Für mehr Gleichberechtigung für den Mann

Neulich hörte ich zufällig ein Gespräch von einer Gruppe Frauen. Sie sprachen über Männer und darüber, was sie an ihnen absolut nicht sexy finden. Die eine sagte: „Wenn der Typ im Café einen Cappuccino mit Sojamilch bestellt, ist das Date für mich beendet.“ Breite Zustimmung unter den anderen Girls. Geht gar nicht, was für ein […]

über Immer stark und bärtig? Für mehr Gleichberechtigung für den Mann — wunschmaterial

Foto Queer Tango

Na, wer will mitkuscheln?

Jeden Mittwoch von 20 bis 22 Uhr im Studio TanzKunst (Jürgen Robisch) in Ottensen.

Jeden 3. Mittwoch im Monat sollte Milonga sein, wenn ich mich nicht irre. Besser mal selber auf unserer Seite bei Facebook nachlünkern, dann war ich es nicht. 😉

Lasst euch nicht irritieren, ursprünglich wollten wir unter uns bleiben, aber inzwischen sehen wir das nimmer so eng, wer Männlein und wer Weiblein is.

Seelensex rulez – Gruppenkuscheln, yeah! Tantramassage inkl.

Für Fortgeschrittene: (Hab vergessen wie das heisst, wo mehr als zwei Tango tanzen. Leider ist der Deppenschutz im Gesichtsbuch immer noch aktiv, sonst hätte ich mal geguckt, ob ich euch mit nem Link erfreuen kann. Fragt also pls mal Onkel Google für  mich, trau dem im Augenblick lieber nicht übern Weg, fühle mich irgendwie so beobachtet und sehe ständig Zeichen und Botschaften und sowas.

Kurz gesagt: Ihr müsst mal die Verantwortung für eure Daten selbst übernehmen, das kommt ja unterm Strich ja nachher doch aufs selbe raus. Mich könnt ihr nicht rankriegen für eure eigene Blödheit. Und immer dran denken: Big Brother is watching…

Freu mich schon, was morgen wieder in der Zeitung steht, was ich angeblich ausgefressen haben soll, aber nicht mit mir: Ich war Erster. Damit kommt ihr nicht durch. Das müsst ihr doch mal langsam einsehen.

Also mal so gesagt: Ordnungsfetischisten bitte hier entlang zum Figurenpauken: Queer Tango im el bajo (Das ist ne freundliche Einladung. Darf man ablehnen. Wär aber unhöflich, dann ist der Papa traurig…)

BTW: Queer Tango Festival Berlin 2016, Kuschel mal einer Lucas für mich, bin out of order, sry. Zu den Einzelheiten

Beeilt euch, sonst verschlaft ihr die tollsten Parties, das hier ist schon vorbei: Queer Tango Festival Hamburg 2011 (zur Geschichte: Die schwule Wiege Hamburgs)

Schnell anmelden zum Queertangomarathon 2016, 28.-30. Oktober 2016

Hier die Anleitung in der Ficki Wiki

  1. Gehirn einschalten
  2. siehe 1.

So und sicherheitshalber mal lieber aus Versehen ne Klammer zu viel zu als eine zu viel offen lassen – könnte bös ins Auge gehen, gell. ;)))

Dann doch lieber Dresche vom Maschinchen, dat meint et doch nich so, dat is doch die sanfte Tour…. uuiuiui, bevor mich doch noch einer für den Sündenbock hält, geht ich mal schnell in Garten, Gänseblümchen pflücken.

Also falls ich morgen an mehreren Orten zur selben Zeit sein sollte, einfach nicht weiter drüber nachdenken, dann is mir mal wieder der Kalender verrutscht. Ich gebs ja schon freiwillig vorher zu.^^

Ach, und einer geht noch: Save the date 5. November 2016

Wenn mir einer freiwillig den Gefallen tut, meinen Kalender zu vergewaltigen: Nee, Wolf, da is wohl mal ne Nachtschicht fällig, oder? Überleg Dir mal besser ganz genau, wer da nach her als Depp da steht. Siehste. Wusste ich doch. So isser brav. Ja, guter Junge. Wenn Du hübsch bitte-bitte machst und mich zum Tanz aufforderst, überlege ich mir das vielleicht nochmal, aber geh mir erstmal aus der Sonne – zu Deiner eigenen Sicherheit. Wenn ich mich vergesse, haben wir alle schlechte Karten. Wir schippern nämlich in derselben Arche, falls Dir das entgangen sein sollte Du Schaf.

