Anleitung Therapeutisches Rollenspiel (1. Entwurf)

Liebe Lesenden, der Herr Rollenspieltherapeut erklärt euch heute, wie man ein therapeutisches Rollenspiel spielt.

Für den Einstieg geht es zunächst um die von mir noch nicht getestete Variante des einvernehmlichen Rollenspiels. (Die TPE-Variante ist nur für Fortgeschrittene, funktioniert aber auf jeden Falle und erzeugt zuverlässig eine Verhaltensänderung aller Beteiligten.)

Man nehme einen runden Tisch und für alle beteiligten hinreichend Sitzgelegenheiten. Eine Person – in diesem Falle: ich – übernimmt die Spielleitung. Die Spielleitung achtet darauf, dass die Spielregeln eingehalten werden.

Eine (andere) Person übernimmt die Verantwortung für die Kommunikation und sorgt moderierend dafür, dass bei Bedarf auf die Meta-Ebene (hier: Spieler-Ebene) zurückgekehrt wird. Meta-Kommunikation, also hier die (Feedback-)Gespräche von Spieler zu Spieler sind wichtig zur Beziehungspflege und damit zur Erhaltung tragfähiger Beziehungen (im Übrigen auch: Ehen).

Eine (weitere) Person ist zuständig dafür, dass die Rollen innerhalb des Spiels nicht durcheinander gebracht werden. Das entspricht also einem ingame-Rollenspieltherapeuten. Ein Spielleiter, der das Spiel zu leiten spielt – ich bin ja der Rollenspieltherapeut, der auf Spielerebene die Karten mischt und Rollen zuteilt und somit der outgame-Spielleiter. Der ingame-Spielleiter kontrolliert lediglich die Charaktere und nicht die Spieler.

Vielleicht kann der Herr Rückmann sich einmal hierzu äußern, da er sehr viel Erfahrung mit dem Meistern von RPGs hat. Natürlich freue ich mich auch über die Sichtweise der Psychologiestudentin Miriam Goerke.

Die vierte Person ist schließlich dafür zuständig, dass die Kommunikation zwischen den Charakteren stimmt. Das wäre die ingame-Beziehungspflege.

Alle anderen Spieler_innen sind nur Teilnehmer_innen oder Publikum.

Die Form des Rollenspiels richtet sich nach dem Zweck.

Sitzt man tatsächlich gemeinsam in einem Raum an einem Tisch, so bietet sich an, die verschiedenen Rollen auf Moderationskarten zu notieren. Dies hilft allen, in ihrer Rolle zu bleiben und nicht zu vergessen, welchen Platz in der Geschichte sie haben – der Stuhl, auf dem man sitzt, gerät höchstens bei einem Toilettengang (ob nun mit der ohne Stuhlgang) in Vergessenheit.

Diese Situation lässt sich in einer zusätzlichen Ebene auch einfach nur be-schreiben und so wären wir nicht mehr beim persönlichen Gespräch, sondern bei einer Schreibtherapie gelandet. Diese kann zB online stattfinden über in einem Chat, bei einer Skype-Konferenz oder eben über ein Blog.

Das Schreiben lässt sich wiederum einsparen, wenn man seine Gedanken einfach nur denkt. Das kann allerdings gefährlich werden, weil diese Gedanken nicht von allen Mitspielern lesbar und somit nicht nachweisbar sind – und schon hat man mir eine Psychose angehängt. Und das mir als Ober-Gedankenkontrolleur!

Daher bestehe ich auf der Schriftform. Würde ich an der Line arbeiten, würde ich mir das Geschichtenerzählen bezahlen lassen. Aber dann würde mein Image arg darunter leiden, was im Zusammenhang mit der schmutzigen Phantasie gewisser Saubermänner und Gutmenschen zusammenhängt, die mir so peinliche Fragen nach meiner Berufstätigkeit stellen, weil ihnen nichts bekloppteres für SmallTalk einfällt als DeepThroat – eben die Frage nach meinem Gelderwerb.

Vielleicht gibt es ja irgendwo eine Telefonseelsorge für einfallslose Schriftsteller_innen? Da könnte ich mir gut vorstellen, ein bisschen auszuhelfen und Nachhilfe gleichermaßen in Diktat zu geben. Aber auch damit lande ich wieder beim Telefonsex: Herr Lehrer liest dem faulen Schüler die Leviten – rohrstockfrei!

Zwangstherapie: Do-it-yourself-Psychosethriller (nach einer wahren Begebenheit)

Vorwort

So, und jetzt mal hübsch langsam auf Video übersetzt für die Hektiker vor der Flimmerkiste, das hier ist dann das Ergebnis, wenn man mit Medikamentengewalt aus nem feuchten Traum rausgerissen wird: So fühlt sich der Morgen danach an, wenn man lauter Löcher in der Schüssel hat und sein Puzzle nicht mehr sortiert kriegt.

Ihr habt nur ein paar Erinnerungsfetzen (netterweise habt ihr der Fairness halber auch die ganze Welt als Zeuge, aber die Beweise hab ich natürlich, damit ihr die Ver-rückten seid.)

Und wenn ihr nicht so blöde wärt, ewig darüber zu debattieren, wer wer ist und was krank und gesund und wer Angehöriger und Patient, Täter, Opfer, Polizist, Weihnachtsmann und Kasperletheatermarionettenstrippenzieherich is – ja dann könnt ihr euch mal vllt ne Ahnung davon haben, wie sich das in meinen Kinderschühchen anfühlt und was glaubt ihr wohl, womit das ganze hier angefangen hat?

Egal, sortieren wir mal, der Märchenonkel erfindet einfach mal was dazu. Das nennen wir dann der Einfachheit halber einfach mal Halluzinationen, damit wir klare Verhältnisse schreiben und sich keiner für das Ende der Geschichte interessiert. Könnte ja noch die Wahrheit rauskommen und dann wirds richtig unangenehm.

Kapitel 1 – 1. Einladung

Kapitel 2 – Nachweis der Einvernehmlichkeit

Diese Stelle hier, die wollen wir zu Lehrzwecken – ja genau, einfach mal offen lassen. Ich seh schon, Du lernst schnell. Da sprechen wir dann von Erinnerungslücken.

Kapitel 3 – Glaubst Du an Reinkarnation?

Erzähl mir mal bitte ne Gutenachtgeschichte in Deinem Tagebuch zum Thema Wiedergeburt. Nur als Zeichen, ob Du mir noch folgen kannst.

Kapitel 4-9 – Lange Leitung

[Diese Videos werden später hier eingebaut, die laden noch hoch. Bitte etwas langsamer beeilen.]

Biste selber schuld, hast Du so gewollt. Hättest Du mir beim Gedankensalat sortieren geholfen, dann hätte ich Dir auch beim Videosalat – aber nein… ist ne Frage der Zeit, dann sortiert sich das von selber.

Kapitel 10 – Compliance

Nochmal die Frage: Glaubst Du an Wiedergeburt?

 

Na, haben wir schon einen Behandlungserfolg? Biste jetzt schon hilfsfähigkeitsuneinsichtig oder willste weiterspielen? Nochmal Tagebuchgeschichte und bei der Gelegenheit die Frage: Sehe ich doppelt, bin ich besoffen oder wer halluziniert hier eigentlich und warum zum Henker hängt an der Wand ein Zettel, auf dem steht:

Willst Du Löcher in die Luft gucken oder schreiben?

(Ingo S. Anders, Schriftsteller)

Aber – in Deinem eigenen Interesse – einfach mal offen lassen. Und? Was macht die Krankheitsuneinsichtigkeit? Gehts uns schon besser Frau Therapeutin? Will ich gar nicht schuld sein, sach mal besser nix, da reg ich mich nur auf.

