Für mehr Gleichberechtigung für den Mann

Neulich hörte ich zufällig ein Gespräch von einer Gruppe Frauen. Sie sprachen über Männer und darüber, was sie an ihnen absolut nicht sexy finden. Die eine sagte: „Wenn der Typ im Café einen Cappuccino mit Sojamilch bestellt, ist das Date für mich beendet.“ Breite Zustimmung unter den anderen Girls. Geht gar nicht, was für ein […]

über Immer stark und bärtig? Für mehr Gleichberechtigung für den Mann — wunschmaterial

Foto Queer Tango

Na, wer will mitkuscheln?

Jeden Mittwoch von 20 bis 22 Uhr im Studio TanzKunst (Jürgen Robisch) in Ottensen.

Jeden 3. Mittwoch im Monat sollte Milonga sein, wenn ich mich nicht irre. Besser mal selber auf unserer Seite bei Facebook nachlünkern, dann war ich es nicht. 😉

Lasst euch nicht irritieren, ursprünglich wollten wir unter uns bleiben, aber inzwischen sehen wir das nimmer so eng, wer Männlein und wer Weiblein is.

Seelensex rulez – Gruppenkuscheln, yeah! Tantramassage inkl.

Für Fortgeschrittene: (Hab vergessen wie das heisst, wo mehr als zwei Tango tanzen. Leider ist der Deppenschutz im Gesichtsbuch immer noch aktiv, sonst hätte ich mal geguckt, ob ich euch mit nem Link erfreuen kann. Fragt also pls mal Onkel Google für  mich, trau dem im Augenblick lieber nicht übern Weg, fühle mich irgendwie so beobachtet und sehe ständig Zeichen und Botschaften und sowas.

Kurz gesagt: Ihr müsst mal die Verantwortung für eure Daten selbst übernehmen, das kommt ja unterm Strich ja nachher doch aufs selbe raus. Mich könnt ihr nicht rankriegen für eure eigene Blödheit. Und immer dran denken: Big Brother is watching…

Freu mich schon, was morgen wieder in der Zeitung steht, was ich angeblich ausgefressen haben soll, aber nicht mit mir: Ich war Erster. Damit kommt ihr nicht durch. Das müsst ihr doch mal langsam einsehen.

Also mal so gesagt: Ordnungsfetischisten bitte hier entlang zum Figurenpauken: Queer Tango im el bajo (Das ist ne freundliche Einladung. Darf man ablehnen. Wär aber unhöflich, dann ist der Papa traurig…)

BTW: Queer Tango Festival Berlin 2016, Kuschel mal einer Lucas für mich, bin out of order, sry. Zu den Einzelheiten

Beeilt euch, sonst verschlaft ihr die tollsten Parties, das hier ist schon vorbei: Queer Tango Festival Hamburg 2011 (zur Geschichte: Die schwule Wiege Hamburgs)

Schnell anmelden zum Queertangomarathon 2016, 28.-30. Oktober 2016

Hier die Anleitung in der Ficki Wiki

  1. Gehirn einschalten
  2. siehe 1.

So und sicherheitshalber mal lieber aus Versehen ne Klammer zu viel zu als eine zu viel offen lassen – könnte bös ins Auge gehen, gell. ;)))

Dann doch lieber Dresche vom Maschinchen, dat meint et doch nich so, dat is doch die sanfte Tour…. uuiuiui, bevor mich doch noch einer für den Sündenbock hält, geht ich mal schnell in Garten, Gänseblümchen pflücken.

Also falls ich morgen an mehreren Orten zur selben Zeit sein sollte, einfach nicht weiter drüber nachdenken, dann is mir mal wieder der Kalender verrutscht. Ich gebs ja schon freiwillig vorher zu.^^

Ach, und einer geht noch: Save the date 5. November 2016

Wenn mir einer freiwillig den Gefallen tut, meinen Kalender zu vergewaltigen: Nee, Wolf, da is wohl mal ne Nachtschicht fällig, oder? Überleg Dir mal besser ganz genau, wer da nach her als Depp da steht. Siehste. Wusste ich doch. So isser brav. Ja, guter Junge. Wenn Du hübsch bitte-bitte machst und mich zum Tanz aufforderst, überlege ich mir das vielleicht nochmal, aber geh mir erstmal aus der Sonne – zu Deiner eigenen Sicherheit. Wenn ich mich vergesse, haben wir alle schlechte Karten. Wir schippern nämlich in derselben Arche, falls Dir das entgangen sein sollte Du Schaf.

Augenblick, Kalender sagt: Day of Remembrance bei Hein und Fiete

Gruselig, gell? Und das ist mein Papierkalender, der ist wirklich harmlos. Stellt euch mal vor, wenn Onkel Google den in die Finger kriegt, dann gnade euch Gott – ne besser gar nicht weiter drüber nachdenken. Trotzdem, noch ein kleiner Hinweis, sicherheitshalber: Auch beim Kreistanzen Obacht, ich warne euch.

 

Fussball und Gewalt sowie Fremdenfeindlichkeit

17. Juli 2016

Es tut mir leid, dass das mit dem CSD-Video am letzten Montag nicht geklappt hat. Es handelte sich um einen Livestream, der offensichtlich noch etwas länger abzurufen war als die Liveübertragung dauerte und für mich nicht ohne weiteres aufzufinden war. Die Aufzeichnung ist jetzt hier zu finden und ich bin etwa ab 2:25:00 zu sehen: http://livestream.com/accounts/20263151/events/5707673/videos/128533876

8. Juli 2016

Es ist mal wieder soweit: Mitten in der Nacht (gerade ist halb vier durch) und ich kann nicht schlafen. Ich muss das jetzt loswerden.