Augenblick, Kalender sagt: Day of Remembrance bei Hein und Fiete

Gruselig, gell? Und das ist mein Papierkalender, der ist wirklich harmlos. Stellt euch mal vor, wenn Onkel Google den in die Finger kriegt, dann gnade euch Gott – ne besser gar nicht weiter drüber nachdenken. Trotzdem, noch ein kleiner Hinweis, sicherheitshalber: Auch beim Kreistanzen Obacht, ich warne euch.

 

Zurück auf Los: Genesung, wie war das nochmal?

Meine Genesungsbegleiterin gab mir am Mittwoch einen Zettel nochmal, den ich vor einer gefühlten Ewigkeit, am 12.03.14, schonmal von ihr erhalten und in de Folge abgeheftet hatte – damals als Teilnehmer der Genesungsgruppe 1.

Momentan pausiere ich mit der Teilnahme an der Genesungsgruppe 2 und werde im August zur Vorbereitung auf meine Ausbildung wieder einsteigen.

  • Bei Genesung geht es darum, den Glauben an dich selbst und dein Selbstvertrauen wieder zu erlangen.
  • Bei Genesung geht es darum, nicht länger lediglich Patientin oder Patient zu sein, sondern ein positives Bild von dir und deinen Möglichkeiten wieder zu erlangen.
  • Bei Genesung geht es darum, wieder zu hoffen, daran zu glauben, dass du mit einer psychiatrischen Diagnose gut leben kannst.
  • Bei Genesung geht es darum, seelisch zu wachsen – das, was dir zugestossen ist, zu akzeptieren und zu überwinden.
  • Bei Genesung geht es darum, einen neuen Lebenssinn und Lebenszweck zu entwickeln.
  • Bei Genesung geht es darum, diejenigen Dinge zu tun, die du willst und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
  • Bei Genesung geht es darum, deine eigenen Ziele zu verfolgen.
  • Bei Genesung geht es darum, im Führersitz deines Lebens zu sitzen.
  • Bei Genesung geht es darum, dein Schicksal, deine Herausforderungen, dein Leben wieder in den Griff zu bekommen und die entsprechende Unterstützung zu erhalten, damit du das Leben führen kannst, das du willst.

(Aus Das Leben wieder in den Griff bekommen von P. Deegan)

Ich komme mir ein wenig vor wie Bart Simpson, während ich das hier abschreibe. Aber es tut gut. Und: Natürlich war das meine Idee, das hier mit euch zu teilen.

Es ist so, als müsste ich eine Klasse wiederholen, obwohl ich sie gerade erst übersprungen habe. Ich hatte das alles erreicht; ich war genesen – bin genesen. Ich kann mit meiner Diagnose gut leben – nur nicht mit den Stigmafolgen.

Ich mag nicht, dass man mir (als Mann) eine Gewaltbereitschaft unterstellt, die ich nicht zu liefern bereit bin. Ganz gleich, in welcher psychischen Verfassung ich bin. Ich bin für niemanden eine Gefahr, weder für andere, noch für mich selbst.

Das ist ganz egal, wie psychotisch ich bin: Nie würde ich jemanden angreifen.

Ich wehre mich ausschließlich zu Zwecken der Selbstverteidigung. So wie ich mich dem übergriffigen Krankenpfleger gegenüber zur Wehr gesetzt habe – damals in der Situation ganz intuitiv und ohne Gewissensbisse. Zum Nachlesen: Irre gesund.

Ich möchte wirklich gerne wissen, ob man mir für mein Betragen in der Geschlechtsrolle als Frau diese Diagnose auch gegeben hätte. Denn an meinem eigenen Verhalten hat sich nicht viel verändert, nur an meinem Äußeren und am Verhalten meiner Mitmenschen mir gegenüber. Innerlich bin ich sehr viel ausgeglichener geworden, insbesondere in den letzten Jahren.

