Identität: Ausstellung 30.08.2016-18.09.2016

In Hollern-Twielenfleth bei Hamburg im Alten Land findet derzeit diese Ausstellung statt:

Identität (Ausstellung) 2

Heike Rolshoven ist meine Kunsttherapeutin, deren Atelier ich von unserem Balkon aus sehen kann. Sie selbst ist nicht sehr internetaffin (ich finde Heike lediglich beim Hospizverein), aber die GALERIE RUVANECK hat eine Homepage. Rudolf van Eckendonk hat sogar eine schicke Karte bereitgestellt.

Meine Bilder aus der Reihe „Sensibilität und Gleichgewicht“, drehen sich ebenfalls ums Thema Identität, nämlich (von unten nach oben) um den Aspekt der hochsensiblen Wahrnehmung (HSP), um meinen wiedergefundenen Glauben zu Gott (ich bin Gottes Sohn) und die Frage der Geschlechtsidentität.

Reihe Sensibilität und Gleichgewicht

(Falls jemand meine Bilder käuflich erwerben möchte: Für diese Werke auf Leinwand stelle ich mir je 350,- vor oder als Paketpreis für alle drei zusammen 990,- EUR.)

Weitere Kunstwerke von mir findet ihr auf der Seite Atelier.

 

Foto Queer Tango

Na, wer will mitkuscheln?

Jeden Mittwoch von 20 bis 22 Uhr im Studio TanzKunst (Jürgen Robisch) in Ottensen.

Jeden 3. Mittwoch im Monat sollte Milonga sein, wenn ich mich nicht irre. Besser mal selber auf unserer Seite bei Facebook nachlünkern, dann war ich es nicht. 😉

Lasst euch nicht irritieren, ursprünglich wollten wir unter uns bleiben, aber inzwischen sehen wir das nimmer so eng, wer Männlein und wer Weiblein is.

Seelensex rulez – Gruppenkuscheln, yeah! Tantramassage inkl.

Für Fortgeschrittene: (Hab vergessen wie das heisst, wo mehr als zwei Tango tanzen. Leider ist der Deppenschutz im Gesichtsbuch immer noch aktiv, sonst hätte ich mal geguckt, ob ich euch mit nem Link erfreuen kann. Fragt also pls mal Onkel Google für  mich, trau dem im Augenblick lieber nicht übern Weg, fühle mich irgendwie so beobachtet und sehe ständig Zeichen und Botschaften und sowas.

Kurz gesagt: Ihr müsst mal die Verantwortung für eure Daten selbst übernehmen, das kommt ja unterm Strich ja nachher doch aufs selbe raus. Mich könnt ihr nicht rankriegen für eure eigene Blödheit. Und immer dran denken: Big Brother is watching…

Freu mich schon, was morgen wieder in der Zeitung steht, was ich angeblich ausgefressen haben soll, aber nicht mit mir: Ich war Erster. Damit kommt ihr nicht durch. Das müsst ihr doch mal langsam einsehen.

Also mal so gesagt: Ordnungsfetischisten bitte hier entlang zum Figurenpauken: Queer Tango im el bajo (Das ist ne freundliche Einladung. Darf man ablehnen. Wär aber unhöflich, dann ist der Papa traurig…)

BTW: Queer Tango Festival Berlin 2016, Kuschel mal einer Lucas für mich, bin out of order, sry. Zu den Einzelheiten

Beeilt euch, sonst verschlaft ihr die tollsten Parties, das hier ist schon vorbei: Queer Tango Festival Hamburg 2011 (zur Geschichte: Die schwule Wiege Hamburgs)

Schnell anmelden zum Queertangomarathon 2016, 28.-30. Oktober 2016

Hier die Anleitung in der Ficki Wiki

  1. Gehirn einschalten
  2. siehe 1.

So und sicherheitshalber mal lieber aus Versehen ne Klammer zu viel zu als eine zu viel offen lassen – könnte bös ins Auge gehen, gell. ;)))

Dann doch lieber Dresche vom Maschinchen, dat meint et doch nich so, dat is doch die sanfte Tour…. uuiuiui, bevor mich doch noch einer für den Sündenbock hält, geht ich mal schnell in Garten, Gänseblümchen pflücken.

