Identität: Ausstellung 30.08.2016-18.09.2016

In Hollern-Twielenfleth bei Hamburg im Alten Land findet derzeit diese Ausstellung statt:

Identität (Ausstellung) 2

Heike Rolshoven ist meine Kunsttherapeutin, deren Atelier ich von unserem Balkon aus sehen kann. Sie selbst ist nicht sehr internetaffin (ich finde Heike lediglich beim Hospizverein), aber die GALERIE RUVANECK hat eine Homepage. Rudolf van Eckendonk hat sogar eine schicke Karte bereitgestellt.

Meine Bilder aus der Reihe „Sensibilität und Gleichgewicht“, drehen sich ebenfalls ums Thema Identität, nämlich (von unten nach oben) um den Aspekt der hochsensiblen Wahrnehmung (HSP), um meinen wiedergefundenen Glauben zu Gott (ich bin Gottes Sohn) und die Frage der Geschlechtsidentität.

Reihe Sensibilität und Gleichgewicht

(Falls jemand meine Bilder käuflich erwerben möchte: Für diese Werke auf Leinwand stelle ich mir je 350,- vor oder als Paketpreis für alle drei zusammen 990,- EUR.)

Weitere Kunstwerke von mir findet ihr auf der Seite Atelier.

 

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Hilfsmittel für Transmänner: Epithesen und andere Ersatzgenitale

Allgemein zum Begriff, damit nicht alle glauben, eine Epithese sei grundsätzlich in der Hose zu vermuten: Epithese (Wikipedia)

Da das einzige, wonach hier im Blog für mich erkenntlich gesucht wurde, das Stichwort Epithese ist, möchte ich hier einen Link geben: Epithetik und Transidentität (Die Seite ist ganz neu und befindet sich noch im Aufbau.)

Es gibt noch andere Hersteller von Epithesen für Transmänner, die ich aber nicht empfehlen kann und mit denen ich keine Erfahrungen habe. Informationen dazu finden sich im Forum des FTM-Portals.

Abgesehen von Epithesen gibt es noch andere Hilfsmittel für Transmänner, die entweder nur eine optische Funktion haben (Packer/Stuffer, die eine Beule in der Hose machen sollen) oder nur zum Penetrieren gedacht sind (Dildos mit Harness ) oder das Urinieren im Stehen ermöglichen sollen (Pinkelhilfen).

Die Kosten für solche Hilfsmittel werden mWn von der Krankenkasse übernommen insoweit die Kosten im Rahmen des Budgets von 500-800 Euro bleiben. Ohne Gewähr.

Ich denke, wenn man das Hilfsmittel ohnehin auf eigene Kosten angeschafft hat, kann man ja die Rechnung oder den Kassenbon bei der Krankenkasse einreichen und einfach mal schauen, ob die Kosten erstattet werden.

Alternativ kann man Krankheitskosten von der Steuer absetzen.

Die preiswerteste Pinkelhilfe, die ich zum Beispiel alleine im Wald einsetze, kostet 7 Euro. Ich hatte sie schon einmal vorgestellt, als ich über die Wanderung an der Oberalster berichtet hatte. Hier erhältlich: Pee off

Die Kosten für Genital-Klebeepithesen bewegen sich im mittleren vierstelligen Bereich. Das ist weitaus günstiger als eine genitalangleichende Operation und zudem reversibel.

Was mir noch fehlt, ist eine Lösung für den Alltag, so dass ich Pissoirs benutzen kann und dabei nicht auffalle. Ich möchte nicht gezwungen sein, mich permanent überall zu outen.

Frühstück am Samstag: Walnusskerne und Brötchen mit Schokoschmier

Was kcal Fett Kohlehydrate Eiweiß Gramm/ml
853 55,446 69,232 15,816 176,000
Brötchen (vom Bäcker) 141 0,504 29,008 5,040 56,000
Its my Life (Brinkers) 199 13,068 17,496 2,412 36,000
Chocolate Symphony No. 2 (Brinkers) 292 20,574 20,898 3,564 54,000
Walnusskerne (Nüsse selbst geknackt) 221 21,300 1,830 4,800 30,000
25%-30% Max. 50% – 55% Mind. 20%
Anteil Fett Anteil KH Anteil Eiweiß
59,81% 33,28% 7,60%

90-Tage-Challenge Tag 32

Donnerstag. Jetzt muss ich mal beichten. Auch wenn ich hier tolle Magerquark-Rezepte poste, hatte ich trotzdem gestern einen Mega-Fressanfall mit 2809kcal binnen zwei Stunden. Insgesamt kam ich so an dem Tag auf 4660kcal, was mir ein Plus von 2153kcal beschert. Ein so fettes Plus habe ich bisher nie verzeichnet, aber vermutlich liegt das daran, dass ich immer vorher schon das Aufzeichnen abgebrochen hatte.