Vorhin habe ich beim Rudelgucken hier in Kessenich (Bonn) gemeinsam mit den anderen Kneipenbesuchern miterlebt, wie die deutsche Nationalelf heldenhaft ausgeschieden ist. Gegen die Gastgeber zu verlieren ist doch wohl noch das anständigste, das ich mir vorstellen kann und den Franzosen habe ich es dieser Tage von Herzen gegönnt.

Was ich neben dem Spiel leider auch beobachten musste, waren Ausdrücke wie „Neger“, „Spaghettifresser“ und „Affe“ bezüglich Schiedsrichter und gegnerischer Spieler. Das kam alles von derselben Person. Ein anderer fand sich dann witzig damit, Teile des Publikums als „Froschesser“ zu bezeichnen.

Ich habe mich geschämt und schäme mich noch. Nicht fremd und auch nicht dafür, Deutscher zu sein, aber für meine Feigheit. Weil ich finde, dass jemand etwas dagegen hätte sagen müssen und ich es nicht getan habe.

Zum einen wollte ich in Ruhe das Spiel sehen und zum anderen wusste ich nicht, wie viele von denen, die ebenfalls nichts dagegen sagten, zu mir gestanden hätten und wie viele zu den anderen. Und ich wollte keine Prügelei heraufbeschwören.

Und dann ist da wieder der Gedanke an den Transmann, der im Zusammenhang mit einem Fußballspiel oder eine Demo wegen irgendeiner Kleinigkeit, einer Routinemaßnahme zwecks Deeskalation verhaftet und auf der Wache von fünf Polizisten in Zivil u.a. als „Bartfotze“ beschimpft und vergewaltigt wurde. Das war, als er es mir vor vier Jahren erzählte, bereits mehrere Jahre her und er hatte sich gegen eine Anzeige entschieden.

Vielleicht habe ich zu viele Filme gesehen, vielleicht treibt meine Phantasie zu viele Blüten, aber ich stelle es mir nicht sehr angenehm vor, während einer Kneipenschlägerei vergewaltigt zu werden. Dabei habe ich eigentlich schon viel Schlimmeres durch und sollte keine Angst haben. Sie ist trotzdem da und das noch, obwohl ich weiß, dass gerade die Angst den Täter_innen in die Hände spielt.

Und als in der Halbzeitpause in den Nachrichten die neue Gesetzesänderung zur Verschärfung des Sexualstrafrechts angekündigt wurde, wurde die Politikerin von dem Mitläufer als „Arschfotze“ betitelt. Ein anderer Mann fragte „Und wer schützt uns Männer?“ – letzterem schloss ich mich mit meiner Verunsicherung an. So wie ich es verstanden hatte, darf man Frauen nicht mehr an Brust und Gesäß berühren, aber wenn ich mit einem Kerl flirte, darf ich ihn an den Hintern fassen?

Gleiche Rechte für alle Geschlechter
Schluss mit Sexismus

Zwischenzeitlich habe ich dazu Neueres gehört und es bezieht sich wohl nur auf Handlungen, die nach einem NEIN erfolgen, die jetzt verboten sind. Und das ist wirklich neu? Ich bin schockiert! Für mich war das ohnehin selbstverständlich. Ich bin gespannt, wie der Gesetzestext im Einzelnen aussieht, und wie es sich dann in der Praxis darstellt.


12. Juli 2016

Über einen Verteiler habe ich eine Pressemitteilung der Initiative Rainbow Refugees Cologne erhalten:

Pressemitteilung vom 27.06.2016

Trans- und Homosexuelle Flüchtlinge in Kölner Unterkünften hilflos ausgeliefert

Innerhalb von einer Woche wurden zwei Flüchtlinge in Kölner Unterkünften von ihren Nachbarn angegriffen und zum Teil schwer verletzt.

Am 13.06.2016 wurde eine transsexuelle Frau in ihrer Unterkunft am Zülpicher Platz von ihrem Nachbarn mit einem Messer attackiert und konnte sich knapp in Sicherheit bringen.

Am 21.06.2016 wurde ein homosexueller Mann von seinem Zimmernachbarn so zusammengeschlagen, dass er mit starken Prellungen in die Notaufnahme musste.

Trans- und homosexuelle Flüchtlinge gehören im Regelfall zur Gruppe der sogenannten besonders schutzbedürftigen Flüchtlinge. Dies wird in der Aufnahmerichtlinie 2013/33/EU, die seit letztem Jahr geltendes Recht in Deutschland ist, geregelt. Ihnen muss für die Dauer ihres Asylverfahrens auch bei der Unterbringung ausreichend Schutz gewährleistet werden. Dieses Ziel hat die Stadt Köln augenscheinlich verfehlt.

Mit Artikel 18 (4) der Aufnahmerichtlinie 2013/33/EU verpflichten sich die europäischen Mitgliedstaaten, und so auch Deutschland, Übergriffe und geschlechtsbezogene Gewalt einschließlich sexueller Übergriffe und Belästigung in Unterkünften zu verhindern. Aus der Beratungspraxis des Kölner Flüchtlingsrates e.V. heraus, sowie über die dokumentierten Fälle der Landeskoordination Anti-Gewalt-Arbeit für Lesben und Schwule in NRW, angesiedelt im Rubicon, wird deutlich, dass Lesben, Schwule, Bisexuelle sowie Transsexuelle und Transgender in Flüchtlingsunterkünften regelmäßig Opfer von physischer und psychischer Gewalt oder Diskriminierung und Belästigung werden.