Auch früher schon war ich phasenweise psychisch labil und bin immer mal wieder ausgetickt, wenn ich überlastet war. Besonders häufig in der Zeit nach dem Raubüberfall vor zehn Jahren. Einzig meine Arbeit und mein Arbeitsumfeld hat mich damals in der Bahn gehalten. Es wäre aber auch nicht normal, nach einem solchen traumatischen Ereignis die Nerven zu behalten. Zum Nachlesen: Über das Danach

Einer Frau lässt man da offenbar sehr viel mehr verbalisierte Aggression durchgehen, weil man sich von ihr nicht so bedroht fühlt wie von einem Mann. Dabei kann ein solcher vor-urteilsbasierter Eindruck sehr täuschen. Auch Frauen sind Täter*innen.

Nur ich bin eben kein Täter und ich verbitte mir diese Zuschreibung. Ich werde dadurch zum Opfer gemacht, dass Menschen sich von mir bedroht fühlen und mich vorsorglich abführen, fixieren, niederspritzen und wegsperren lassen. Ohne jede rechtliche Grundlage, einfach nur weil da Weißkittel im kurzen Prozess eine Entscheidung treffen.

Und nun im Nachgang beschwert sich auch noch jemand aus der Nachbarschaft bei der Vermieterin über uns. Ganz feige aus der Anonymität heraus. Weil wir ein einziges Mal in fast zwei Jahren selbst laut waren und an allen anderen Tagen den Lärm der anderen mit stoischer Geduld klaglos hingenommen haben.

Ein einziger Nachmittag der Entgleisung und das ist nun nach der entwürdigenden „Be“handlung in der Klinik schon die zweite Strafe dafür.

Hatte ich erwähnt, was in der Klinik geschah?

Ich durfte an Bett oder Trage fixiert, im Flur der Notaufnahme vor aller Augen ins Bett pissen, bevor ich dank der Medikamente das Bewusstsein verlor. Losgemacht hat mich niemand, obwohl klar erkenntlich war (weil ich es hatte artikulieren können), dass ich an schmerzendem Harndrang litt. Nichtmal eine Bettflasche war mir angeboten worden, nur eine Bettpfanne.

Okay, eine Flasche hätte ich nicht benutzen können, weil meine Harnröhre zu kurz ist und ich zu dem Zeitpunkt kein geeignetes Hilfsmittel dabei hatte. Dennoch tut es weh.

Ich war allein auf mich gestellt ganz der Willkür des diensthabenden Personals ausgeliefert. Um solche Situationen zu vermeiden hatte ich Vollmachten ausgestellt, Notfallpläne vereinbart und alle Welt von der Schweigepflicht entbunden.

Es hilft nichts. Der Folter entgeht man nicht, nur weil man selbst alle Regelchen einhält und Vertrauen vorschießt.

Noch eine Begegnung dieser Art und ich verliere Geduld und Kooperationsbereitschaft und wechsle das Lager zur Antipsychiatrie.

Ich lasse mich überraschen, was da noch kommen wird und bin froh, dass ich mittlerweile wenigstens wieder ver-arbeiten kann. Frisch retraumatisiert ist das besonders wichtig.

Aktionswoche: Trans*Inter*-Tagung München

Ich bin zurück von meiner Reise nach München, wo ich an der diesjährigen Transtagung teilgenommen habe. Es handelte sich um eine Jubiläumsveranstaltung, da die Transtagung München nun schon das zehnte Jahr stattfand.

Diesmal ist daraus eine große, bundesweit von verschiedenen Initiativen getragene Veranstaltung geworden, die auch Programmpunkte zum Thema Intersexualität bereithält. Das Team der Hanse-Intersex-Trans*tagung  hier bei uns im Norden hat sich im Bereich zum Thema Recht eingebracht.  Deshalb, also wegen des Bezugs auf Intersexualität, lautet der korrekte Titel der Veranstaltung „Trans*Inter*-Tagung München“.

Dabei stehen die Sternchen für alle möglichen Varianten der Interpretation, wie das begonnene Wort fortgesetzt werden könnte. So sollen sich möglichst alle Menschen dieser Zielgruppe auch mitgemeint und angesprochen fühlen.

Einen Einstieg ins Thema trans* biete ich sowohl bei der Vorstellung der gleichnamigen Reihe hier im Blog (Neue Reihe: trans*) als auch über meine Seite TransMann.