Ursachenforschung? Die ganze letzte Woche habe ich mein Kreuz bei „gereizte Stimmung“ gesetzt. Irgendwas wurmt mich. Auch wenn ich Momente finde, in denen ich ausgeglichen bin, so ganz im Reinen mit mir bin ich zur Zeit nicht. Heute konnte ich nach langer Zeit wieder ausschlafen, die letzten Wochen schlafe ich überwiegend kurz, kürzer als mir lieb ist.

Eine meiner Vermutungen ist ein Zusammenhang mit dem am Anfang des 12-Wochen-Intervalls recht hohem Testosteronspiegel, weshalb ich auf Testogel wechseln will, um damit eine Tagesamplitude zu bekommen.

Mein Lieblingsworkout habe ich sehr genossen:

RUCKUS Anzahl Runden: 9

Meine Konzentration war tipptopp. Einmal habe ich mich verzählt beim Kreuzheben.

Die Lunges sind kein Problem, gerader Rücken, Arme in den Nacken gelegt und ganz bewusst das Gewicht auf der Ferse, Schritt nach hinten, kurz mit dem Knie den Boden berührt und wieder hoch.

Bei allen Übungen habe ich nur für die Liegestütze gelebt, um diese sechsmal nacheinander ohne die Zwischenpause absolvieren zu können. Mit ganz bewusstem Einatmen beim Runtergehen und Ausatmen beim Hochstemmen ist mir dies bis auf die letzte Runde auch gelungen. Bei den ersten beiden Runden bin ich mir nicht mehr ganz sicher, das ging irgendwie viel zu schnell. Bei der achten Runde hing das Kreuz einmal durch, daraufhin ging ich noch langsamer runter, so dass ich von den Armen her kaum die Wende schaffte, mich wieder hochzustemmen. Aber der Rücken war gerade.

Beim Kreuzheben wackelte ich ein paarmal etwas – das Kreuzheben ist eine härtere Prüfung auf Ausgeglichenheit als der Baum aus dem Yoga. Volle Konzentration auf den rechten Fuß, der mit sattem Kontakt auf dem Boden ruht und gleichzeitig die Aufmerksamkeit auf das linke Bein, das gerade ausgestreckt nach oben in die Waagerechte geht, während die Arme beim Ausatmen zum Boden heruntersinken und die Fingerspitzen dann die (rechte) Fußspitze berühren. Zweimal habe ich fast das Gleichgewicht verloren.

Das Türziehen wie von Anfang an ein Selbstgänger, eher zu hastig absolviert als dass die Haltung nicht korrekt wäre. Um die Klinke gelegtes Handtuch greifen, den Unterkörper mit rechtem Winkel in den Knien als Gewicht nutzend durch Armstreckung nach unten bewegen, Hochziehen, Schultern zusammen.

Und dann den Strich auf der Liste machen und wieder von vorne.


90-Tage-Challenge Tag 33

Freitag. Akute Fettlogiken: „Ich will jetzt nicht unhöflich sein und kann doch nicht als einziger Sekt und Kuchen ablehnen“ und  „Jetzt ist es ja eh egal“. Bilanz: Geschätzte 1000kcal alleine deshalb, weil ich der Einladung gestern abend spontan gefolgt bin.

Wieder ein Plus anstelle eines Defizits, wenn auch bei weitem nicht so drastisch wie am Vortag. Vom 16.03. – 15.04. habe ich ein Gesamtdefizit von 21166kcal erwirtschaftet im Schnitt über 700kcal/Tag. Und jetzt allein in den beiden letzten Tagen ein Plus, das mehr als zehn Prozent des Defizits eines ganzen Monats aufwiegt. Das ist nicht mehr wett zu machen. Muss mir erstmal egal sein, sonst mache ich mich nur unnötig fertig und dann wird es noch schlimmer.

Seit dem beknackten Proteinriegel habe ich Schwierigkeiten und muss mich ständig wieder zusammenreißen und manchmal gelingt mir das eben nicht. Jetzt ist vorbei mit easy am Süßigkeitenregal vorbeischlendern. Auch Umsteigen wird gefährlich, wegen der Süßigkeitenautomaten am Bahnhof.

TYRANT, Zeit: 17:23:25

Beim Aufwärmen habe ich total getrödelt und war mit den Gedanken sonstwo. Beim Workout bin ich wieder viel zu schnell reingegangen. Die Atmung hat mich tierisch durcheinandergebracht. Bei den ersten Kniebeugen habe ich versehentlich die Atemzüge gezählt anstatt der Kniebeugen. Beim Kreuzheben habe ich bis zur letzten Runde mehrmals das Gleichgewicht verloren.