Die am 13.06.2016 mit einem Messer attackierte aus dem Irak stammende transsexuelle Flüchtlingsfrau wurde wenige Tage zuvor am 02. Juni von dem Manager ihrer Unterkunft, einem Hotel in Longerich, verwiesen. Der Manager habe dies damit begründet, dass die Unterkunft keine „Schwulendisco“ sei und er sie zur Not an ihren Beinen herauszerren werde. Nachdem die Frau zunächst die Nacht am Bahnhof verbrachte, verweigerte das Amt für Wohnungswesen am darauf folgenden Tag zunächst die Notunterbringung und gab erst nach Verweis auf die eindeutige Zuständigkeit die Notrufnummer heraus. Die diensthabende Mitarbeiterin konnte lediglich einen Schlafplatz in einer Massenunterkunft anbieten, mit dem Hinweis, die Betroffene solle sich „ja benehmen“. Ihre Geschlechtsidentität also verheimlichen, um keinen weiteren Ärger zu provozieren. Laut Urteil des Europäischen Gerichtshofs ist die Verheimlichung der eigenen Geschlechtsidentität nicht zumutbar. Aufgrund der Gefahr vor Übergriffen in einer Massenunterkunft ohne Privatsphäre wurde die Frau privat untergebracht. Wenige Tage, nachdem sie letztendlich ein Zimmer in einer Unterkunft am Zülpicher Platz erhalten hatte, wurde sie mit dem Messer attackiert. Dass die Anzeige von der Polizei überhaupt registriert und der Täter letztendlich inhaftiert wurde, ist dem Einsatz der Willkommensinitiative RainbowRefugeesCologne zu verdanken, die die Frau begleitete. Die Polizei hatte die Anzeigenaufnahme zunächst verweigert und erst nach langen Diskussionen akzeptiert. Im Anschluss wurde der Täter durch die Polizei in Gewahrsam genommen und die Tatwaffe sicher gestellt.

Dass homo- und transsexuelle Flüchtlinge in regulären Unterkünften vor Angriffen nicht sicher sind, zeigte ein Übergriff am 21.06.2016 erneut. Der betroffene schwule Mann wurde von seinem Zimmernachbarn zusammengeschlagen und musste in die Notaufnahme. Auch hier zeigte sich das Amt für Wohnungswesen überfordert: die zuständige Sozialarbeiterin war bereits außer Dienst und konnte die Notrufnummer des Amt für Wohnungswesen nicht mitteilen. Zuständig für die Unterbringung des Opfers sei hier die Polizei bei Aufnahme der Anzeige, die dann das Amt für Wohnungswesen für die Notunterbringung kontaktieren müsse. Nur durch Zufall hatte der Betroffene den Kontakt zu einem ehrenamtlichen Aktivisten, der ihn, zusammen mit einer Mitarbeiterin des Kölner Flüchtlingsrates e.V., in die Notaufnahme brachte und Anzeige erstattete. In diesem Fall reagierte die Polizei direkt und verwies den Zimmernachbarn der Unterkunft. Es ist jedoch fraglich, ob die gleiche Reaktion zu erwarten gewesen wäre, wenn der Betroffene, der nur der arabischen Sprache mächtig ist und die Verfahrenswege nicht kennt, alleine den Weg zur Polizei gefunden hätte und die Anzeige aufgenommen worden wäre. Auch die Klärung des Sachverhaltes sowie ein Hausverbot für den Angreifer werden nun erst nach insistieren der Beratungsstelle des Kölner Flüchtlingsrates e.V. vom Amt für Wohnungswesen weiter angestrebt.

Der Kölner Flüchtlingsrat e.V., die Willkommensinitiative RainbowRefugeesCologne sowie die Landeskoordination Anti-Gewalt-Arbeit für Lesben und Schwule in NRW begrüßen die geplante Einrichtung einer Ombudstelle für Flüchtlinge in der Stadt Köln, sowie die Planung von Wohnungen für homo- und transsexuelle Flüchtlinge.

Zum Schutz der Flüchtlinge in allen Unterbringungseinrichtungen fordern sie dennoch:

1. Beschleunigung der Einrichtung der Schutzwohnungen sowie ausreichende Unterbringungsplätze und ein Belegungsmanagement für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge. Auch für homosexuelle und trans* Flüchtlinge!

2. Notrufsysteme und -nummern für Flüchtlinge in allen Unterkünften!

3. Ein effizientes Meldesystem sowie Schutzkonzepte des Kölner Amtes für Wohnungswesen in Bezug auf Übergriffe und die anschließende Notunterbringung!

4. Die Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden des Amt für Wohnungswesen sowie der Kölner Polizei zu besonders Schutzbedürftigen, insbesondere zu Homo- und Transsexuellen!

5. Stadt und Polizei müssen endlich dafür Sorge tragen, dass Bagatellisierungen, Diskriminierung und Ignoranz als Reaktion auf Berichte von Gewalt und Übergriffen ein Ende haben! Deren Ausübung durch Betreuungspersonal und Unterkunftsmanagement muss mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen und gegebenen Falls mit der Kündigung der Aufträge beantwortet werden. Verträge mit Betreibern von Unterkünften müssen eine Antidiskriminierungsklausel enthalten!


17. Juli 2016

Noch mehr als ohnehin schon schäme ich mich dafür, dass ich diesen Beitrag nun erst wieder aus dem Papierkorb fischen musste.

Irgendweshalb kam ich zwischenzeitlich auf die Idee, das Ganze ginge mich persönlich doch gar nichts an und ich könne ja gar nichts tun, außer mich selbst aus dem Kreuzfeuer heraushalten. Dabei ist genau diese Haltung diejenige, die es diesen Leuten so einfach macht, das Maul aufzureißen.

Das Wegsehen, das Schweigen, das stille Erdulden… sind im Grunde nichts anderes als Zustimmung.

Es ist auch albern: Selbst wenn ich keine Seite aktiv wähle, werde ich doch eindeutig einer zugeschrieben, ob ich damit einverstanden bin oder nicht. Bereits im Sommer 2012 habe ich von Nazis Prügel bezogen, ohne in irgendeiner Weise provoziert zu haben.

