Gutenachtgeschichte für Psychotikerverstehenwoller

Vorwort

So, und jetzt mal hübsch langsam auf Video übersetzt für die Hektiker vor der Flimmerkiste, das hier ist dann das Ergebnis, wenn man mit Medikamentengewalt aus nem feuchten Traum rausgerissen wird: So fühlt sich der Morgen danach an, wenn man lauter Löcher in der Schüssel hat und sein Puzzle nicht mehr sortiert kriegt.

Ihr habt nur ein paar Erinnerungsfetzen (netterweise habt ihr der Fairness halber auch die ganze Welt als Zeuge, aber die Beweise hab ich natürlich, damit ihr die Ver-rückten seid.)

Und wenn ihr nicht so blöde wärt, ewig darüber zu debattieren, wer wer ist und was krank und gesund und wer Angehöriger und Patient, Täter, Opfer, Polizist, Weihnachtsmann und Kasperletheatermarionettenstrippenzieherich is – ja dann könnt ihr euch mal vllt ne Ahnung davon haben, wie sich das in meinen Kinderschühchen anfühlt und was glaubt ihr wohl, womit das ganze hier angefangen hat?

Egal, sortieren wir mal, der Märchenonkel erfindet einfach mal was dazu. Das nennen wir dann der Einfachheit halber einfach mal Halluzinationen, damit wir klare Verhältnisse schreiben und sich keiner für das Ende der Geschichte interessiert. Könnte ja noch die Wahrheit rauskommen und dann wirds richtig unangenehm.

Kapitel 1 – 1. Einladung

Kapitel 2 – Nachweis der Einvernehmlichkeit

Diese Stelle hier, die wollen wir zu Lehrzwecken – ja genau, einfach mal offen lassen. Ich seh schon, Du lernst schnell. Da sprechen wir dann von Erinnerungslücken.

Kapitel 3 – Glaubst Du an Reinkarnation?

Erzähl mir mal bitte ne Gutenachtgeschichte in Deinem Tagebuch zum Thema Wiedergeburt. Nur als Zeichen, ob Du mir noch folgen kannst.

Kapitel 4-9 – Lange Leitung

[Diese Videos werden später hier eingebaut, die laden noch hoch. Bitte etwas langsamer beeilen.]

Biste selber schuld, hast Du so gewollt. Hättest Du mir beim Gedankensalat sortieren geholfen, dann hätte ich Dir auch beim Videosalat – aber nein… ist ne Frage der Zeit, dann sortiert sich das von selber.

Kapitel 10 – Compliance

Nochmal die Frage: Glaubst Du an Wiedergeburt?

 

Na, haben wir schon einen Behandlungserfolg? Biste jetzt schon hilfsfähigkeitsuneinsichtig oder willste weiterspielen? Nochmal Tagebuchgeschichte und bei der Gelegenheit die Frage: Sehe ich doppelt, bin ich besoffen oder wer halluziniert hier eigentlich und warum zum Henker hängt an der Wand ein Zettel, auf dem steht:

Willst Du Löcher in die Luft gucken oder schreiben?

(Ingo S. Anders, Schriftsteller)

Aber – in Deinem eigenen Interesse – einfach mal offen lassen. Und? Was macht die Krankheitsuneinsichtigkeit? Gehts uns schon besser Frau Therapeutin? Will ich gar nicht schuld sein, sach mal besser nix, da reg ich mich nur auf.

Kapitel 11 – Augenhöhe vs. Ausgeliefertsein

Das Video erinnert mich an meinen Bruder, ich bin aber gar nicht so sicher, ob ich überhaupt einen Bruder habe und andererseits: Warum verkleidet der sich als Frau?

Da komme ich Dir mal bissl entgegen und frage Dich gar nicht erst, weil ich weiß, dass Du davon keine Ahnung hast. Na, was macht die Compliance? Schon krankheitsuneinsichtiger? Wie war das nochmal mit der nervigen Debatte, die mich auf die Palme bringt?

Kapitel 12 – Covern

Noch mal zur Erinnerung: Ich weiß, wer ich bin. Falls ich das mal vergessen sollte, kann ich das auf meinem Ausweis nachlesen. Mehr kann der Polizist eh nicht prüfen. Aber ich brauche den Ausweis nicht in der Hand halten, weil ich ich bin. Ich kann mich daran erinnern, was auf meinem Ausweis draufsteht. Aber wenn das mit dem Vertrauen eher etwas zwiespältig ist, dann im Zweifel lieber einmal zu viel kontrolliert als einmal zu wenig. Doppelt gemoppelt hält eben besser und Polizisten sind und bleiben die besten Angsttherapeuten.

