Eine Gruppe Erdmännchen

Manie

Die Manie wird als „krankhafte Hochstimmung“ bezeichnet. Die Beschreibung „verzweifelt glücklich“ sagt mir eher zu.

Für mich ist die Manie nicht nur eine Flucht nach vorne und Gegenpol zur Depression; sie ist für mich auch der Haupteingang in die Psychose. Das ist wahrscheinlich der einzige Grund, warum ich nicht so gerne zu sehr in diese Richtung drifte.

Ich fliege gerne und nutze die gesteigerte Produktivität, aber ich bleibe dabei nach Möglichkeit immer auf dem Teppich. Für mich ist es sehr wichtig, die Kontrolle zu behalten und mit ambulanter Betreuung auszukommen. Dabei helfen mir in erster Linie Selbstbeobachtung durch meine Tagebücher sowie gelegentliche Rückmeldungen aus meinem Umfeld.

Es geht bei der Bewertung der Intensität der Manie nicht um das Ergebnis, wieviel Handlungsfähigkeit man sich hat behalten können, sondern um die Anerkennung der Schwere des Kampfes, den man gegen die innere Unruhe fechtet, um die Mühen, das eigene innere Kind in den Schlaf zu wiegen und nicht um die Leichtigkeit, mit der der empfundene Rückenwind den Teppich zum Fliegen bringt.


Beschreibung verschiedener Ausprägungsgrade einer Manie:

Skala Selbsteinschätzung manisch
Hochstimmung

Stimmung „überm Strich“: Manie

 

Diese Aufzählung ist nicht abschließend und stellt nur einen Zwischenschritt zusammengetragener Erfahrungen dar.

Stufe +1:

  • produktiver, energiegeladener
  • positiv gestimmt, zuversichtlich
  • viele Termine vereinbaren

Stufe +2:

  • Grübelattacken –> Einschlafschwierigkeiten
  • Schwierigkeiten, zur Ruhe zu kommen
  • sehr redselig, großer Mitteilungsdrang
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Gereiztheit
  • viele Ideen
  • großer Tatendrang

Stufe +3:

  • Verlust der Kontrolle über die eigenen Gedanken
  • Logorrhoe: nicht mehr schweigen können
  • enormes Kontaktbedürfnis
  • übersteigerter Selbstwert
  • Aggressivität

Stufe +4:

  • Verlust der Kontrolle über die eigenen Handlungen
  • Stimmenhören
  • große Schwierigkeiten mit zielgerichteten Aktivitäten

Stufe +5:

  • Gipfel der Psychose
  • Zwangseinweisung: Gefahr für sich selbst oder andere
  • unfähig, irgendetwas zu tun

Erläuterung der verwendeten Skala: Zur Mitte finden

Meine Selbsthilfestrategien je nach Stimmungslage: Was mir geholfen hat

Wie beschissen muss es einem gehen, damit man sich Hilfe von außen suchen darf?

Faustregel: Wenn Du daran zweifelst, es wert zu sein, dass sich jemand Zeit für Dich nimmt, dann hast Du Hilfe dringend nötig!


Ich habe für mich folgende Wege gefunden, wieder runter zu kommen (Eskalationsstufen):

  1. Sport: Kraftsport (siehe 90-Tage-Challenge, hier bin ich zur Mäßigung und Konzentration gezwungen), Schreiben, langsame Musik, Verzicht auf Zucker
  2. Rückzug, Termine absagen, Vorhaben verschieben+ binaurale Klänge (bitte nicht überdosieren!)
  3. Baldrian + Hopfen (zB Tee)
  4. Olanzapin 5mg
  5. Lorazepam 0,5mg

Meine letzte Notbremsung durch NL war im September, leider wieder in einer Klinik. Seither bin ich wieder bei Dauermedikation gelandet, 2,5mg bis 5mg Olanzapin je nach Bedarf. (Stand: Juli 17)

Dazu gebloggt

Bücher, die ich zu dem Thema gelesen habe

  • Achterbahn der Gefühle: Mit Manie und Depression leben lernen, Thomas Bock

  • Die Welt im Rücken, Thomas Melle

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