Wenn ich das so lese, lässt es sich zusammenfassen mit: Alles doof, alles scheiße. Also mal gleich den Haken bei „Depression“ setzen.^^

Also weg mit der Aufmerksamkeit davon, wie viel ich esse und wieder dahin, was ich essen möchte und was nicht. Jetzt nach dem Workout Proteine und Kohlenhydrate, sprich Magerquark und Obst. Später als warme Mahlzeit die Pute. Dazu hole ich mir noch frisches Gemüse. Heute abend darf es auch wieder etwas mit Fett sein, z. B. die Walnusskerne. Bis dahin hatte mein Körper Gelegenheit, die beanspruchten Muskeln ungestört zu flicken.

Nochmal der Blick auf den Sport: Was bin ich froh, dass „Sport“ kein Reizwort mehr für mich ist. Geil, dass ich das Workout auch an Tag 33 der Challenge immer noch mit Freude und bis auf einzelne  Ausnahmen konsequent vor dem Frühstück mache. An den letzten Regenerationstagen habe ich das Laufen auf dem Crosstrainer so sehr vermisst, dass ich einfach gelaufen bin und habe es sehr genossen. In den ersten Wochen und Monaten, als das Gerät neu war, war es jedes Mal ein Kampf und kostete mich einiges an Überwindung.

Das heutige Workout war mir ein Ritual und ich habe es gerne absolviert.

Das Hüftheben ist mir nicht jedes Mal leicht gefallen, aber es hat mit dem Einatmen beim Absenken und Ausatmen beim Hochstemmen zunehmend besser geklappt.

Die Kniebeugen waren mir eine Freude und es erstaunt mich immer noch, dass sie mir so leicht fallen, da mir vor einem halben Jahr stets davor gruselte.

Bei den Bodyrocks habe ich sehr deutlich gespürt, wie der Muskel, der das Durchhängen des Beckens bei den Liegestützen vermeiden soll, arbeiten musste und manchmal etwas krampfte. Dagegen halfen mir leichte Dehnübungen sehr.

Das Kreuzheben konnte ich von Runde zu Runde sauberer durchführen.


Gestern habe ich übrigens einen Zettel geschenkt bekommen mit folgendem Spruch:

Ich höre meinen Gedanken aufmerksam zu und weiß, dass sie in jeder Sekunde meine Zukunft erschaffen.

Ich war sofort an depressive Denkmuster erinnert und dachte: Wie wahr.

Ich vor einem großen Baum, dem viele Äste abgesägt wurden.

Wanderung an der Oberalster

Männer, die gerne in der Natur sind, pinkeln in der Regel auch gerne in den Wald. Jedenfalls stelle ich mir das so vor – ich habe mich noch nicht getraut, direkt nachzufragen. Falls es sie gibt: Zu denen gehöre auch ich.

Ein beeindruckender Baum an der Oberalster.
Kastrierter Baum

Am Samstag vorvergangener Woche habe ich an einer Wanderung an der Oberalster mit Marc von der Outdoor-Gruppe von Startschuss teilgenommen. Für mich hat dieses Wochenende mit den sehr angenehmen Temperaturen (mit derselben dünnen Hose!) nun endgültig den Sommer eingeläutet.

Leider habe ich den beeindruckenden Kirschbaum* in voller Blüte nur mit meinem Hirn geknipst und ihr müsst jetzt mit dem kastrierten Baum vornehmen, der an dem Platz stand, an dem wir gerastet und gespiesen haben.

Bewusst für die anderen offen plauderte ich übers Abnehmen und Nichtrauchen und hörte von der Leidenschaft fürs Radfahren, die ich nicht teile, und tauschte Träume von Fernwanderungen.

Für mich war es das erste Mal, dass ich gut mir Kontakt und Rückzug gut haushalten und so die Wanderung sehr genießen konnte und auch die Gespräche mit vielen verschiedenen Menschen als angenehm erlebt habe.

Nur eine Situation war grenzwertig, als ich alleine ging, während sich vor mir zwei unterhielten und ich deren Gespräch sowie das der beiden hinter mir und der beiden dahinter verfolgte und nur dann, wenn sie sich gegenseitig übertönten, Satzfetzen nicht bei mir ankamen.

Ich nahm also gut 85% der Informationen dieser sechs Sprecher nebst Vogelgezwitscher und anderer Hintergrundgeräusche bewusst auf. Dazu kommen sämtliche visuell aufgenommenen Informationen und Empfindungen meines Körpers, wie Gerüche, Geschmack, Gluckern im Gedärm, brennende Muskeln, schmerzende Knochen,…

Unterm Strich betrachtet habe ich ein episodenhaftes Gedächtnis, dh ich erinnere Erlebnisse wie Filmszenen nebst all dem, was der Zuschauer eines Films – oft zum Glück – nicht mitbekommt. Ein bisschen fühle ich mich wie die Heldin in Unforgettable, die – künstlerisch überhöht – in ihrer Erinnerung zurückgehen kann als spule sie ein Video zurück.