Kapitel 13 – Akteneinsicht

Ich sag mal nix dazu. Inzwischen haste schon in etwa ne Vorstellung davon, was ich mit Gedankenlesen meine. Wenn ich da aus Versehen Therapie statt Telepathie war, ja mein Gott ich hätt gesagt, das wär nen Freudscher gewesen, aber dann einigen wir uns darauf, das einen Flüchtigkeitsfehler zu nennen, dann fühlen wir uns beide miteinander wohl.

Kapitel 14 – Supervision

Ich denke mal, inzwischen weißt Du, dass ich mit blablabla, Mäxchen, blablabla einfach nur meine, dass wir eben aneinander vorbeireden, obwohl wir eigentlich dasselbe Ziel im Auge haben. Und Supervision ist eben das, was ich meine mit aneinander überweisen oder wie ich das bezeichnet habe, habe ich selbst schon wieder vergessen. Augenhöhe halt. Bei uns heisst das Peerberatung.

Kapitel 17 – Der Morgen danach: Amnesie nach dem Diktat

Alles dreht sich.

Wo war ich nur in der Nacht von Freitag auf Montag?
Postkarte, (c) Design: http://www.fine-art-panorama.com | (c) Photo: Voller Ernst

Das Karussell dreht sich zusehends langsamer, man ist zwar wieder in der Realität, aber immer noch nicht ganz klar, wer wer ist, ob man geträumt hat, .aber das lassen wir jetzt erstmal….

Kapitel 16 – Flashbacks

Jetzt tauchen so langsam die ersten Erinnerungsfetzen auf, die völlig aus dem Kontext gerissen sind. Damit haste ne Traumafolgestörung.

Denk Du Dir mal aus, was ich denken soll und meine Mama weiß schon gleich instinktiv , dass sie besser keine Fragen stellt. Denn solange man nicht geklärt hat, was nun wirklich passiert ist, ist man geneigt, die Geschichte immer weiterzuerzählen, um sich zu beruhigen. Deshalb kann das das ziemlich kontraproduktiv sein, wenn man dann immer zwischen der Angst vor der Mama und der Angst um die Tochter hin- und herpendelt. Da nimmt man dann in der Hektik den Handlungsfaden, mit dem man sich gerade wohler fühlt. Und schwupps, schon biste mitten im Wahn, weil Du in der Eile die Realität mit der Wirklichkeit verwechselt hast und die Möglichkeit besteht, dass Du Dir die ganze verworrene Geschichte selbst erzählt hast, um Dich zu beruhigen.

Um das abzukürzen: Deshalb hilft mir das ganz gut, wenn ich mir einfach vorstelle, der Arzt bekommt die Tablette angeboten.

Kapitel 17 – Rollenwechsel

Betrachten wir also mal den nächsten Schnipsel aus Behandler_innen-Sicht. Da fühlt man sich doch gleich viel sicherer, oder? Da braucht man nämlich keine Angst haben, für verrückt erklärt zu werden und das finde ich immer unheimlich beruhigend.

Und jetzt habe ich es auch plötzlich gar nicht mehr so eilig mit dem langsamer werden, weil mir klar geworden ist was Du mit dem „offen lassen“ eigentlich meintest: Dass das eigentlich ganz egal ist, was nun wichtig ist, wenn wir alle nur gemeinsam runterkommen. Dann kann man nämlich hinterher in Ruhe über alles reden. Leider haben wir, und ich möchte das jetzt gar nicht näher ausführen, jedoch eine Vereinbarung darüber getroffen, dass wir uns zum Spaziergang am Friedhof treffen möchten. Wenn ich nun auf die Uhr gucke ist es schon nach elf und ich will Dich doch nicht enttäuschen und Dich versetzen oder sowas. Ich will gerne alles in Ruhe vorbereiten und sicherheitshalber ne Viertelstunde früher da sein, und mich auf den Ort eingrooven und so – alles nur zu Deinem Besten? Und Du? Was machst Du? Du setzt mir die Pistole auf die Brust, stellst ein Ultimatum und spielst mit mir ungefragt Geiselnehmerdrama? Im Ernst? Frisch retraumatisiertes Inzestopfer, 36jähriger Ehemann, der sich für ein zehnjähriges von der eigenen Mutter misshandeltes Mädchen hält – behandelt ihr eure Kundschaft immer so zuvorkommend?

