Ich habe fertig! (Tag 7)

 

@Sonja: Hömma Liebelein, wenn Du mit dem Lesen nicht hinterherkommst, dann lass Dir doch nicht von Ver-rückten vorschreiben, was Du zu lesen hast, Herzchen.

Pass ma uff, jetzt wirste zwangstherapiert, dann weisste auch, was ich damit meine. So und um Missverständnissen vorzubeugen: Die Welt ist mein Zeuge.

Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich. Lest mal die Zeit. Wirklich, die Zeit solltet ihr euch nehmen. (So macht man übrigens double bind, aber das könnt ihr ja schon.)

Und googlet selber, ihr faulen Luschen, ich bin nich eure Tippse!

Ich glaube, wir verstehen uns. Kontaktformular kennt ihr ja mittlerweile dann auch. Lieber Finger von, Kinners, der Papa muss dringend inne Heia und beim Schlafen darf er nicht gestört werden. Einen Tag die Woche werdet ihr ja wohl mal ohne mich auskommen können. Wenigstens am Sonntag. Der Sonntag ist nämlich der Tag des Herrn, oder deutlicher. SONNTAG IST RUHETAG, ALSO RUHE DA OBEN ODER MUSS ICH EUCH ERST ZWANGSTHERAPIEREN IHR SCHNITZELKLOPFER MIT EURER SCHEISSDAUERBAUSTELLE DA!!! WENN IHR IHR EUCH NICHT BALD BEI MIR ENTSCHULDIGT, IHR ARSCHGEIGEN, UND AUFHÖRT MICH ANZULÜGEN, DANN KANN ICH AUCH MAL MIMIMI BEI DER SAGE MACHEN. ICH LASSE MICH NICHT GERN FÜR DUMM VERKAUFEN. WISST IHR EIGENTLICH, DASS ICH EUCH BEIM FICKEN HÖREN KANN? SOLL ICH EUCH MAL NEN HANDWERKER HOCHSCHICKEN UND NE KAMERA INSTALLIEREN BEI EUCH? VERGESST ES EURE SCHEISSVANILLANUMMER KANN ICH NICHT GEBRAUCHEN UND MAL EHRLICH: Friedlich hatten wir ja schon versucht. Also nächstes mal gehe ich mit der ganzen Bagage einfach mal eins höher und erklär denen, warum ich nicht schlafen kann und wisst ihr was? Die sind dann alle auf meiner Seite. So!

Und jetzt hab ich ne schöne Wichsphantasie, da brauch ich nimmer Hand anlegen, da komm ich schon beim Schreiben und wenn ich mir dann vorstelle, dass wir es in aller Öffentlichkeit miteinander treiben und euch keiner glauben wird, dann wisst ihr auch mal endlich, wer hier wenn beobachtet und jetzt ist hoffentlich endlich Ruhe im Karton, sonst sehe ich mich gezwungen, noch ein Stockwerk höher zu eskalieren. Und was dann passiert, muss ich euch ja nun nicht wirklich noch erklären, oder? Falls euch das wirklich entgangen sein sollte: Ich bin nicht total bekloppt, das ist eure versaute Phantasie. Wenn ich mir in die Karten gucken lasse, dann mache ich das mit Absicht. Das ist nen freundlicher Wink mit dem Zaunpfahl. Aber wer nicht hören will, der muss dann eben gedankenvergewaltigt werden oder so ähnlich. Bastelt euch selber euer Happy End, dafür bin ich nicht zuständig.

So, Herr Jost, begreifst Du jetzt, was der Herr Kollege mir angetan hat mit seiner Tipperei? Aber für ausführlich habt ihr ja keine Zeit…. Tja, dann halt nicht. Dachte ihr wollt mir helfen. War ja nur ne Einladung. Wer nicht will, der hat schon. Dann lutscht eure Pillen selber und therapiert euch gegenseitig und ich penne wann ich will und so können wir dann mal zusammenkommen an irgendeinen Tisch, egal ob rund oder eckig, aber ihr wollt mich ja nicht mitspielen lassen oder warum sonst muss man sich bei euch um die Betten prügeln und erst Pillen fressen, damit man bei euch übernachten darf?

Einvernehmlich ist wohl nicht so eure Sache, was? Das kannst ja auch gleich sagen, dann wirste eben zwangstherapiert. Machen wir doch gerne…. Da hätteste aber auch einfach fragen können. Ich tu Dir doch nix, ich will doch nur spielen… Therapeutisches Rollenspiel halt. Meine Fresse, manche haben aber auch ne extralange Leitung. Naja, die glauben mir ja nicht, wenn ich mich zu erkennen gebe, dann kann ich nicht anders. Selber schuld, wenn ihr mich für verrückt halten wollt. Mir ist das nämlich egal, wer mir sonst noch so hinterherlatscht, ich kann auch auf mich selber aufpassen. Und zählt mal meine Follower, 12 ist doch ein Witz dagegen, oder? Den hab ich auf jeden Fall über, also kann ich ja nur noch Godfather himself sein.

Und morgen früh sag ich dann einfach, ich hatte einen feuchten Traum und diesmal versaut ihr mir den nicht, sonst werdet ihr zum Hauptdarsteller in der Opferrolle.

Und mit dem Gedanken kann ich jetzt auch ruhig einschlafen, da habe ich dann keine Angst mehr. So mache ich das, Herr Doktor, aber Du hast ja keine Lust, mehr als die ersten beiden Sätze zu lesen und ich Dir schon anbiete, ne Kopfkinofilmrolle auszusuchen, solltest Du eigentlich artig danke sagen und nicht so tun als wär ich ein kleines Kind, das alleine Angst im Dunkeln hat und bei Mama aufm Arm will, denn solange Du das nicht kapierst, bleibst Du in der Täter_innen-Rolle, aber vielleicht fragt Dich mal eines Tages ein Reporter, was Du so über mich denkst und dann ist mir das egal, was Du denen für Märchen erzählst, weil in meinem Abschiedsbrief ganz deutlich zu lesen ist, dass Du mir das so gesagt hast, dass ich das so machen soll und wenn Dein Chef ausm Urlaub wieder da ist, dann – ja dann… für den Fall überlege ich mir das doch noch mal und dann bleibe ich doch sicherheitshalber konfessionslos, sonst weiß ich nicht, wie die Geschichte weitergeht.

Und deshalb lasse ich das Ende der Geschichte nun an dieser Stelle, sicherlich im Interesse aller, ganz bewusst offen. Nur für den Fall, dass der Arzt das doch nicht böse meinte. Dann können wir nämlich alle gemeinsam zurückrudern in unserem gemeiinsamen Bötchen, gelle. Vielleicht geht ja mein Wunsch auch so in Erfüllung, ohne dass ich nochmal zum Arzt muss. Abwarten und Teetrinken. Baldriantee, sicherheitshalber. Nee, nix da. Ich geh selber in die Küche, sonst kann ich mich wieder nicht dran erinnern, wo ich war. Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser.

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Entweder et ränt oder mer is möd oder de Schrank is eraff - deutsch-deutsche Übersetzungen bietet Lysander, der befreite Mann

Prozessmusterwechsel

Ich werde nun meinen Worten Taten folgen lassen und meine eigenen Rat-Schläge befolgen. Daher nun auch die Trendwende.

Das Wort Prozessmusterwechsel gefiel mir dafür, um auszudrücken, dass man auch mal alles übern Haufen werfen muss, die alte Ordnung niedertrampeln, um dann nochmal zurück auf los und einfach einen zweiten Versuch wagen. So einen Neustart wie Nadja ihn machte. Lediglich… bei mir bleibt die Historie erhalten.

