LOVE KNOWS NO GENDER

Nach dem CSD ist vor dem CSD: Schriftsteller auf Urlaub

Montag, 4. Juli 2016

Schwul bin ich ja auch noch, egal ob ich schreibe oder nicht. Und da bin ich nicht der einzige. „Und das ist gut so“, müsste ich als Berufsschwuler wohl dazu sagen. So jemand bin ich aber nicht, genauso wie ich keine Berufstranse bin. Ich bin ich und das auch noch im Urlaub. (Ob man von Krankheit wirklich Urlaub nehmen kann, lasse ich an dieser Stelle mal offen; vom Patientenalltag kann man sich dagegen sehr gut beurlauben, indem man sich von jeglichen Terminen durch Ortsabwesenheit entzieht.)

am 3. Juli 2016 fand die CSD-Parade Demo Colognepride 2016 in Köln statt, die (aus politischen Gründen) offiziell als „Demonstration“angekündigt worden ist, weshalb ich mich schwer getan hatte, sie auf der Homepage bei der Suche nach „Parade“ überhaupt zu finden. Nichtsdestotrotz ist es mir dank tatkräftiger Unterstützung gelungen, dort im Trans*Block mitzulaufen.

Video-Beweis: http://livestream.com/CSD2016/parade/videos/128533876

Das Video ist über drei Stunden lang. Nein, ich habe es nicht angesehen. Es wurde mir von einem Fan zugemailt, der mir eine SMS schrieb, dass er mich im Livestream gesehen habe. Ich bin etwa ab 2:25:00 im Bild.

Es war für mich bei aller Reizüberflutung in erster Linie ein ausgedehnter Spaziergang durch die Menschenmassen, der mir großen Spaß gemacht hat, auch wenn oder weil ich nach sechs Stunden Gehen bzw. Stehen auf Asphalt meine körperlichen Grenzen deutlich gespürt habe. Urban Hiking ist das neue Wandern, yeah! (Und ich dachte, ich habe eine tolle Idee, dabei hat schon jemande anders eine Website darüber erstellt.)

Ein Künstler hat uns mit Aquarellstiften bunte Tattoos aufgemalt, die der in Schauern immer wieder einsetzende Regen leider allzubald wieder abgewaschen hat. Zum Glück habe ich rechtzeitig Fotos machen können: „Nach dem CSD ist vor dem CSD: Schriftsteller auf Urlaub“ weiterlesen

Familie: Mein Onkel

Samstag, 25. Juni 16

Meinen Onkel habe ich im Alter von 16 Jahren im Rahmen der Goldhochzeit meiner Großeltern kennengelernt weil jemand – ich glaube, es war meine Mutter – auf die Idee gekommen ist, uns beide einander gegenüberzusetzen, weil er sich von seiner Familie separiert hatte und daher an der Seite seiner in Trennung lebenden Frau nicht so recht in die Tischordnung passen wollte.

Ein Heidenglück für mich, eine göttliche Fügung, ein Zufall: Die Begegnung tat mir sehr gut. Natürlich kannte er mich auch schon als kleinen Hosenscheisser, aber ich konnte mich daran nicht mehr erinnern. So lernten wir uns ganz neu kennen, ein Halbstarker und ein gestandener Mann, den ich als Mentor akzeptieren konnte, eben gerade weil er sich nicht um diese Rolle bemühte.

Sich selbst bezeichnete er stets als das schwarze Schaf der Familie und ich hielt jedes Mal dagegen, dass er das einzige weiße sei. Nun denn: Ich bin irgendwie unbeabsichtigt in seine Fußstapfen getreten, obwohl ich stets meinem Vater nachgeeifert habe.

Mein Onkel hatte schweres Rheuma (chronische Polyarthritis), einen GdB von 100 und Merkzeichen aG und damals schon mehrere künstliche Gelenke. Dabei war er zu der Zeit noch vergleichsweise fix mit Krücken unterwegs. Am Ende war er auf den Rollstuhl angewiesen. „Familie: Mein Onkel“ weiterlesen

Ärzte machen Druck

Es ist echt unglaublich.

09.07.2010 – Antrag gestellt
Ende Juli haben die angerufen und mitgeteilt, dass der aktuelle Hormonstatus fehlt.
Super, ich also rumgetelt und alles und nen näheren als den ohnehin nächsten Termin beim Endo kriegte ich nicht (es wären nur 10 Tage rauszuholen gewesen und dafür doppelt Blut abnehmen und Kosten verursachen wollte ich nicht).