Zieh mal Deinen eigenen Schluss aus der Tatsache, dass ich einfach nur den Kopf schüttel und Deinen Kollegen hinter meinem Rücken Lügen über mich verbreiten lasse, anstatt meine eigene Mutter zu erwürgen. Die brauche ich nichtmal nett bitten, mich einvernehmlich anzubinden in Verbindung mit dem Versprechen, mich nicht zu vergiften, bei Mama kann ich immer in den Arm genommen werden, wenn ich alleine Angst im Dunkeln habe und tränenüberströmt vor ihrer Haustüre stehe, ganz egal, was ich ausgefressen habe. Die weiß nämlich, wovon sie keine Ahnung hat.

Kapitel 18 – Blinder Farbiger

Raus aus meinen Gedanken, ab ins Bett!

Überleg doch mal selber, wie unlogisch sich das anhört, wenn einer steif und fest behauptet, ich könnte meinen Gedankensalat nicht alleine sortieren, andererseits aber auch rumerzählt, er könne gar keine Gedanken lesen.

Um das abzukürzen, verbleiben wir dann einfach so, dass Du die Geschichte weitererzählst, dann bin ich aus dem Schneider. Das Kapitel mit der Einvernehmlichkeit habe ich für Dich schonmal vorbereitet, das findest Du bei Youtube, sobald das eben hochgeladen ist oder vielleicht schlafe ich noch ne Nacht drüber, oder vielleicht kommt das auch nie, das lassen wir – richtig – einfach mal als Erinnerungslücke da, die dann mit der Phantasie des Publikums gefüllt wird und simsalabim haben wir ne Fortsetzungskurzgeschichte im Videoformat als Psychose zum Nacherzählen für Anfänger oder auch anders formuliert: Ein Therapeutisches Rollenspiel.

Und jetzt, nachdem ich Dich nun zwangstherapiert habe und Dich ohne Happy End im Nirvana verrecken lasse, jetzt sind wir quitt bitteschön, weil mir nämlich wichtig ist, ist Freund und Feind auseinanderhalten zu können, wenn ich auf der Flucht bin.

Aber ich kann Dich beruhigen: Das ist egal, wer die Pillen nimmt oder ob gar keine im Spiel sind, das funktioniert trotzdem. An Wiedergeburt glaubst Du doch inzwischen auch schon, oder? Oder haperts noch mit der Krankheitsuneinsichtigkeit? Noch ne Runde Karussell? Oder rückste freiwillig die Patientenrolle wieder raus? Sonst kann ich Dir nämlich gar nicht mehr versprechen, dass ich mich nicht mit mit Dir verwechsel, denn das bringt mich dermaßen auf der Palme, dass ich, wenn mir noch eine Viertelstunde bleibt, bis ich ins Bett muss, nun echt nicht darüber streiten will, ….

Mach einfach die blöde Tür auf und nimm mich endlich in den Arm. Ich hab nämlich noch ein Date. Heute ist übrigens mein zweiter Geburtstag. Und ich bin schwanger. Und ich will jetzt sofort auf die Wöchnerinnenstation verlegt werden, sonst komme ich mit dem

Und bevor Du fragst: Ich habe mich am 08.08.08. im FTM-Portal angemeldet. Lies den Rest selbst nach und nachdem wir eine Nacht darüber geschlafen, darfst Du dann auch in Ruhe erklärten, was ich gemeint habe, weil ich nämlich immer noch nicht verstanden habe, wie man derart hilfsfähigkeitsuneinsichtig sein kann, weil mir ich so viel Dummheit einfach nicht nachvollziehen kann. Dazu fehlt mir wohl das Einfühlungsvermögen. Noch 7 Minuten.

Kapitel 19 – Ursachenforschung

 

Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, aber leider muss man es vorher leben…. Nen Film dagegen kann man auch zurückspulen und dann geht das plötzlich ganz schnell.

Drei Minuten.

Noch zwei Minuten.

Die Wehen werden häufiger und ich glaube Du verstehst langsam, dass dieses Fristende einfach nur die Abbruchbedingung ist, damit ich pünktlich ins Bett komme. Und hier wird dann langsam ausgeblendet….