Ich werde bissl basteln, peu a peu wird eine neue Ordnung entstehen, ganz sutsche, und es wird sich, wenn ich wandern gehe, wie gedacht, zwangsläufig eine Blogpause ergeben. Allerdings nehme ich nun auch keine falsche Rücksicht mehr auf überforderte Leser_innen. Wenn ich das mache, dann habt ihr es viel zu bequem, und lernt es nie, was ich gelernt habe: Nicht mehr so über-rücksichtsvoll zu sein. Das wäre gemein von mir.Vor allem mir selbst gegenüber.

Und wenn sich dann jemand überfrisst am Lesestoff – sorry Sonja – dann möge der_diejenige bitte etwas Reizzufuhr drosseln lernen. Die Chance nehme ich Dir ja sonst. Wäre doch gemein, oder?

An dieser Stelle sei bemerkt, dass der HSP-Test online ist: zum Test (öffnet in neuem Fenster / Tab)

Ich blogge weiterhin live und in Echtzeit. Andere Leute nehmen ja auch keine Rücksicht darauf, wann ich eMails kriegen will und wann nicht. Aber das kann ich ja zum Glück selber einstellen, ob die immer sofort abgerufen werden sollen oder nur einmal am Tag oder in der Woche. Wer Wert auf meine Meinung legt, wird warten, damit ich hinreichend Zeit zur Reflektion habe. Tim Schnelzig macht es ja auch sich selbst bei der Arbeit bequem und nicht seiner Kundschaft. So wie mein hochverehrter Zahnarzt. Warum soll ich mich dann immer unter den König Kunden unterordnen? Das wäre doch echt däm_herrlich!

Also, ohne Rücksicht auf Verluste nun bis auf Weiteres nur noch konsequent diese Haltung: Ich sitze selbst am Steuer meines Gedankenkarrussells und ich entscheide, wann ich auf die Bremse latsche. Manchmal habe ich gerne einen Fahrlehrer dabeisitzen, der notfalls mit reintreten kann, aber meistens ist der dann überrascht, dass er im Vergleich ne lahme Ente ist, was Reaktionsgeschwindigkeit angeht und dann ruckt es so unangenehm, weil das doppelte Bremsen eben stärker wirkt als wenn nur einer von uns bremst. Echt wahr: Fragt mal meinen Fahrlehrer aus der City-Fahrschule in Bonn, der ist echt knorke. Keine Ahnung, ob der zwischenzeitlich unter die – Verzeihung, ich schweife ab. Um das Geblubber rauszukürzen: Sonja, ich bin zuständig für mein Schreibtempo und Du für Dein Lesetempo, okay? Können wir uns darauf einigen? Wäre lieb. Andersrum machen wir das ja genauso, äh andersrum, ach passt scho.

Ich schreibe für mich zu Selbstheilungszwecken oder aus lauter Spaß an der Freud. Wer das lesen möchte, herzlich willkommen. Vor allem schreibe ich nicht mehr, um… sondern ich schreibe oder ich schreibe nicht, weil ich gerade was anderes mache. Punkt.

Fragen: Herzlich gerne. Dafür gibt es die Kommentarfunktion da unten oder diskreter die verschiedenen Briefkästen da oben. Die werdet ihr schon finden, wenn es euch wichtig ist.

Dir fehlt die Intonation zu Interpretationszwecken? Na dann hübsch antreten zum Diktat und selber tippen, hopphopp! Geld ist Zeit, also bitte. Echt jetzt, ist doch nix Neues…

Dir fallen keine Fragen ein? Na dann gehörst Du wohl nicht zu meiner Zielgruppe. Macht nix. Darfst trotzdem weiter mitlesen. 🙂 Gratis!

Schriftsteller sein reicht mir; ich muss kein Buch schreiben

17. Juli 2016

Der Traum vom eigenen Buch ist in meinem Falle der davon, eines geschrieben und veröffentlicht zu haben. Weil das zum Schriftsteller-Dasein dazuzugehören scheint, weil alle Welt es von mir erwartet, wenn ich mich als Schriftsteller bezeichne. Bloggen reicht nicht; wer nur bloggt ist ein Blogger und kein Schriftsteller. Schriftsteller schreiben Bücher. Und treten bei Lesungen auf und vielleicht auch mal im Fernsehen.

Es ist der Traum vom Berühmtsein unter Pseudonym – ein bisschen wie ein Rockstar, allerdings unverbindlich: ohne auf der Straße erkannt zu werden und ohne Horden von Fans unter dem Hotelfenster. Autogramme geben ja, aber nur zu den angekündigten Zeiten.

Es ist der Traum vom großen Schulterklopfen, die Sehnsucht nach der Anerkennung meiner Leistung, die ich mir selbst so oft verweigere. Es ist der Traum von der Freiheit, nicht gebunden zu sein an feste Arbeits- und Schlafenszeiten; der Luxus, die Strukturlosigkeit zur Struktur zu erklären.

Bank unter der Rampe
Arbeitsplatz an der frischen Luft

Und so habe ich während eines Spaziergangs auf dieser oben abgelichteten Bank vor einem Regenschauer Schutz gesucht, mein Notizbuch ausgepackt und ein Anschreiben zu einem Exposé verfasst. Und dabei habe ich mich schon fast ein bisschen wie ein Promi gefühlt, als eine Passantin mich im Vorbeigehen anlächelte.

Nur um das gesamte Vorhaben der Veröffentlichung gesammelter Kurzgeschichten und anderer Texte dann bei der nächsten Gelegenheit gleich wieder gedanklich in die Tonne zu treten.

Weil mein Manuskript ja nichts taugt und der Markt darauf nicht gerade gewartet hat und überhaupt und weil es doch eine Frechheit ist, dafür noch Geld verlangen zu w0llen. Weil es doch gar keine Mühe gemacht hat. Arbeit muss doch Mühe machen.

Ich lese gerade Meine Zeit der Trauer von der Romanschriftstellerin Joyce Carol Oates. Ich kenne keinen einzigen Roman von ihr, aber ich frage mich, ob diese berührender sein können als dieses Buch, mit dem sie die Trauer um ihren Ehemann verarbeitet hat und das fast ausschließlich aus Reflektionen besteht. Ihn kannte ich auch nicht, aber ich heule alle paar Seiten wie ein Schlosshund. Dieses Buch ist kein Roman und doch bin ich dankbar, es auf dem Grabbeltisch mit den Mängelexemplaren gefunden zu haben.

Trotzdem würde ich gerne, auch wenn ich es mE nicht zwingend muss, um Schriftsteller zu sein, einen Roman schreiben. Einerseits, um einen geschrieben zu haben und andererseits, weil es auch eine Frage meiner Identität ist. Arbeit ist, so habe ich kürzlich gelesen, ein bedeutender Bestandteil der Identität.

Immerhin ist unsere Arbeit das, was wir den lieben langen Tag machen und worum die meisten unserer Gedanken kreisen. Und da rockt „Hausmann“ einfach nicht so sehr wie „Schriftsteller“. Auch wenn ich da sehr viel produktiver bin, wird das regelmäßig überhört, wenn ich die Frage nach meinem Beruf mit „Hausmann und Schriftsteller“ beantworte. Allerdings ist „Hausmann“ immer noch besser als „Patient“.

Es ist etwas anderes, nur ein paar Kurzgeschichten zustande gebracht und mal hier in der Zeitung platziert zu haben und da einen Wettbewerb gewonnen zu haben oder einen ganzen Roman fertiggestellt und bei einem Verlag untergebracht zu haben. Da liegen gefühlt Welten dazwischen. Dabei ist nüchtern betrachtet ein Roman nichts anderes als mehrere aneinandergereihte Kurzgeschichten, die jeweils die vorhergehende fortsetzen.

Wenn ich überschlage, wie viel ich seit März gebloggt habe, dann müsste das zusammengenommen auch hübsch was ergeben. Aber es ist eben ein anderes Schreiben, wenn ich blogge. Das ist wie Malen, bei dem ich mich ganz auf den Prozess einlasse, und staune, dass mir sogar gefällt, was hinterher herausgekommen ist. Oder wie Tanzen, wenn ich mich von der Musik oder vom Partner führen lasse. Einfach nur genießen dürfen und nicht drüber nachdenken müssen.