Also falls ich morgen an mehreren Orten zur selben Zeit sein sollte, einfach nicht weiter drüber nachdenken, dann is mir mal wieder der Kalender verrutscht. Ich gebs ja schon freiwillig vorher zu.^^

Ach, und einer geht noch: Save the date 5. November 2016

Wenn mir einer freiwillig den Gefallen tut, meinen Kalender zu vergewaltigen: Nee, Wolf, da is wohl mal ne Nachtschicht fällig, oder? Überleg Dir mal besser ganz genau, wer da nach her als Depp da steht. Siehste. Wusste ich doch. So isser brav. Ja, guter Junge. Wenn Du hübsch bitte-bitte machst und mich zum Tanz aufforderst, überlege ich mir das vielleicht nochmal, aber geh mir erstmal aus der Sonne – zu Deiner eigenen Sicherheit. Wenn ich mich vergesse, haben wir alle schlechte Karten. Wir schippern nämlich in derselben Arche, falls Dir das entgangen sein sollte Du Schaf.

Augenblick, Kalender sagt: Day of Remembrance bei Hein und Fiete

Gruselig, gell? Und das ist mein Papierkalender, der ist wirklich harmlos. Stellt euch mal vor, wenn Onkel Google den in die Finger kriegt, dann gnade euch Gott – ne besser gar nicht weiter drüber nachdenken. Trotzdem, noch ein kleiner Hinweis, sicherheitshalber: Auch beim Kreistanzen Obacht, ich warne euch.

 

Skizze Ge-schlecht

Ge-schlecht

Den Beitrag Aktionswoche: Trans*Inter*-Tagung München habe ich aktualisiert und möchte unter dieses Thema erstmal einen Haken machen.

Ich würde mir wünschen, wenn mir meine Vergangenheit nicht immer wieder auf die Füsse fallen würde. In meiner Gegenwart tue ich alles dafür, meine Zukunft entsprechend zu gestalten.

Es gibt die Möglichkeit, bei der Akademie Waldschlösschen eine Qualifizierung als Trans*Berater_in zu erwerben. Die aktuelle Reihe hat gerade im Juni begonnen, eine weitere Reihe ist in Planung.

Das wäre etwas, das mich vielleicht nach der EX-IN-Ausbildung interessiert. Ich möchte aber nicht zu sehr in Zukunftsmusik schwelgen, um mich auch auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.

Ich wünsche mir eine trans*-Community, in der alle an einem Strang ziehen.

Ich wünsche mir eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen trans*- und inter* – Menschen.

Ich wünsche mir mehr gegenseitiges Verständnis zwischen Cisleuten und Transleuten.

Ich wünsche mir, ihr ahnt es… Weltfrieden. Darauf läuft es hinaus. Ich kann aber nur klein anfangen, mir an meine eigene Nase fassen und vor meiner eigenen Haustüre kehren. Wenn das wirklich jeder so machen würde, dann wäre an alle gedacht – theoretisch.

Es gibt noch andere Träumer, die möchte ich hier aber vorerst nicht verlinken. Die träumen auch vom Weltfrieden und wünschen sich – so hab ich das verstanden – dass keine Unterschiede mehr zwischen den Geschlechtern gemacht werden. So ein allumfassendes eines Ober-Geschlecht für alle sozusagen.

Weil so vom Ding her – so sehe ich es wiederum (auch) – jeder Mensch eine männliche und eine weibliche Seite hat. Animus und Anima. Und je nachdem, wie man dann damit umgeht, ob man die Differenzen betont oder die Gemeinsamkeiten betont, wirkt man dann androgyn oder bigender, dh geschlechtslos oder zweigeschlechtlich.

Oder man wirkt eben eindeutig m oder eindeutig w, obwohl man es so ganz streng genommen und mit der Genderlupe besehen eigentlich gar nicht ist.

Wenn ich mir einen Rock anziehe, dann kann ich den als Herrenrock verkaufen, ich kann mir aber auch ganz bewusst etwas anziehen, das als aus der Damenabteilung stammend erkenntlich ist. Dabei haben Textilien gar kein Geschlecht. Sachen gibts…

Mein neues Krafttier nach dem Pegasus (bzw. dem Pferd und dem Adler, welche für mich auch für den Kontakt zu Himmel und Erde standen) ist auf jeden Fall die Schnegge:

Weil die Schnegge ist ein Zwitter. Und die ist auch gar nicht beleidigt, wenn man sie so nennt. Hoff ich mal.