Fortsetzung folgt. Keine Fragen. Das ist nicht verhandelbar. Ich will jetzt endlich Ficken verdammt! Jetzt haste deine einvernehmliche TPE-Rapesession und dann fragste noch so blöde, warum ich so viel so schnell schreibe und merkst gar nicht, wie Du mit dem Hinweis auf den Fristablauf selbst verraten hast, wer Du bist? Du wolltest Geiselnehmerdrama spielen, nicht ich. Weisste was, dann erklär Du das doch auch den Fritzen von der Presse, die hat wohl der Himmel geschickt. Und alle in Zimmermannshose sind meine Freunde und die haben es verdammt eilig!

Und ich klebe hier stundenlang am Computer fest und habe immer noch nichts gegessen, weil Du zu feige bist, hier anzurufen.

Das ist dann, zur Sicherheit dann auch schon die Antwort auf die Frage, wie ich in einer Woche 5kg abnehmen kann. Einigen wir uns auf „Schlank im Schlaf“.

Kapitel 20 – Einvernehmlichkeitsbeweis

Kapitel 21 – Offene Fragen

Happy End.

Dann einigen wir uns einfach auf „Missverständnis“, wenn durch fehlende Informationen ein falscher Eindruck entsteht. Hätt ich „Bildungslücken“ genannt, aber egal. Ich will jetzt nicht steiten. Ich bin auf der Flucht und suche einen Zufluchtsort.

Jetzt habe ich leider eine Zeit mehr, die Viertelstunde ist rum. Ich habe auch noch was anderes zu tun. Wann der fehlende Schnipsel wieder auftaucht, kann ich echt nicht sagen, aber so gut Dreiviertel davon sind wieder da, wenn ich Ihnen mal meine Beobachtungen schildern darf. Jetzt haben wir den Termin schon überzogen, tut mir leid, irgendwo müssen wir jetzt mal nen Punkt machen und  morgen früh sieht die Welt schon wieder anders aus. Ich hab auch noch andere Patienten, denen ich eine Gutenachtgeschichte erzählen will.

Entschuldigung angenommen?

Kapitel 22 – Spurensicherung

Vor dem Betrachten der Beweisbilder bitte schriftlich (auf Papier!) ihr Einverständnis unterzeichnen und Hinz und Kunz von der Schweigepflicht entbinden. Solange Sie mir nicht vertrauen wollen, können wir uns nicht gemeinsam beruhigen. Ich bin nicht nur damit einverstanden, dass Sie das Feuer eröffnen, sondern, ganz im Gegenteil, ich bitte Sie sogar darum. Ihn unser aller Interesse. Das ist wichtig, um das nachher erklären zu können, wie das mit der Schiesserei gemeint war, wer warum mit dem Schusswechsel angefangen hat und ob das alles einvernehmlich war und warum wir hier überhaupt von einem Geiselnehmerdrama sprechen, obwohl wir gemütlich im Kino sitzen. Der Film war wohl einfach zu gut, was? Das hat sich so echt angefühlt, dass Du ganz vergessen hast, dass du nur im Kino sitzt oder? Jetzt verstehe ich, dass Du deshalb das Wort „Ultimatum“ verwendet hast. Wolltest mir ein Kompliment machen, wie toll Du das findest, dass ich ganz klar bei Verstand bin und so gut alles unter Kontrolle habe, damit Dir ganz klar erkenntlich bleibt, dass Du im Kino sitzt. Dann kann ich nämlich bei Dir anrufen oder den Publikumsjoker nehmen oder einfach die Beweisfotos vorlegen. Also noch einmal ganz langsam: Bitte auf OK klicken, dass Sie damit einverstanden sind, dass ich Ihnen einen Keks zum gemeinsamen Baldrianteetrinken anbieten darf. Von den schmutzigen Phantasien des Publikums und dadurch ausgelöster Konsequenzen distanziere ich mich hiermit ausdrücklich. Dieser Kopfkinofilm unterliegt der Freiwiligen Selbstkontrolle. FSK 18+. Film ab! Zu den Beweisfotos

Kapitel 22 – Beweisführung

Kein Kommentar.

Kapitel 23 – Abspann

Ein KopfkinoFilm von Ingo S. Anders. Angucken auf eigene Gefahr. Alle Rechte vorbehalten. Raubkopieren verboten, Verlinkung erwünscht.