Führe ich selbst, muss ich mein Gegenüber sowie andere Tanzpaare im Blick behalten, mich passend zur Musik bewegen und dabei auf die mir bekannten Ausdrucksformen zurückgreifen. Das ist eine ganz andere Herausforderung, so wie eben das Schreiben einer Geschichte, die eine bestimmte Aussage haben soll, ein zielgerichtetes Handeln erfordert. Das fällt mir schwer, aber ich kann es.

Zu Motivationszwecken habe ich mir einen neuen Ordner gekauft. Wenn ich mir vorstelle, die zehn darin abgehefteten Schreibblöcke alle mit der Hand vollgekritzelt zu haben, dann werde ich das hoffentlich nicht einfach so wegschmeißen, sondern wirklich ernsthaft daran weiterarbeiten. Selbst wenn ich davon nur ein Drittel verwenden kann, sollte es noch reichen.

Motivordner
Motivationsordner

Der Vorteil, den Entwurf mit der Hand auf Papier zu schreiben, liegt darin, dass ich nicht gleich ganze Passagen einfach lösche wie am Bildschirm. Der innere Kritiker hat Sendepause. Zudem verlangsamt sich der Gedankenfluss dadurch, dass ich mit der Hand nicht so schnell schreiben kann wie ich tippen kann. Komme ich mit dem Tippen nicht mehr hinterher, sind meine Gedanken ohnehin zu sehr ungerichtet und nicht hinreichend produktiv. Übrigens sind auch andere Areale des Gehirns aktiv, wenn man mit der Hand schreibt.

Ich träume schon wieder mein Leben bzw. davon, wie es werden könnte, aber ich glaube, das Arbeiten als Schriftsteller ist der einzige Weg, auf dem ich sowohl meinen Traum leben als auch mein Leben träumen kann. Durch meine Figuren kann ich ja alle möglichen und unmöglichen Phantasien ausleben, auch über verschiedene Berufstätigkeiten.

Angefangen vom Müllmann, der ich nicht werden durfte, über den Maler und Lackierer bis hin zum Informatiker oder Psychologen. Ich kann nun gedanklich doch noch meine Kochlehre abschließen oder auch ein ganz anderes Leben führen, auf den Strich gehen oder Ballettstar werden – solange ich mich dabei auf Phantasiefiguren beziehe ist das alles realistisch.

Und natürlich kann ich auch darüber schreiben, Schriftsteller zu sein. 😉

 

Mut zu mehr Lücken

Guten Morgen,

ich habe beschlossen, dass ich noch weniger schaffen darf als bisher.

Es kommt ja, wie ich aus zuverlässiger Quelle weiß, doch keine Sau mit dem Lesen hinterher – abgesehen von Extremjunkies vielleicht, die ausreichend Tages- oder Nachtfreizeit haben.

Nachdem meine treue Leserin Sonja mir so hübsch die Hosen runtergezogen und mich vor den Spiegel gezerrt hat (O-Ton:

Wie immer ein gewollter und gekonnter Mix aus Berichterstattung mit informativen Elementen, aber aus subjektiver Sicht geschildert und über einen eingestreuten kurzen Exkurs in die Vergangenheit wieder zielgerichtet in die Zukunft geschaut.

)

Ganz ehrlich, meine Liebe?

Mein erster quergeschossener Gedankenimpuls dazu war die drängende Frage, wer Dir denn bitte ins Gehirn geschissen hat, mir eine derartige Absicht zu unterstellen. Wenn ich mich nicht entscheiden kann zwischen Hoch- und Tiefstapeln, dann kannst Du doch nicht einfach die Frechheit besitzen, mir ganz ungefragt zu erklären, warum meine Texte so gut beim Publikum ankommen – damit wärst Du nach Anklam Insultings schon die zweite Person, die mir das erklärt.

Nachdem der Schmerz dieser Erkenntnis verklungen war, frage ich mich zögernd: Hat sie vielleicht recht? Verwechsel ich jetzt schon Licht mit Scheffel und nicht mehr nur die Ausrichtung? Bin ich wirklich sooo genial, dass ich mich selbst für verrückt halte, obwohl ich es gar nicht bin? Das mittlerweile vier Jahre alte Dilemma, das ich mittlerweile satt habe.

So nach dem Motto:

  • Wenn der Hahn mich jagt und ich hock mich hin, bin ich ein Flittchen.
  • Lauf ich weg, bin ich feige.
  • Wie ichs mach, mach ichs verkehrt.
  • Ach watt, ich stolper einfach.

Und so mache ich das jetzt auch: Ich mache diesen EX-IN-Spagat und bin mit einem Auge durchgeknallt und mit dem anderen seriös. Halb Künstler, halb Heiler, halb krank = 150% ich. Ein Fuß in der Klapse und einer im Hörsaal vorm hochverehrten Auditorium. Man wird mir Gehör schenken. Man wird mich lesen. Ich komme vielleicht im Fernsehen, quatsche mit Domian und lerne noch mehr Promis kennen – High Society ich komme.

Ich werde endlich die Zeit zum Schreiben – also richtig produktiv schreiben, so mit nachher fertig Buch aufm Buchmarkt und so, ganz echt zum anfassen ein haptisches Buch zum Liebhaben – diese Zeit werde ich nicht nicht einfach so urplötzlich finden, sondern die werde ich mir ganz bewusst nehmen, indem ich meine Zukunft wie ein mündiger Bürger mitgestalte.

Und falls das nix werden sollte mit der Rente, bewerbe ich mich noch fix beim Netto um die Ecke, die suchen nämlich grad Aushilfen. Das gibt eh nur rentenverträgliche 450,- EUR und macht bestimmt Riesenspaß, das mal auszuprobieren. Und selbst wenn ich damit wieder zusammenbreche, dann ist das wieder ein Schritt in Richtung Rente und nebenbei eine prima Gelegenheit, Gleichstellung zu beantragen.

Ich mach das jetzt einfach wieder so wie früher, bevor ich wusste, was ich alles nicht können darf. Hm, nein, ich hatte eine bessere Formulierung dafür:

Sehr vieles in meinem Leben habe ich erreicht, weil ich gar nicht wusste, dass das unmöglich ist.

(Ingo S. Anders, Schriftsteller)

Und jetzt, liebe Sonja, möchte ich Dir die Füße küssen dafür, dass Du mir bewusst gemacht hast, wie mein therapeutisches Schreiben funktioniert. Durch genau diesen Weg vom Jetzt in die Vergangenheit geschwenkt, ein Blick in die Zukunft und zurück ins Hier und Jetzt. Genau so muss eine gut geführte Therapiesitzung verlaufen, um mir Halt bieten zu können.

Genau dieses Muster übernehme ich jetzt in einer Drei-Tage-Woche.

  • Montag: Gestern
  • Mittwoch: Heute
  • Freitag: Morgen

Damit kann ich an einem einzigen Arbeitstag eine Drei-Tage-Woche simulieren. Gut, oder? Ich muss nur meine Ergüsse noch besser aufdröseln und dafür brauche ich einfach eines: Zeit.

Und die Geschichte mit der Botschaft

Zeit hat man nicht. Zeit nimmt man sich.

(Meine bessere Hälfte, aber davor bestimmt auch schon jemand – http://www.gidf.de)

Der Faktor Zeit ist sehr entscheidend lehrt einer, der selbst gar nicht gut schreiben kann -aber er kann es einfach verdammt nochmal gut erklären, wie jemand anders das hinkriegen kann. Namen sind Schall und Rauch, solange man sich nicht für die Außenwelt interessiert, aber im Informatikstudium habe ich gelernt, dass es sehr wichtig ist, Objekte eindeutig bezeichnen zu können, damit sie wiedererkannt werden. Also wenn ich Dir nun eine Lektüreempfehlung machen will, muss ich entweder nach dem haptischen Buch in meinem Regal suchen (da steht der Name drauf!) oder in meinem angeblich kaputten, ganz unbestritten aus dem Takt geratenen, Hirn graben.