Kapitel 11 – Augenhöhe vs. Ausgeliefertsein

Das Video erinnert mich an meinen Bruder, ich bin aber gar nicht so sicher, ob ich überhaupt einen Bruder habe und andererseits: Warum verkleidet der sich als Frau?

Da komme ich Dir mal bissl entgegen und frage Dich gar nicht erst, weil ich weiß, dass Du davon keine Ahnung hast. Na, was macht die Compliance? Schon krankheitsuneinsichtiger? Wie war das nochmal mit der nervigen Debatte, die mich auf die Palme bringt?

Kapitel 12 – Covern

Noch mal zur Erinnerung: Ich weiß, wer ich bin. Falls ich das mal vergessen sollte, kann ich das auf meinem Ausweis nachlesen. Mehr kann der Polizist eh nicht prüfen. Aber ich brauche den Ausweis nicht in der Hand halten, weil ich ich bin. Ich kann mich daran erinnern, was auf meinem Ausweis draufsteht. Aber wenn das mit dem Vertrauen eher etwas zwiespältig ist, dann im Zweifel lieber einmal zu viel kontrolliert als einmal zu wenig. Doppelt gemoppelt hält eben besser und Polizisten sind und bleiben die besten Angsttherapeuten.

Kapitel 13 – Akteneinsicht

Ich sag mal nix dazu. Inzwischen haste schon in etwa ne Vorstellung davon, was ich mit Gedankenlesen meine. Wenn ich da aus Versehen Therapie statt Telepathie war, ja mein Gott ich hätt gesagt, das wär nen Freudscher gewesen, aber dann einigen wir uns darauf, das einen Flüchtigkeitsfehler zu nennen, dann fühlen wir uns beide miteinander wohl.

Kapitel 14 – Supervision

Ich denke mal, inzwischen weißt Du, dass ich mit blablabla, Mäxchen, blablabla einfach nur meine, dass wir eben aneinander vorbeireden, obwohl wir eigentlich dasselbe Ziel im Auge haben. Und Supervision ist eben das, was ich meine mit aneinander überweisen oder wie ich das bezeichnet habe, habe ich selbst schon wieder vergessen. Augenhöhe halt. Bei uns heisst das Peerberatung.

Kapitel 17 – Der Morgen danach: Amnesie nach dem Diktat

Alles dreht sich.

Wo war ich nur in der Nacht von Freitag auf Montag?
Postkarte, (c) Design: http://www.fine-art-panorama.com | (c) Photo: Voller Ernst

Das Karussell dreht sich zusehends langsamer, man ist zwar wieder in der Realität, aber immer noch nicht ganz klar, wer wer ist, ob man geträumt hat, .aber das lassen wir jetzt erstmal….

Kapitel 16 – Flashbacks

Jetzt tauchen so langsam die ersten Erinnerungsfetzen auf, die völlig aus dem Kontext gerissen sind. Damit haste ne Traumafolgestörung.

Denk Du Dir mal aus, was ich denken soll und meine Mama weiß schon gleich instinktiv , dass sie besser keine Fragen stellt. Denn solange man nicht geklärt hat, was nun wirklich passiert ist, ist man geneigt, die Geschichte immer weiterzuerzählen, um sich zu beruhigen. Deshalb kann das das ziemlich kontraproduktiv sein, wenn man dann immer zwischen der Angst vor der Mama und der Angst um die Tochter hin- und herpendelt. Da nimmt man dann in der Hektik den Handlungsfaden, mit dem man sich gerade wohler fühlt. Und schwupps, schon biste mitten im Wahn, weil Du in der Eile die Realität mit der Wirklichkeit verwechselt hast und die Möglichkeit besteht, dass Du Dir die ganze verworrene Geschichte selbst erzählt hast, um Dich zu beruhigen.

Um das abzukürzen: Deshalb hilft mir das ganz gut, wenn ich mir einfach vorstelle, der Arzt bekommt die Tablette angeboten.

Kapitel 17 – Rollenwechsel

Betrachten wir also mal den nächsten Schnipsel aus Behandler_innen-Sicht. Da fühlt man sich doch gleich viel sicherer, oder? Da braucht man nämlich keine Angst haben, für verrückt erklärt zu werden und das finde ich immer unheimlich beruhigend.

Und jetzt habe ich es auch plötzlich gar nicht mehr so eilig mit dem langsamer werden, weil mir klar geworden ist was Du mit dem „offen lassen“ eigentlich meintest: Dass das eigentlich ganz egal ist, was nun wichtig ist, wenn wir alle nur gemeinsam runterkommen. Dann kann man nämlich hinterher in Ruhe über alles reden. Leider haben wir, und ich möchte das jetzt gar nicht näher ausführen, jedoch eine Vereinbarung darüber getroffen, dass wir uns zum Spaziergang am Friedhof treffen möchten. Wenn ich nun auf die Uhr gucke ist es schon nach elf und ich will Dich doch nicht enttäuschen und Dich versetzen oder sowas. Ich will gerne alles in Ruhe vorbereiten und sicherheitshalber ne Viertelstunde früher da sein, und mich auf den Ort eingrooven und so – alles nur zu Deinem Besten? Und Du? Was machst Du? Du setzt mir die Pistole auf die Brust, stellst ein Ultimatum und spielst mit mir ungefragt Geiselnehmerdrama? Im Ernst? Frisch retraumatisiertes Inzestopfer, 36jähriger Ehemann, der sich für ein zehnjähriges von der eigenen Mutter misshandeltes Mädchen hält – behandelt ihr eure Kundschaft immer so zuvorkommend?

Zieh mal Deinen eigenen Schluss aus der Tatsache, dass ich einfach nur den Kopf schüttel und Deinen Kollegen hinter meinem Rücken Lügen über mich verbreiten lasse, anstatt meine eigene Mutter zu erwürgen. Die brauche ich nichtmal nett bitten, mich einvernehmlich anzubinden in Verbindung mit dem Versprechen, mich nicht zu vergiften, bei Mama kann ich immer in den Arm genommen werden, wenn ich alleine Angst im Dunkeln habe und tränenüberströmt vor ihrer Haustüre stehe, ganz egal, was ich ausgefressen habe. Die weiß nämlich, wovon sie keine Ahnung hat.

Kapitel 18 – Blinder Farbiger

Raus aus meinen Gedanken, ab ins Bett!

Überleg doch mal selber, wie unlogisch sich das anhört, wenn einer steif und fest behauptet, ich könnte meinen Gedankensalat nicht alleine sortieren, andererseits aber auch rumerzählt, er könne gar keine Gedanken lesen.

Um das abzukürzen, verbleiben wir dann einfach so, dass Du die Geschichte weitererzählst, dann bin ich aus dem Schneider. Das Kapitel mit der Einvernehmlichkeit habe ich für Dich schonmal vorbereitet, das findest Du bei Youtube, sobald das eben hochgeladen ist oder vielleicht schlafe ich noch ne Nacht drüber, oder vielleicht kommt das auch nie, das lassen wir – richtig – einfach mal als Erinnerungslücke da, die dann mit der Phantasie des Publikums gefüllt wird und simsalabim haben wir ne Fortsetzungskurzgeschichte im Videoformat als Psychose zum Nacherzählen für Anfänger oder auch anders formuliert: Ein Therapeutisches Rollenspiel.

Und jetzt, nachdem ich Dich nun zwangstherapiert habe und Dich ohne Happy End im Nirvana verrecken lasse, jetzt sind wir quitt bitteschön, weil mir nämlich wichtig ist, ist Freund und Feind auseinanderhalten zu können, wenn ich auf der Flucht bin.