Anlass genug boten bunte Kleidung und Frisur. Ein Popeye-T-Shirt, karierte Hose und ein orange gefärbter Irokese. Damals in keinster Weise politisch, rein modisch motiviert.

Iro mit Giraffe
Irokese

Ich war einfach voller Lebensfreude und wollte mit Anfang Dreißig nochmal so richtig meine Jugend auskosten. Bevor mir die Haare durch das Testosteron ausfallen, wollte ich einmal im Leben einen Iro gehabt haben.

Nur weil ich nachts allein war auf dem Kölner Domplatz und zudem in erkennbar desorientiertem Zustand wurde ich zum Opfer.

Ich wurde gefragt, ob ich was gegen Nazis hätte. „Nö“, erklärte ich, weil ich mich mal tierisch in einen Skinhead verknallte hatte, den ich damals sogar von den Vorteilen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung gegenüber der von ihm favorisierten Staatsform Diktatur überzeugen konnte.

Die beiden waren irritiert, aber mit meiner Reaktion offenbar noch nicht ganz zufrieden. Wie ich Adolf Hitler fände, war die nächste Frage. Da kam natürlich meine Schulbildung zum tragen: „Find ich doof.“ Das reichte. „Na siehste“, sagte der eine zum anderen. „Na komm, lass den doch“, sagte der andere und bedachte mich mit einem sorgenvollen Blick, „Du siehst doch, mit dem stimmt was nicht“ und wollte seine Begleitung von mir abwenden. Wieder wurde ich prüfend beäugt. „Zur Sicherheit.“

Von den berühmten Sternen war nichts zu sehen, aber ich ging zu Boden und der Schmerz setzte erst mit einiger Verzögerung ein. Zu groß war der Schock.

Ein Faustschlag ins Gesicht ist eigentlich keine große Sache und muss nicht zwingend sofort zur Anzeige gebracht werden. Da ich damals noch in derselben Nacht erstmals in die Psychiatrie kam, hatte ich seither auch andere Probleme, die im Vordergrund standen. Würde mir das heute nochmal so oder so ähnlich passieren, würde ich jedoch ohne zu zögern Anzeige erstatten.

Ganz egal wie lästig und unangenehm das gerichtliche Nachspiel für mich persönlich sein würde. Aber es darf nicht sein, dass solche Leute einfach so weitermachen. Ich habe auch eine moralische Verpflichtung gegenüber anderen, die nach mir durch dieselben Täter_innen geschädigt werden.

Wenn ich morgen Bonn verlasse, ist es eine Stadt, in der ich mich nicht mehr zu Hause fühle und die ich mir als Heimat nicht mehr wählen wollte. Ich verlasse sie als Besucher, der hier als kaufkräftiger Tourist gern gesehen war.

In Bad Godesberg, so erzählte mir ein Freund, patrouillieren mittlerweile Bürgerwehren. Durch die vielen Einwanderer in letzter Zeit sei die Kriminalität stark angestiegen. Es handelt sich hierbei um den ehemaligen Vorzeigestadtteil, der jedoch bereits lange vor der Flüchtlingskrise auf dem absteigenden Ast war.

Insgesamt ginge es mit der Stadt seit dem Bonn-Berlin-Umzug den Bach runter. Das war eine Entwicklung, die lange befürchtet worden war und tatsächlich ist die Veränderung in der Region deutlich spürbar. Die Stimmung ist eine andere geworden. Ein junger Mann, der mit mir auf denselben Bus wartete, sagte, in diese Welt wolle er keine Kinder setzen.

So wie ich Bonn kennen und lieben gelernt habe, waren die Einheimischen hier nicht nur gastfreundlich, sondern wirklich offen für andere Kulturen. Es waren Menschen verschiedenster Nationen hier zu Hause, denen stets herzlich begegnet wurde und das nicht nur für die Dauer eines vorübergehenden Besuchs.

Auch der Alte Zoll ist wie unsere ehemalige Hauptstadt mit teilweisem Sitz unserer Regierung im Wandel.

Alter Zoll Baustelle
Alter Zoll in Bonn

Was wohl daraus werden wird?

Enten auf dem Rhein

Hochsensibel und erschöpft? Wie man der Erschöpfung Herr werden kann

Donnerstag, 30. Juni 16

Ich mag Thomas Bröker von einigen Videos und seiner Homepage her; er ist für mich ein gutes Beispiel eines sensiblen Mannes, der erfolgreich im Leben steht und sich nicht hinter (s)einer Frau versteckt.

Er ist sich seiner Schwäche(n) bewusst und gerade die Tatsache, dass er diese zulassen kann, macht ihn in meinen Augen stark. Er respektiert seine Grenzen und bestätigt mir nochmal meine eigenen Erfahrung: Ich erhole mich rasch, auch wenn ich mich sehr erschöpft fühlte, wenn ich mir rechtzeitig eine Auszeit gönne.

Es fasziniert mich, dass auch Thomas von solchen Situationen beschreibt, in denen er ein Projekt uuunbedingt noch abschließen will. Das kenne ich nur zu gut.

Er kommt gar nicht auf die Idee, seine Erschöpfung als Symptom einer Erkrankung zu interpretieren und „gesund werden“ oder genesen zu wollen, sondern er ist sich völlig darüber im Klaren, dass es an unpassenden weil reizüberflutenden Rahmenbedingungen liegen muss, wenn er chronisch erschöpft ist. Folgerichtig passt(e) er dann diesen Rahmen an sich an und nicht anders herum.

Ich stand immer schon auf Langweiler und was andere so richtig öde finden – im Büro zum Beispiel die Ablage zu machen – dabei blühe ich so richtig auf. Immer wurde mir das Gefühl gegeben, nicht richtig zu sein, so wie ich bin, und das verpaarte sich mit meinem Drang, den Erwartungen anderer gerecht werden zu wollen: „Hochsensibel und erschöpft? Wie man der Erschöpfung Herr werden kann“ weiterlesen

Kunst im Baum

Kommunikation, Sprache und Denken

Donnerstag, 30. Juni 16

Nur sprechenden Menschen kann geholfen werden!