Also: Aufstehen, Bücherregal. Ohne meine Ordnung, wo alle Dinge ihren festen Platz haben, wäre ich manchmal echt im Arsch und nicht nur am Arsch.

Dazu: Zeit ist Geld und jeder Gang macht schlank.

Und bitte:

James N. Frey: Wie man einen verdammt guten  Roman schreibt 2.

Kann ich Dir gerne bei Gelegenheit mitbringen, falls Du Interesse hast. Der Vollständigkeit halber auch den ersten, den Du zum Vergleich heranziehen kannst, weil er in Teil 2 beschreibt, was er in Teil 1 falsch gemacht hat.

Das Buch „The Design of everyday Things“ musste ich überhaupt nicht lesen, weil der Autor so nett war im Vorwort der überarbeiteten Auflage reinzuschreiben, was er mit seinem Buch falsch gemacht hatte. Er hatte auf seinen eigenen Ratschlag nicht gehört. Das scheint irgendsoeine Art Betriebsblindheit zu sein, die viele Menschen ergreift, die Supervision benötigen. Da ich irgendwie anders ticke, kann man mich nun für einen seltenen biographischen Unfall (Prof. Peter Kruse über Kreativität) halten oder mich für verrückt halten und als krank etikettieren – mir mittlerweile alles recht, wie gesagt: Ich stolpere.

Nächsten Dienstag gehe ich zur Notfallsprechstunde der medizinischen Fachkraft mit Approbation, der ich derzeit noch vertrauen kann und bitte sie darum, mich wegen emotionaler Instabilität krankzuschreiben bis zu unserem nächsten regulären Termin am 1. September. Egal was sie denkt, egal, was sie auf den Zettel schreibt: Es bringt mich meinem Ziel näher. Entweder hält sie mich für verrückt, dann gehe ich in Rente, oder sie hält mich für gesund, dann bin ich endlich geheilt und auf der sicheren Seite und werde nie wieder weggesperrt.

An diesen Traum klammere ich mich jetzt, um bis Dienstag durchzuhalten.

Meine Krisenbegleitung ist (mal wieder) überfordert und heute morgen um fünf – ich habe ehrlich gesagt simuliert, aber ich musste wirklich ausprobieren, ob man nachts anrufen kann oder nicht – kann man nicht, jedenfalls nicht bei dieser Person und ich weiß ja nie wer dran ist.

Ich werde alles daran setzen, dass es mir gut geht, dass ich weiterhin funktioniere und ich werde mit Behinderung argumentieren. Das ist nicht gelogen und hilft mir dabei, mich durchzusetzen. Ob ich behindert bin oder werde lasse ich mal offen, aber normalerweise will da niemand den Feststellungsbescheid sehen.

Vom Steuerberater mal abgesehen. Aber dem bereite ich nur noch das vor, was ich noch schaffe. Denn ab Dienstag bin ich ja dann krank und muss nicht mehr funktionieren. Und das WE komme ich endlich hier raus und mein Mann ist unter Aufsicht und ich muss mich nicht selbst kümmern. Und das alles ohne Diagnose für ihn – was für ein Glück es doch ist, hinreichend liquide zu sein.

Was die Krankenkasse nicht zahlt, setzen wir von der Steuer ab und fertig. Ich fasse es echt nicht, dass ich jahrelang so verfickt verkrampft war und uunbedingt auf Teufel komm raus alles immer alleine und selbst machen wollte und niemandem zugetraut habe, irgendetwas auch mal ordentlich zu machen. Natürlich würde ich es selbst gründlicher machen und meinen eigenen Vorstellungen dafür näher kommen, wenn ich nur die Zeit hätte, alle die tollen Ideen auch so akribisch umzusetzen, wie ich das gerne würde.

Aber wie gesagt:

Geld ist Zeit. Die anderen haben das falsch verstanden. Nicht Zeit ist Geld, sondern Geld ist Zeit. Mit Geld kann ich mir Zeit kaufen um das zu tun, was ich gerne tun will anstatt dem, was ich zwar auch kann, aber nicht so gerne tun will.

(Ingo S. Anders, Schriftsteller)

Also ich will gerne jetzt mal bissl Gas geben mit meiner Schriftstellerkarriere. 2014 habe ich meiner Ergotherapeutin das versprochen. 2016 habe ich mir selbst das versprochen. Der Unterschied in Sachen intrinsischer Motivation ist gewaltig, wenn ich es für mich selbst tue.

Und vor allem, seit ich eingesehen habe, dass ich ohnehin keine andere Wahl habe als zu schreiben, weil das das ist, was ich tun muss, um halbwegs bei Sinnen zu bleiben, ist auch meine 16jährige Berufsorientierungskrise vorüber.

Meinen Weckruf hatte ich dieses Jahr am Valentinstag.

Es reicht vollauf, wenn diejenigen Bücher schreiben, die man von der Tastatur wegzerren muß, damit sie das Essen nicht vergessen…

(Andreas Eschbach, Schriftsteller)

Andreas Eschbach ist ein megamäßig gottgleich überhöhtes Ideal, wie ein Schriftsteller sein sollte – jetzt bin ich tatsächlich so weit, mich da wieder zu erkennen.

Meine erste Veröffentlichung hatte ich im Alter von zehn Jahren. Kommt bestimmt gut in der Vita.

Schade nur, dass ich in einem dieser beschissen Anfälle von Selbsthass mein Belegexemplar zerstört habe und nun einfach nicht die Zeit finde, mich selbst ins Archiv zu hocken und danach zu suchen. Aber ich bin sicher, es gibt fleißige Rentner_innen, denen nichts lieber wäre als eine gescheite Aufgabe, damit der Tag ein Highlight hat und die sich über ein Buch als Belohnung sicher freuen würden. Irgendwo da draußen sind sie und warten nur darauf, in Aktion treten zu dürfen.

Sobald ich mit meiner Mutter gesprochen habe und noch mal klar habe, welche Zeitung das war, wann das ungefähr war und wo die das Archiv haben und so weiter – dann blogge ich darüber und dann wünsche ich mir einfach vom Universum (Danke Hape!) , dass sich das früher oder später schon regeln wird und bin ganz gespannt darauf was werden wird.

Falls Du mal keine Zeit zum Pilgern hast, Sonja, aber Dir danach wäre: Das hat schonmal einer gemacht. Gibt ein Hörspiel, das ich Dir ausleihen könnte: Ich bin dann mal weg von Hape Kerkeling.

Und jetzt bin ich dann mal weg. Zumindest hier im RL stehe ich die nächste Zeit nicht mehr als Patient zur Verfügung. Ich lasse mich krankschreiben, um Urlaub vom Kranksein zu machen. So.

Ich werde berichten, früher oder später.

Und tschüß!

Geplante Improvisation

Eigentlich wollte ich ja einen Plan haben und auch über das informieren, das meine Leser_innen hier von mir erwarten dürfen.

Zur Zeit gestaltet sich das etwas schwierig, da ich ein wenig aus meiner Ordnung gefallen bin.

Wichtig ist für mich, aktuelle Erlebnisse reflektieren zu können. Darüber dürfen aber auch die angestauten inzwischen schon älteren Themen wie zB die Erkenntnisse von der Transtagung nicht untergehen.

Daher habe ich mir nun überlegt, im Wechsel jeweils über Älteres und Neueres zu berichten. Ohne einen ausgefeilten Wochenplan, ganz nach Tagesaktualität.