Ich war bereits bei der Planung und Vorbereitung meiner Reise etwas aufgeregt und sehr gespannt darauf, was mich erwarten wird. Ich wollte frisch und ungefiltert meine Eindrücke von meiner Reise mit euch teilen.

Zur Nachlese:

Live während der Tagung:

Donnerstag  Schwule Sauna
Freitag  Intersexualität
Samstag  genitale Selbstbestimmung
Sonntag Ruhetag

Im Nachgang:

Auf der Strecke geblieben:

  • Die Diagnose F64.0 aus der Sicht der Behandler_innen (besuchter Workshop: Trans*Diagnose vs. Realität)
  • Peerberatung (besuchter Workshop: Psychosoziale Beratung)
  • Und immer wieder Grabenkämpfe: Sexismus (besuchter Workshop: Unisexismus – Versuch einer Verortung)
  • Körperarbeit (besuchter Workshop: LOVE yourself – DANCE yourself)

Derzeit in mir arbeitende Themen:

  • Tagebuchauszug zur Epithetik und gegenwärtige Krise

Familie: Mein Vater

Liebe geht durch den Magen

Diesen Satz konnte ich leider nicht in meinem Lexikon finden.

Die Bedeutung dieses Sprichworts habe ich im Netz recherchiert. Neben vielen anderen Quellen fand ich auch ein Yoga-Wiki, in dem es heißt:

Liebe zu sich selbst – auch das geht durch den Magen. Indem man seinen Magen mit Ehrerbietung behandelt und ihm nur gesunde Nahrungsmittel gibt, drückt man auch seine Liebe zu seinem Körper, zu seiner Gesundheit aus. Gesunde Ernährung ist auch ein Ausdruck der Selbstliebe.

Das finde ich gar nicht so verkehrt. Denn tatsächlich greife ich auf Fertiggerichte zurück, sobald meine Selbstliebe nachlässt, weil ich depressiv verstimmt bin. Dann bin ich es mir plötzlich nicht mehr wert, mir die Zeit zu nehmen und für mich selbst zu kochen.

Koch gelernt habe ich eigentlich auch genau deshalb: Um andere Menschen durch den Magen zu lieben und um auch etwas (Lob, Trinkgeld) dafür zurückzubekommen. Naja, das hat nicht so geklappt, wie ich mir das dachte. Schon gut, dass ich durch die Prüfung gefallen bin. Kochen als Beruf war nicht das richtige für mich.

Aber das Kochen zu lernen war ein Weg, meinem Vater zu gefallen. Nur leider tat ich dabei meiner Mutter weh, als mein Vater die von mir zubereitete Consommé ohne Maggi genoss und ihr daran auffiel, dass er das Zeug bei ihren Suppen immer ungeprüft reinschüttete. Ihr Gesicht in dem Moment sprach Bände. Das zu beobachten zerriss mich innerlich.

Für mich war es immer sehr schwer, die Anerkennung meines Vaters zu finden. Das Essen wurde gelegentlich gelobt, häufig bekrittelt und die überwiegende Zeit stillschweigend hingenommen. Außerhalb des Rituals des Abendessens gab es praktisch keine Gelegenheit, einen Gesprächseinstieg überhaupt zu versuchen.

Und auch bei Tisch hieß es noch als ich sechzehn Jahre alt war:

Kinder bei Tisch, stumm wie ein Fisch

Auch diesen Satz finde ich in meinem Lexikon nicht und im Internet bezeichnet der erste Treffer (von 2011) diese Aussage als „reaktionär“.

Mein Lexikon kennt dagegen den Satz:

Gespräch am runden Tisch führen

Das bedeutet, dass man ein zwangloses Gespräch mit gleichberechtigten Partnern führt. Heute sagt man auch „auf Augenhöhe“ tauscht man sich aus. Solche Gespräche habe ich mit meiner Mutter unter vier Augen recht häufig geführt – in der Küche an einem eckigen Tisch. Soviel zum Wortsinn und der Kommunikationskultur, mit der ich aufgewachsen bin.


An diese Redewendung, die Liebe ginge durch den Magen, musste ich neulich denken, weil der Krebs meines Vaters den Weg zu seinem Magen von beiden Seiten her zugewuchert hatte.

Am Ende konnte er gar keine Speisen mehr genießen – dabei war er zeitlebens Feinschmecker gewesen und der Entzug gustatorischer Genüsse muss für ihn die Hölle auf Erden gewesen sein.