Aber ich kann Dich beruhigen: Das ist egal, wer die Pillen nimmt oder ob gar keine im Spiel sind, das funktioniert trotzdem. An Wiedergeburt glaubst Du doch inzwischen auch schon, oder? Oder haperts noch mit der Krankheitsuneinsichtigkeit? Noch ne Runde Karussell? Oder rückste freiwillig die Patientenrolle wieder raus? Sonst kann ich Dir nämlich gar nicht mehr versprechen, dass ich mich nicht mit mit Dir verwechsel, denn das bringt mich dermaßen auf der Palme, dass ich, wenn mir noch eine Viertelstunde bleibt, bis ich ins Bett muss, nun echt nicht darüber streiten will, ….

Mach einfach die blöde Tür auf und nimm mich endlich in den Arm. Ich hab nämlich noch ein Date. Heute ist übrigens mein zweiter Geburtstag. Und ich bin schwanger. Und ich will jetzt sofort auf die Wöchnerinnenstation verlegt werden, sonst komme ich mit dem

Und bevor Du fragst: Ich habe mich am 08.08.08. im FTM-Portal angemeldet. Lies den Rest selbst nach und nachdem wir eine Nacht darüber geschlafen, darfst Du dann auch in Ruhe erklärten, was ich gemeint habe, weil ich nämlich immer noch nicht verstanden habe, wie man derart hilfsfähigkeitsuneinsichtig sein kann, weil mir ich so viel Dummheit einfach nicht nachvollziehen kann. Dazu fehlt mir wohl das Einfühlungsvermögen. Noch 7 Minuten.

Kapitel 19 – Ursachenforschung

 

Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, aber leider muss man es vorher leben…. Nen Film dagegen kann man auch zurückspulen und dann geht das plötzlich ganz schnell.

Drei Minuten.

Noch zwei Minuten.

Die Wehen werden häufiger und ich glaube Du verstehst langsam, dass dieses Fristende einfach nur die Abbruchbedingung ist, damit ich pünktlich ins Bett komme. Und hier wird dann langsam ausgeblendet….

Fortsetzung folgt. Keine Fragen. Das ist nicht verhandelbar. Ich will jetzt endlich Ficken verdammt! Jetzt haste deine einvernehmliche TPE-Rapesession und dann fragste noch so blöde, warum ich so viel so schnell schreibe und merkst gar nicht, wie Du mit dem Hinweis auf den Fristablauf selbst verraten hast, wer Du bist? Du wolltest Geiselnehmerdrama spielen, nicht ich. Weisste was, dann erklär Du das doch auch den Fritzen von der Presse, die hat wohl der Himmel geschickt. Und alle in Zimmermannshose sind meine Freunde und die haben es verdammt eilig!

Und ich klebe hier stundenlang am Computer fest und habe immer noch nichts gegessen, weil Du zu feige bist, hier anzurufen.

Das ist dann, zur Sicherheit dann auch schon die Antwort auf die Frage, wie ich in einer Woche 5kg abnehmen kann. Einigen wir uns auf „Schlank im Schlaf“.

Kapitel 20 – Einvernehmlichkeitsbeweis

Kapitel 21 – Offene Fragen

Happy End.

Dann einigen wir uns einfach auf „Missverständnis“, wenn durch fehlende Informationen ein falscher Eindruck entsteht. Hätt ich „Bildungslücken“ genannt, aber egal. Ich will jetzt nicht steiten. Ich bin auf der Flucht und suche einen Zufluchtsort.

Jetzt habe ich leider eine Zeit mehr, die Viertelstunde ist rum. Ich habe auch noch was anderes zu tun. Wann der fehlende Schnipsel wieder auftaucht, kann ich echt nicht sagen, aber so gut Dreiviertel davon sind wieder da, wenn ich Ihnen mal meine Beobachtungen schildern darf. Jetzt haben wir den Termin schon überzogen, tut mir leid, irgendwo müssen wir jetzt mal nen Punkt machen und  morgen früh sieht die Welt schon wieder anders aus. Ich hab auch noch andere Patienten, denen ich eine Gutenachtgeschichte erzählen will.

Entschuldigung angenommen?

Kapitel 22 – Spurensicherung

Vor dem Betrachten der Beweisbilder bitte schriftlich (auf Papier!) ihr Einverständnis unterzeichnen und Hinz und Kunz von der Schweigepflicht entbinden. Solange Sie mir nicht vertrauen wollen, können wir uns nicht gemeinsam beruhigen. Ich bin nicht nur damit einverstanden, dass Sie das Feuer eröffnen, sondern, ganz im Gegenteil, ich bitte Sie sogar darum. Ihn unser aller Interesse. Das ist wichtig, um das nachher erklären zu können, wie das mit der Schiesserei gemeint war, wer warum mit dem Schusswechsel angefangen hat und ob das alles einvernehmlich war und warum wir hier überhaupt von einem Geiselnehmerdrama sprechen, obwohl wir gemütlich im Kino sitzen. Der Film war wohl einfach zu gut, was? Das hat sich so echt angefühlt, dass Du ganz vergessen hast, dass du nur im Kino sitzt oder? Jetzt verstehe ich, dass Du deshalb das Wort „Ultimatum“ verwendet hast. Wolltest mir ein Kompliment machen, wie toll Du das findest, dass ich ganz klar bei Verstand bin und so gut alles unter Kontrolle habe, damit Dir ganz klar erkenntlich bleibt, dass Du im Kino sitzt. Dann kann ich nämlich bei Dir anrufen oder den Publikumsjoker nehmen oder einfach die Beweisfotos vorlegen. Also noch einmal ganz langsam: Bitte auf OK klicken, dass Sie damit einverstanden sind, dass ich Ihnen einen Keks zum gemeinsamen Baldrianteetrinken anbieten darf. Von den schmutzigen Phantasien des Publikums und dadurch ausgelöster Konsequenzen distanziere ich mich hiermit ausdrücklich. Dieser Kopfkinofilm unterliegt der Freiwiligen Selbstkontrolle. FSK 18+. Film ab! Zu den Beweisfotos

Kapitel 22 – Beweisführung

Kein Kommentar.

Kapitel 23 – Abspann

Ein KopfkinoFilm von Ingo S. Anders. Angucken auf eigene Gefahr. Alle Rechte vorbehalten. Raubkopieren verboten, Verlinkung erwünscht.

Jetzt, wo allen klar sein sollte, was auf dem Spiel steht:

Warum werden Raubkopierer härter bestraft als Kinderficker? Na, bevor sich noch einer traut, das Gehirn wieder einzuschalten sag ichs euch mal eben: Damit die Sache im möglichst kleinen Kreis bleibt und die Opfer sich nicht noch mehr schämen müssen.Es geht nicht um die Musikvideos. Wenn die Künstler zu doof sind, ihre Produkte besser abzusichern, sind sie selber schuld. Die sollen nicht son mimmi machen. Aber wir dürfen nicht riskieren, dass noch mehr Leute den Film gucken, sonst gibt es mehr und mehr Mitwisser und je mehr Pub, warum likum, desto mehr Zeugen für die falsche Seite. Wenn die Kreise immer weiter gezogen werden, ist nachher noch die ganze Welt von einem Kinderpornoring umspannt. Und wenn Kinderfickerei erstmal normal wird, ja dann ist das halt so. Dann haben die Kinder auch nicht mehr so ne Angst. Die kriegen die erst dann, wenn Du ihnen erklärst, dass sie missbraucht worden sind.