Zu erwarten ist also noch einiges zum Thema trans* sowie eben auch die Frage, wie ich meine Zukunft neu gestalte, wie ich meine Gegenwart bewältige – also wieder bzw. weiter genese  und irgendwie mit meinen mir helfen wollenden Behandler_innen zurechtkomme(n muss). Eine neue Ordnung muss her. „Geplante Improvisation“ weiterlesen

Abschied vom fetten Ich

Augenblicklich sitze ich in Bonn in meinem Lieblingshotel (Hotel Bonn City) und bin schon nach einer halben Nacht aufgewacht und kann nicht mehr schlafen. Daher beschäftige ich mich jetzt ein bisschen damit, meine Gedanken, meine nächsten Vorhaben und damit mich zu sortieren. Ich bin, wie ihr inzwischen wisst, ja ein Ordnungsfetischist. Doch dazu ein andermal mehr.

So, nun tausche ich einfach Dienstag mit Mittwoch, liefere den Montag später in ausführlicher Form nach und schon sind wir wieder im Plan. 😉


Inzwischen ist mir wieder sehr präsent, warum und wie ich es habe so weit kommen lassen können und weshalb ich mich so lange geweigert habe, etwas für mich zu tun. Das möchte ich nie wieder zulassen.

Eine Sammlung von Bildern von mir aus den Jahren 2010 - 2016
Collage 2010-2016

Damals hatte ich Spaß, obwohl ich den Kontakt zu meinem Körper völlig aufgegeben hatte. Nun habe ich ihn wiedergefunden, achte auf meine Ernährung und bewege mich wieder gerne und ich habe immer noch Spaß!


So, dies in aller Kürze für den heutigen Tag.

Weniger ist manchmal mehr

Dazu die Wikipedia. In anderen Worten:

Fortschritt statt Perfektion

(Nicole Suppa, meine Genesungsbegleiterin)

Rückblick + Teamarbeit

Als Betthupferl für meine fleißigen Leseratten gibt es im letzten Abschnitt dieses Beitrags noch ein Memo an mich, indem ich veranschauliche, wie mein inneres Team zusammenarbeitet. Abkürzung direkt dahin: Memo an mich – Teamarbeit


Ich denke, ein Ruhetag die Woche wird mir ganz gut tun. Ich muss nicht jeden Tag etwas veröffentlichen.

Das nehme ich mir mit für das neue Wochenprogramm für die Woche nach der Tagung. (Ja, das ist auch schon fertig, falls ich den Plan nicht zwischenzeitlich anpassen will.)

Seit ich vor einer Stunde beschlossen habe, noch etwas zu essen und dann ins Bett zu gehen, habe ich mich noch nicht loseisen können. Böser Junge, tztztz!

Los, Pause. Essen. Jetzt!

Ah, prima. Müde bin ich schonmal. In der Küche eben gegähnt. Und festgestellt: Mal aufs Klo ist auch wieder ganz nett nach nunja mittlerweile – OMG Kopfrechnen – siebeneinhalb (24-19 = 5 | + 5,5 = 10,5) 9 Stunden konzentrierter Arbeit, davon eine Stunde Pause vom Bildschirm macht einen handelsüblichen Arbeitstag in Vollzeit.

Falls da jetzt jemand von der Rentenversicherung mitliest: Bitte keine voreiligen Rückschlüsse hinsichtlich meiner Arbeitsfähigkeit ziehen. Den Fehler hatte der homöopathiegläubige Gutachter auch schon gemacht. (Die Geschichte erzähle ich ein andermal.)

Sicherheitshalber erinnere ich noch daran, dass mein letzter Arbeitsausfall sich gerade auf die gesamte vergangene Woche erstreckt. Vom 23.- 29. hätte ich mich krankmelden müssen und das bei recht engmaschiger Betreuung durch meine Genesungsbegleiter. Diese Woche drei Stunden und in der Vorwoche eine Stunde war ich bei der Integrierten Versorgung zum Gespräch.

„Rückblick + Teamarbeit“ weiterlesen

Stärken und Schwächen

Jede Schwäche ist eigentlich eine überstarke Stärke.

(Reimar Lüngen)

Heute möchte ich nochmal auf das Thema zurückkommen, das ich im Zusammenhang mit der Wanderung bereits angeschnitten hatte: Stärken und Schwächen.

Ich bin sehr froh, nun endlich dahinter gestiegen zu sein, wie ich mit mir selbst umgehen muss, um in dieser Welt zurechtzukommen. Denn so kann ich nun endlich mein Potential entfalten. Eigentlich alles, was bisher nach Schwächen aussah, sind – bei Drosselung bis in die Angemessenheit – in Wahrheit Stärken.

Ich nutze die von Ulrike Hensel in Hochsensible Menschen im Coaching aufgezählten Stärken und ergänze, wie ich meine Hochsensibilität erlebte, als ich damit noch überfordert war, und stelle dem meinen Lösungsweg zur Drosselung dieser Stärken gegenüber. Nicht jede hochsensible Person (HSP) ist gleich, aber es gibt viele Gemeinsamkeiten.

Als mit mir selbst überforderte HSP war ich schwach. Hochsensibilität ist eine Gabe – Fluch und Segen zugleich. So kam/komme ich von der Überforderung in die Kraft.
Mir droht in der Stadt ständig die Gefahr der Übererregung durch Reizüberflutung. HSP nehmen aufmerksam und umfangreich wahr. Ich nehme in der S-Bahn Kopfhörer mit und höre Musik, mit der ich die Stimmen und andere Geräusche übertöne.
Auch hilft es, mich gezielt auf anderes zu fokussieren, zB ein Buch zu lesen und die Fahrtzeit so zu nutzen.
Bei akuter Übererregung senke ich gezielt das Cortisol mithilfe binauraler Klänge.
Ich sehe oft den Wald vor lauter Bäumen nicht und häufig verschiebt sich mein Fokus auf negative Aspekte. Dadurch neige ich zu Depressionen. HSP haben einen Blick für Details und Nuancen. Fortschritt statt Perfektion!
Ich führe Tagebuch, um Dinge mit innerem emotionalem Abstand betrachten zu können.
Manchmal bin ich zu sehr von mir selbst überzeugt und habe gelegentlich eine Tendenz zu Größenwahn. HSP nehmen subtil wahr und bekommen viel mit. Gedanken lesen kann ich nur, wenn man sie mir aufschreibt!
Ich muss immer im Hinterkopf behalten, dass ich sehr häufig nur Vermutungen ausspreche. Wirklich sicher sein, was in einer anderen Person vorgeht, kann ich recht selten, auch wenn ich oft ins Schwarze treffe.
Ich brauche manchmal sehr lange für bestimmte Aufgaben. Gerade bei der Entscheidungsfindung bin ich sehr langsam. Wenn ich versuche, in die Tiefe und in die Breite zu gehen, überfordere ich mich. Daran bin ich sowohl in der Kochprüfung als auch während des Studiums gescheitert. In der Küche war ich „zu langsam“, dagegen im Büro „zu schnell“.

Smalltalk habe ich gehasst, war lange Zeit bekennender Smalltalk-Versager.

HSP gehen in die Tiefe. Ich kann nicht alles können. Ich muss mich auf bestimmte Bereiche beschränken, in denen ich mehr als Halbwissen aufbauen kann. Ich suche mir die Bereiche gezielt aus, in denen ich im die Tiefe gehen will. So muss ich insgesamt weniger Informationen verarbeiten.

Auch Smalltalk erfüllt seinen Zweck: Man kommuniziert hauptsächlich auf der Beziehungsebene. Die Sachinformation der Nachricht steht im Hintergrund.