Jetzt, wo allen klar sein sollte, was auf dem Spiel steht:

Warum werden Raubkopierer härter bestraft als Kinderficker? Na, bevor sich noch einer traut, das Gehirn wieder einzuschalten sag ichs euch mal eben: Damit die Sache im möglichst kleinen Kreis bleibt und die Opfer sich nicht noch mehr schämen müssen.Es geht nicht um die Musikvideos. Wenn die Künstler zu doof sind, ihre Produkte besser abzusichern, sind sie selber schuld. Die sollen nicht son mimmi machen. Aber wir dürfen nicht riskieren, dass noch mehr Leute den Film gucken, sonst gibt es mehr und mehr Mitwisser und je mehr Pub, warum likum, desto mehr Zeugen für die falsche Seite. Wenn die Kreise immer weiter gezogen werden, ist nachher noch die ganze Welt von einem Kinderpornoring umspannt. Und wenn Kinderfickerei erstmal normal wird, ja dann ist das halt so. Dann haben die Kinder auch nicht mehr so ne Angst. Die kriegen die erst dann, wenn Du ihnen erklärst, dass sie missbraucht worden sind.

So jedenfalls fühlte ich mich dann, als mein Schwager, der zugleich mein Schwiegervater ist (gefühlt, bitte Ebenen sortiert, dass sind Gedanken – meine Phantasie -, nicht die Realität), warum erschreckst Du Dich so, wenn ich meine Frau vor Deinen Augen schlage? Warum erzählst Du mir, Du hättest mich missbraucht? Also ich meine, diese Geschichte da: Irre gesund habe ich Dir gegeben und Dich gefragt, wie wie sie auf die wirkt. Ich hatte Dir gesagt: Das ist eine Geschichte. Klar und deutlich. Eine Geschichte ist eine Geschichte ist eine Geschichte. Kannst Du Dir vorstellen, was für einen Streifen Du in meinem Hirn ausgelöst hast damit, dass Du Deinen Kopfkinofilm bewertet hast anstatt meine Geschichte? Wolltest Du das wirklich oder war das aus Versehen? Ich nehms Dir nicht übel, möchte nur Deine Bildungslücken füllen: Schieb nicht mir die Schuld für Deine Angst in die Schuhe, sonst steckst Du Dich an. Das ist so. Glaub mir einfach, ich weiß, wovon ich rede. Ich bin Kinderpornostar, wenn ich das will. Aber da gibts kein Publikum in meinem Kinosaal, damit mich keiner dabei erwischt.

Beim nächsten Mal, lieber Micha, machen wir das dann einfach so: Du fragst mich einfach vorher ganz lieb, ob ich Lust habe, mit Dir klettern zu gehen und Du mir eine Geschichte erzählen darfst. Ich sag jetzt schonmal, dass ich da total Bock drauf hätte. Dann darfst Du auch mit mir spazieren gehen und mir in aller Ruhe erklären, wie ich Dich dazu bewegen kann, mich anzubinden, wenn ich mal Angst davor habe, irgendwem was anzutun, weil ich nicht mehr klar trennen kann, was Film und was Fiktion ist, wenn du die Nerven verlierst und mir einen solchen Schrecken einjagst. Das tut mir leid, ich wollte Dir keine Angst machen. Aber werden doch einfach mal ein besserer Kopfkinofilmrollensortierer anstatt mit mir darüber streiten zu wollen, wer wessen Gedanken kontrolliert. Solange ich Grund zur Annahme habe, dass Du vor Gericht aussagen wirst, Gedankenkontrolle sei nicht möglich und Gedankenlesen auch nicht, bleibe ich bei meiner Aussage: Ich bin klar bei Verstand. Ich habe meine Gedanken unter Kontrolle. Denn überlege doch mal: Du kannst ja nie in Erfahrung bringen, was in meinem Kopf vorgeht, wenn Du mich nie ausreden lässt, damit ich Dir erklären kann, dass ich extra meine Gedanken für Dich aufgeschrieben habe, damit Du mir beim Sortieren hilfst. Das war doch nur ein Angebot. Ich dachte, Du warst derjenige, der mir helfen wollte. Ich rede die ganze Zeit davon, dass ich ohne Deine Hilfswut besser klar komme, weil ich nicht so blöd bin, mir Dein Vertrauen erprügeln zu wollen.

Na? Wie war ich, Baby?