So jedenfalls fühlte ich mich dann, als mein Schwager, der zugleich mein Schwiegervater ist (gefühlt, bitte Ebenen sortiert, dass sind Gedanken – meine Phantasie -, nicht die Realität), warum erschreckst Du Dich so, wenn ich meine Frau vor Deinen Augen schlage? Warum erzählst Du mir, Du hättest mich missbraucht? Also ich meine, diese Geschichte da: Irre gesund habe ich Dir gegeben und Dich gefragt, wie wie sie auf die wirkt. Ich hatte Dir gesagt: Das ist eine Geschichte. Klar und deutlich. Eine Geschichte ist eine Geschichte ist eine Geschichte. Kannst Du Dir vorstellen, was für einen Streifen Du in meinem Hirn ausgelöst hast damit, dass Du Deinen Kopfkinofilm bewertet hast anstatt meine Geschichte? Wolltest Du das wirklich oder war das aus Versehen? Ich nehms Dir nicht übel, möchte nur Deine Bildungslücken füllen: Schieb nicht mir die Schuld für Deine Angst in die Schuhe, sonst steckst Du Dich an. Das ist so. Glaub mir einfach, ich weiß, wovon ich rede. Ich bin Kinderpornostar, wenn ich das will. Aber da gibts kein Publikum in meinem Kinosaal, damit mich keiner dabei erwischt.

Beim nächsten Mal, lieber Micha, machen wir das dann einfach so: Du fragst mich einfach vorher ganz lieb, ob ich Lust habe, mit Dir klettern zu gehen und Du mir eine Geschichte erzählen darfst. Ich sag jetzt schonmal, dass ich da total Bock drauf hätte. Dann darfst Du auch mit mir spazieren gehen und mir in aller Ruhe erklären, wie ich Dich dazu bewegen kann, mich anzubinden, wenn ich mal Angst davor habe, irgendwem was anzutun, weil ich nicht mehr klar trennen kann, was Film und was Fiktion ist, wenn du die Nerven verlierst und mir einen solchen Schrecken einjagst. Das tut mir leid, ich wollte Dir keine Angst machen. Aber werden doch einfach mal ein besserer Kopfkinofilmrollensortierer anstatt mit mir darüber streiten zu wollen, wer wessen Gedanken kontrolliert. Solange ich Grund zur Annahme habe, dass Du vor Gericht aussagen wirst, Gedankenkontrolle sei nicht möglich und Gedankenlesen auch nicht, bleibe ich bei meiner Aussage: Ich bin klar bei Verstand. Ich habe meine Gedanken unter Kontrolle. Denn überlege doch mal: Du kannst ja nie in Erfahrung bringen, was in meinem Kopf vorgeht, wenn Du mich nie ausreden lässt, damit ich Dir erklären kann, dass ich extra meine Gedanken für Dich aufgeschrieben habe, damit Du mir beim Sortieren hilfst. Das war doch nur ein Angebot. Ich dachte, Du warst derjenige, der mir helfen wollte. Ich rede die ganze Zeit davon, dass ich ohne Deine Hilfswut besser klar komme, weil ich nicht so blöd bin, mir Dein Vertrauen erprügeln zu wollen.

Na? Wie war ich, Baby?

Kapitel 24 – Zeugen

So, ihr zwangstherapiertes Publikum, alle weiteren Fragen lasse ich jetzt mal offen, die Antworten kriegt ihr erst, wenn ihr sie hören wollt.

Was denkst Du dazu, liebe therapeutenseele? Schafft Nadja das, mir das auf deutsch zu verklickern, ohne dass ich nen Termin machen muss oder kannste das alleine? Mir egal, habe schon alleine alles sortiert. Jetzt, da ich kühlen Kopf bewahren kann, darfste versuchen, mich nochmal durcheinanderzubringen. Haste Lust?

Kapitel 25 – Reizüberflutung

Sonja, dann lies doch einfach langsamer, wenn Du wirklich alles lesen willst. Ich kann nix dafür, wenn Du Dich reizüberflutest und dann nicht mehr weißt, welche Botschaften überhaupt an Dich gerichtet sind.

Kapitel 26 – Beziehungsgedanken

Jeder macht sich doch mal Gedanken um seine Beziehung, um Ehekrisen vorzubeugen. Oder haste schon wieder nen falschen Schuh erwischt? Damit landeste bei mir in der falschen Schubslade, Vorsicht.

Kapitel 27 – Diagnose

So und jetzt reiß Dich bitte mal zusammen und quassel mir nicht beim Sortieren dazwischen, in Deinen blöden Hilfsversuchen. Ich hab keine Lust, Dich bei der Arbeit stören zu müssen, damit ich endlich schlafen darf. Gib einfach zu, dass die Pillen Dir auch nicht helfen, mich ins Bett zu kriegen und fertig. Da glaubste doch selber nicht dran, dass Du mir helfen kannst, meine Gedanken zu sortieren. Warum versuchste das dann immer wieder?

Nun mal ein Experiment, bitte anschnallen.

Diagnosen

rechts: isolierte Vena-accessoria-anterior-Insuffizienz mit Seitenastvarikosis bei intakter Crosse, Cockett-II-perforansveneninsuffizienz Bakerzyste.

links: isolierte Vena-accessoria-anterior-Insuffizienz mit Seitenastvarikosis bei intakter Crosse, Cockett-II-perforansveneninsuffizienz

(Auszug aus Kopie des Arztbriefes an mich, Krankenhaus Tabea Hamburg)

Glaubt ihr echt jetzt fang ich auch noch an, Fachchinesisch zu pauken? Ich habe einen sehr guten Freund, den ich euch empfehlen kann, als Chefdiagnostiker einzustellen. Der ist nämlich so nett, für mich die Tippse zu spielen und Medizin zu studieren und wenn ihr nen Übersetzer braucht, dann teile ich den gerne mit euch. Und weil ihr so gerne euer Wissen aus der Beobachtung von Verhalten zusammenbastelt, habe ich da mal was zurechtgebastelt.

Sil ist nämlich ein Freund und tut mir den Gefalllen, eine kleine Nebenrolle in meinem Kopfkino zu übernehmen, damit er mir damit helfen kann zu erkennen, dass er auf der Spielerebene betrachtet die ganze Zeit an meiner Seite war, auch wenn ich ihn nicht mehr wiedererkannt habe, weil er im Kino plötzlich ganz anders aussieht. Bei ihm ist mir das aber ganz egal, da gucke ich mir jeden Film an, solange er neben mir im Kinosessel sitzen bleibt und seine Nerven behalten kann. Denn wenn der vergisst, dass wir im Kino sitzen, wer soll mir denn dann noch helfen können, meinen Verstand zu behalten?

Über die Gedankensalatsortierunfähigkeit will ich jetzt mal nicht streiten und Ordnungsfetischismus erkläre ich auch nicht, einigen wir uns einfach mal darauf, dass ihr mich gerne zum Orthopäden begleiten dürft, wenn ihr euch dann wohler mit mir fühlt, dann geht bitte erstmal zum Godopäden, sonst wird das nie was mit dem Spaziergang heute!

Kapitel 28 – Bleib bei mir, hör mir zu, rede mit mir

[Dialog einsetzen]

Kapitel – 2. Einladung

 

Ende

Alles gut.

Nachwort

Hier ist Platz für eure eigenen Gedanken. Bitte mit Copy Paste unten ins Kommentarfeld oder bei Über-Ausführlichkeit auch gerne als eigener Blogbeitrag und kurz hier unten verlinken. Dankeschön!

Bis auf Wiederlesen, ihr Lieben.