Mir wurde schon oft gesagt, ich soll nicht zu viel nachdenken. Tatsächlich habe ich einen Hang zum Grübeln, der leider auch in unproduktive Gedankenkreise in Richtung depressive Verstimmung abrutschen kann. HSP denken gründlich nach. Eine hohe Selbstreflektion ist von Vorteil, so lange ich mich selbst liebevoll und wohlwollend betrachte, mich selbst und (nicht nur) meine Fähigkeiten und Leistungen anerkenne und wertschätze. Dabei hilft mir ein Fortschrittstagebuch, weil meine Selbstwahrnehmung von meiner Stimmung beeinflusst wird.
Ich zerbreche mir oft anderer Leute Kopf und habe manchmal Schwierigkeiten, meinen Aufgabenbereich abzugrenzen. HSP denken ganzheitlich und vernetzt. Für mich ist hilfreich, wenn mein Aufgabenbereich klar abgegrenzt ist. Darum kann ich auch (m)einen Arbeitgeber bitten. Mittlerweile achte ich sehr genau darauf, was wirklich im Bereich meiner Veranwortung liegt und für was ich nicht zuständig bin.
Ganz bewusst Denk-Schubladen zu benutzen und dabei fließende Grenzen zu akzentuieren schafft Ordnung und entkompliziert einiges, weil ich dann nur noch innerhalb des gedachten Kastens denken muss und es mir leichter fällt, alles außerhalb als »zur Aufgabenerfüllung nicht relevant« einzustufen.
Ich brauche lange, um mich auf Neues einzulassen.

Früher habe ich fast nur in Luftschlössern gelebt und mich völlig überplant. Wenn es zu Planabweichungen kam, war ich völlig frustriert und fühlte mich als Versager.

HSP sind umsichtig und vorsichtig. Veränderungen gehe ich schrittweise an und vermeide radikale Umbrüche.

Ich kann das Leben nicht planen und lasse bewusst Spielraum für Improvisation.

Ich neige dazu, mich zu überfordern, weil ich Bedürfnisse anderer über meine eigenen stelle.
Gerade als Maniker neige ich zur Übermotivation und zu Überengagement.
HSP sind engagiert und pflichtbewusst. Mittlerweile achte ich sehr genau darauf, was wirklich im Bereich meiner Veranwortung liegt und für was ich nicht zuständig bin.

Bevor ich neue Aufgaben übernehme, überlege ich mir das sehr gründlich, ob ich das auch tatsächlich tun will, was ich davon habe und ob nicht nur die Aufgabe danach schreit, erledigt zu werden.

Mein Anspruch an mich selbst ist sehr hoch. Schon oft bin ich an meinen eigenen Zielen gescheitert, weil ich sie zu hoch steckte. HSP sind werteorientiert und idealistisch. Babyschritte führen zum Erfolg!

Ich frage mich: Ist das Ziel überhaupt erreichbar?

In manischen Phasen habe ich viel zu viele Ideen und kann gar nicht alle umsetzen. HSP verfügen über ein reiches kreatives Potential. Um nicht tausend Dinge anzufangen und nichts davon zu vollenden, führe ich Listen mit meinen Vorhaben und arbeite diese systematisch der Reihe nach ab. Dabei fange ich mit dem an, woran mein Herz am meisten hängt. Manches streiche ich auch wieder, wenn ich zwischenzeitlich eine bessere Idee bekommen habe.
Wenn ich sehr dünnhäutig bin, bin ich auch sehr verletzlich.

Da braucht es dann nur noch einen einzigen Tropfen, um das Faß zum Überlaufen zu bringen.

HSP sind gefühlsstark. Einen Stimmungskalender zu führen, hat mir sehr dabei geholfen, möglichst ausgeglichen zu bleiben. Dennoch lasse ich tiefe Gefühle auch bewusst zu und genieße sie – und konserviere sie gelegentlich in Textform.

Wenn ich dünnhäutig bin, beantworte ich eMails etc. nicht im Affekt, telefoniere nicht und ziehe mich insgesamt zurück. Ich brauche dann viel mehr Zeit für mich als sonst, bis sich die Wogen innerlich wieder geglättet haben.

Früher bin ich oft zum Kummerkastenonkel verkommen, bin in der Helfer- und Ratgeberrolle regelrecht aufgeblüht bis zur Übererschöpfung. Immer wieder fühlte ich mich ausgenutzt. HSP haben ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen. Ich muss zuerst an mich selbst denken. Bei Beziehungen zu Freunden achte ich darauf, dass diese sich nicht komplementär entwickeln.
Sehr lange Zeit konnte ich mit meiner Intuition nichts anfangen, fühlte mich nur hin- und hergerissen. Dann fing ich an, meinem Herzen zu folgen und handelte oft impulsiv (manische Episode). HSP verfügen über ein ausgeprägtes Bauchgefühl. Nicht nur auf die Intuition hören, auch den Kopf einschalten. Der Verstand ist dazu da, nüchtern abzuwägen. Nicht jedem Impuls sofort unkontrolliert nachgeben. Die wirklich wichtigen kommen wieder, die verpasse ich schon nicht.

Unterm Strich spricht das alles dafür, dass ich als Genesungsbegleiter genauso gut geeignet sein werde wie als Schriftsteller.

Wenn Du keine HSP bist, aber vielleicht eine F-Diagnose mit ganz ähnlichen Schwierigkeiten bekommen hast, kannst Du vielleicht dennoch von meinen Maßnahmen zur Selbstregulation profitieren. Eine Art „Erste Hilfe“ habe ich bereits auf den Seiten Manie und Depression beschrieben. Bei Fragen dazu schreib mich einfach an.

Leider kann ich nicht mit Sicherheit sagen, ob es mir heute nur deshalb so gut geht, weil ich seit vier Jahren falsch diagnostiziert bin und in Wirklichkeit „einfach nur hochsensibel“ – Hochsensibilität ist keine Krankheit! – oder ob mich gerade meine Hochsensibilität dazu befähigt hat, von der schizo-affektiven Störung zu genesen, weil ich mich so sehr genau wahrnehmen, beobachten und reflektieren kann.

Wie ver-rückt ist verrückt? Die Dosis macht das Gift.

Meiner Erfahrung nach findet sich – vorsichtshalber mal beschränkt auf Gedankengänge – alles, was als psychotische Symptome als pathogen eingestuft wird, in einer weniger deutlich ausgeprägten Variante im Bereich des Normalen auch bei Gesunden wieder – zum Beispiel als Abwehrstrategie. Ich erlebe die Übergänge da als sehr fließend und habe Schwierigkeiten, da trennscharf zu unterscheiden, wann mein Denken „gesund“ und wann es „krank“ sein soll.

Für meine Lebensgestaltung ist die Klärung dieser Frage, ob die Diagnose nun zutraf oder nicht, allerdings nicht mehr relevant. Aus meiner Sicht ist es eine Frage der Skalierung, bis die Grenze zur Pathogenität überschritten ist.

Aus grübelnden Gedankenkreisen voller Selbstzweifel werden Depressionen, aus bislang unterdrückter Kreativität und nun plötzlich ungezügeltem Schaffensdrang wird Manie und der zu tiefe, weil viel zu lange hinausgeschobene Blick ins eigene Innenleben wird zur Psychose: Aus allzu gut ausgebauten Luftschlössern wird Wahn und die Grenzen zwischen Phantasie und Realität verschwimmen. Der eigenen Wahrnehmung wird beim Auftreten von Halluzinationen schließlich zu Recht misstraut.

Von der Zwangspause (ich flog durch Erkrankung bzw. Nebenwirkungen der Medikamente wider Willen vom Arbeitsmarkt) und den Therapien in der Zeit nach der Diagnose habe ich sehr profitiert. Ich wurde durch die Psychose dazu gezwungen, mich mit meiner Biographie und abermals mit meiner Identität auseinanderzusetzen und lernte, dass auch ich ein Recht auf Alleinzeit habe. Heute erlaube ich es mir, diese Zeit für mich selbst auch ganz bewusst zu gestalten und zu genießen und mache mir keine Vorwürfe mehr dafür, dass ich diese mehr als andere brauche.