Kapitel 24 – Zeugen

So, ihr zwangstherapiertes Publikum, alle weiteren Fragen lasse ich jetzt mal offen, die Antworten kriegt ihr erst, wenn ihr sie hören wollt.

Was denkst Du dazu, liebe therapeutenseele? Schafft Nadja das, mir das auf deutsch zu verklickern, ohne dass ich nen Termin machen muss oder kannste das alleine? Mir egal, habe schon alleine alles sortiert. Jetzt, da ich kühlen Kopf bewahren kann, darfste versuchen, mich nochmal durcheinanderzubringen. Haste Lust?

Kapitel 25 – Reizüberflutung

Sonja, dann lies doch einfach langsamer, wenn Du wirklich alles lesen willst. Ich kann nix dafür, wenn Du Dich reizüberflutest und dann nicht mehr weißt, welche Botschaften überhaupt an Dich gerichtet sind.

Kapitel 26 – Beziehungsgedanken

Jeder macht sich doch mal Gedanken um seine Beziehung, um Ehekrisen vorzubeugen. Oder haste schon wieder nen falschen Schuh erwischt? Damit landeste bei mir in der falschen Schubslade, Vorsicht.

Kapitel 27 – Diagnose

So und jetzt reiß Dich bitte mal zusammen und quassel mir nicht beim Sortieren dazwischen, in Deinen blöden Hilfsversuchen. Ich hab keine Lust, Dich bei der Arbeit stören zu müssen, damit ich endlich schlafen darf. Gib einfach zu, dass die Pillen Dir auch nicht helfen, mich ins Bett zu kriegen und fertig. Da glaubste doch selber nicht dran, dass Du mir helfen kannst, meine Gedanken zu sortieren. Warum versuchste das dann immer wieder?

Nun mal ein Experiment, bitte anschnallen.

Diagnosen

rechts: isolierte Vena-accessoria-anterior-Insuffizienz mit Seitenastvarikosis bei intakter Crosse, Cockett-II-perforansveneninsuffizienz Bakerzyste.

links: isolierte Vena-accessoria-anterior-Insuffizienz mit Seitenastvarikosis bei intakter Crosse, Cockett-II-perforansveneninsuffizienz

(Auszug aus Kopie des Arztbriefes an mich, Krankenhaus Tabea Hamburg)

Glaubt ihr echt jetzt fang ich auch noch an, Fachchinesisch zu pauken? Ich habe einen sehr guten Freund, den ich euch empfehlen kann, als Chefdiagnostiker einzustellen. Der ist nämlich so nett, für mich die Tippse zu spielen und Medizin zu studieren und wenn ihr nen Übersetzer braucht, dann teile ich den gerne mit euch. Und weil ihr so gerne euer Wissen aus der Beobachtung von Verhalten zusammenbastelt, habe ich da mal was zurechtgebastelt.

Sil ist nämlich ein Freund und tut mir den Gefalllen, eine kleine Nebenrolle in meinem Kopfkino zu übernehmen, damit er mir damit helfen kann zu erkennen, dass er auf der Spielerebene betrachtet die ganze Zeit an meiner Seite war, auch wenn ich ihn nicht mehr wiedererkannt habe, weil er im Kino plötzlich ganz anders aussieht. Bei ihm ist mir das aber ganz egal, da gucke ich mir jeden Film an, solange er neben mir im Kinosessel sitzen bleibt und seine Nerven behalten kann. Denn wenn der vergisst, dass wir im Kino sitzen, wer soll mir denn dann noch helfen können, meinen Verstand zu behalten?

Über die Gedankensalatsortierunfähigkeit will ich jetzt mal nicht streiten und Ordnungsfetischismus erkläre ich auch nicht, einigen wir uns einfach mal darauf, dass ihr mich gerne zum Orthopäden begleiten dürft, wenn ihr euch dann wohler mit mir fühlt, dann geht bitte erstmal zum Godopäden, sonst wird das nie was mit dem Spaziergang heute!

Kapitel 28 – Bleib bei mir, hör mir zu, rede mit mir

[Dialog einsetzen]

Kapitel – 2. Einladung

 

Ende

Alles gut.

Nachwort

Hier ist Platz für eure eigenen Gedanken. Bitte mit Copy Paste unten ins Kommentarfeld oder bei Über-Ausführlichkeit auch gerne als eigener Blogbeitrag und kurz hier unten verlinken. Dankeschön!

Bis auf Wiederlesen, ihr Lieben.