(Mein Vater)

Ich sage: Kommunizierenden Menschen kann geholfen werden.

Nicht erst seit ich mich im letzten Jahrtausend – höhö, ich bin uralt! – im Rahmen des Pädagogik-LK mit Miteinander reden Band 1 und 2 von Friedemann Schulz von Thun auseinandergesetzt habe, fasziniert mich das Thema Kommunikation in höchstem Maße.

Sprechen gelernt habe ich wohl vergleichsweise früh. Lesen brachte ich mir im Alter von vier Jahren bei, da meine Mutter irgendwann keine Lust mehr hatte, mir Fragen dahingehend, was irgendwo stünde, zu beantworten. So erschloss ich mir den Rest kurzerhand selbst.

Da meine Mutter seinerzeit für eine spanische Airline tätig war, lernte ich zeitweise deutsch und spanisch parallel – sie wollte ihre Kinder bilingual aufziehen.

Bei mir klappte das auch ganz gut, ich erinnere nur einmal die Verwirrung des Italieners, der (wir waren frisch zurück aus dem Spanienurlaub) meine freudestrahlende Bestellung „Espinaca!“ leider nicht verstand und ihr auch auf deutsch wiederholt „Spinat!“ nicht direkt nachkommen wollte, zumal meine Mutter da noch ein Wörtchen mitzureden hatte. Wir einigten uns dann auf eine Pizza mit Ei und Spinat.

Bei meinem Bruder klappte das nicht, er brachte im Kindergarten deutsch und spanisch durcheinander, so dass das Experiment beendet wurde. Als wir dann später zu Hause eine (spanische) Putzfrau hatten, kam mir schon sehr vieles (etwa „die Auto“) sehr spanisch vor – ich verstand sie aber nicht immer.

Lesen beherrschte ich also bereits vor der Einschulung und auch die ersten Wörter konnte ich bereits schreiben. Weiter zu meiner Schulzeit bitte hier abbiegen: Bilder meiner Kindheit

Ich möchte darauf hinaus, welche Bedeutung Kommunikation für mich immer schon hatte und auch nach wie vor hat. „Kommunikation, Sprache und Denken“ weiterlesen

Skizze Ge-schlecht

Ge-schlecht

Den Beitrag Aktionswoche: Trans*Inter*-Tagung München habe ich aktualisiert und möchte unter dieses Thema erstmal einen Haken machen.

Ich würde mir wünschen, wenn mir meine Vergangenheit nicht immer wieder auf die Füsse fallen würde. In meiner Gegenwart tue ich alles dafür, meine Zukunft entsprechend zu gestalten.

Es gibt die Möglichkeit, bei der Akademie Waldschlösschen eine Qualifizierung als Trans*Berater_in zu erwerben. Die aktuelle Reihe hat gerade im Juni begonnen, eine weitere Reihe ist in Planung.

Das wäre etwas, das mich vielleicht nach der EX-IN-Ausbildung interessiert. Ich möchte aber nicht zu sehr in Zukunftsmusik schwelgen, um mich auch auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.

Ich wünsche mir eine trans*-Community, in der alle an einem Strang ziehen.

Ich wünsche mir eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen trans*- und inter* – Menschen.

Ich wünsche mir mehr gegenseitiges Verständnis zwischen Cisleuten und Transleuten.

Ich wünsche mir, ihr ahnt es… Weltfrieden. Darauf läuft es hinaus. Ich kann aber nur klein anfangen, mir an meine eigene Nase fassen und vor meiner eigenen Haustüre kehren. Wenn das wirklich jeder so machen würde, dann wäre an alle gedacht – theoretisch.

Es gibt noch andere Träumer, die möchte ich hier aber vorerst nicht verlinken. Die träumen auch vom Weltfrieden und wünschen sich – so hab ich das verstanden – dass keine Unterschiede mehr zwischen den Geschlechtern gemacht werden. So ein allumfassendes eines Ober-Geschlecht für alle sozusagen.

Weil so vom Ding her – so sehe ich es wiederum (auch) – jeder Mensch eine männliche und eine weibliche Seite hat. Animus und Anima. Und je nachdem, wie man dann damit umgeht, ob man die Differenzen betont oder die Gemeinsamkeiten betont, wirkt man dann androgyn oder bigender, dh geschlechtslos oder zweigeschlechtlich.

Oder man wirkt eben eindeutig m oder eindeutig w, obwohl man es so ganz streng genommen und mit der Genderlupe besehen eigentlich gar nicht ist.

Wenn ich mir einen Rock anziehe, dann kann ich den als Herrenrock verkaufen, ich kann mir aber auch ganz bewusst etwas anziehen, das als aus der Damenabteilung stammend erkenntlich ist. Dabei haben Textilien gar kein Geschlecht. Sachen gibts…

Mein neues Krafttier nach dem Pegasus (bzw. dem Pferd und dem Adler, welche für mich auch für den Kontakt zu Himmel und Erde standen) ist auf jeden Fall die Schnegge:

Weil die Schnegge ist ein Zwitter. Und die ist auch gar nicht beleidigt, wenn man sie so nennt. Hoff ich mal.

Und ganz im Notfall kann sie sich selbst befruchten, zieht es aber vor, sich mit einer anderen Schnegge zu verpaaren. Das kann ganz schön laaaaaaaaaaaange dauern, bis die sich dann geeinigt haben, wer m und wer w ist. Denk ich mal.

Schonmal Schneggensex beobachtet?