Mein Vater war gar kein Freund von Fertiggerichten. An seiner Selbstliebe hat es dann wohl nicht gemangelt. Der Krebs muss also eine andere Ursache gehabt haben.

Ich erfuhr von der Diagnose im November 2013 und Anfang September 2014 war ich durch eine Tagung gut abgelenkt, als er im Sterben lag. Ohne dieses Ablenkung hätte ich das wohl kaum verkraftet, ohnmächtig untätig abwarten zu müssen. Woher meine Mutter die Kraft nahm, ihn zu begleiten, ist mir ein Rätsel.


Mein Vater war mir, solange ich klein war und zu ihm aufsah, ein großes, eigentlich DAS Vorbild bei der Frage, wie ein Mann sein sollte: Ein Mann trägt Anzug und am Wochenende allenfalls mal eine Strickjacke zum schlipslosen Hemd.

Der Mann ist dafür zuständig, die Brötchen zu verdienen. Die Frau darf da mitmachen, aber die ist für die Kinder zuständig. Wie sie das geregelt bekommt, ist ihr Problem. Sie wollte ja die Kinder.

Als ich dann so ein Mann werden wollte und Papas (teures) Duschgel in Unmengen benutzte, stieß das auf wenig Gegenliebe seitens meiner Mutter.

In der Rückschau ziehe aus den Schwächen meines Vaters die größte Lehre. Das ist mir ein Anti-Vorbild, ein Bild dessen, wie ich mich als erwachsener Mann nicht verhalten möchte. Auch diese Rollenaufteilung hat mir nie geschmeckt, egal ob ich in der weiblichen oder männlichen Geschlechtsrolle war oder irgendwo dazwischen unterwegs.

Ein Mann zeigt keine Gefühle – damit hatte ich sehr lange Zeit die größten Schwierigkeiten. Ich habe mich ganz bewusst für das Gegenteil entschieden. Mir ist das langjährige Unterdrücken meiner Gefühle nicht gut bekommen. Vor zehn Jahren habe ich begonnen, intensiv zu schreiben und dabei meine Gefühle rauszulassen.

Das impulsive Ausagieren jeglicher Gefühle strebe ich jedoch auch nicht an. Ich durchlebe sie, konserviere sie in Textform und setze die zurückbleibende Energie von Wut oder Trauer in Bewegung um. Freude, Hoffnung, Zuversicht, Ruhe, Kraft und Frieden teile ich natürlich gerne mit anderen Menschen. Auch meinen Schmerz zeige ich in meinen Geschichten: Auf eigene Gefahr.

Mein Vater ist mir jedoch vor allem ein großes Vorbild, was seine Umsicht, Feinfühligkeit und Nachhaltigkeit angeht. Er war ein großartiger Arbeitgeber, Vorgesetzter und Geschäftsmann. Er war selbstsicher genug, sich in die Selbständigkeit zu wagen, weil er auf seine Fähigkeiten vetraute.

Der nicht wirklich frei gewählte Übergang in den Ruhestand nach über 30 Jahren Tätigkeit während eines langjährigen Rechtsstreits mit einem ehemaligen Auftraggeber hat ihn gebrochen und er verlor jeglichen Halt. Mich schmerzt die Sinnlosigkeit dieses Geschachers ums Geld, dieses Auslöschen von Lebenssinn und die damit verbundene absolut unangemessene Geringschätzung meinem Vater gegenüber.

Wenn ich mich heute an seinen letzten Blick in meine Augen erinnere, dann finde ich darin alles das, was ich all die Jahre vermisst, weil nicht beachtet habe. Damals sah ich nur die Angst davor, mich zurückzulassen und spürte seine Sorge, ob ich auch alleine zurechtkäme.

Ja, natürlich komme ich klar. Ich bin doch nicht ohne Grund zur Selbständigkeit erzogen worden. Es tut mir nur leid, dass er kein Buch mehr von mir in den Händen halten wird und mich zuletzt als kranken Mann gesehen hat – wie ich ihn ja auch.

Wenn ich weniger meinen Vater und mehr mich geliebt hätte, hätte ich vielleicht früher damit angefangen, mir die Seele frei zu schreiben. Doch darüber nun auch noch zu trauern ist müssig. Ich bin heute der, der ich bin, weil ich diesen Weg gegangen bin.

