HINFALLEN, AUFSTEHEN, KRÖNCHEN RICHTEN, WEITERGEHEN!

Genesung

Genesung bedeutet für mich, mit der Krankheit leben zu lernen.

(Ich selbst im Vorwege einer Begriffsbestimmung in einem Beitrag im Blog zum Auftakt der Reihe in der Rubrik Genesung.)

Mein Genesungsweg bzgl. meiner schizo-affektiven Störung begann offiziell mit Erhalt der Diagnose.

Aber auch alle Erfahrungen, die ich vorher bereits sammeln durfte, haben natürlich zu meiner Genesung beigetragen. Denn ich verfügte über Ressourcen, auf die ich zurückgreifen konnte. Zum Beispiel war ich bereits als Kind sehr selbständig und konnte mich selbst versorgen. Warum sollte ich das als Erwachsener nun wegen einer Erkrankung plötzlich nicht mehr können? Notwendig war jedoch Hilfe von außen, um mich an diese Fähigkeiten und Kenntnisse zu erinnern.

Mein Rentenantrag läuft dennoch, weil es sich um eine chronische Erkrankung handelt und ich es aufgrund der so wichtigen Sicherstellung des Schlafes bisher rein zeitlich nicht schaffe, mehr als zwei Stunden die Woche zu arbeiten. Meine Einschränkungen durch die Erkrankungen habe ich im Oktober einmal in meinem Genesungsblog aufgelistet.

Im letzten halben Jahr hat sich daran nicht viel verbessert, jedoch bin ich zufriedener damit, zB strebe ich nicht mehr an, mich länger als anderthalb Stunden ohne Unterbrechung konzentrieren zu können (was früher ohne Weiteres über vier bis sechs Stunden hinweg alleine durch Wechsel des Fokus auf eine andere Arbeit möglich war).

Die Müdigkeit bei Belastungen stellt sich nicht mehr ein, seit ich bereits vorbeugend Zeitfenster zur Regeneration einplane – die sogenannten Gesunden machen ja auch Pausen!

Meine Versagensängste bezüglich Arbeit haben sich dank erneuter Ergotherapie aufgelöst. Wie das unter Arbeitsbelastung dann tatsächlich aussähe, kann ich nur erahnen. Im Zweifel kommt das einfach auf einen Versuch an.

Geblieben sind der hohe Stellenwert des Schlafes zur Vorbeugung von Psychosen sowie die Neigung zu Manie oder Depression, die ich beachten muss, um rechtzeitig gegenzulenken.

Meine letzte (ein- bis zweiwöchige) Phase, in der ich mich arbeitsunfähig hätte melden müssen, ist gerade erst vor zehn Tagen abgeklungen (Stand: 06. April 16) und davor war ich sechs Wochen unbehelligt – vorausgesetzt den einen Tag mit psychotischen Symptomen, an dem ich zu meiner Bedarfsmedikation greifen musste, zähle ich nicht mit.

(Update 20. Mai: Mein letzter Klinikaufenthalt war vom 2. auf den 3. Mai. Scheisse passiert. Momentan nutze ich meine freiwillige ambulante Sozialpsychiatrie einschließlich Home Treatment (Integrierte Versorgung Hamburg-Süd) vergleichsweise intensiv.)

In diesem Bereich meiner Homepage möchte ich versuchen, herauszustellen, wie meine Genesung gelungen ist, was ich selbst dazu beigetragen habe und was ich in meinen Alltag aktiv unternehme, um meine Gesundheit zu erhalten.

Dies versuche ich so nachvollziehbar zu beschreiben, dass andere es mir nachmachen können oder Erkenntnisse für ihre Arbeit gewinnen und vielleicht so andere Menschen besser unterstützen können.

Zudem gibt es einige, die sehr unter den Nebenwirkungen der Psychopharmaka leiden und versuchen möchten, ohne Medikamente auszukommen. Ich lebe nicht mehr ganz medikamentenfrei, komme aber weitgehend ohne sie aus. Im letzten Quartal hatte ich einmal im Monat Bedarf, im letzten Jahr war es etwa alle zwei Monate.

Dieses Jahr lebe ich sehr viel aktiver als in den letzten Jahren, gehe häufiger unter Leute, reise wieder und treffe auch mehr als eine Verabredung pro Tag.

Dazu gebloggt

Bücher und Filme, die mich bewegt haben

  • Als ich unsichtbar war, Genesungsbericht von Martin Pistorius, der 11 Jahre als hirntot galt und dann
  • Schnupfen im Kopf, Film von Til Schweiger über Alzheimer