Ich wär ja neugierig, hab aber leider gar keine Zeit dazu. Sonst komme ich ja überhaupt nicht mehr zum Schreiben, also nicht nur nicht zum Buch-Schreiben, sondern auch nimmer zum Bloggen. Und das kann ich uns ja wohl nicht antun.

Die Schnegge ist mir am 17.6. dreimal begegnet. Für mich ganz eindeutig. Am 2. Mai, als ich in dem Zustand war, den die Psychiatrie „Psychose“ nennt, hatte ich bereits Kontakt mit Nacktschnecken, wie ich euch im Zusammenhang mit dem Thema Haut, die mich nochmal auf meine Dünnhäutigkeit hingewiesen hat, berichtete.

Und die Bedeutung (Krafttier Schnecke) hab ich erst hinterher bei meiner Recherche nachgeschlagen, um euch das zu verlinken und mir für den Kopf nochmal eine Bestätigung zu holen, dass ich meiner Intuition vertrauen darf.

Mein Totemtier ist sicherlich die Schildkröte mit dem Vogel, der auf ihr sitzt.

Schon als Kind habe ich mit Begeisterung Die gepanzerte Doris von Ruth Werner gelesen über eine Schildkröte namens Doris Achtermai. An ein 1973 in der DDR erschienenes Buch kann ich nur über unsere Verwandten von drüben gekommen sein – mal Mama fragen…

Und damit das ganze auch wie geplant, in Richtung Zukunft fährt ein schickes Meme mit double bind:

Schnegge volldampf voraus

Reinhard Mey gibt mir Musik

Von klein auf erinnere ich die Stimme von Reinhard Mey in meinem Ohr, wenn es ans Einschlafen ging. Diese Stimme war und ist mir vertrauter als die meines eigenen Vaters. Wenn ich sie heute höre, gibt sie mir das Gefühl von Geborgenheit und Trost bei Einsamkeit.

Ich kann mich da gar nicht auf ein besonderes Lieblingslied festlegen. Mich derzeit besonders berührende Lieder sind:

  • 51er Kapitän
  • Gib mir Musik!
  • Ich glaube, so ist sie
  • Frei

Dabei ist zugegebenermaßen der 51er Kapitän schon längere Zeit unter den Favoriten. Das liegt daran, dass ich mir seinerzeit vorstellte, dass mein zuerst verstorbener Onkel nach dessen Tod sicher meinen Vater in einem Rennwagen abgeholt habe, da mein Onkel eigentlich Rennfahrer hatte werden wollen und leidenschaftlich die Formel 1 verfolgte. „Reinhard Mey gibt mir Musik“ weiterlesen

Zurück auf Los: Genesung, wie war das nochmal?

Meine Genesungsbegleiterin gab mir am Mittwoch einen Zettel nochmal, den ich vor einer gefühlten Ewigkeit, am 12.03.14, schonmal von ihr erhalten und in de Folge abgeheftet hatte – damals als Teilnehmer der Genesungsgruppe 1.

Momentan pausiere ich mit der Teilnahme an der Genesungsgruppe 2 und werde im August zur Vorbereitung auf meine Ausbildung wieder einsteigen.

  • Bei Genesung geht es darum, den Glauben an dich selbst und dein Selbstvertrauen wieder zu erlangen.
  • Bei Genesung geht es darum, nicht länger lediglich Patientin oder Patient zu sein, sondern ein positives Bild von dir und deinen Möglichkeiten wieder zu erlangen.
  • Bei Genesung geht es darum, wieder zu hoffen, daran zu glauben, dass du mit einer psychiatrischen Diagnose gut leben kannst.
  • Bei Genesung geht es darum, seelisch zu wachsen – das, was dir zugestossen ist, zu akzeptieren und zu überwinden.
  • Bei Genesung geht es darum, einen neuen Lebenssinn und Lebenszweck zu entwickeln.
  • Bei Genesung geht es darum, diejenigen Dinge zu tun, die du willst und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
  • Bei Genesung geht es darum, deine eigenen Ziele zu verfolgen.
  • Bei Genesung geht es darum, im Führersitz deines Lebens zu sitzen.
  • Bei Genesung geht es darum, dein Schicksal, deine Herausforderungen, dein Leben wieder in den Griff zu bekommen und die entsprechende Unterstützung zu erhalten, damit du das Leben führen kannst, das du willst.

(Aus Das Leben wieder in den Griff bekommen von P. Deegan)

Ich komme mir ein wenig vor wie Bart Simpson, während ich das hier abschreibe. Aber es tut gut. Und: Natürlich war das meine Idee, das hier mit euch zu teilen.

Es ist so, als müsste ich eine Klasse wiederholen, obwohl ich sie gerade erst übersprungen habe. Ich hatte das alles erreicht; ich war genesen – bin genesen. Ich kann mit meiner Diagnose gut leben – nur nicht mit den Stigmafolgen.

Ich mag nicht, dass man mir (als Mann) eine Gewaltbereitschaft unterstellt, die ich nicht zu liefern bereit bin. Ganz gleich, in welcher psychischen Verfassung ich bin. Ich bin für niemanden eine Gefahr, weder für andere, noch für mich selbst.

Das ist ganz egal, wie psychotisch ich bin: Nie würde ich jemanden angreifen.

Ich wehre mich ausschließlich zu Zwecken der Selbstverteidigung. So wie ich mich dem übergriffigen Krankenpfleger gegenüber zur Wehr gesetzt habe – damals in der Situation ganz intuitiv und ohne Gewissensbisse. Zum Nachlesen: Irre gesund.

Ich möchte wirklich gerne wissen, ob man mir für mein Betragen in der Geschlechtsrolle als Frau diese Diagnose auch gegeben hätte. Denn an meinem eigenen Verhalten hat sich nicht viel verändert, nur an meinem Äußeren und am Verhalten meiner Mitmenschen mir gegenüber. Innerlich bin ich sehr viel ausgeglichener geworden, insbesondere in den letzten Jahren.