09.09.2010 – hab ich diesen fehlenden Hormonstatus eingereicht

21.12.2010 – Nu schickt mir die von der KK nen Schreiben, worauf sie auf ein Fax des MDK verweist. Jetzt fehlen:
– das Antragsschreiben mit eigenem biographischen Bericht zum transsexuellen Werdegang
– Nachweis der durchgeführten somatischen Ausschlußdiagnostik (z.B.
durch den Endokrinologen)
– Nachweis dass der Operateur persönlich die Maßnahme für erforderlich hält (plausible Herleitung der Indikation)
– Nachweis der Aufklärung über Risiken, Nebenwirkungen und (irreversible) Folgen der Maßnahmen durch den Operateur

So und weil ich keine Lust hatte, dass ich den Kram da hinschicke und zwei Monate warte um zu erfahren, dass die den Krempel auch hinsichtlich der Aufbau-OP haben wollen oder dass die auf die Idee kommen, mir nur Mastek + Hysto zu bewilligen (so war es bei einem anderen TM, der auch komplett beantragt hatte), habe ich Termine in München gemacht und den ganzen Krempel besorgt. Son Termin gibts da nicht zu Weihnachten, das hat auch wieder gedauert.

Mit den Fahrtkosten hab ich mich natürlich auch übern Tisch ziehen lassen, weil die mir am Tel sagte „Die Fahrtkosten müssen Sie selber tragen. Sie wollen doch was von uns.“ und ihr egal war, dass ich gesagt hab, die KK wolle doch von mir die Nachweise haben. Also selbst gezahlt und im Nachhinein kannste Fahrtkosten nicht mehr erstatten lassen.

01.03.2011 – hab ich dann alles zusammen gehabt und an die KK geschickt. Seitdem warte ich mir nen Ast und ruf gelegentlich an, um mir die immerselbe Leier anzuhören, der Vorgang sei beim MDK in Bearbeitung und ein Ende sei nicht abzusehen.

Was mich jetzt fertig macht ist nicht das Warten an sich, sondern dass mir von allen Seiten Druck gemacht wird. Ich versuche mich ja in Geduld zu fassen, aber:

1.)
Mein begleitender Therapeut hat mich wuschig gemacht wegen der PÄ, weil er meinte, ich müsse den Richter jetzt mal (da waren ca. zwei Monate vergangen, seitdem ich den auf das BVG-Urteil hingewiesen hatte) in den Arsch treten.
Warum ich bei all den Antragstellern in HH? Irgendeiner müsse es ja tun. Aber mit mir kann mans ja machen.
Zwei Tage später hab ich mich dazu aufgerafft, hab ein Schreiben fertig gemacht mit ner Kopie von einem dämlichen Schreiben von der Rentenversicherung Bund, warum mir das wichtig ist mit der PÄ (mache ja im Juli das Praktikum und brauche den SozAusweis), alternativ wenigstens ein neutrales Schreiben, dass ich als dem männlichen Geschlecht anzusehen bin, notwendig wäre. Dazu ne Liste mit allen Gerichten, die bereits erkannt haben, dass die Voraussetzungen für die PÄ jetzt mit denen für die VÄ identisch sind.

Am Tag darauf ist bei mir die vorläufige PÄ im Briefkasten.
Echt klasse, grosses Kino. Ich war so sauer auf den Arsch von Therapeut.
Also fix wieder nen Schreiben ans Gericht und mich entschuldigt für das Schreiben vom Vortag und das zurückgenommen.

2.)
Mein begleitender Therapeut kennt das Gehänge mit der KK, weigert sich aber, mich darin zu unterstützen (entgegen früherer Aussagen) und hält mir jetzt Vorträge darüber, ich hätt jetzt erhöhtes Krebsrisiko wegen der Geschlechtsorgane und Hormontherapie.
Echt geil, hab ich zwei Wochen gebraucht, um mir darüber klar zu werden, dass er das überhaupt nicht beurteilen kann und die von ihm zitierten Statistiken Nonsens sind – da fängt der Endokrinologe dieselbe Leier an.
Ich sei ja bald zwei Jahre auf Testo und es würde Zeit, dass die Organe da rauskommen, das kostet jedes Mal soundsoviel.
Glauben die eigentlich, das geht bei der KK schneller, wenn die mir Druck machen?
Können die nicht genauso direkt bei der KK anrufen, wenn die solche Probleme damit haben, dass es in meinem Fall nicht voran geht?