Jetzt beim Schreiben kann ich in aller Ruhe sortieren und die Reize von Außen herauspflücken, in hübsche Worte kleiden und mit dem ein oder anderen Schuss Gedanken meiner damaligen oder jetzigen Innenwelt garnieren. Beispiel:

Dieser Kirschbaum erinnerte mich an die Sommer meiner Kindheit. 
Ich erblickte ihn am Ende einer Biegung des Weges vor einigen 
Häusern am Waldrand und schmeckte sofort die Luft auf meiner
Zunge, die baldigen Regen ankündigte. Es roch nach Elektrizität.
Ein Gewitter nahte.
Die Straße, in der ich aufgewachsen war, war von noch recht 
jungen japanischen Zierkirschen umsäumt - ganz hatte das Geld
für eine Allee nicht gereicht. Lange war ich nicht mehr dort.
Wie groß die Bäume wohl heute sind?
Dieser Baum hier erhebt sich majestätisch vor mir auf seiner
Anhöhe. Seine Blüten sind ein rosa Fest für die Sinne - 
es duftet nach Sommer und das leise Rauschen strahlt die Ruhe
und die Kraft aus, mit der er fest in der Erde verwurzelt ist.

(Naja ok, eigentlich erlebe ich die meisten Düfte als Gestank,
weil sie einfach zu intensiv sind, um angenehm zu sein.
Ich denke, der Detailreichtum ist trotz Weichzeichner und
kitschigem Geschwurbel deutlich geworden.
Dieselbe Erinnerung kann auch sehr viel technischer mit Fach-
wörtern beschrieben werden. Diese Genauigkeit ist sehr hilfreich
beim Erstellen von Bugreports oder bei der Definition von Kenn-
zahlen oder beim Schreiben von User Stories.)

Für Schriftsteller oder Journalisten und alle anderen, die beobachten und darüber berichten wollen ist das natürlich grandios. Für jemanden wie mich, der unterbezahlt in ein Großraumbüro gesetzt wird, dagegen Folter. Zum Glück blieb mir das bisher erspart.

Dies (und anderes, ich möchte hier nicht zu weit ausschweifen) ist eine Folge der sogenannten „Reizfilterstörung“ meiner schizo-affektiven Störung und oder, was ich konzeptionell vorziehe, die niedrigere Wahrnehmungsschwelle aufgrund meiner Hochsensibilität. Die psychische Minderbelastbarkeit bleibt, aber ich kann durch Optimierung meiner Work-Life-Balance so sehr dissimulieren, dass man mir meine Behinderung nicht anmerkt.

In einem Chat wäre es für mich kein Problem, diese Daten alle zu verarbeiten (ich habe auch schon, über Stunden hinweg und ohne Pausen, 15 oder 20 private Chatgespräche gleichzeitig geführt), weil dort 100% der

Ich klettere auf einen Baum.
Ich musste klettern, sonst gäbe es kein Foto.

Informationen von drei Gesprächen bei mir ankommen und ich allen parallel ohne Probleme folgen kann.

Die Aufnahme akustischer Informationen dagegen fällt mir sehr viel schwerer und das Ausblenden der Stimmen der anderen ist allerdings noch schwieriger, weil es erfordert, den Fokus meiner Aufmerksamkeit ganz bewusst auf etwas anderes zu lenken und damit viel Konzentration kostet.

Aus diesem Grund, und weil Menschen sich auch in der S-Bahn unterhalten, habe ich in den ÖPNV immer meine Kopfhörer bei mir und höre Musik, um die dortige Geräuschkulisse zu übertönen.

Zum Glück gab es aber auch Streckenabschnitte, wo wir schweigend neben- oder hintereinander hergingen und ich so die Gedanken in meiner Innenwelt schweifen lassen konnte. Das neben dem Weg verlaufende Gewässer tat sein Übriges zu meinem Ausgleich.

 

Mein persönliches Highlight war wie immer meine Pinkelpause:

Ich habe – und das ist eine andere Geschichte – endlich kein mentales Problem mehr, meine 7-EUR-Pinkelhilfe zu benutzen. Ich musste mich bei Harndrang also nur unauffällig zurückfallen lassen, eine geeignete Stelle ausgucken, am Rand stehen bleiben, die Hose aufmachen, in die Tasche greifen, um mein Hilfsmittel herauszuholen und damit mein Geschäft verrichten.

Der Pee Off von Laura Méritt machts möglich.

Ich hoffe, ihr verzeiht mir, dass aus der Wanderung an der Oberalster eine Wanderung durch meine Innenwelt geworden ist. Die Freiheit nehme ich mir einfach, da mich keiner für meine Arbeit bezahlt.

Als Entschädigung zeige ich euch noch meinen hart erarbeiteten Knackarsch:

Ich erklettere einen Baum.
Äffchen

 

Ich kann mich gut abgrenzen

Ich möchte noch einmal das Fazit festhalten, das ich am Donnerstagabend vor 14 Tagen für mich gezogen habe: Eine meiner großen Befürchtungen, von der Unruhe augenblicklich sehr agitierter Menschen in der Gruppe, die über sich sprechen, angesteckt und selbst sehr aufgewühlt zu werden, hat sich nicht bestätigt.