Auch früher schon war ich phasenweise psychisch labil und bin immer mal wieder ausgetickt, wenn ich überlastet war. Besonders häufig in der Zeit nach dem Raubüberfall vor zehn Jahren. Einzig meine Arbeit und mein Arbeitsumfeld hat mich damals in der Bahn gehalten. Es wäre aber auch nicht normal, nach einem solchen traumatischen Ereignis die Nerven zu behalten. Zum Nachlesen: Über das Danach

Einer Frau lässt man da offenbar sehr viel mehr verbalisierte Aggression durchgehen, weil man sich von ihr nicht so bedroht fühlt wie von einem Mann. Dabei kann ein solcher vor-urteilsbasierter Eindruck sehr täuschen. Auch Frauen sind Täter*innen.

Nur ich bin eben kein Täter und ich verbitte mir diese Zuschreibung. Ich werde dadurch zum Opfer gemacht, dass Menschen sich von mir bedroht fühlen und mich vorsorglich abführen, fixieren, niederspritzen und wegsperren lassen. Ohne jede rechtliche Grundlage, einfach nur weil da Weißkittel im kurzen Prozess eine Entscheidung treffen.

Und nun im Nachgang beschwert sich auch noch jemand aus der Nachbarschaft bei der Vermieterin über uns. Ganz feige aus der Anonymität heraus. Weil wir ein einziges Mal in fast zwei Jahren selbst laut waren und an allen anderen Tagen den Lärm der anderen mit stoischer Geduld klaglos hingenommen haben.

Ein einziger Nachmittag der Entgleisung und das ist nun nach der entwürdigenden „Be“handlung in der Klinik schon die zweite Strafe dafür.

Hatte ich erwähnt, was in der Klinik geschah?

Ich durfte an Bett oder Trage fixiert, im Flur der Notaufnahme vor aller Augen ins Bett pissen, bevor ich dank der Medikamente das Bewusstsein verlor. Losgemacht hat mich niemand, obwohl klar erkenntlich war (weil ich es hatte artikulieren können), dass ich an schmerzendem Harndrang litt. Nichtmal eine Bettflasche war mir angeboten worden, nur eine Bettpfanne.

Okay, eine Flasche hätte ich nicht benutzen können, weil meine Harnröhre zu kurz ist und ich zu dem Zeitpunkt kein geeignetes Hilfsmittel dabei hatte. Dennoch tut es weh.

Ich war allein auf mich gestellt ganz der Willkür des diensthabenden Personals ausgeliefert. Um solche Situationen zu vermeiden hatte ich Vollmachten ausgestellt, Notfallpläne vereinbart und alle Welt von der Schweigepflicht entbunden.

Es hilft nichts. Der Folter entgeht man nicht, nur weil man selbst alle Regelchen einhält und Vertrauen vorschießt.

Noch eine Begegnung dieser Art und ich verliere Geduld und Kooperationsbereitschaft und wechsle das Lager zur Antipsychiatrie.

Ich lasse mich überraschen, was da noch kommen wird und bin froh, dass ich mittlerweile wenigstens wieder ver-arbeiten kann. Frisch retraumatisiert ist das besonders wichtig.

Aktionswoche: Trans*Inter*-Tagung München

Ich bin zurück von meiner Reise nach München, wo ich an der diesjährigen Transtagung teilgenommen habe. Es handelte sich um eine Jubiläumsveranstaltung, da die Transtagung München nun schon das zehnte Jahr stattfand.

Diesmal ist daraus eine große, bundesweit von verschiedenen Initiativen getragene Veranstaltung geworden, die auch Programmpunkte zum Thema Intersexualität bereithält. Das Team der Hanse-Intersex-Trans*tagung  hier bei uns im Norden hat sich im Bereich zum Thema Recht eingebracht.  Deshalb, also wegen des Bezugs auf Intersexualität, lautet der korrekte Titel der Veranstaltung „Trans*Inter*-Tagung München“.

Dabei stehen die Sternchen für alle möglichen Varianten der Interpretation, wie das begonnene Wort fortgesetzt werden könnte. So sollen sich möglichst alle Menschen dieser Zielgruppe auch mitgemeint und angesprochen fühlen.

Einen Einstieg ins Thema trans* biete ich sowohl bei der Vorstellung der gleichnamigen Reihe hier im Blog (Neue Reihe: trans*) als auch über meine Seite TransMann.

Ich war bereits bei der Planung und Vorbereitung meiner Reise etwas aufgeregt und sehr gespannt darauf, was mich erwarten wird. Ich wollte frisch und ungefiltert meine Eindrücke von meiner Reise mit euch teilen.

Zur Nachlese:

Live während der Tagung:

Donnerstag  Schwule Sauna
Freitag  Intersexualität
Samstag  genitale Selbstbestimmung
Sonntag Ruhetag

Im Nachgang:

Auf der Strecke geblieben:

  • Die Diagnose F64.0 aus der Sicht der Behandler_innen (besuchter Workshop: Trans*Diagnose vs. Realität)
  • Peerberatung (besuchter Workshop: Psychosoziale Beratung)
  • Und immer wieder Grabenkämpfe: Sexismus (besuchter Workshop: Unisexismus – Versuch einer Verortung)
  • Körperarbeit (besuchter Workshop: LOVE yourself – DANCE yourself)

Derzeit in mir arbeitende Themen:

  • Tagebuchauszug zur Epithetik und gegenwärtige Krise

Geflüchtete erzählen

Der erste Workshop dieser von Manuel Ricardo Garcia geleiteten Tagung war ein spontan entwickelter, der einen Open Space (diese Lücken im Programm, die sich immer wieder ergeben, auch wenn man sie nicht einplant) besetzte.

