NL-Zombie

Ich will nach Hause. Endlich wieder zu mir selbst. Was von mir übrige geblieben ist nach der Psychose ist ein jämmerliches Wrack, ein NL-Zombie. Neuroleptika (NL) sind so ziemlich die schlimmste Erfindung des ausgehenden Jahrhunderts. Diese chemische Fixierung verändert entgegen der Behauptung der Psychiater sehr wohl die Persönlichkeit, denn Wünsche werden unterdrückt, Ziele entrückt und der Wille ist kaum noch vorhanden.

Funktionieren kann ich wohl wieder, aber nicht mehr leben. Ich habe keine Lust zu schreiben und doch setze ich mich hin und tippe. Ich habe keinen Appetit und doch setze ich mich hin und schaufel Essen in mich rein. Ich habe keine Lust, vor die Tür zu gehen und doch latsche ich brav zu den Therapien. Ich freue mich nicht über Sonnenschein, der Regen lässt mich ebenso kalt. Alles ist eintönig. Grau.

Ich verschlafe meine Zeit.

Das ist keine Depression und diese Gleichgültigkeit und Bocklosigkeit sind auch keine Folgen der Psychose – es sind eindeutig Nebenwirkungen der NL.

Ich erinnere mich noch an Wünsche aus der Zeit davor. Ich weiß, was Wünsche sind und was Ziele. Ich kenne den Ehrgeiz und erkenne, dass nichts mehr davon übrig ist. Warum aufstehen, wenn ich auch liegen bleiben kann? Ich bin doch krank. Die Rolle sitzt. Es hat keinen Sinn, etwas erleben zu wollen, denn genau das bleibt mir verwehrt: Erleben. Ich kann Spaziergänge machen und gehe doch dabei nur. Ich kann mich mit Leuten treffen und wohne dem Treffen bei. Ich bleibe draußen. Mein Kopf ist zu langsam. Ich kann zwar am Gespräch teilnehmen, mich aber nicht unterhalten.

Diese Dämpfung hat ursprünglich mal Sinn gemacht. Zu einer Zeit, als meine Gefühle außer Rand und Band waren. Um zu tiefer Trauer und zu heller Freude Einhalt zu gebieten und die Schlaflosigkeit zu beenden. Da war das angezeigt.

Aber dass es einen so schnell so tief runterreisst? Das kann doch nicht beabsichtigt sein. Man muss doch berücksichtigen, dass ein dermaßen abgeschossener Patient zu allem Ja und Amen sagt und alles schluckt. Den darf man doch nicht alleinlassen damit und muss ärztlicherseits Initiative zeigen, die Dosis zu senken. Wenn man schon unbedingt so hoch andosiert.

Aber dieser Gedankengang unterstellt natürlich, Ärzte wollten sich nicht nur bereichern am sogenannten Gesundheitssystem.