Vor der Stunde habe ich eine kurze PMR gemacht, um für mich eine Auszeit zu schaffen, da ich gerade vom Psychoseseminar gekommen war. Das hat mir sehr gut getan und ich bin sehr überrascht, dass mir gelungen ist, mich darauf zu konzentrieren, obwohl es in dem Raum in diesem Moment des Ankommens sehr viel unruhiger war als in der S-Bahn üblicherweise. Das hängt wohl damit zusammen, dass in der S-Bahn die Unruhe durch das Ein- und Aussteigen die Regel ist.

Am Ende der Stunde war ich nach wie vor ausgeglichen und ruhig. Zwischendurch habe ich immer mal wieder sehr bewusst meinen Körper wahrgenommen. Mindestens nach einem Redebeitrag einer anderen Person, aber auch währenddessen immer mal wieder und spätestens wenn ich selbst sprach, hatte ich die Gelegenheit, auf meine Stimme zu achten.

Meine Stimme ist nach wie vor der beste Indikator für mein Anspannungslevel. Inzwischen bin ich aber sehr dankbar dafür, dass meine Stimme – so wie die jedes Menschen – bei Anspannung höher wird und ich kämpfe nicht mehr dagegen an, etwas ändern zu wollen, das die Natur so vorgesehen hat.

Mich selbst beschäftigt nun nicht die Frage um meine eigene Geschlechtsidentität, auch wenn ich heute von mir und meiner Vergangenheit erzählt habe, sondern ich bin mir unsicher, ob ich mich heute in der Gruppe richtig verhalten habe.

Ich fände es besser, wenn sich nicht diejenigen durchsetzen, die die Lautesten und die Schnellsten sind.

Das ist eine Sichtweise, die ich selbst im Grunde auch teile. Durch meine Erfahrung mit den Neuroleptika und mit sehr großen Selbstzweifeln im Zusammenhang mit Depressionen weiß ich, wie das ist, wenn man in der Gruppe untergeht ohne die Hilfe einer Moderation.

In diesem Setting hätte ich auch ehrlich gesagt etwas aktivere Moderation erwartet: Eine eher zuvorkommende und anbietende Unterstützung für die Stillen. Ein Räume-Schaffen für diejenigen, die eine Extra-Einladung brauchen, solche Räume zu betreten.

Mein Problem war, dass ich damals nichtmal erkannt hatte, dass ich auch ein Recht auf Redezeit habe. Die nächste Hürde war dann, dieses Bedürfnis auch anzumelden. Es fiel mir leichter, in einer entsprechenden Struktur, die Räume anbietet, diese zu betreten, als mir mit den eigenen Ellbogen selbst welche zu schaffen.

Natürlich kann gerade hier in diesem Selbst-Platz-Verschaffen eine gr0ße Lernaufgabe liegen. Nun bin ich sehr gespannt, wie es am kommenden Donnerstag weitergehen wird. Ob das Thema noch einmal angesprochen wird und ob wir zu einem anderen Umgang miteinander finden.

Auf jeden Fall bin ich sehr froh, dass es dieses Angebot einer solchen moderierten Personzentrierten Gesprächsgruppe zum Thema Geschlecht und Identität heute überhaupt gibt, das ich vor acht Jahren so dringend gebraucht hätte.

Es hat mir große Freude gemacht, von meinen eigenen Erfahrungen, meiner Selbstsuche und Identitätsfindung berichten zu können und dafür Dankbarkeit zu erfahren. In der Rolle des Ratgebers fühle ich mich sehr wohl.

Vielleicht sollte ich einen Ratgeber schreiben. Damit habe ich nicht mehr diese Schwierigkeit, mein Wissen preisgeben zu wollen und dabei das Rat-Schlagen vermeiden zu müssen. Aber irgendwie war diese Homepage ja auch dafür gedacht.

90-Tage-Challenge Tag 24

Muskelkater hatte ich zuletzt vom Brust-Beinschlag beim Schwimmen, als ich am Sonntag beim Schwimmtraining mit Norbert von Startschuss mit einem willigen Opfer, das sich von mir abschleppen ließ, trainiert habe. Wir haben da auf der Anfängerbahn jegliche Freiheiten, was ich sehr schätze. Eine knappe halbe Bahn habe ich geschafft, dann musste ich abbrechen, um nicht selbst abzusaufen. Erst Anfang Mai habe ich wieder Zeit, an dem Kurs  bei der DLRG teilzunehmen. Bis dahin nutze ich die Sonntage, um gezielt Muskeln aufzubauen.

TYRANT, Zeit: 18:23:19

Kuhl! Ich habe es geschafft, langsamer zu sein als an Tag 10!

In der zweiten Runde habe ich mich bewusst gebremst und ansonsten versucht, aus dem Gefühl heraus zu meinem Tempo zu finden. Das hat ganz gut geklappt.

