Die Katze

Sie lag auf der warmen Fensterbank und schnurrte. Zufrieden beobachtete er sie und freute sich an ihrem Wohlbehagen. Eine Hand hielt lässig den Zigarillo, die andere strich durch seinen Bart. Seine Finger erspürten die kleine Narbe, welche seinem Gesicht einen charakteristischen Zug verlieh. Dieser Moment war perfekt.

»Nein, komm her, ich will mit Dir kuscheln und Dich lieb haben. Willst Du wohl!«, rief er trotzig und verfolgte das arme Kätzchen quer durchs Zimmer. Damals war er acht Jahre alt und hatte noch nicht begriffen, dass man Liebe nicht erzwingen kann. So jagte er das Tier, bis er es so weit in die Enge getrieben hatte, bis es keine andere Wahl mehr hatte und ihn mit zurückgelegten Ohren angstvoll anfauchte. Er wollte noch nicht aufgeben und packte sie, drückte sie an sich, um sich an ihr zu wärmen.

Die Katze setzte ihre Krallen ein und erwischte seine Wange. Heiss quoll das Blut aus der Wunde und vor Schreck und Schmerz ließ er sie los. Bevor er sich versah, hatte sie die Chance genutzt und war durch ein offenes Küchenfenster entfleucht. Enttäuscht ließ er die Arme sinken und saß noch lange weinend da.

Warum nur wollte sie nicht bei ihm bleiben? Ob ihn überhaupt jemals jemand lieben würde, fragte er sich zornig.

Sein Blick fiel auf die Frau, die auf seinem Schoss lag und an ihn gekuschelt eingeschlafen war. Seine Frau. Er streichelte sie mit den Augen. Wenn er sie jetzt berühren würde, das wusste er, würde er diesen Augenblick zerstören. Auch das Kribbeln, welches sein eingeschlafenes Bein verursachte, ignorierte er und genoss ihre Nähe. Diese Momente waren selten, aber sie waren es wert, auf sie zu warten. Es hatte beide Anstrengung gekostet, aufeinander zuzugehen und sich einander zu öffnen. Immer wieder einzulenken, sich zu erklären und zuzuhören. So Vieles lag hinter ihnen. Doch nun waren sie angekommen. Endlich zu Hause.

Jeden Tag setzte er sich in den Sessel unter dem Fenster und sah hinaus. Sie kam, wenn sie Hunger hatte oder manchmal auch einfach so. So, als ob sie nur schauen wollte, ob er noch da sei und ging wieder, bevor er ihrer Anwesenheit gewahr wurde. Er wartete. Jeden Tag. Und er wurde nicht enttäuscht.