Bei mir hinterlässt das nur zusätzlich das Gefühl, ein Versager zu sein.
Von meinen Ärzten hätte ich erwartet, dass die mich unterstützen oder wenigstens trösten.
So kann ich mich natürlich nicht in Geduld üben, wenn die mir da entgegenwirken.
Keine Sorge, ich habe mir schon einen Anwalt ausgesucht.

Mein transWeg – rechtlich

Da ist eine Normvariante: Ich werde mit falschen Genitalien geboren. Deshalb geben mir meine Eltern, passend zu meinem Äusseren, einen weiblichen Vornamen.

Niemand kann was dafür, so etwas passiert einfach.

Dann, eine Woche später, verhalten sich alle korrekt und das mir zugewiesene irrtümlich falsche Geschlecht und der von meinen Eltern ausgesuchte Vorname wird im Geburtenregister eingetragen.

10.01.1980 In Duisburg im Sankt-Johannes-Hospital geboren mit falschen Geschlechtsorganen (d.h. Vagina und Eierstöcke sowie Gebärmutter anstelle von Penis und Hoden)
17.01.1980 Aufgrund der schriftlichen Anzeige des Leiters des vorgenannten Krankenhauses irrtümlich Geschlechtseintrag im Geburtenregister als „weiblich“ und mit den Vornamen „*** ***“
24.04.2009 Antrag auf Änderung des Vornamens und der Geschlechtszugehörigkeit gemäß §§ 1 und 8 TSG beim Amtsgericht Hamburg mit den Anlagen

– Geburtsurkunde

– Meldebescheinigung

– Kopien Personalausweis, dgti-Ausweis

– Lebenslauf

– Prozesskostenhilfeantrag

30.04.2009 Bitte des AG Hamburg um Übersendung einer Meldebescheinigung, die auch Staatsangehörigkeit und Familienstand beinhaltet
10.05.2009 Übersendung einer Meldebescheinigung, die auch Staatsangehörigkeit und Familienstand beinhaltet
23.06.2009 Termin bei Herrn Prof. Dr. G. Schmidt anlässlich eines Gutachtens für die Vornamensänderung
08.10.2009 Termin bei Herrn Dr. med. Wilhelm F. Preuss anlässlich eines Gutachtens für die Vornamensänderung
08.06.2010 Gespräch mit dem Richter anlässlich der Vornamensänderung
18.06.2010 vorläufiger Beschluss hinsichtlich VÄ/PÄ liegt vor
16.07.2010 Vornamensänderung rechtskräftig
16.11.2010 Mitteilung an das AG Hamburg, dass ich am 12.11.2010 eine Ehe geschlossen habe verbunden mit der Frage der Rechtsfolgen auf die von mir beantragte Personenstandsänderung hinsichtlich des Fortbestehens der Ehe verbunden mit der Bitte um Bestätigung, dass die jetzt bestehende Ehe nach geltendem Recht nicht meinem Antrag auf Personenstandsänderung, an dem ich nach wie vor festhalte, entgegensteht.
23.11.2010 Antwort des AG Hamburg mit der Bestätigung, dass meine Ehe der Entscheidung in diesem Verfahren nicht entgegensteht.

Mein Ehepartner sei allerdings gem. §3TSG Beteiligter dieses Verfahrens und müsse der Fortführung der Ehe zustimmen unter Verweis auf §8 Abs. 1 Ziffer 3b TSG.

Eine solche Ziffer 3b gibt es dort jedoch nicht. Da mein Ehepartner meinen Antrag unterstützt, nehme ich diese Rechtsunsicherheit hin.

29.01.2011 Schreiben ans Amtsgericht Hamburg unter Bezugnahme auf den Vorabentscheid zur PÄ: Hinderungsgründe sind hinfällig, da Ziffern 3 und 4 des § 8 (1) TSG als verfassungswidrig erklärt.  (Zitierung: BVerfG, 1 BvR 3295/07 vom 11.1.2011, Absatz-Nr. (1 – 77), http://www.bverfg.de/entscheidungen/rs20110111_1bvr329507.html )

Eingang eines Schreibens vom AG Hamburg mit der Mitteilung, dass mein Ehepartner nach geltendem Recht nicht Beteiligter des Verfahrens ist und der Fortführung der Ehe nicht zustimmen muss.