Und ganz im Notfall kann sie sich selbst befruchten, zieht es aber vor, sich mit einer anderen Schnegge zu verpaaren. Das kann ganz schön laaaaaaaaaaaange dauern, bis die sich dann geeinigt haben, wer m und wer w ist. Denk ich mal.

Schonmal Schneggensex beobachtet?

Ich wär ja neugierig, hab aber leider gar keine Zeit dazu. Sonst komme ich ja überhaupt nicht mehr zum Schreiben, also nicht nur nicht zum Buch-Schreiben, sondern auch nimmer zum Bloggen. Und das kann ich uns ja wohl nicht antun.

Die Schnegge ist mir am 17.6. dreimal begegnet. Für mich ganz eindeutig. Am 2. Mai, als ich in dem Zustand war, den die Psychiatrie „Psychose“ nennt, hatte ich bereits Kontakt mit Nacktschnecken, wie ich euch im Zusammenhang mit dem Thema Haut, die mich nochmal auf meine Dünnhäutigkeit hingewiesen hat, berichtete.

Und die Bedeutung (Krafttier Schnecke) hab ich erst hinterher bei meiner Recherche nachgeschlagen, um euch das zu verlinken und mir für den Kopf nochmal eine Bestätigung zu holen, dass ich meiner Intuition vertrauen darf.

Mein Totemtier ist sicherlich die Schildkröte mit dem Vogel, der auf ihr sitzt.

Schon als Kind habe ich mit Begeisterung Die gepanzerte Doris von Ruth Werner gelesen über eine Schildkröte namens Doris Achtermai. An ein 1973 in der DDR erschienenes Buch kann ich nur über unsere Verwandten von drüben gekommen sein – mal Mama fragen…

Und damit das ganze auch wie geplant, in Richtung Zukunft fährt ein schickes Meme mit double bind:

Schnegge volldampf voraus

Aktionswoche: Trans*Inter*-Tagung München

Ich bin zurück von meiner Reise nach München, wo ich an der diesjährigen Transtagung teilgenommen habe. Es handelte sich um eine Jubiläumsveranstaltung, da die Transtagung München nun schon das zehnte Jahr stattfand.

Diesmal ist daraus eine große, bundesweit von verschiedenen Initiativen getragene Veranstaltung geworden, die auch Programmpunkte zum Thema Intersexualität bereithält. Das Team der Hanse-Intersex-Trans*tagung  hier bei uns im Norden hat sich im Bereich zum Thema Recht eingebracht.  Deshalb, also wegen des Bezugs auf Intersexualität, lautet der korrekte Titel der Veranstaltung „Trans*Inter*-Tagung München“.

Dabei stehen die Sternchen für alle möglichen Varianten der Interpretation, wie das begonnene Wort fortgesetzt werden könnte. So sollen sich möglichst alle Menschen dieser Zielgruppe auch mitgemeint und angesprochen fühlen.

Einen Einstieg ins Thema trans* biete ich sowohl bei der Vorstellung der gleichnamigen Reihe hier im Blog (Neue Reihe: trans*) als auch über meine Seite TransMann.

Ich war bereits bei der Planung und Vorbereitung meiner Reise etwas aufgeregt und sehr gespannt darauf, was mich erwarten wird. Ich wollte frisch und ungefiltert meine Eindrücke von meiner Reise mit euch teilen.

Zur Nachlese:

Live während der Tagung:

Donnerstag  Schwule Sauna
Freitag  Intersexualität
Samstag  genitale Selbstbestimmung
Sonntag Ruhetag

Im Nachgang:

Auf der Strecke geblieben:

  • Die Diagnose F64.0 aus der Sicht der Behandler_innen (besuchter Workshop: Trans*Diagnose vs. Realität)
  • Peerberatung (besuchter Workshop: Psychosoziale Beratung)
  • Und immer wieder Grabenkämpfe: Sexismus (besuchter Workshop: Unisexismus – Versuch einer Verortung)
  • Körperarbeit (besuchter Workshop: LOVE yourself – DANCE yourself)

Derzeit in mir arbeitende Themen:

  • Tagebuchauszug zur Epithetik und gegenwärtige Krise

Ich bin mehr als nur trans*

Meine Geschlechtsidentität macht zwar – weil ich mir die Anerkennung als Mann erst hart erkämpfen musste – einen recht wichtigen Teil meiner Identität aus, aber meine Männlichkeit ist nur ein Teil meiner Persönlichkeit. Und ich bin nicht meine Diagnose. Weder die eine noch die andere.