Im Rahmen der Ergotherapie wurde ich dazu angeregt, mich überhaupt erstmals zu fragen, was ich denn will. Auf die Idee, ich dürfe selbst auch eigene Bedürfnisse haben oder diese gar anmelden bis hin zu durchsetzen, war ich vorher gar nicht gekommen. Viel zu sehr war ich darauf fokussiert, den Erwartungen anderer zu entsprechen, gefallen zu wollen und nur ja alles richtig machen zu wollen.

Seit ich nicht mehr versuche, ein anderer zu sein, „normal“ zu sein, sondern mich so angenommen habe wie ich bin, bin ich sehr viel zufriedener mit mir selbst und kann die Frage, ob ich glücklich bin, bejahen.

Mein Weg zur Vorbeugung weiterer akuter Episoden ist die Akzeptanz meiner (bisher) vermeintlich unangemessenen Wünsche und das Ausleben meiner Bedürfnisse, solange diese Wünsche noch klein sind. Mehrmals im Jahr eine Tagestour wandern oder einmal im Jahr zwei oder drei Wochen am Stück ist im Rahmen, ein halbes oder ganzes Jahr durch Neuseeland wandern ist dann vielleicht doch übertrieben.

Wenn Du selbst auch HSP bist, können Dir meine Tricks vielleicht auch helfen, mit Deiner Sensibilität besser umzugehen. Wenn Du noch Fragen zu meiner obigen Auflistung (oder auch andere) hast, kannst Du mich gerne über das Kontaktformular anschreiben oder unter dem Beitrag kommentieren.

90-Tage-Challenge Tag 26

Kein Vorgeplänkel heute. Warum hier die Schriftart im Editor plötzlich anders ist, weiß ich nicht. Es irritiert mich gerade maßlos. Das ganze Format ist dahin, aber das kann mich gerade mal.

 

HAMMER, Wiederholungen des jeweils letzten Satzes
 
Skorpion   24
Kreuzheben 16
Fallschirm 50
Lunges     16

Ich habe dreimal die Pause überzogen und einmal war ich so in der Bewegung versunken, dass ich die Belastungszeit überzogen habe. Zähle ich mit, ist es einfacher, den Fokus auf der Bewegung zu halten. Zähle ich nicht, driften die Gedanken weg und ich bleibe einfach liegen. In beiden Fällen verliere ich die Struktur und ich kann diesen verdammten Beobachter, der alles protokollieren will, nicht abschalten. Auch nicht bei den Sätzen, in denen ich nicht zählen muss. Da öffnet sich dann der Raum für die Verarbeitung: Das, was gestern war, kommt jetzt hoch.

Wahrscheinlich wäre es heute besser, wenn ich einfach auf dem Crosstrainer laufe und die Gedanken schweifen und die Gefühle brodeln lasse. Das plane ich mir für heute nachmittag ein. Sonst bin ich nicht fit genug, um den Chat zu moderieren. Dazu muss ich „leer“ genug sein, um aufnehmen zu können. Momentan ist mein Faß so 98% voll würde ich schätzen.

/edit:

Bei der letzten Übung war mir etwas schwindelig. Warum? Keine Ahnung.

/edit.


Off Topic – Geschwurbel:

Mir gehts im Moment gerade nicht gut, weil sehr vieles von gestern abend hochgekommen ist und sich mischt mit alten Gefühlen. Schön: Ich merke es. Ich kann darauf reagieren.

Ich will hier weniger rumschwurbeln. Ich will diese Gedanken beiseite schieben und in anderen, eigenen Beiträgen zur Sprache bringen. Es gelingt mir wieder nicht, das Skalpell hier anzusetzen und trennscharf zu sein. Ich schaffe es auch rein zeitlich nicht, alles ausführlich und gut ausformuliert darzustellen. Dann bin ich schon längst wieder weiter.

Da ist diese Scheissangst, mit Normalgewicht doch wieder für eine Frau gehalten zu werden. Ich weiß, dass das nicht rational ist. Trotzdem ist sie wieder aufgeflammt, nachdem ich sie auf eine Sorge hatte reduzieren zu können.

Ich will nicht wieder durch das Tal der Tränen. Es reicht.

Heute hat mich beim Aufwärmen ein Anruf gestört. Technisch war das möglich, weil die Klingelsperre zur Zeit nur von 22 bis 8 Uhr an ist. Das Gespräch war für 13 – 14 Uhr vereinbart. Sowas regt mich auf, maßlos. Ich war nicht vorbereitet.

Auch gestern war ich nicht darauf vorbereitet, dass das so wichtige von mir für das Psychoseseminar vorgeschlagene Thema Hochsensibilität gleich am zweiten Termin drankommt, weil es die Liste mit den Themen an ebendiesem zweiten Termin im Semester erst gibt. Ich hatte mir vorgenommen, das Protokoll zu führen, falls sich kein Student dazu bereiterklärt. Weil mir das Thema so wichtig ist. Dadurch hatte ich nun enorme Schwierigkeiten, mich selbst einzubringen. In der zweiten Hälfte habe ich es trotzdem versucht, was auf Kosten der Qualität des Protokolls ging. Besser ein schlechtes Protokoll als gar keins, dachte ich. Viel schlimmer aber finde ich, dass nun das Gespräch einen so ungünstigen Verlauf genommen hat, dass es auf Erstteilnehmer so wirkte, als sei hochsensibel und psychotisch zu sein gleichzusetzen. Das ist fatal – genau das Gegenteil von dem, was ich hatte erreichen wollen, schlimmer noch: Ein Imageschaden für die HSP- und nun fühle ich mich schuldig, das Thema überhaupt eingebracht zu haben und habe offensichtlich die Prioritäten falsch gesetzt. Wichtiger als ein Protokoll eines Gesprächs ist doch das Gespräch selbst und dieses habe ich nicht ausreichend aktiv mitgestaltet.

Damit fühle ich mich jetzt wieder sehr, sehr begrenzt und auch behindert durch mein Sosein. Wenn ich das jetzt hier so schreibe, macht das vielleicht den Eindruck, Hochsensibilität sei eine Behinderung – nein, das ist nicht der Fall. aber auf die Imagepflege kann ich jetzt im Augenblick keine Rücksicht nehmen. Ich muss gerade mal wieder an mich selbst denken und mich ausgleichen.

Jetzt bin ich wütend und traurig. Ich verstehe nicht, warum ich mich angegriffen und in meiner Identität bedroht fühle, nur weil jemand anders meine Wahrnehmung, mein Erleben und mein SoSein nicht nachvollziehen kann. Meine Geschlechtsidentität ist mit „männlich“ nur grob eingeordnet, treffender beschrieben wäre sie mit „Hotte“. Aber das mute ich nicht Fremden zu, auf den ersten Blick zu erfassen. Das kann ich selbst bei anderen ja auch nicht. Ich bin darauf angewiesen, dass man mir mitteilt, wie ich mich einer Person gegenüber verhalten sollte, damit diese sich mit mir wohl fühlt. Gedanken lesen kann ich nur, wenn man sie mir aufschreibt. Wo Worte für den Selbstausdruck fehlen, kann ich aus meinem Wortschatz heraus vielleicht Vorschläge machen – aber das sind natürlich nur Anregungen und keine Zwangsjacken.

Ich habe mir vorgenommen, mir meine Sicht auf die Welt und meine hart erarbeitete Selbstsicherheit und die Zufriedenheit mit mir selbst nicht nehmen zu lassen von Menschen, die sich lieber unwohl fühlen wollen als am Leben teilzunehmen. Ich mache doch nicht jahrelang Therapie, damit ich mir dann erklären lasse, dass ich so „normal“ und in die Gesellschaft integriert wie ich jetzt bin ein chauvinistisches Arschloch bin. Gesagt hat das so niemand – aber so fühlte es sich für mich an.