07.02.2011 Eingang eines Zwischenbescheids des AG Hamburg zur rechtlichen Situation
08.03.2011 Anruf beim AG HH, da der Richter sich seither nicht gemeldet hat. „Die Akte ist beim Richter.“, heisst es.
14.03.2011 Anruf beim AG HH und Nennung etlicher Gerichte, die das BVG-Urteil vom 11. 01.11 so interpretieren, dass die Voraussetzungen für VÄ und PÄ jetzt identisch sind – nämlich den bisherigen für die VÄ entsprechend. Die Liste wurde freundlich aufgenommen.
13.04.11 Schreiben ans AG Hamburg mit der Bitte um Ausstellung eines neutral formulierten Schreibens, das bei der Rentenversicherung vorgelegt werden kann und meine Zugehörigkeit zum männlichen Geschlecht bestätigt sowie Übermittlung einer Liste der AGs, die bereits erkannt haben, dass die Voraussetzungen der PÄ jetzt mit denen der VÄ identisch sind.
14.04.11 Eingang eines Schreibens vom Amtsgericht Hamburg:Vorläufiger Beschluss PÄ mit der Frage nach Rechtsmittelverzicht.

Schreiben ans Gericht: Rechtsmittelverzicht + Bitte, meine Bitte im  Schreiben vom 13.04.11 als gegenstandslos zu betrachten!

21.04.11 Personenstandsänderung ist rechtskräftig.
29.04.11 Schreiben vom AG Hamburg eingegangen: Personenstandsänderung mit Rechtskraftvermerk.

Jetzt meine Frage:

Wenn da irgendjemand vom Krankenhaus dem Standesamt etwas über mich erzählen kann – wie ich heisse und was für ein Geschlecht ich habe – warum glaubt mir dann keine Sau, wenn ich das richtigstellen will?

Warum muss ich erst Himmel und Hölle in Bewegung setzen und wiederum sind es Dritte („Gutachter“, Richter…), die mir mein Geschlecht zuweisen, so dass nach fast auf den Tag genau zwei Jahren ein binnen 30 Sekunden enstandener über 30 Jahre alter Fehler korrigiert wird?

Das ist es, was mit „Psychopathologisierung“ gemeint ist.

Wir haben doch alle eine SteuerID, die uns lebenslang identifiziert. Wen kümmert dann noch ein geänderter Vorname oder Geschlechtseintrag?

Niemanden, weil es schlichtweg keine relevanten Daten mehr sind, sondern lediglich Datenfelder, die für Anschreiben an den Bürger verwendet werden. Und genau deshalb sollte da auch das eingetragen werden, was der Bürger dort gerne lesen möchte.

Die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. (dgti) hat ein neues Eckpunktepapier herausgebracht, das wichtige Aspekte für die geplante Gesetzesänderung aufzeigt.

Ich bitte alle Stellen, die ich über o.g. Korrekturbedarf ihres Datenbestandes bereits unterrichtet  hatte, diese Initiative der dgti zu unterstützen.

  • Meine Schule, Hochschule und das Bafög-Amt
  • Meinen Arbeitgeber und das Finanzamt
  • Meine Selbsthilfegruppe
  • Meinen Stammtisch
  • Meine Ärzte: Hausarzt, Endokrinologe, begleitender Psychotherapeut, Zahnarzt
  • Meine Krankenkasse, zuständigen MDK sowie MDS
  • Meine Bank
  • Meine Versicherer: Gesetzliche sowie private Rentenversicherungen, Bausparkasse, Hausrat- & Haftpflicht- sowie KfZ-Versicherung
  • Meinen Vermieter
  • Meine Nachbarn

Sie alle haben mit Menschen zu tun, denen es wichtig ist, richtig angesprochen zu werden. Darunter sind auch transsexuelle Menschen, denen die korrekte geschlechtliche Anrede in Verbindung mit richtigem Vornamen ganz besonders wichtig ist.