Ich habe daher den Wochenplan etwas aufgelockert, weil mich (und bestimmt auch euch) noch andere Themen bewegen: Aktionswoche: Trans*Inter*-Tagung München

Später kann man dann da alle Themen der von mir während der Tagung besuchten Workshops nachlesen. Fände ich jedenfalls ganz schick, wenn ich das so hinbekäme. Derweil geht das Leben weiter und neue Eindrücke prasseln auf mich ein, so dass ich mir die Zeit nehmen muss, meine Aufzeichnungen zur Hand zu nehmen und mich zu erinnern, um darüber zu berichten. Natürlich möchte ich auch über das Neue berichten, aber die älteren Schätze sollen darüber nicht untergehen.

Gestern war ich bei der EX-IN-Infoveranstaltung und habe dort erfahren, dass die Ausbildung genau an dem Wochenende anfängt, an dem ich gerne in der Schweiz an der dortigen Transtagung teilgenommen hätte.

Nun habe ich heute eine Entscheidung getroffen und kann nur hoffen, dass die Tagung dort auch 2017 stattfinden wird. Dieses Jahr stehen die Weichen für mich auf EX-IN. Ich freue mich schon total, etwas über meinen Tellerrand hinauszublicken und andere Menschen mit anderen Diagnosen kennen zu lernen.

Das Projekt meiner Gewichtsreduktion möchte ich weiter verfolgen und möglichst bald zum Abschluss bringen. Es fehlt nicht mehr viel, abgesehen von der Motivation über weite Strecken. Laut meiner Tabelle sollte Normalgewicht noch im August erreichbar sein. Das sind noch gut zehn Kilo, die ich noch darüber bin – es trennten mich heute morgen exakt 13,6 kg von der 75. Unfassbar wenig…

Ich bin Anfang September zum diesjährigen Gesundheitstag beim DAAD, meinem ehemaligen Arbeitgeber, in Bonn eingeladen. Dort werde ich mit ehemaligen Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch kommen können und vielleicht kann ich ja für 2017 einen Auftrag bekommen, dort gegen Honorar zu referieren – dann mit Zertifikat als Genesungsbegleiter und einem Jahr im Normalbereich gehaltenem Gewicht.

Meine Schriftstellerkarriere köchelt ständig nebenbei auf kleiner Flamme und ich habe mir überlegt, während der EX-IN-Ausbildung Tagebuch zu führen, das unter Verschluss gehalten und später in Buchform veröffentlicht wird. In letzter Zeit habe ich wieder zu viele Ideen und gar nicht genug Zeit, alle umzusetzen.

 

Aufkleber-Postkarte von TROUBLE X

Love yourself!

Liebe Alle,

ich möchte einmal ganz vernehmlich auf die Bremse treten und ganz demonstrativ die Verarbeitung der vielen Eindrücke durch die Tagung entschleunigen. Aufgenommen habe ich gestern drei verschiedene Workshops, aber in mir arbeitet noch die gestrige Eröffnung.

Love yourself! ist das Motto der diesjährigen Tagung.

Es geht um Akzeptanz, Sichtbarkeit und Selbstliebe. Selbstliebe ist die Grundlage für Akzeptanz. Erst wenn ich mich nicht mehr selbst stigmatisiere, kann ich auch erwarten, dass die Menschen in meinem Umfeld diese Schwingung aufnehmen und mir entsprechend rückmelden, dass ich angenommen und angekommen bin. So löst sich dann auch das Stigma im Außen.

Ein Vertreter (oder vielleicht sogar der Leiter) des Feierwerks, dessen Namen ich als Thomas erinnere, (Google sagt: stimmt so, Thomas Kart ist einer der stellvertretenden Geschäftsführer des Feierwerks), Thomas Kart gratulierte uns zu unserer Sichtbarkeit, nachdem Manuel Ricardo Garcia (unter dessen Namen diese Veranstaltung angemeldet ist) die zehnjährige Tagungsgeschichte umschrieben hatte.