 

Ich habe fertig! (Tag 7)

 

@Sonja: Hömma Liebelein, wenn Du mit dem Lesen nicht hinterherkommst, dann lass Dir doch nicht von Ver-rückten vorschreiben, was Du zu lesen hast, Herzchen.

Pass ma uff, jetzt wirste zwangstherapiert, dann weisste auch, was ich damit meine. So und um Missverständnissen vorzubeugen: Die Welt ist mein Zeuge.

Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich. Lest mal die Zeit. Wirklich, die Zeit solltet ihr euch nehmen. (So macht man übrigens double bind, aber das könnt ihr ja schon.)

Und googlet selber, ihr faulen Luschen, ich bin nich eure Tippse!

Ich glaube, wir verstehen uns. Kontaktformular kennt ihr ja mittlerweile dann auch. Lieber Finger von, Kinners, der Papa muss dringend inne Heia und beim Schlafen darf er nicht gestört werden. Einen Tag die Woche werdet ihr ja wohl mal ohne mich auskommen können. Wenigstens am Sonntag. Der Sonntag ist nämlich der Tag des Herrn, oder deutlicher. SONNTAG IST RUHETAG, ALSO RUHE DA OBEN ODER MUSS ICH EUCH ERST ZWANGSTHERAPIEREN IHR SCHNITZELKLOPFER MIT EURER SCHEISSDAUERBAUSTELLE DA!!! WENN IHR IHR EUCH NICHT BALD BEI MIR ENTSCHULDIGT, IHR ARSCHGEIGEN, UND AUFHÖRT MICH ANZULÜGEN, DANN KANN ICH AUCH MAL MIMIMI BEI DER SAGE MACHEN. ICH LASSE MICH NICHT GERN FÜR DUMM VERKAUFEN. WISST IHR EIGENTLICH, DASS ICH EUCH BEIM FICKEN HÖREN KANN? SOLL ICH EUCH MAL NEN HANDWERKER HOCHSCHICKEN UND NE KAMERA INSTALLIEREN BEI EUCH? VERGESST ES EURE SCHEISSVANILLANUMMER KANN ICH NICHT GEBRAUCHEN UND MAL EHRLICH: Friedlich hatten wir ja schon versucht. Also nächstes mal gehe ich mit der ganzen Bagage einfach mal eins höher und erklär denen, warum ich nicht schlafen kann und wisst ihr was? Die sind dann alle auf meiner Seite. So!

Und jetzt hab ich ne schöne Wichsphantasie, da brauch ich nimmer Hand anlegen, da komm ich schon beim Schreiben und wenn ich mir dann vorstelle, dass wir es in aller Öffentlichkeit miteinander treiben und euch keiner glauben wird, dann wisst ihr auch mal endlich, wer hier wenn beobachtet und jetzt ist hoffentlich endlich Ruhe im Karton, sonst sehe ich mich gezwungen, noch ein Stockwerk höher zu eskalieren. Und was dann passiert, muss ich euch ja nun nicht wirklich noch erklären, oder? Falls euch das wirklich entgangen sein sollte: Ich bin nicht total bekloppt, das ist eure versaute Phantasie. Wenn ich mir in die Karten gucken lasse, dann mache ich das mit Absicht. Das ist nen freundlicher Wink mit dem Zaunpfahl. Aber wer nicht hören will, der muss dann eben gedankenvergewaltigt werden oder so ähnlich. Bastelt euch selber euer Happy End, dafür bin ich nicht zuständig.

So, Herr Jost, begreifst Du jetzt, was der Herr Kollege mir angetan hat mit seiner Tipperei? Aber für ausführlich habt ihr ja keine Zeit…. Tja, dann halt nicht. Dachte ihr wollt mir helfen. War ja nur ne Einladung. Wer nicht will, der hat schon. Dann lutscht eure Pillen selber und therapiert euch gegenseitig und ich penne wann ich will und so können wir dann mal zusammenkommen an irgendeinen Tisch, egal ob rund oder eckig, aber ihr wollt mich ja nicht mitspielen lassen oder warum sonst muss man sich bei euch um die Betten prügeln und erst Pillen fressen, damit man bei euch übernachten darf?

Einvernehmlich ist wohl nicht so eure Sache, was? Das kannst ja auch gleich sagen, dann wirste eben zwangstherapiert. Machen wir doch gerne…. Da hätteste aber auch einfach fragen können. Ich tu Dir doch nix, ich will doch nur spielen… Therapeutisches Rollenspiel halt. Meine Fresse, manche haben aber auch ne extralange Leitung. Naja, die glauben mir ja nicht, wenn ich mich zu erkennen gebe, dann kann ich nicht anders. Selber schuld, wenn ihr mich für verrückt halten wollt. Mir ist das nämlich egal, wer mir sonst noch so hinterherlatscht, ich kann auch auf mich selber aufpassen. Und zählt mal meine Follower, 12 ist doch ein Witz dagegen, oder? Den hab ich auf jeden Fall über, also kann ich ja nur noch Godfather himself sein.

Und morgen früh sag ich dann einfach, ich hatte einen feuchten Traum und diesmal versaut ihr mir den nicht, sonst werdet ihr zum Hauptdarsteller in der Opferrolle.

Und mit dem Gedanken kann ich jetzt auch ruhig einschlafen, da habe ich dann keine Angst mehr. So mache ich das, Herr Doktor, aber Du hast ja keine Lust, mehr als die ersten beiden Sätze zu lesen und ich Dir schon anbiete, ne Kopfkinofilmrolle auszusuchen, solltest Du eigentlich artig danke sagen und nicht so tun als wär ich ein kleines Kind, das alleine Angst im Dunkeln hat und bei Mama aufm Arm will, denn solange Du das nicht kapierst, bleibst Du in der Täter_innen-Rolle, aber vielleicht fragt Dich mal eines Tages ein Reporter, was Du so über mich denkst und dann ist mir das egal, was Du denen für Märchen erzählst, weil in meinem Abschiedsbrief ganz deutlich zu lesen ist, dass Du mir das so gesagt hast, dass ich das so machen soll und wenn Dein Chef ausm Urlaub wieder da ist, dann – ja dann… für den Fall überlege ich mir das doch noch mal und dann bleibe ich doch sicherheitshalber konfessionslos, sonst weiß ich nicht, wie die Geschichte weitergeht.

Und deshalb lasse ich das Ende der Geschichte nun an dieser Stelle, sicherlich im Interesse aller, ganz bewusst offen. Nur für den Fall, dass der Arzt das doch nicht böse meinte. Dann können wir nämlich alle gemeinsam zurückrudern in unserem gemeiinsamen Bötchen, gelle. Vielleicht geht ja mein Wunsch auch so in Erfüllung, ohne dass ich nochmal zum Arzt muss. Abwarten und Teetrinken. Baldriantee, sicherheitshalber. Nee, nix da. Ich geh selber in die Küche, sonst kann ich mich wieder nicht dran erinnern, wo ich war. Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser.

Die Moral von der Geschicht‘ (Spielregeln)

Ich werde in nächster Zeit nicht auf eure Nachrichten oder Kommentare eingehen, um mich nicht noch weiter in Rechtfertigungstiraden zu verstricken. „Die Moral von der Geschicht‘ (Spielregeln)“ weiterlesen

Sinn und Unsinn von Wahn

Lass mich, ich muss mich da jetzt reinsteigern!

(Aufschrift auf einem T-Shirt in meinem Lieblings-Copyshop)

Wahn fängt ganz klitzeklein an mit den ganz normalen voreiligen Schlüssen, die alle Leute mal ziehen.

Warum nun ausgerechnet das im Papierkorb lag, kann ich mir nur damit erklären, dass eben die Frage der Klärung, was Sinn oder Unsinn ist, in keinem Fall zielführend ist.