Juhu, das AG Hamburg hats erkannt: Ich bin als dem männlichen Geschlecht anzusehen

Das AG Hamburg hat jetzt das BVG-Urteil verdaut und folgendes ist dabei rausgekommen: Die Voraussetzungen für die PÄ geht jetzt über die der VÄ nicht mehr hinaus.

Für die Aussetzung dieses Verfahrens ist kein Raum. Der Gesetzgeber ist aufgrund der oben aufgeführten Entscheidung zwar berechtigt, neue und gegebenenfalls andere Kriterien für die Feststellung der Änderung des Personenstandes im Rahmen des TSG festzulegen. Eine Frist ist dem Gesetzgeber aber nicht gesetzt. Vor diesem Hintergrund ist es dem Antragsteller nicht zumutbar, auf eine Gesetzesänderung zu warten.

Das war ne schwere Geburt!

Aber das gestern auf Anraten meines Anwalts, ähh Psychotherapeuts aufgesetzte Schreiben hätt ich mir sparen können.^^

Egal – bald kommt der rechtskräftige Beschluss und dann schreibe ich alle beteiligten Stellen an und teile das dann mit.

Deutsche Rentenversicherung Bund zwingt mich zu einer Entscheidung zwischen meinem Recht auf Arbeit

Wenn der Postmann sich nicht an die Klingel traut….

/abschrift_beginn

Sehr geehrte(r)[sic!] Herr Nachname [sic!]

Ihre Krankenkasse hat uns über die für Sie durchgeführte Änderung Ihres Vornamens informiert und um Vergabe einer neuen Versicherungsnummer gebeten.

Wir sind gern bereit, der Bitte Ihrer Krankenkasse zu entsprechen. Hierfür ist die Vorlage eines richterlichen Beschlusses mit Rechtskraftvermerk erforderlich. Die vorliegenden Unterlagen reichen leider nicht aus. Wir bitten Sie daher, uns eine Beschlusskopie mit Rechtskraftbestätigung zu übersenden.

Sofern das Gericht die Rechtskraft in einem separaten Schreiben bestätigt hat, übersenden Sie uns  bitte davon eine Kopie.

Wir möchten Ihnen mit den nachfolgenden Ausführungen die geltende Rechtslage[sic!] verdeutlichen und auf die damit verbundenen Möglichkeiten hinweisen:

Die Versicherungsnummer in der gesetzlichen Rentenversicherung enthält in der sogenannten Seriennummer – das sind die ersten beiden Ziffern hinter dem Buchstaben – einen Hinweis auf das Geschlecht seines Inhabers (00 bis 49 männlich, 50 bis 99 weiblich).

Die Vergabe einer neuen Versicherungsnummer mit einer das andere[sic?!] Geschlecht kennzeichnende Seriennummre ist aus Rechtsgründen unzulässig

Das Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen (Transsexuellengesetzes – TSG-) unterscheidet[sic!] zwischen der alleinigen Änderung der[sic!] Vornamens (§§ 1 bis 4 TSG) und der gerichtlichen Feststellung, dass eine Person als dem anderen[sic!] Geschlecht zugehörig anzusehen ist (§§ 8 ff. TSG).[sic?]

Allein die Änderung des Vornamens nach den §§ 1 bis 4 TSG bewirkt nicht zugleich, dass der/die[sic!] Betroffene rentenrechtlich von der Änderung an als dem anderen Geschlecht zugehörig anzusehen ist.

Es ist weiterhin das bisherige[?!] Geschlecht maßgebend.

In den Fällen, in denen eine Person nach § 8 ff.[sic!] TSG durch gerichtliche Feststellung als dem anderen[?!] Geschlecht zugehörig anzusehen ist, richten sich ihre vom Geschlecht abhängigen Rechte und Pflichten von der Rechtskraft der Entscheidung an nach dem neuen[sic!] Geschlecht, soweit durch Gesetz nicht anderes bestimmt ist. (§ 10 TSG).

Die gesetzliche Rentenversicherung hat in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung auch für die Personen, bei denen lediglich eine Namensänderung gemäß §§ 1 bis 4 TSG erfolgt ist, eine Lösung gefunden, die auch für diese Personen die Vergabe einer neuen Versicherungsnummer ermöglicht. Um auch in diesen Fällen eine richtige[sic!] Rechtsanwendung zu gewährleisten, muss zu der neuen Versicherungsnummer ein interner Hinweis aufgenommen werden, dass nicht das sich aus dieser Versicherungsnummer ergebende Geschlecht, sondern das frühere[sic!] Geschlecht maßgebend ist.