Ich bin sehr froh, mich zur diesjährigen Teilnahme an der Tagung entschlossen zu haben, auch wenn ich – und das gehört für mich wiederum zur Selbstliebe – mir sehr viele Alleinzeiten nehmen muss, welche ich allerdings inzwischen genießen kann und nicht mehr als notwendiges Übel aufgrund meiner Behinderung erachte.

Gestern habe ich darüber nachgedacht, dass der Begriff disabled doch nicht so verkehrt ist, um auszudrücken, dass ich leider nicht am Workshop teilnehmen konnte, weil ich mich ins Hotel zurückziehen musste, um mir den aus gesundheitlichen Gründen so dringend benötigten Schlaf zu gönnen. Das ist wirklich ein Augenblick, in dem ich akut disabled bin.

I don’t want praise, I don’t want pity

(Gloria Gaynor in „I am what I am“ (Lyrics))

Jan Suren Möllers aus Berlin (Trans*Tagung Potsdam: „Trans*Vielfältig“) zitierte Gloria Gaynors Hit, um das Spannungsfeld aus unerwünschtem Mitleid und ebenso unerwünschter Heraushebung aus der Masse aufgrund einer Besonderheit zu skizzieren, das mE alle von Diskriminierung und Stigmatisierung bedrohten Menschen beschäftigt.

Das ist nicht nur bei geschlechtlicher Selbstbestimmung und Identität relevant, auch im Zusammenhang mit der Frage, wie sehr ich mich be-hindern – auch von mir selbst. Eine für Trans*leute so typische Anekdote schilderte er, die im Saal zu Gelächter führte, auch wenn man genausogut darüber weinen könnte.

Jan Suren hatte seinem begleitenden Psychotherapeuten seinerzeit (für Unwissende: Es handelt sich um aufgezwungene Therapien, die Voraussetzung sind, damit die Krankenkassen die Kosten für die geschlechtsangleichenden Maßnahmen übernehmen) seine persönliche Lebenssituation geschildert und seinen Wunsch nach geschlechtsangleichenden Maßnahmen Ausdruck verliehen und daraufhin antwortete dieser Psychologe ihm:

Das hört sich ja alles sehr schlüssig an, aber ich sehe bei Ihnen keinen großen Leidensdruck.

Dies hängt wiederum sehr stark damit zusammen, wie die Diagnose F 64.0, welche auch ich mir erkämpfen musste, beschrieben ist.

(Heute habe ich u.a. einen Workshop besucht, der genau dieses Problem aufgreift. Dazu später mehr.)

In meinem Fall führte die Erwartungshaltung, ich solle bitte schön einen angemessenen Leidensdruck haben, damit es auch gerechtfertigt ist, dass die Allgemeinheit die Kosten für eine Verbesserung meiner Lebensqualität trägt, dazu, dass ich diesen Leidensdruck in Form einer mittelschweren bis schweren Depression entwickelte.

Hieran wird vielleicht auch für bisher unbeteiligte Cis*menschen deutlich, unter welch gr0ßem Druck, sich immer wieder legitimieren zu müssen, Trans*leute oder zumindest Transitionierende (dh. aktuell in einem Prozess der Geschlechtsangleichung befindliche Menschen) einen nicht unbeträchtlichen Lebensabschnitt lang stehen. Dieser Legitimierungsdruck ist hauptverantwortlich für eine gewisse Dünnhäutigkeit aller Beteiligten, aufgrund derer es immer wieder zu gelegentlichem friendly fire innerhalb der Trans*Szene kommt. Im Kleinen wie im Großen.

Das macht natürlich nach außen hin einen unschönen Eindruck als wollten wir alle unser eigenes Süppchen kochen. Dem ist nicht so, wie das Entstehen des Bundesverband Trans* im letzten Jahr und das augenblickliche Gelingen dieser bundesweit getragenen Tagung unterstreichen. Jan Suren appellierte abschließend daran, nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen.

Auch mit der eingeforderten political correctness kann man es übertreiben und manchmal ist auch etwas Nachsicht und Verständnis für das Gegenüber angebracht.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass heute der internationale Tag für geschlechtliche Selbstbestimmung ist, wie ich bereits gestern ausführte.