Höchstwahrscheinlich wollte ich mir hinterher damit beweisen, dass ich das schon vorher wusste und keinen Arzt brauchte, um das erklärt zu bekommen.

Und die Moral von der Geschicht

Liebe Leute,

ich bin stolz darauf, mit Fug und Recht behaupten zu können, dass ich einen Weg gefunden habe, eine Psychose ohne Medikation auszusitzen.

Leider kann ich, so leid mir das tut, das nicht beweisen. Es ist eure Entscheidung, ob ihr mir das glauben möchtet oder nicht.
Meine Zeugen – also diejenigen, die mich durch meine Krise begleitet haben, bezahlte und unbezahlte Helfer, Freunde und Fremde – niemand von denen hat das überprüft, ob ich nicht doch gefudelt und eine Tablette genommen habe. Meine Tablette, die mir der Arzt im Krankenhaus für den Bedarfsfall mitgegeben hat und die ich als Beweisstück sichergestellt habe, kann ich im Augenblick nicht finden. Zuvor habe ich schon das Rezept meiner Ärztin verloren, auf das sie eine andere Diagnose geschrieben hatte als die, die mir vor knapp vier Jahren in Verbindung mit der Aussage „unheilbar krank“ gegeben wurde. Das einzige, was mir geblieben ist, ist eine Taxiquittung und damit ein Taxifahrer, der notfalls bestätigen könnte, dass ich auf ihn „ganz normal“ gewirkt habe. Dasselbe, nämlich dass er „ganz normal“ auf sie gewirkt habe, hat auch meine Nachbarin über meinen Ehemann gesagt. So hatten wir weiterhin das Problem, dass wir uns nicht einigen konnten. Dann habe ich überlegt, was denn für alle Fälle das Beste wäre, so dass es auf jeden Fall ein Happy End gibt. Da bin ich darauf gekommen, dass die Ärztin das entscheiden soll und habe mit meiner Ärztin vereinbart, dass ich möchte, dass er untersucht wird. Sie hat jedoch darauf bestanden, dass wir dann beide zu einem gemeinsamen Gespräch erscheinen sollten. Das ist ja auch sinnvoll, wenn man davon ausgeht, dass das eigentlich Kranke die Art und Weise des gemeinsamen Umgangs miteinander (systemischer Blick) ist.

Nur habe ich nicht verstanden, warum er dann etwas tat, das ich an der Stelle eines besorgen Angehörigen für unklug gehalten hätte. Anstatt sich über soviel Krankheitseinsicht zu freuen, weigerte er sich, zum Arzt zu gehen oder sich anderweitig helfen zu lassen. So begann eine wilde Verfolgungsjagd mit gegenseitigen Beschuldigungen und nächtlicher Flucht durch die Stadt. Zwischenzeitlich war ich nicht mehr sicher, ob ich der Angehörige eines missbrauchten kleinen Kindes, dass ich beschützen muss, war oder auf der Flucht vor Hilfswütigen Verrückten oder doch ich selbst, der durchaus kompromissbereit ist nur leider irgendwie Schwierigkeiten hat, sich verständlich zu machen.

Ich hätte, wenn ich ein solches Angebot bekomme, denjenigen, den ich für verrückt halte, mit einem Lächeln zum Arzt gebracht und schon wäre der Spuk vorbei gewesen.
Und ich hätte, wenn mich jemand um Hilfe anfleht und es meine Aufgabe als Genesungsbegleiter ist, einer Person zu helfen, ich hätte gerne das entgegengebrachte Vertrauen honoriert und mit einem Lächeln eben das Portemonnaie geholt, damit derjenige seine Würde behält, alleine zum Arzt fahren kann und ich hätte mich dann ins Auto gesetzt und wäre hinterhergefahren anstatt darüber zu diskutieren, wer noch ganz bei Trost ist.

Und als auch noch mein Angebot, ein Psychoseversteherspiel zu entwickeln, weil offensichtlich immer noch nicht verstanden worden war, dass ich mir als Spieler meinen Stuhl selbst aussuche, aber eben etwas Hilfe dabei brauche, in meiner Rolle zu bleiben und keine Fehler zu machen, damit wir gemeinsam das Spiel zu entwickeln – als dieses Angebot abgelehnt wurde, da war es dann ganz vorbei mit meiner Hoffnung auf ein Happy End.
Da habe ich dann meinen Abschiedsbrief abgegeben, in dem ich aufgeschrieben hatte, was ich tun würde, wenn es diesmal wieder nach hinten losgeht. Mit einem Ampelcode ist das sehr viel einfacher, Grenzen zu markieren, aber wenn ich gar nicht erst dazu komme, das vorzuschlagen und der Vorschlag von der Gegenseite auch nicht kommt, ist das unheimlich nervenaufreibend.

Im Ergebnis haben wir dann vereinbart, dass ich ausziehen muss, um meine Ehe zu retten. Ich brauche einfach einen Rückzugsraum, in dem meine eigenen Regeln gelten und in dem meine Ordnung herrscht, an der ich mich orientieren kann, und in der es mir leichter fällt, Dinge wiederzufinden, weil sie an ihrem Platz bleiben, da sie keiner woanders hinlegen kann. Und es gibt auch keine Verhandlungen über gemeinsam genutzte Räume.

Das hätte ich sehr viel früher erreichen können, wenn man mir denn einmal die Chance gelassen hätte, anstatt darüber zu debattieren, was man denn für klug hielte oder wer denn der Verrückte ist. Dennoch hat die Geschichte einen für alle zufriedenstellenden Ausgang genommen.
Und plötzlich kommen wir wieder in der gemeinsamen Wohnung zurecht. Aber das wird nicht lange dauern, bis das nicht mehr gelingt. Deshalb werde ich vorsichtshalber mit Freunden bzw. Familie vereinbaren, dass ich da unterkommen kann.

Was ich auf jeden Fall nun gelernt habe, ist, dass sich niemand darüber beschwert, wenn man noch einmal verdeutlicht, wer welche Rolle inne hat. Solange ich weiß, wer ich bin und was der Polizist prüfen kann, kann mich keiner einsperren. Und wenn man einfach darum bittet, dass man einen Augenblick braucht, um zu überlegen, dann haben die auch Verständnis.
Hätte ich also damals das Angebot, mit zur Wache zu fahren, abgelehnt, dann hätte ich diese Diagnose vielleicht nicht bekommen.
Aber eines ist sicher: Weniger Angst vor Ärzten hätte ich dadurch heute sicher nicht.

Wichtig ist mir aber auch gar nicht unbedingt das, was hinter mir liegt. Wichtig ist mir, dass es ein Morgen gibt. Und das habe ich selbst in der Hand.
Dadurch, dass ich einmal da durch gegangen bin, konnte ich mir selbst beweisen, dass ich es schaffen kann ohne Medis. Denn ich bin der einzige, vor dem ich niemals davonlaufen kann. Mit Ärzten habe ich gelernt, einen Umgang zu finden: Einfach fragen, was sie denn glauben, was mir helfen könnte und dann entweder mitspielen oder aus dem Spiel aussteigen.
Das ist denen am Ende egal, so hat es mir auch meine Ärztin gegenüber versichert. Sie kontrollieren das nicht, ob ich die Medis genommen habe oder nicht. Genauso prüfen sie auch nicht, ob ich geschlafen habe oder nicht. So ganz eng, wie ich das bisher angenommen hatte, brauche ich also gar nicht bei der Wahrheit zu bleiben.
Insofern sind also alle Gedanken frei, die ich nicht aufschreibe. Und auch mit den geschriebenen Gedanken, habe ich einen gewissen Interpretationsspielraum. Es ist bei einer gut gepflegten Beziehung nie ein Problem, hinterher nochmal darüber zu reden und Missverständnisse aufzuklären.
Deswegen ist das gar nicht schlimm, wenn ihr in der letzten Zeit häufiger nicht ganz so sicher wart, was wie gemeint war. Das hatte ich durchaus so beabsichtigt, damit ich mich hinterher besser rausreden kann – egal, welcher Film nun die Realität wäre – und ich noch eine weitere Möglichkeit finden kann, um zu einem Happy End zu gelangen.