Mit freundlichen[sic?] Grüßen

/abschrift_ende

Es tut so weh! 

  • Dummheit tut wirklich verdammt weh.
  • Und zwar beiden Seiten.

Mir tut es weh, vom freundlich wiehernden Amtsschimmel derart misshandelt zu werden.
Und es schmerzt mich da eine ratlose Person zu sehen, die derart mit der Materie überfordert ist, dass sich zu Grammatik- und Interpunktionsfehlern auch noch so viele inhaltliche Fehler gesellen – und das nicht nur über das Phänomen Transsexualität – sondern die Deutsche Rentenverunsicherung[sic!] ist nicht einmal auf dem neuesten Stand der Rechtsprechung. Und ich beziehe mich hier Ende März auf eine Entwicklung von Mitte Januar.

Das hätte man durchaus schonmal mitkriegen können, wenn man seine Hausaufgaben machen würde.

Ich werde die Sachbearbeiterin mal versuchen, ans Telefon zu kriegen, um folgende Fragen zu klären:

  1. Welche Unterlagen liegen denn bitteschön vor? Hellsehen kann ich auch nicht.
  2. Welchen Beschluss hätten Sie denn nun gerne? Den von der VÄ oder den von der PÄ oder den, dass ich einfach auf die Kohle scheisse, die Rentenversicherung – die ohnehin für mich nur noch gähnend leere Kassen haben wird – nen durchgeknallten Amtsschimmel sein lasse, mich aus dem System ausklinke und fortan ein fröhliches Leben führen werde?
  3. Welche Rechtslage spekulieren Sie sich denn da zusammen? Vom Urteil des Bundesverfassungsgerichts können Sie ja noch nichts gewusst haben.
  4. Was Transsexualität ist, hatten wir neulich thematisiert, Kim hat es doch so schön auf den Punkt gebracht aber da sind wir seeehr[sic!] geduldig. -.-

Bundesverfassungsgericht entscheidet: Der OP-Zwang entfällt!

Diese Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichts oder besser gesagt das Urteil, auf das sie sich bezieht, hat auf der einen Seite unverhohlene Freude über die Abschaffung des vorherigen Misstands ausgelöst und auf der anderen Seite grosse Unsicherheit und Besorgnis, wie die Krankenkassen auf dieses Veränderung der Rechtslage reagieren werden.

Mich persönlich betrifft das nicht direkt. (Ich müsste meine innenliegenden Geschlechtsorgane ohnehin, rein aus der pragmatischen Überlegung der späteren „Wartbarkeit“ heraus entfernen lassen, damit die Geschlechtsangleichung auch „untenrum“ stattfinden kann.) Trotzdem freue ich mich für jene, deinen eine Angleichung „obenrum“ ausreicht, um sich in ihrem Körper zurechtzufinden.

Natürlich ist das nur ein weiterer Schritt – das entwürdigende, entmündigende Begutachtungsverfahren als Voraussetzung zur Schaffung des angemessenen Rechtsrahmens (geschlechtlich passender Vorname sowie Korrektur des Geschlechtseintrags) besteht leider immer noch. Das ist, so hoffe ich inständig, nur noch eine Frage der Zeit, bis man erkennt, dass mündige Bürger nicht vor durchaus reversiblen Folgen einer Vornamens- und Personenstandsänderung beschützen muss. Es handelt sich – zwar um etwas sehr Bedeutendes – doch letztlich nur um „Papierkram“.

Irgendwann wird sich herumgesprochen haben, dass es sich bei Transsexualität nicht um eine Störung des Geistes, sondern um eine Fehlentwicklung des Körpers handelt, der die Geschlechtsidentität stört.

Als Schwuler fühle ich zudem mit denen, die sich nun darüber ärgern, dass durch die Urteilsbegründung der Unterschied zwischen der Ehe zwischen Mann und Frau und der eingetragenen Lebenspartnerschaften für gleichgeschlechtliche Verbindungen nun auch kulturell zementiert wird.

Ich bin froh, dass wir das Glück hatten, wegen meines falschen Papiergeschlechts eine rechtlich deutlich besser gestellte Ehe schliessen zu dürfen.