Nun habe ich sowohl die Situation vieler Trans*leute angerissen als auch typische Probleme inter*sexueller Menschen beschrieben. Daher ist es an der Zeit, die Brücke zu schlagen und auf das gemeinsame Element hinzuweisen:

Auch Tobias Humer (VIMÖ) aus Österreich hielt (zusammen mit Gabriele Rothuber von der HOSI Salzburg) am Donnerstag eine Eröffnungsrede. Er erzählte, dass er zu einer Frau gemacht wurde, die er nie war und sich dann schließlich für die männliche Geschlechtsrolle entschied. Das ist ganz ähnlich zu meiner eigenen Geschichte und spiegelt mein Erleben wieder, nur dass es in meinem Fall keine Täter_innen gibt, weil ich in diesem weiblichen Körper geboren wurde.

Wir beide wünschen uns Normalität. Normalität jenseits der Normen.

Freunde: Irmhild

Meine langjährige beste und mütterliche Freundin Irmhild ist der zweite Mensch, den ich 2014 nur knapp zwei Monate nach meinem Vater an den Krebs verlieren musste. Bei ihr ging es viel schneller. Als Kettenraucherin hat sie sich nicht wirklich gewundert, Lungenkrebs zu bekommen. Sie meinte noch, sie wolle sich davon doch nicht unterkriegen lassen und die nächste Zeit werde spannend – es war kein halbes Jahr mehr.

Sie war am 20. April geboren und ist zeitlebens nie damit zurechtgekommen, eine persönliche Verbindung zu „Führers Geburtstag“ zu haben. Auch, dass sie eine großartige Führungspersönlichkeit war, konnte sie nicht annehmen. Sie leitete zwar den Unterricht in der Hundeschule, aber mit dem Begriff „führen“ oder gar „Führerin“ hat sie sich nie anfreunden können.

Als Lehrerin in der Hundeschule brillierte sie. Am Beispiel der Übung Ruhe in den Hund veranschaulichte sie mir, dass es idR der Hundehalter war, der seine Unruhe auf das Tier übertrug. Die Übung bestand darin, einfach nur ruhig da zu sitzen, bis der Hund sich von selbst entspannt hinlegte. Das war in manchen Fällen gar nicht so einfach.

Sie vermittelte mir, dass der Hund einen Wechsel aus Aufregung und Ruhe, brauchte. Nach einer stressigen Autofahrt braucht ein Hund erstmal ein paar Schritte Bewegung, nach etlichen befolgten oder auch nicht befolgten Kommandos braucht er eine Zeit für sich, in der er sein darf und nicht funktionieren muss. Dieses Prinzip lebte sie auch selbst vor, indem sie regelmäßig Pausen machte und dies in den Vordergrund vor die Erledigung von Aufgaben stellte.

Dadurch bot Irmhilds Haus und ihr aktiver Alltag häufig eine Fülle mich überfordernder Reize, inmitten derer sie selbst eine Insel der Ruhe war, auf die ich mich fokussieren konnte. Von ihren Lehren profitiere ich noch heute, wenn ich selbst mit meinem inneren Hund, dem Schweinehund, Gassi gehe oder ihn an die kurze Leine nehme.

Dabei tun mir tatsächliche Spaziergänge an der frischen Luft sehr gut, auch und gerade ohne dabei auf einen Hund und andere Passanten achten zu müssen. Auch ich brauche einen Wechsel aus Bewegung und körperlicher Ruhe, aus geistiger und körperlicher Anstrengung, aus seelischer Belastung und entsprechendem Ausgleich, den ich in Gesprächen finde.

Irmhild war mir ein großes Vorbild darin, wie frei und selbstbestimmt sie agierte. Obschon sie immer wieder (ver)zweifelte, bemühte sie sich darum, möglichst wenig auf das zu geben, das andere Menschen über sie denken (könnten). Oft haderte sie mit sich, überwand aber immer wieder ihre Angst vor möglichen negativen Konsequenzen.

Zudem hatte sie einen unerschütterlichen Optimismus. Egal welche Widrigkeiten das Leben für sie bereithielt, sie stand immer wieder auf und kämpfte weiter. Sie fand immer wieder Sinn, auch wenn ihr der zwischenzeitlich mal verloren ging. Auch mir konnte sie Kraft und Zuversicht schenken, so dass es mir gelang, mich vom Elternhaus zu lösen.