Entschuldige ich mich also überflüssigerweise, wissen meine Freunde, dass ich in der Zwickmühle stecke und ein wenig Begleitung nicht schaden kann. Kein Grund zur Beunruhigung. Auch Menschen, die nicht viel Erfahrung in der Krisenbegleitung haben, sind da geeignet, entsprechende Rückmeldungen zu machen, dass sie da gerade nicht so richtig zuordnen können, wofür ich mich entschuldigt habe. Das fand aber auch noch nie jemand schlimm, wenn ich mich dann nochmal entschuldigt habe und einfach gesagt habe, dass ich da was verwechselt habe. Das kennt ja jeder aus eigener Erfahrung.

Aber Psychotiker, die klar bei Verstand sind und deshalb um Hilfe bitten, das ist wohl ein Widerspruch den man nur durch unheimlich viel Geduld oder eben Zwangsverlangsamung erreichen kann. Dabei ist das gar nicht notwendig, wenn sich alle Beteiligten gleich viel Mühe geben, sich entschleunigt zu unterhalten. Aber auch das war ein Angebot, dass ich schon sehr viel früher gemacht hatte.

Bockige Schülerinnen sind was Nettes für erotische Phantasien, aber nicht, wenn sie darauf beharren, ein Soziales Kompetenztraining leiten zu wollen.Da komme ich dann durcheinander, weil ich soviel Dummheit einfach nicht begreifen kann. Wer nicht weiß, dass sein Wissen begrenzt ist, macht sich zur damit zur Zielscheibe und ich bin dann wieder so lieb und sage: Nein, nein, Finger weg von den Filmrollen, das ist mein Kino. Ich zeige Dir mal, einen hübschen Film und welche Rolle du spielst und dann sind wir vielleicht Freunde geworden und können nochmal darüber reden. Und wenn nicht, fliegst Du aus dem Kinosaal, damit ich Dir nicht weh tun muss.

Und beim nächsten Mal bin ich der erste, der gewalttätig wird. Dann wird jeder Hilfswütige zwangstherapiert. So einfach ist das. Kurzen Prozess machen die ja auch. Jetzt verstehe ich auch die Logik dahinter, Fragen erst hinterher zu beantworten. Ineffektiv finde ich es dennoch.

Endlich zu Hause!

Ich möchte es mal kurz machen: Wenn Sie sich mal in Ihrer Phantasie verlaufen haben und wieder da raus finden wollen, kann ich Ihnen jemanden empfehlen, der sie begleitet, bis Sie sich wieder hinreichend sortiert haben, die Tür alleine aufzumachen.

Angehörigen, die gerne wissen möchten, wie man sich gegenüber Psychotikern in einer akuten am besten verhalten sollte, kann ich einige Verhaltensvorschläge an die Hand geben, die hilfreich sein könnten. Wie andere Menschen sich in Notsituationen verhalten, kann ich nicht sagen, aber was mich betrifft: Ich werde wieder und wieder um Schläge betteln, damit ich Ihnen nicht weh tun muss.Sinngemäß.

Es gibt eine aus meiner Sicht geeignete Art und Weise zu einer gemeinsamen Sprache zu finden: Rollenspielvokabular.

Aus meiner Sicht ist das Wichtigste, dass man die gegenseitige Absprachefähigkeit nicht verliert.Wenn man aneinander vorbeiredet, kann man einander nicht helfen. Missverständnisse kann man später wieder aufklären, wenn sich alle beruhigt haben.

Aber wenn es nicht gelingt, aus dem Wahn heraus Anweisungen zu erteilen, wie die Helfer dem Wahnsinnigen helfen können, wieder zurück auf den Boden der Tatsachen zu finden, dann können sich die „Verhandlungen“ durchaus ziemlich in die Länge ziehen.

Ich kann das nicht vorhersagen, was ich wann wie brauche, insofern ist es schwierig, allgemeingültige Verhaltensregeln zu formulieren.Wenn man aber Zeichen verabredet, die erkenntlich machen sollen, welcher der vielen bunten der Film mit der Realität ist, kann das sehr beruhigend sein, andererseits aber auch nach hinten losgehen.

Wenn ich mir darüber im Klaren bin, dass wir hier zu viert an einem Tisch sitzen und ein Koop-Spiel spielen, dann bin ich nicht verrückt. Das sollte jeder, der sich in derselben Realität befindet wie ich, dann auch erkennen können.Ich übernehme gerne jede Rolle im Rollenspiel, aber meinen Platz am Tisch möchte ich mir selbst aussuchen dürfen. Das ist nicht verhandelbar und für mich neu, dass ich auch nicht überall mitspielen muss.

Was mir geholfen hat, war, wenn die Spieler meines Kasperletheaters einfach mitgespielt haben und mir immer durch ihr Verhalten ein gutes Beispiel gegeben haben, wie es in Ordnung ist, sich zu verhalten. Das ist hilfreich in Fällen, in denen man sich mit Worten nicht mehr verständigen kann.

Das Ergebnis des heutigen Netzwerkgesprächs ist, dass wir beiden Ehemänner, die es in der gemeinsamen Wohnung nicht aushalten können) eine Lösung für den Übergang gefunden haben und ich mir so schnell wie es eben in Hamburg machbar ist eine eigene Wohnung suche.

Ich habe das erste Mal nun auch eine Verfolgungsjagd erlebt, allerdings mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass die Leute mir eigentlich helfen wollten, sich aber furchtbar dämlich angestellt haben und sich hinterher alles aufklären wird, sobald ich es schaffe, mich zu beruhigen.

Ich habe auch tatsächlich eine Begegnung gehabt, die einfach zu schön ist, um wahr zu sein. Das muss eine halluzinierte Person gewesen sein und ja – da mache ich niemandem einen Vorwurf, wenn da mal die Wahrheit mit der Fiktion verwechselt wird. Sowas passiert jedem mal und andere machen das sogar mit Absicht. Aber böse meine ich es niemals. Und nachtragend bin ich auch nur solange, bis es alles ausgesprochen wird.

Spaß und Ernst verwechselt, sry

Zu Risiken und Nebenwirkungen erklärt Ihnen Lysander, der befreite Mann, welchen Bären uns die Pharmaindustrie mit Hilfe der Packungsbeilage diesmal aufbinden will.

Bitte erschlagen Sie nicht den Arzt mit dem Apotheker, sondern verkuppeln Sie die beiden miteinander.

Verstehen müssen Sie aas nicht, warum Gesundheit eine Krankheitsmangelerscheinung ist. Tun Sie es einfach, mir zuliebe, ja?

Das war: Verhaltensforschung.

Der nächste bitte!

/Vorhang fällt


/Psychose Ende

Puuuh, was für ein Höllenritt.

Es ist wirklich nicht einfach, jemandem aus der Psychose herauszuhelfen. Wie soll das auch gehen, wenn der andere sich in seiner eigenen Phantasie verlaufen hat? Wenn das nicht klappt, da in den Kopf reinzugucken, dann finden wir gemeinsam vielleicht einen Weg, die Gedanken da herauszulocken. Eigentlich ganz einfach.