Ibrahim Mokdad, der auch einen regulären Workshop anbot, und andere Queer Refugees erzählten aus ihrem Leben. Es war für mich nicht nur emotional, sondern auch kognitiv sehr anstrengend, da beschlossen wurde, das Gespräch auf Englisch zu führen, weil somit weniger übersetzt werden musste. Deshalb habe ich es leider nicht geschafft, wie gewohnt mitzuschreiben und ließ mich stattdessen voll auf seine sehr bewegende Geschichte ein.

Zunächst hatte ich mich gewundert, was für einen seltsamen Akzent dieser Mann mitbringt, bis mir anhand seiner Erzählung klar wurde, dass es sich um einen Sprachfehler handeln muss, der infolge der von ihm erlittenen Misshandlungen zurückgeblieben sein muss.

Er beschrieb, dass man bestraft wird, wenn man schwul ist, ohne irgendetwas getan zu haben. Das muss schlimmer sein als zu der Zeit des §175 bei uns – eher so wie zu der Zeit des 2. Weltkrieges, von der Lutz van Dijk in „Verdammt starke Liebe“ berichtete. (Ein Buch übrigens, das ich bisher nur zur Hälfte gelesen habe, da ich mich den dort beschriebenen Szenen der Folterung, die während der Lesung anklangen, nicht gewachsen fühlte.)

Ibrahim erzählte von seiner Flucht, die keine Sekunde von dem Gedanken an eine soziale Hängematte oder großen Reichtum in Deutschland geprägt war. Er wollte überhaupt nicht nach Deutschland. Er wollte in erster Linie eines: Überleben. Obwohl er schwul ist. Als Fluchtziel hatte er die Niederlande im Sinn, weil er wusste, dass man dort sehr tolerant und liberal ist.

Gestrandet in Köln wusste er gar nicht, was er daran hatte – bzw. was er davon gehabt hätte, wäre er nicht im Flüchtlingslager mit seinen heterosexuellen konservativen Landsleuten zusammengesperrt worden, die ebenfalls ihre ganz eigenen Gründe zu einer Flucht gehabt hatten.

So kam er denn eher vom Regen in die Traufe, denn diese Flüchtlingslager darf man nicht verlassen, solange die Papiere nicht fertig sind und wer je Hartz4 bezogen oder einen Antrag bei der Renten- oder Krankenkasse gestellt hat, weiß, wie scheußlich es sein kann, dem deutschen Behördenapparat ausgeliefert zu sein.

Der Amtsschimmel ist einfach kein Rennpferd und das sage ich als Verwaltungsfachangestellter (Fachrichtung Bundesverwaltung) mit aller Liebe, die mir zu Sachbearbeitern (von denen ich selbst einer war) nach dem Wechsel auf die andere Schreibtischseite noch geblieben ist.

Mittlerweile lebt Ibrahim nicht mehr im Lager und er darf sich – innerhalb Deutschlands – frei bewegen. Das würde sich für mich immer noch eingesperrt anfühlen und ich muss an die ostdeutschen Zweige meiner Familie denken, die noch „Bürger“ (oder „Inhaftierte“) der DDR gewesen sind.

Es sprachen verschiedene Menschen aus dem Libanon, aus der Ukraine, aus Syrien und aus Honduras.

Hier in Deutschland jammern wir wirklich mittlerweile auf sehr hohem Niveau, auch wenn dies berechtigt ist, da es im internationalen Vergleich auch Länder gibt, in denen es sich als nicht-binäre Person (zum Beispiel Schweden, das seit den 60er Jahren ein drittes Pronomen „herm“ für Inbetweens kennt) oder für die Zeit während oder nach der Geschlechtsangleichung angenehmer lebt oder wo bessere Operationen angeboten werden.

Da gruselt natürlich der Blick in ein Land, in dem Menschen aus dem Fenster geworfen werden, einfach weil sie schwul sind (Libanon).

Da schockiert es zu hören, dass junge Transfrauen sich aus Angst vor Missbrauch und anderen gewalttätigen Übergriffen zu Hause einschließen müssen, bis sie vollständiges Passing und dazu passende Papiere haben (Syrien).

Man möchte am liebsten in die Ukraine reisen, um den dortigen equality march zu unterstützen, aber wenn man am eigenen Leben hängt, lässt man es wohl doch lieber bleiben.

In Honduras wurden in den letzten Jahren und Jahrzehnten schon gute Fortschritte erreicht, auch wenn dort noch viel zu tun ist.

Da frage ich mich natürlich: Was kann ich tun? Wie kann ich Menschen in anderen Ländern helfen? Wie kann ich denen helfen, die hier bei uns bleiben – für unbestimmte Zeit oder auch nur vorübergehend?

Ibrahim hat uns gebeten, uns sichtbar zu machen, damit queere Flüchtlinge uns erkennen können. Das habe ich getan und eine Liste der Projekte, welche queeren Flüchtlingen helfen möchten, angehängt: Here I am

Zudem habe ich Ibrahim vorgeschlagen, gemeinsam ein Buch zu machen. Dafür suche ich schonmal Übersetzer_innen, weil mein Blog noch nicht sehr bekannt ist und ich davon ausgehe, dass es lange dauern wird, bis sich jemand meldet. (Bin sehr ungeduldig, Verzeihung.)

Ich denke, Übersetzer_innen zu sammeln kann nicht schaden. Die kann man immer mal gebrauchen, auch für andere Bücher. 😉

Auf der Seite TransMann findet ihr ab morgen eine Liste bisher erschienener Bücher zum Thema trans*, die natürlich nicht abschließend sein kann. Ich setze mich heute abend daran, sobald ich vom Tanzen zurück bin. Jetzt muss ich erstmal los, mich um meine Karriere als EX-IN-ler kümmern.