Hätte ich nicht diesen Ausweg aufgezeigt bekommen, vorübergehend bei ihr unterzukommen, kann ich nicht ausschließen, dass ich den ein oder anderen Gedanken an Suizid über kurz oder lang auch in die Tat hätte umsetzen wollen.

Ich stand unter Druck durch das Abitur, sah keinen Platz für mich in der Welt und hatte Angst vor dem Leben. Vor allem aber war ich einfach verzweifelt, weil ich von meinen bisherigen Erfahrungen ausging, keinen Ausweg sah und nicht wusste, wie ich das noch länger aushalten sollte.

Um nun den wildesten Phantasien darüber, wie schrecklich es bei mir zu Hause damals gewesen sein mag, zuvorzukommen: Dem war nicht so. Die Hölle tobte in mir drin. Klar war nicht alles eitel Sonnenschein, aber in erster Linie machte mich die Inkongruenz zwischen meiner Seele und meinem Körper sowie meine damalige Sicht auf die Welt und mein Leben darin fertig.

Meine Freundin war mir in dieser schweren Zeit ein Anker, gab mir Halt, spendete Trost und liebte mich bedingungslos. Sie hörte zu, egal wie scheußlich das war, das ich von mir gab. So sehr ich mich auch hasste, sie fand immer etwas Liebenswertes an mir.

Und die Arbeit mit ihr und den Hunden tat mir gut. Sie lenkte mich ab und ich lernte, mich wenigstens einem Tier gegenüber zu behaupten und die Führung zu übernehmen. Das war immerhin ein Anfang, auf dem alle meine späteren Erfolge in der Therapie basieren.

Mit ihrer eigenen Mutter hatte Irmhild aus Selbstschutz brechen müssen und sie setzte alles daran, mir dazu zu verhelfen, dass ich mich mit meinen eigenen Eltern aussöhnte, um nicht denselben Leidensweg einschlagen zu müssen wie sie. Denn natürlich litt sie darunter, dass sie selbst keine bessere Lösung als einen Kontaktabbruch hatte erreichen können.

Ich denke, in diesem Fall hat sie ihr Ziel erreicht.

Viele andere Ziele gingen unter anderen, noch drängenderen Ideen unter. Sie hatte immer mehrere Vorhaben parallel in Bearbeitung und auf den ersten Blick bot sich stets ein Bild von Chaos aus lauter angefangenen Projekten, die scheinbar nie zu Ende gebracht wurden. Dabei ging es in kaum merklichen Babyschrittchen voran.

Vor allem aber folgte sie ihrer Intuition und tat nichts, das sich für sie nicht auch stimmig anfühlte. Auch das ist etwas, um das ich sie beneidete, weil ich selbst mich so vielen Zwängen unterworfen sah. Ich hatte übersehen, dass ich mich selbst meinen eigenen Vorstellungen davon, wie ich sein oder handeln wollte, unterworfen hatte.

In den letzten Jahren handhabe ich das glücklicherweise anders und wenn es nicht so gewesen wäre, dass wir beide oft sehr lange Rückzugsphasen gehabt hätten, aus denen wir dann unvermittelt wieder auftauchten und uns austauschten als hätten wir uns gerade erst gestern zuletzt gesehen, dann hätten wir uns nochmal getroffen und ich hätte ihr gerne erzählt, wie gut ich mich in der Zwischenzeit entwickelt habe, was zu einem Teil auch ihr Verdienst ist.

Dann wäre sie sicherlich stolz gewesen und vielleicht auch auf sich und nicht nur auf mich.

Leider ist es dazu nicht mehr gekommen, weil sie bereits vom Krebs zu schwach war, als ich nach meiner Psychose gerade wieder zu Kräften gekommen war. Dennoch tröstet es mich, dass sie mir noch geschrieben hatte, dass ich in ihren Augen auch ohne jegliche Veröffentlichung ein „richtiger“ Schriftsteller bin.

Und es war beruhigend, ihr zu schreiben, warum ich mich bei unserer letzten Begegnung so komisch verhalten hatte, weil ich da bereits krank war und sie wissen zu lassen, wie lieb ich sie habe.

Noch habe ich den Baum nicht besucht, unter dem ihre Asche liegt. Es wird Zeit.