echt geil, hab ich zwei Wochen gebraucht, um mir darüber klar zu werden, dass er das überhaupt nicht beurteilen kann und die von ihm zitierten Statistiken Nonsens sind – da fängt der Endokrinologe dieselbe Leier an.
Ich sei ja bald zwei Jahre auf Testo und es würde Zeit, dass die Organe da rauskommen, das kostet jedes Mal soundsoviel.
Glauben die eigentlich, das geht bei der KK schneller, wenn die mir Druck machen?
Können die nicht genauso direkt bei der KK anrufen, wenn die solche Probleme damit haben, dass es in meinem Fall nicht voran geht?

Bei mir hinterlässt das nur zusätzlich das Gefühl, ein Versager zu sein.
Von meinen Ärzten hätte ich erwartet, dass die mich unterstützen oder wenigstens trösten.
So kann ich mich natürlich nicht in Geduld üben, wenn die mir da entgegenwirken.
Keine Sorge, ich habe mir schon einen Anwalt ausgesucht.

Mein transWeg – rechtlich

Da ist eine Normvariante: Ich werde mit falschen Genitalien geboren. Deshalb geben mir meine Eltern, passend zu meinem Äusseren, einen weiblichen Vornamen.

Niemand kann was dafür, so etwas passiert einfach.

Dann, eine Woche später, verhalten sich alle korrekt und das mir zugewiesene irrtümlich falsche Geschlecht und der von meinen Eltern ausgesuchte Vorname wird im Geburtenregister eingetragen.

10.01.1980 In Duisburg im Sankt-Johannes-Hospital geboren mit falschen Geschlechtsorganen (d.h. Vagina und Eierstöcke sowie Gebärmutter anstelle von Penis und Hoden)
17.01.1980 Aufgrund der schriftlichen Anzeige des Leiters des vorgenannten Krankenhauses irrtümlich Geschlechtseintrag im Geburtenregister als „weiblich“ und mit den Vornamen „*** ***“
24.04.2009 Antrag auf Änderung des Vornamens und der Geschlechtszugehörigkeit gemäß §§ 1 und 8 TSG beim Amtsgericht Hamburg mit den Anlagen

– Geburtsurkunde

– Meldebescheinigung

– Kopien Personalausweis, dgti-Ausweis

– Lebenslauf

– Prozesskostenhilfeantrag

30.04.2009 Bitte des AG Hamburg um Übersendung einer Meldebescheinigung, die auch Staatsangehörigkeit und Familienstand beinhaltet
10.05.2009 Übersendung einer Meldebescheinigung, die auch Staatsangehörigkeit und Familienstand beinhaltet
23.06.2009 Termin bei Herrn Prof. Dr. G. Schmidt anlässlich eines Gutachtens für die Vornamensänderung
08.10.2009 Termin bei Herrn Dr. med. Wilhelm F. Preuss anlässlich eines Gutachtens für die Vornamensänderung
08.06.2010 Gespräch mit dem Richter anlässlich der Vornamensänderung
18.06.2010 vorläufiger Beschluss hinsichtlich VÄ/PÄ liegt vor
16.07.2010 Vornamensänderung rechtskräftig
16.11.2010 Mitteilung an das AG Hamburg, dass ich am 12.11.2010 eine Ehe geschlossen habe verbunden mit der Frage der Rechtsfolgen auf die von mir beantragte Personenstandsänderung hinsichtlich des Fortbestehens der Ehe verbunden mit der Bitte um Bestätigung, dass die jetzt bestehende Ehe nach geltendem Recht nicht meinem Antrag auf Personenstandsänderung, an dem ich nach wie vor festhalte, entgegensteht.
23.11.2010 Antwort des AG Hamburg mit der Bestätigung, dass meine Ehe der Entscheidung in diesem Verfahren nicht entgegensteht.

Mein Ehepartner sei allerdings gem. §3TSG Beteiligter dieses Verfahrens und müsse der Fortführung der Ehe zustimmen unter Verweis auf §8 Abs. 1 Ziffer 3b TSG.

Eine solche Ziffer 3b gibt es dort jedoch nicht. Da mein Ehepartner meinen Antrag unterstützt, nehme ich diese Rechtsunsicherheit hin.

29.01.2011 Schreiben ans Amtsgericht Hamburg unter Bezugnahme auf den Vorabentscheid zur PÄ: Hinderungsgründe sind hinfällig, da Ziffern 3 und 4 des § 8 (1) TSG als verfassungswidrig erklärt.  (Zitierung: BVerfG, 1 BvR 3295/07 vom 11.1.2011, Absatz-Nr. (1 – 77), http://www.bverfg.de/entscheidungen/rs20110111_1bvr329507.html )

Eingang eines Schreibens vom AG Hamburg mit der Mitteilung, dass mein Ehepartner nach geltendem Recht nicht Beteiligter des Verfahrens ist und der Fortführung der Ehe nicht zustimmen muss.