Tschüss, Papa. Ruhe in Frieden.

Was ich an meinem Vater stets am meisten geschätzt habe, ist, dass er die Ruhe selbst war. Lexikon sagt* zu die Ruhe selbst sein: sich ganz in der Gewalt haben, eine bewundernswerte Gelassenheit zeigen, sich keine Erregung anmerken lassen.

Das werde ich wohl verwechselt haben mit dem Fehlen von Gefühlen, weil solche wenn überhaupt nur sehr selten ausgesprochen wurden. Vielleicht hing es auch damit zusammen, dass ich mit meinen eigenen Gefühlen so lange überfordert war.

Nun habe ich erfahren:

In der Ruhe liegt die Kraft.

Der Satz steht nicht im Lexikon, aber die Bedeutung habe ich nun erfasst: Durch innere Ausgeglichenheit schöpfe ich Kraft und kann so sehr viel mehr Leistung und auch Gelassenheit nach außen zeigen als wenn ich mir keine Ruhe gönne (rastlos tätig sein, sich keine Erholung, keinen Urlaub gönnen).

Ohne die durch die Psychose nach außen gezeigte Unausgeglichenheit und die damit verbundene Diagnose hätte ich das wohl nicht so schnell erkannt. Die erlittene Zwangseinweisung unterstrich die Dringlichkeit, mit der dieses Problem der Unausgeglichenheit gelöst werden musste.

So habe nun auch ich meine Ruhe gefunden. Lexikon sagt* zu Ruhe finden: innere Ausgeglichenheit, Erlösung von Mühe, Sorge und Leid durch den Glauben finden. Die Redewendung bezieht sich auf den Rat Jesu (Matth. 11,29):

Nehmet auf mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.


* Ja, das ist eine Anspielung auf „Computer sagt nein….“


PS:

Ja, natürlich frage ich mich, ob man so über Verstorbene überhaupt sprechen darf oder ob das pietätlos ist.

Ich frage mich, wie meine Mutter wohl darauf reagieren wird, wenn sie das liest. Ob sie sehr verletzt sein wird. Ob eine sehr große Kluft liegt zwischen der Vergangenheit, die ich erinnere, und der, die sie erlebt hat.

Darf ich so etwas nur im Therapiezimmer von mir geben? Oder muss ich damit zur Beichte?

Ich finde: Nein. Das hat hier seinen Platz in meinem Tagebuch.

 

facebook.com/jungs.tanzen

Kein Sex auf der Tanzfläche!

Ich hätte da mal ein Problem: Wie grenzt ihr Sexualität ab?

Eine passende Schlagzeile zu unserer letzten Milonga wäre etwa: Knisternde Erotik lag in der testosterongeschwängerten Luft und war förmlich mit den Händen zu greifen.

Mein Tanzlehrer Wanja hatte einmal während einer Stunde, halb im Spaß, zu meinem Ehemann und mir gesagt:

Kein Sex auf der Tanzfläche!

Ich nahm dies sicherheitshalber ernst und fasste das als Regel auf. Nur: Wie soll ich diese Regel einhalten, wenn ich nicht weiß, wo Sex anfängt?

Aus meiner Sicht haben wir in unserer Gruppe sehr intime Begegnungen. Die Intimität fängt bei mir bereits an, wenn ich in einer fremden Wohnung bin und aufgefordert werde, die Schuhe auszuziehen. Ich kann mir nicht helfen; in solchen Momenten frage ich mich, ob mir an diesem Ort überhaupt keine Privatsphäre zugestanden wird.

Das Tanzen mit nackten Füßen setzt da nochmal eins drauf. Die erste Zeit hatte ich Gymnastikschläppchen getragen. Auch, um mehr Grip zu haben, weil ich meinen Füßen nicht zutraute, mich zu tragen und mir nicht, diese zu koordinieren, ohne mich unfreiwillig aufs Laminat zu legen.

Inzwischen habe ich die Tanzschuhe meines Vaters geerbt und fühle mich darin sehr wohl und sicher – habe nur manchmal etwas Sorge um die nur besockten oder nackten Füße meines Tanzpartners. Mal sehen, wenn es wärmer draußen wird und der Fußboden nicht mehr so kalt ist, tanze ich vielleicht auch mal nackt – äh, barfuß.