Seit ich herausgefunden habe, dass ich Einatmer bin, achte ich besonders auf die Ausatmung. Mich zu be-lasten ist mir nie sehr schwer gefallen, aber mit dem Ent-lasten hapert es nach wie vor. Siehe mein Problem mit Pausen – ich brauche keinen Arschtritt, um Aufgaben zu erledigen, aber eine Erinnerung an die Pausen und den Feierabend.

Beim Einatmen arbeitet man gegen die Schwerkraft, dh bei den Kniebeugen atme ich aus, wenn es runtergeht und das Hochstemmen beim Einatmen geschieht von alleine. Ein Ausatmer kann vermutlich leichter in die Hocke gehen und hat eher Schwierigkeiten, wieder hochzukommen. Werde mal einen fragen…

Mehr zu den Atemtypen, was ich im Zusammenhang mit der Arbeit an meiner Stimme recherchiert hatte. Es gibt ja keinen Grund, die Koordination zwischen Atem und Bewegung alleine aufs Sprechen oder Singen zu beschränken – im Sport ist das auch sehr gefragt. Ich erinnere mich dunkel, sogar meine Sportlehrerin davon sprechen gehört zu haben.

Heilgesänge

Seit Februar gehe ich, wie ich an Tag 3 der Challenge bereits kurz erwähnte, montags zum Chanten.

Ich nutze das Chanten, um ganz bewusst mit meiner Stimme zu arbeiten, meine Körperwahrnehmung und – koordination zu verbessern und glaube zudem an einen heilsamen Effekt für Körper und Seele. Mir kommt sehr entgegen, dass die Texte und Melodien nicht sehr anspruchsvoll sind und ich mich so besser fallen lassen kann.

Besonders angetan hatte es mir zunächst dieser von uns gesungene Text:

In mir ist Ruhe
In mir ist Stille
In mir ist Frieden
In mir ist Kraft

Dieses Mantra hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben und den Glauben an meine Selbstheilungskräfte gestärkt, weil ich es in Bezug auf meine häufig auftretende innere Unruhe als sehr heilsam empfand. Denn wenn ich mir das immer wieder sage, dass in mir Ruhe ist – und das langsam und ruhig tue – dann wird es in mir auch ruhig, wenn ich nicht vorher schon ausgeglichen war. Das habe ich gestern sehr deutlich gespürt.

Als ich dieses Lied das erste Mal gehört und gesungen habe, bekam ich Gänsehaut:

Fest verwurzelt in der Erde
Offen für die Schätze des Himmels
Wie ein Baum im Gleichgewicht
Spüre ich meine Mitte

Das Themenfeld die Mitte finden und im Gleichgewicht bleiben hat mich die letzten Monate sehr intensiv begleitet, was mit dem Vorbeugen der Phasen meiner schizo-affektiven Störung zusammenhängt.

Dieses Video ist natürlich nur eine mögliche Interpretation dieses Liedes, damit ihr eine ungefähre Vorstellung davon bekommt. In der Gruppe haben wir uns anders dazu bewegt und natürlich war auch kein Baum im Raum. Dafür war mein Gefühl, selbst ein Baum zu sein und mich im Wind zu wiegen, für den Augenblick sehr stark und ich bekam Lust, diesen Moment festzuhalten.

Ich sah während des Singens vor meinem inneren Auge ein Bild von einem Baum, das ich auf Leinwand malen möchte. Ich hatte bei meinem letzten Termin im Atelier schon eine Idee, aber in diesem Moment wurde die Vorstellung konkret. Das Stück wird Teil einer Reihe zu verschiedenen Spannungsfeldern.

 

 

Musik: Dominik Beseler

Guten Morgen!

Heute möchte ich euch meine aktuelle Lieblingsstimme vorstellen: Dominik Beseler

Zwei weitere Songs von ihm, die nicht unter „Audio“ auf seiner Seite angespielt werden können, sind bei Youtube veröffentlicht:

Ich hörte Dominik das erste Mal vor zwei Jahren bei einem Konzert in Harburg, begleitet nur von einer Holzwürfeltrommel (Dube), die seine Stimme optimal unterstrich. (Wenn ich da mal nicht seine Gitarre ausgeblendet habe – bin im Augenblick nicht ganz sicher.)

Wenn ich das richtig erinnere, singt er, seit er zehn Jahre alt ist. Auf jeden Fall hat er lange und hart an dem gearbeitet, was er heute auf der Bühne präsentiert. Und so konsequent dabeigeblieben, das bewundere ich.

Ich war so hin und weg von dieser Reife, die nicht nur in seinen Texten durchklingt, sondern auch von seiner Stimme getragen wird. So wollte ich mich auch anhören!

Dieses Erlebnis hatte mir noch einmal neuen Schwung gegeben, an meiner eigenen Stimme zu arbeiten. Jetzt, nachdem ich das Problem mit der chronischen Anspannung lösen konnte, bin ich sehr zufrieden mit meiner Stimme. Sobald ich die Zeit und Muße finde, vertone ich auch mal die ein oder andere Geschichte von mir.