Und wenn ich die Wahl habe ein Chauvi-Arsch zu sein oder ein leidender Gutmensch, dann bin ich lieber ein Arschloch.

Guten Tag.

 

Noch was:

Nicht-binäre Identitäten habe ich für mich als Schublade einrichten müssen, um diese Unordnung derer aushalten zu können, die sich nicht als „Mann“ oder „Frau“ verorten wollen oder können. Ich werde sonst ver-rückt und ich habe großes Interesse, meinen gesunden Menschenverstand zu behalten und nicht schon wieder zu verlieren. Es ist normal (i.S. von sowohl häufig als auch gesund), auch Menschen in Schubladen einzuordnen. Ich darf das. So!

Ein abwischbarer Stundenplan.

Struktur schaffen

Ganz oben im Blog habe ich einen Wochenplan mit den geplanten Themen veröffentlicht. Und es ist mir sogar gelungen, diesen oben anzupinnen.

Für mich persönlich ist ein eingeübter strukturierter Ablauf sehr wichtig, weil der mir Halt gibt in Zeiten, in denen es mir schlecht geht. Und weil ich bei stärkeren Abweichungen vom Plan erkenne, dass ich neben der Spur bin.

Hier möchte ich der Frage einer Leserin nachgehen, wie man eine solche Tages- oder auch Wochenstruktur erschafft und dabei auch Zeiten zur Regeneration (lies: Pausen) einplant.

Vorweg: Werde Dir klar darüber, was Du mit Deiner Zeit anstellen willst und welche persönlichen Bedürfnisse dabei berücksichtigt werden sollen.

  • Völlig chaotisch aus dem Bauch heraus anfangen oder Brainstormen und erstmal herausfinden, was Du für einen Output erreichen möchtest. Was sind Deine Ziele? Was möchtest Du mit Deiner Arbeit erreichen? Wie soll das Produkt beschaffen sein?
  • Diese Ziele in für Dich geeigneter Form festhalten. Ich bevorzuge es, mich mit einem Zettelsalat auf Tisch und notfalls Fußboden auszubreiten.
  • Was für ein Typ bist Du? Musst Du eher an die Pausen erinnert werden oder brauchst Du einen Tritt in den Hintern, um die Arbeit auch anzugehen?
  • Wieviel Freiraum brauchst Du für Unvorhergesehenes? Fühlst Du Dich durch straffe Vorgaben eher eingeschränkt oder bieten sie Dir Halt?
Anleitung Schritt-für-Schritt
  1. Zeitrahmen feststecken Möchtest Du einen einzelnen Tag planen oder eine ganze Woche oder ein Wochenende, an dem eine Veranstaltung stattfindet? Oder geht es nur um die Freizeit? Wieviel Zeit ist ohnehin schon verplant, zum Beispiel durch das Schlafen?
  2. Aufgaben sammeln Sortiere nun das, was Du vorhin notiert hast in drei Kategorien ein. Vieles wirst Du ja sicherlich auch tun wollen wie bisher und nicht alles neu erfinden.
    • Dinge, die ich tun muss (für zB den Arbeitgeber) oder will (für mich).
    • Dinge, die ich tun möchte (die aber auch ausfallen können, ohne dass die Welt untergeht)
    • Dinge, die für mich Regeneration bedeuten, also als Pause gewertet werden können. Das kann auch Sport oder Hausarbeit sein! Je nach persönlichem Empfinden.
  3. Zeitfenster für Aktivitäten erstellen Versuche, abzuschätzen, was wie viel Zeit benötigt und erstelle daraus Zeitblöcke. Zum Beispiel: Zum Schwimmen fahren (60 min) + Schwimmtraining von 15:00-16:30 Uhr inkl Umkleiden + Rückfahrt (60 min) = 14:00 – 17:30 Schwimmen. (Du kannst das auch nach und nach mit Schritt 5 machen.)
  4. Zeitfenster für Pausen erstellen Nach dem gleichen Schema wie die Aktivitäten suchst Du Dir jetzt etwas aus, das für Dich eine Pause bedeutet. Ob das auf dem Sofa liegen ist, mit oder ohne Musik hören, oder ein Spaziergang oder unterwegs in der S-Bahn PMR machen oder ein Eis essen gehen – ganz egal. Wichtig ist, dass Du weisst, was Dir zur Erholung gut tut und dass Du die Bedingungen möglichst unter Kontrolle hast, um auch diese Zeitfenster tatsächlich zur Erholung nutzen zu können. Wichtig ist auch, ins Detail zu gehen und konkret zu werden. Nicht „vor dem Computer sitzen“, sondern „eMails bearbeiten“ oder „Farmspiel spielen“. Allerdings bitte nicht übertreiben im Sinne von „Erdbeeren ernten, Rosen ernten“ etc. – Zeitfenster ab 15 min sind sinnvoll für kleine Pausen, ab 45 min für Arbeitseinheiten.
  5. Ordne die verschiedenen Zeitblöcke in einen Stundenplan ein. Du kannst Dich dabei als erstes an den Terminen außer Haus orientieren, die an bestimmte Wochentage gebunden sind und regelmäßig wiederkehren. Gehe dabei von den größten Zeitblöcken zu den kleinsten vor. Verteile die Zeit für andere und die Zeit für Dich selbst möglichst ausgewogen: Belastung und Entlastung, Arbeit und Pausen, Kontakt und Rückzug, Bewegung und Stillsitzen, Konzentration und Zerstreuung – stelle das in den Vordergrund, wobei Dir der Ausgleich am Wichtigsten ist.
  6. Work-Life-Balance Ein Viertel einer Stunde solltest Du jeweils für Deine Regeneration zur Verfügung zu haben. Solltest Du Dir unsicher sein, beginne mit je 30 Minuten Belastung und Entlastung im Wechsel oder kleineren Einheiten von 20 Minuten und darunter.
  7. Flexibilität schaffen Plane auch Raum für Unvorhergesehenes ein. Welche Zeiträume möchtest Du Dir freihalten für Verabredungen außer der Reihe, die Du spontan mit Leben füllst, indem Du Liegengebliebenes aufarbeitest oder etwas wichtiges Dringendes dazwischenschiebst?  Fehlen diese, müsstest Du von den Dingen, die Du gern tun möchtest welche ausfallen lassen. Andersherum kannst Du dann, wenn dieses Zeitfenster nicht beansprucht wird, die Zeit sinnvoll füllen mit eben diesen Vorhaben. Das funktioniert natürlich auch dann, wenn ein eigentlich fest eingeplanter Termin kurzfristig ausfällt. Dann kannst Du auf das zurückgreifen, das nicht zeitlich gebunden ist, das Du aber gern tun möchtest. Meistens sind das Hobbies wie zB schreiben oder malen.
  8. Struktur einhalten Du kannst einige Hilfsmittel verwenden, die Dir dabei helfen können, den neuen Zeitplan und die mit Dir selbst verabredeten Termine auch einzuhalten.

 

Die Struktur einhalten

Hilfreiche Werkzeuge zum Einhalten von Terminen sind Dinge, die Dich an das erinnern, was Du bisher vernachlässigt hast – die Pausen und den Feierabend oder die Aufgaben.

  • Der fertige Stundenplan, aufgehängt über Deinem Schreibtisch oder in Deiner Jackentasche
  • Eieruhr
  • Wecker
  • Kalender
  • Wiedervorlagemappe
  • Handy mit Erinnerungsfunktion
  • Ein Gegenstand, der die Aufgabe repräsentiert, zB der in den Flur gestellte Staubsauger, der benutzt werden möchte  – funktioniert nur, wenn diese (Un)Ordnung die Ausnahme ist und nicht die Regel, sonst fällt der Gegenstand nicht mehr auf.
  • Taskliste
  • Memoboard