Für mich sind auch die Berührungen während der Körperarbeit keine per se unschuldigen Berührungen. Es kommt immer auf den Kontext an, in dem sie ausgeübt werden. Anfangs fühlte ich mich etwa wie bei der Krankengymnastik – aber da konnte ich mich auch noch nicht entspannen dabei und einfach die Bewegung geschehen lassen. Mittlerweile sind die Grenzen meiner Meinung nach sehr verschwommen.

Der Tango an sich ist, finde ich, selbst auch nicht gerade weit entfernt von Erotik. Ein solcher Tanz ist ein höchst sinnliches Erlebnis und gelegentlich fängt es da schon sehr zu prickeln an. Nicht umsonst wird der Tango auch bei der Paartherapie eingesetzt. Besonders der Queer Tango mit seinem Dialog aus führen und Folgen ist ideal, um die gegenseitige Wahrnehmung und das Respektieren von Grenzen zu schulen.

In der letzten Woche hatten wir dann auch noch Besuch aus Berlin – von dem Tanzlehrer, der mich überhaupt auf den Queer Tango gebracht hatte, war zu Gast. Als er mich berührte, war es um mich geschehen und ich entschied, mich an diesem Abend gehen zu lassen.

Im Nachhinein war ich mir dann sehr unsicher, ob ich mich zu weit habe gehen lassen. Meiner Wahrnehmung nach hatte ich Sex auf der Tanzfläche gehabt und damit fahrlässig eine der geltenden Regeln gebrochen.

Nach dem gestrigen Feedback war mein einziges Vergehen, dass ich nach einer Figur gefragt hatte und Wanja keine Lust gehabt hatte, zu unterrichten.Vielleicht habe ich deshalb eine etwas andere Auffassung dazu, weil ich mit BDSM ohnehin schon meinen gesamten Körper zur erotischen Zone erklärt habe.

Nächste Woche Mittwoch kommt für und zu uns wieder der Akkordeonspieler Armin. Darauf freue ich mich schon ganz besonders, denn beim letzten Mal war das ein sehr außergewöhnliche Erfahrung, bei der Körperarbeit von einem „atmendem“ Musikinstrument geführt zu werden und nicht wie gewohnt von Wiktors Stimme.

Jeden dritten Mittwoch ist bei uns im Studio TanzKunst eine kleine queere Milonga, zu der jeder eingeladen ist, ohne sich zu regelmäßiger Teilnahme am Queer Tango verpflichtet fühlen zu müssen.

Ursprünglich war die Gruppe nur an Jungs gerichtet gewesen, aber nachdem eine Gruppe von Damen (die seither nicht gesehen ward)  angefragt hatte, hatten wir uns trotz aller, vornehmlich meiner, Berührungsängste dazu entschlossen, die Gruppe für alle Geschlechter zu öffnen.

Daher hatte ich gestern das Vergnügen, eine Frau – meiner Wahrnehmung nach recht intim – zu berühren. Ich werde nun aber nicht das Ufer wechseln. (Die meisten) Frauen sind mir einfach zu sanft. Ich mag richtig angepackt werden und brauche eine feste Führung. Und Brüste sind mir eben auch zu weich, damit kann ich überhaupt nichts anfangen.

Naja, zugegeben: An das Becken habe ich mich nicht herangewagt (sie bei mir dagegen schon) und die Brust habe ich sicherlich im beiderseitigem Einvernehmen außen vor gelassen. Wir machen ja kein Tantra oder sowas – der Sex findet nur in meinem Kopf statt.

Übrigens waren wir gestern noch was trinken. Dabei habe ich gelernt: Jazz ist nichts meins. Auf der Bühne stehen mit einem Instrument ja. Tanzen zu improvisierter Musik: Geile Sache. Aber da sitzen und nur zuhören müssen oder gar dazu Gespräche führen ist Folter. Dazu muss ich mich einfach bewegen dürfen und tanzen. Dann ist es wunderschön.

Vielleicht hast Du nun Lust bekommen, mal bei uns mitzumachen:

Hier unten ist die Einladung (der Flyer klebte am Trockner und ist daher etwas ramponiert) und es gibt auch eine Seite im Gesichtsbuch.

facebook.com/jungs.tanzen
Flyer Queer Tango