Live klingt Dominiks Stimme noch sehr viel satter und voller als die von der CD. Diese im Vergleich leider ein wenig kastrierte, konservierte Stimme bringt mich runter, wenn ich unruhig bin, und sie singt mich in manchen Nächten in den Schlaf.

 

Wer Interesse hat, ein Konzert von ihm zu besuchen, sollte Dominik Beselers Seite im Gesichtsbuch verfolgen. Übrigens kommt er aus Hamburg, daher auch als regional getaggt.

Ob mit oder ohne diese stimmungsvolle Musik – ich wünsche euch einen tollen Start in die Woche!

facebook.com/jungs.tanzen

Kein Sex auf der Tanzfläche!

Ich hätte da mal ein Problem: Wie grenzt ihr Sexualität ab?

Eine passende Schlagzeile zu unserer letzten Milonga wäre etwa: Knisternde Erotik lag in der testosterongeschwängerten Luft und war förmlich mit den Händen zu greifen.

Mein Tanzlehrer Wanja hatte einmal während einer Stunde, halb im Spaß, zu meinem Ehemann und mir gesagt:

Kein Sex auf der Tanzfläche!

Ich nahm dies sicherheitshalber ernst und fasste das als Regel auf. Nur: Wie soll ich diese Regel einhalten, wenn ich nicht weiß, wo Sex anfängt?

Aus meiner Sicht haben wir in unserer Gruppe sehr intime Begegnungen. Die Intimität fängt bei mir bereits an, wenn ich in einer fremden Wohnung bin und aufgefordert werde, die Schuhe auszuziehen. Ich kann mir nicht helfen; in solchen Momenten frage ich mich, ob mir an diesem Ort überhaupt keine Privatsphäre zugestanden wird.

Das Tanzen mit nackten Füßen setzt da nochmal eins drauf. Die erste Zeit hatte ich Gymnastikschläppchen getragen. Auch, um mehr Grip zu haben, weil ich meinen Füßen nicht zutraute, mich zu tragen und mir nicht, diese zu koordinieren, ohne mich unfreiwillig aufs Laminat zu legen.

Inzwischen habe ich die Tanzschuhe meines Vaters geerbt und fühle mich darin sehr wohl und sicher – habe nur manchmal etwas Sorge um die nur besockten oder nackten Füße meines Tanzpartners. Mal sehen, wenn es wärmer draußen wird und der Fußboden nicht mehr so kalt ist, tanze ich vielleicht auch mal nackt – äh, barfuß.

Für mich sind auch die Berührungen während der Körperarbeit keine per se unschuldigen Berührungen. Es kommt immer auf den Kontext an, in dem sie ausgeübt werden. Anfangs fühlte ich mich etwa wie bei der Krankengymnastik – aber da konnte ich mich auch noch nicht entspannen dabei und einfach die Bewegung geschehen lassen. Mittlerweile sind die Grenzen meiner Meinung nach sehr verschwommen.

Der Tango an sich ist, finde ich, selbst auch nicht gerade weit entfernt von Erotik. Ein solcher Tanz ist ein höchst sinnliches Erlebnis und gelegentlich fängt es da schon sehr zu prickeln an. Nicht umsonst wird der Tango auch bei der Paartherapie eingesetzt. Besonders der Queer Tango mit seinem Dialog aus führen und Folgen ist ideal, um die gegenseitige Wahrnehmung und das Respektieren von Grenzen zu schulen.

In der letzten Woche hatten wir dann auch noch Besuch aus Berlin – von dem Tanzlehrer, der mich überhaupt auf den Queer Tango gebracht hatte, war zu Gast. Als er mich berührte, war es um mich geschehen und ich entschied, mich an diesem Abend gehen zu lassen.

Im Nachhinein war ich mir dann sehr unsicher, ob ich mich zu weit habe gehen lassen. Meiner Wahrnehmung nach hatte ich Sex auf der Tanzfläche gehabt und damit fahrlässig eine der geltenden Regeln gebrochen.

Nach dem gestrigen Feedback war mein einziges Vergehen, dass ich nach einer Figur gefragt hatte und Wanja keine Lust gehabt hatte, zu unterrichten.Vielleicht habe ich deshalb eine etwas andere Auffassung dazu, weil ich mit BDSM ohnehin schon meinen gesamten Körper zur erotischen Zone erklärt habe.

Nächste Woche Mittwoch kommt für und zu uns wieder der Akkordeonspieler Armin. Darauf freue ich mich schon ganz besonders, denn beim letzten Mal war das ein sehr außergewöhnliche Erfahrung, bei der Körperarbeit von einem „atmendem“ Musikinstrument geführt zu werden und nicht wie gewohnt von Wiktors Stimme.