07.02.2011 Eingang eines Zwischenbescheids des AG Hamburg zur rechtlichen Situation
08.03.2011 Anruf beim AG HH, da der Richter sich seither nicht gemeldet hat. „Die Akte ist beim Richter.“, heisst es.
14.03.2011 Anruf beim AG HH und Nennung etlicher Gerichte, die das BVG-Urteil vom 11. 01.11 so interpretieren, dass die Voraussetzungen für VÄ und PÄ jetzt identisch sind – nämlich den bisherigen für die VÄ entsprechend. Die Liste wurde freundlich aufgenommen.
13.04.11 Schreiben ans AG Hamburg mit der Bitte um Ausstellung eines neutral formulierten Schreibens, das bei der Rentenversicherung vorgelegt werden kann und meine Zugehörigkeit zum männlichen Geschlecht bestätigt sowie Übermittlung einer Liste der AGs, die bereits erkannt haben, dass die Voraussetzungen der PÄ jetzt mit denen der VÄ identisch sind.
14.04.11 Eingang eines Schreibens vom Amtsgericht Hamburg:Vorläufiger Beschluss PÄ mit der Frage nach Rechtsmittelverzicht.

Schreiben ans Gericht: Rechtsmittelverzicht + Bitte, meine Bitte im  Schreiben vom 13.04.11 als gegenstandslos zu betrachten!

21.04.11 Personenstandsänderung ist rechtskräftig.
29.04.11 Schreiben vom AG Hamburg eingegangen: Personenstandsänderung mit Rechtskraftvermerk.

Jetzt meine Frage:

Wenn da irgendjemand vom Krankenhaus dem Standesamt etwas über mich erzählen kann – wie ich heisse und was für ein Geschlecht ich habe – warum glaubt mir dann keine Sau, wenn ich das richtigstellen will?

Warum muss ich erst Himmel und Hölle in Bewegung setzen und wiederum sind es Dritte („Gutachter“, Richter…), die mir mein Geschlecht zuweisen, so dass nach fast auf den Tag genau zwei Jahren ein binnen 30 Sekunden enstandener über 30 Jahre alter Fehler korrigiert wird?

Das ist es, was mit „Psychopathologisierung“ gemeint ist.

Wir haben doch alle eine SteuerID, die uns lebenslang identifiziert. Wen kümmert dann noch ein geänderter Vorname oder Geschlechtseintrag?

Niemanden, weil es schlichtweg keine relevanten Daten mehr sind, sondern lediglich Datenfelder, die für Anschreiben an den Bürger verwendet werden. Und genau deshalb sollte da auch das eingetragen werden, was der Bürger dort gerne lesen möchte.

Die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. (dgti) hat ein neues Eckpunktepapier herausgebracht, das wichtige Aspekte für die geplante Gesetzesänderung aufzeigt.

Ich bitte alle Stellen, die ich über o.g. Korrekturbedarf ihres Datenbestandes bereits unterrichtet  hatte, diese Initiative der dgti zu unterstützen.

  • Meine Schule, Hochschule und das Bafög-Amt
  • Meinen Arbeitgeber und das Finanzamt
  • Meine Selbsthilfegruppe
  • Meinen Stammtisch
  • Meine Ärzte: Hausarzt, Endokrinologe, begleitender Psychotherapeut, Zahnarzt
  • Meine Krankenkasse, zuständigen MDK sowie MDS
  • Meine Bank
  • Meine Versicherer: Gesetzliche sowie private Rentenversicherungen, Bausparkasse, Hausrat- & Haftpflicht- sowie KfZ-Versicherung
  • Meinen Vermieter
  • Meine Nachbarn

Sie alle haben mit Menschen zu tun, denen es wichtig ist, richtig angesprochen zu werden. Darunter sind auch transsexuelle Menschen, denen die korrekte geschlechtliche Anrede in Verbindung mit richtigem Vornamen ganz besonders wichtig ist.

Juhu, das AG Hamburg hats erkannt: Ich bin als dem männlichen Geschlecht anzusehen

Das AG Hamburg hat jetzt das BVG-Urteil verdaut und folgendes ist dabei rausgekommen: Die Voraussetzungen für die PÄ geht jetzt über die der VÄ nicht mehr hinaus.

Für die Aussetzung dieses Verfahrens ist kein Raum. Der Gesetzgeber ist aufgrund der oben aufgeführten Entscheidung zwar berechtigt, neue und gegebenenfalls andere Kriterien für die Feststellung der Änderung des Personenstandes im Rahmen des TSG festzulegen. Eine Frist ist dem Gesetzgeber aber nicht gesetzt. Vor diesem Hintergrund ist es dem Antragsteller nicht zumutbar, auf eine Gesetzesänderung zu warten.

Das war ne schwere Geburt!

Aber das gestern auf Anraten meines Anwalts, ähh Psychotherapeuts aufgesetzte Schreiben hätt ich mir sparen können.^^

Egal – bald kommt der rechtskräftige Beschluss und dann schreibe ich alle beteiligten Stellen an und teile das dann mit.