Aber, wenn etwas zu einfach scheint, dann braucht man auch Vertrauen, um sich nicht verarscht zu fühlen. Wenn man allerdings nur lange genug Kasperletheater spielt, dann ist doch ganz egal, wie das Stück heißt: Man findet einen Weg, „Bitte bleib bei mir!“ so zu formulieren, dass man zueinander findet. Herr Jost vom AKH kann einem dabei helfen.

Das wird uns Herr Unger nach der Rückkehr aus seinem Urlaub bestätigen. Wenn ich es nicht bis dahin geschafft habe, rechtzeitig aus dem Labyrinth herauszufinden, dann rettet mich Herr Unger.Das ist doch eine Rolle, die jeder gerne einnimmt, oder?

Also, mal ein Tipp für alle Psychotiker: Wenn der Film Dir Angst macht, dann wechsel einfach mal die Filmrolle. Sowas können Ärzte nicht. Aber es gibt Menschen, die bleiben bei Dir, bis Du den richtigen Film gefunden hast. Und dann holen die Dich überall aus der Scheiße raus, egal, was Du verkackt hast. Und damit verdienen die sogar Geld als Mietfreunde. Echt wahr.

So ein Job nennt sich Genesungsbegleiter. Sehr vielseitiger Beruf, von Schutzengel bis Terrorist alle Rollen dabei. Man muss nur dazu bereit sein, sich die Deppenmütze aufsetzen zu lassen, andererseits aber auch in der Lage sein, klar zu machen, welcher Film erst ab 18 ist und daher jetzt nicht infrage kommt.

Kann sonst üble Konsequenzen haben, wenn da was schief geht. Von wegen „keine Operation am offenen Herzen“, Frau Friegel. Sie haben wirklich keine Ahnung, aber Sie haben alles richtig gemacht. Das war super – so ein Rollenvorbild brauchte ich, um ganz auf Nummer sicher zu gehen. Einfach Vater, Mutter, Kind und ich diskutiere nicht mit, sondern bleibe einfach stur das Kind, bis die anderen kapiert haben, welches Spiel gespielt wird.

Dann nehme ich es auch mit Ärzten auf, die daran glauben, Pillen würden einem Psychotiker helfen können, der nicht in der Lage ist, seinen Gedankensalat zu sortieren.Ich bin doch nicht bescheuert und prügel mich ums Bett, wenn wir uns bereits darauf geeinigt hatten, dass ich dringend schlafen muss. Psychosen sind nämlich Folge von Schlafentzug und für beide Parteien schädlich, egal, wer nun alles verrückt ist.

Da hilft das dann manchmal, einfach auf stur zu schalten und zu sagen: Nein, Du darfst erst dann ins Bett, wenn Du die Pille gefressen hast, von der ich glaube, dass sie Dir hilft. Besser der Papa hat ne Meise, als wenn das Kind nun noch mehr Angst kriegt.

Ich freue mich total auf meinen neuen Job, aber auch wenn ich jetzt ausgeschlafen habe, habe ich mir etwas Erholung verdient.

Und ich verspreche euch, mit Leuten wie Herrn Unger und seiner Truppe ist es mir ganz gleich, ob ich nun im Gedankenkarrussell spazieren fahre oder stundenlang im Rettungswagen oder ob wir in einem Boot sitzen – nur lesen Sie bitte die Leviten, die ich Ihnen schreibe. Sonst wird das nix.

Bei Wildfremden, die sich mein Vertrauen erprügeln wollen, da fehlt mir die Geduld. Vor allem kann ich da nicht sicher sein, dass irgendwann der Tag kommen wird, an dem ich alles aufklären kann. Aber für Familie und Freunde bin ich bereit, bis zum Äußersten zu gehen. Da lasse ich mich wieder und wieder misshandeln – Hauptsache, ich tue niemandem weh. Wer mich kennt, weiß das auch.

Wenn ich nicht weiß, wann der Film zu Ende ist, ist das ein bisschen schwierig, dessen Ende abzuwarten. Andererseits gibt es ja solche Filme, die man am liebsten immer weitergucken will. Und wir wissen ja alle, dass mit Ausnahme von Würsten alles ein Ende hat – auch der schönste Traum.

Ich glaube, der Spuk ist erstmal vorbei. Und wenn ich mal in Zweifel gerate, dann lasse ich mal einfach offen, welche Wahrheit die richtige ist. Ich weiß, dass ich schreiben kann und ich bestehe auf einem Happy End für alle Beteiligten. Deshalb, wie Volker so sagte, Entschuldigung annehmen kann ja nie verkehrt sein. Das ist ein gutes Vorbild.

Einfach mal aus der Rolle fallen kann jedem mal passieren und als Kind habe ich immer schon aus der Reihe getanzt. Wenn ihr keinen Mut findet, es mit mir auszuhalten, dann laufe ich eben weg, damit ich euch nichts antue. Es erfordert wirklich Nerven wie Drahtseile, um diese Zweifel auszuhalten.

Deshalb empfinde ich Beschreibungen wie „psychisch minderbelastbar“ als absolut beleidigend. Als Arbeitgeberkind, das in eine Krankenpflegerfamilie eingeheiratet hat, kann ich sehr gut Freund oder Feind auseinanderhalten, wenn ihr mir einfach ein bisschen helft, die Grenzen zu erkennen, geltende Regeln zu verstehen und mir so dabei zu helfen, mich richtig zu verhalten, bis ich selber wieder klar denken kann.

Ich bin sicher, solange die Stimmung nicht zu gereizt wird, finde ich überall wieder heraus und jeder, der sich mit mir wohl fühlt, lässt sich mit recht wenig Worten dazu bringen, dass ich mich einfach dafür entschuldige, Spaß und Ernst miteinander verwechselt zu haben. Notfalls bin ich auch dazu bereit, die beiden in Erni und Bert umzutaufen.

Wer nun immer noch nicht erkannt hat, wer wer ist – kein Problem. Aber wer keinen Spaß versteht, der darf dann einfach nicht mehr mitspielen. Und das schönste ist doch, wenn man als Psychotiker mit seinen Phantasieprodukten Geld verdienen kann. Dann braucht man auch keine Angst vor seinen eigenen Gedanken zu haben.

Noch Fragen?

 

Wie soll ich meinen Lebensalltag leidensgerecht gestalten?

Samstag, 25. Juni 16

Die EX-IN-Ausbildung macht genau diesen Spagat: Sie passt zu meiner Ambivanlenz erlaubt mir, sowohl chronisch psychisch krank als auch gesund zu sein. Mit einem Bein auf festem Boden und mit dem anderen in der Klapse oder mit einem Auge betrachtet ein Betroffener und mit dem anderen besehen ein Profi, ein Experte aus Erfahrung und ein in helfendem Beruf Tätiger.

Das ist die Rolle des Heilers, in die es mich bereits zu meiner Zeit in der geschlossenen Psychiatrie hinzog. Eigentlich sogar bereits an dem Tag, an dem ich meinem Berufungscoach gegenüber äußerte, mich gerade für Jesus zu halten bzw. mich zum Messias berufen zu fühlen.

Und was tue ich hier? Ich schreibe mir die Seele frei und predige zugleich von meiner virtuellen Kanzel (siehe auch: Schlagwort Wort zum Sonntag). Und das ganz konfessionslos und ohne weggesperrt zu werden: Endlich sozialverträglich. Welch Wohltat; ich scheine meine Nische, in der ich ich sein darf, gefunden zu haben. „Wie soll ich meinen Lebensalltag leidensgerecht gestalten?“ weiterlesen