Jeden dritten Mittwoch ist bei uns im Studio TanzKunst eine kleine queere Milonga, zu der jeder eingeladen ist, ohne sich zu regelmäßiger Teilnahme am Queer Tango verpflichtet fühlen zu müssen.

Ursprünglich war die Gruppe nur an Jungs gerichtet gewesen, aber nachdem eine Gruppe von Damen (die seither nicht gesehen ward)  angefragt hatte, hatten wir uns trotz aller, vornehmlich meiner, Berührungsängste dazu entschlossen, die Gruppe für alle Geschlechter zu öffnen.

Daher hatte ich gestern das Vergnügen, eine Frau – meiner Wahrnehmung nach recht intim – zu berühren. Ich werde nun aber nicht das Ufer wechseln. (Die meisten) Frauen sind mir einfach zu sanft. Ich mag richtig angepackt werden und brauche eine feste Führung. Und Brüste sind mir eben auch zu weich, damit kann ich überhaupt nichts anfangen.

Naja, zugegeben: An das Becken habe ich mich nicht herangewagt (sie bei mir dagegen schon) und die Brust habe ich sicherlich im beiderseitigem Einvernehmen außen vor gelassen. Wir machen ja kein Tantra oder sowas – der Sex findet nur in meinem Kopf statt.

Übrigens waren wir gestern noch was trinken. Dabei habe ich gelernt: Jazz ist nichts meins. Auf der Bühne stehen mit einem Instrument ja. Tanzen zu improvisierter Musik: Geile Sache. Aber da sitzen und nur zuhören müssen oder gar dazu Gespräche führen ist Folter. Dazu muss ich mich einfach bewegen dürfen und tanzen. Dann ist es wunderschön.

Vielleicht hast Du nun Lust bekommen, mal bei uns mitzumachen:

Hier unten ist die Einladung (der Flyer klebte am Trockner und ist daher etwas ramponiert) und es gibt auch eine Seite im Gesichtsbuch.

facebook.com/jungs.tanzen
Flyer Queer Tango

Neue Reihe: Briefe

In dieser Reihe möchte ich verschiedene Briefe vorstellen, die ich unter den Geschichten abhefte. Das können Offene Briefe sein wie beispielsweise an den Sportverein, aber auch Briefe, die ich nie abgeschickt habe, wie beispielsweise Liebesbriefe an meine Chefin. Dazu gibt es dann an dieser Stelle die Geschichte zum Brief.

Die Seite Briefe ist aktualisiert und den Anfang macht ein Offener Brief an meine Nachbarn (Ruhe bitte!), den ich wie im letzten Beitrag kurz angerissen, im Januar letzten Jahres ins Treppenhaus gehängt hatte, weil mir der Kragen geplatzt war.

Die Vorgeschichte dazu war gewesen, dass wir im Juli 2014 in dieses Haus gezogen waren und ich dann im September meinen Vater und kurz darauf im November meine beste Freundin beide an den Krebs verlor.

Bereits am ersten Weihnachtstag ging es rund ums Haus mit der Böllerei los, zwar nur tagsüber, aber ich geriet in eine Art Daueralarm. Es war so, wie Reinhard Mey es besingt:

Doch die härteste Prüfung für Psyche und Ohren
Ist die quälende Stille plötzlich nach dem Bohren,
Das Wissen, es kann jeden Moment wieder einsetzen
Oder nicht, oh, dieser Zweifel ist zum Nervenzerfetzen.

Das Crescendo schwoll an von Tag zu Tag und mein Cortisolspiegel stieg.

Normalerweise hätte ich Silvester bei besagter Freundin gefeiert und das war jetzt plötzlich ganz anders als geplant. Bei meinem Vater hatte ich es lange vorher gewusst, dass es Zeit ist, Abschied zu nehmen. Aber sie hat richtig Gas gegeben.

Meine Nerven lagen bereits eine Woche blank und durch den unweigerlichen Schlafentzug durch das nächtliche Geböller dauerte es dann nicht mehr lange, bis ich durchdrehte. Starke Stimmungsschwankungen inkl. Heulattacken, die ich der Trauer um meinen Vater zuschrieb, waren für mich sehr erlösend.

Die erste Woche des neuen Jahres kämpfte ich mit Entspannungsbädern und Baldrian um meinen Schlaf, gegen das gelegentliche Böllern draußen war ich nach der Silvesternacht längst unempfindlich geworden. Dann hielt ich es irgendwann nicht mehr aus, weil die Geräusche im Haus ja auch unabhängig vom Jahreswechsel weiterhin auftreten würden.

Für mich fühlte sich bereits das Schreiben dieses Briefes an wie ein Befreiungsschlag. Mein Ehemann sicherte mir auch zu, dass sich das nicht verrückt anhört. Also hängte ich das Schreiben mit großer Genugtuung nebst einer Kopie der Hausordnung im Treppenhaus auf.

Gefühlt war es dann auch die nächsten beiden Wochen deutlich stiller im Haus.