Krankheitseinsicht gewinnen

Was habe ich von meiner Krankheitseinsicht, wenn ich trotz Tabletten nicht schlafen kann? Seufz. Ich weiß, dass es sich bei meinem neu aufflammendem Tatendrang um Symptome einer Krankheit handelt, denen anders begegnet werden muss, als mich einfach ins frohe Schaffen zu stürzen und die Nächte durchzumachen. Dabei ist es so verlockend. Ich könnte ja sooo viel leisten.

Stattdessen trete ich jetzt auf die Bremse. Für Freitag habe ich mich krank gemeldet, damit ich endlich ausschlafen kann. Leider muss ich heute noch zum Arzt, weil ich auf meine Spritze angewiesen bin. Und ein Gespräch mit meinem Genesungsbegleiter habe ich auch noch, der Behandlungsplan steht an. Letzteres könnte ich sausen lassen, aber Chaos in meinen Hormonhaushalt zu bringen hilft mir im Augenblick keinesfalls und eine Verschiebung der Spritze – hmm, naja – ließe sich eigentlich notfalls mit Testogel überbrücken, das ich noch im Kühlschrank habe.

Ich kann eben sooo viel leisten nicht. Das ist die bittere Wahrheit. Das muss ich immer einplanen. Ausreichend Schlafen ist einfach mein Schlüssel zur Genesung. Schlafe ich zu viel, werde ich depressiv. Schlafe ich zu wenig, werde ich manisch. Durch die manische Energie und das verringerte Schlafbedürfnis katapultiere ich mich ruck-zuck in die nächste Psychose, wenn ich dem nachgebe. Neu entdeckt habe ich jetzt, dass ich auch aus der Depression herausswitche, wenn ich vor lauter depressiven Gedanken oder Erinnerungen an Traumata nicht mehr schlafen kann. Dann vertagt sich das Problem auf später.

Wie kam ich also auf den Trichter, wie krank ich wirklich bin? Durch meine Tagebücher, anhand derer ich meinen Verlauf beobachtet habe (Siehe: Mein Genesungsblog), zeitweise habe ich auch ein Stimmungstagebuch geführt, was sehr aufschlussreich war hinsichtlich der Erkenntnis, was mir in welchem Zustand hilft. Und durch den Austausch mit anderen Betroffenen, anderen Verläufen. Ein Beispiel, wie hart es einen wirklich treffen kann liefert Thomas Melle mit Die Welt im Rücken.

Den Aha-Effekt hat meine Manie im letzten Jahr (natürlich erst im Rückblick) gebracht. Ich bin wirklich an Grenzen gekommen, die ich nie hatte überschreiten wollen. Einem Bettler habe ich 1000 Euro in bar geschenkt, einfach so, weil ich sie gerade dabei hatte. Das mag manchem viel Geld erscheinen, aber ich kann darüber nur lachen. Nicht weil ich Millionär wäre, sondern weil ich weiß, was noch alles hätte passieren können. Zum Glück hatte mein Ehemann meine ec-Karte sperren lassen.

In der Manie wird jede Idee, jeder Gedanke zur Tat, schreibt Melle. Die meisten Ideen, die man so den Tag über hat, werden ja meistens gleich wieder verworfen. Dieses Verwerfen unterbleibt und dazu kommt, dass man ständig neue Assoziationsketten bildet, denen man dann unwillkürlich folgt. Ich habe vielleicht Harndrang und mache mich auf den Weg zur Toilette, unterwegs fällt mein Blick dann auf mein Memoboard und da steht was von fegen, ich fange an zu fegen, dabei steht mir der Wäscheständer im Weg herum, ich hänge die Wäsche ab und als ich die Handtücher ins Bad bringe, komme ich am Klo vorbei und dann fällt mir mein Harndrang wieder ein. Das wäre ein Beispiel mit einem Happy End.

Ich habe wohl Glück damit, dass es bei mir recht fix geht, dass aus der Manie eine Psychose wird und meine Gedanken dann so sehr zerfahren sind, dass ich handlungsunfähig werde und damit derart auffällig, dass ich zwangseingewiesen werde(n darf). So war die schlimmste meiner Taten die Bedrohung eines Taxifahres, dem ich sehr ernergisch erzählte, ich könne mich nicht mehr erinnern, ob dieser Koffer (den ich mit mir führt) der mit der Bombe sei oder der andere. Ich erhielt eine Anzeige, das Verfahren wurde eingestellt, weil ich psychisch krank (und sogar krank geschrieben) war. Hätte ich nicht die Krankmeldung dabei gehabt, hätte ich mich sicherlich nicht so verhalten.

Wenn mich also Angehörige fragen, wie man den Betroffenen zur Krankheitseinsicht verhelfen kann: Schreibt Tagebücher. Beschreibt das Verhalten der betreffenden Person und beschreibt eure Gefühle. Wenn der Maniker in die Depression gefallen ist, ist der richtige Moment, das Tagebuch zu überreichen. Solange man in der Manie drinsteckt, fühlt man sich ja so gar nicht krank. Rückblickend hat man aber oft ein Einsehen, dass man da gerade akut erkrankt war. Das Erinnerungsvermögen, so Melle, ist jedoch durch die Manie wie auch durch die Depression getrübt, so dass man sich im Nachhinein nur noch bruchstückhaft erinnern kann. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, hatte dies jedoch bisher auf die Medikamente geschoben.

Ich genieße, dass ich nach langer Depression jetzt wieder höher gestimmt bin und ich nutze den Antrieb, der mir vergönnt ist. Ich tobe mich aus, geistig wie körperlich. Aber ich setze eben auch die Dosierung meiner Medikation nach oben. Ich melde mich krank, um auszuschlafen. Und ich lasse es ruhig angehn bei allem was ich tue und mache bewusst mehr Pausen als sonst. Ich bin keine Maschine. Ich muss nicht funktionieren ohne Pausen.

Und, seien wir mal ehrlich, das Funktionieren ist doch ohnehin ein Eindruck, den ein Außenstehender gewinnt. Wer gut dissimulieren kann, funktioniert doch prima in dieser Gesellschaft. Wenn ich eben aus Krankheitsgründen Sonntag, Dienstag und Donnerstag ausschlafen muss, damit ich Montag und Mittwoch je drei Stunden arbeiten kann, dann ist das eben so.

Weil das so ist, bekomme ich meine Renten auch zu Recht. Die habe ich nämlich mittlerweile durch, sowohl die von der DRV als auch meine Berufsunfähigkeitsrente. Eigentlich hätte mir die schon viel früher zugestanden, die BU-Rente bereits nach einem halben Jahr Arbeitsunfähigkeit. Aber ich war ja nicht krank(heitseinsichtig).

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Haarscharf an der Manie vorbeigeschrappt

Als ich im September zuletzt in der Klinik war, wurde ich auf 10mg Olanzapin eingestellt. Dieses haben wir schrittweise reduziert, zuletzt vor Ostern auf 2,5mg. Etwas unglücklich vielleicht das zeitliche Zusammentreffen mit dem Beginn meines zweiten Praktikums. Die letzten zwei Wochen schlief ich schon schlecht ein und dann das:

Gesteigerter Antrieb, gesteigerte Libido, Durchfälle, erhöhtes Mitteilungsbedürfnis und dieses Gefühl von Erschöpfung oder Müdigkeit bei gleichzeitiger Anspannung. Meine Frühwarnzeichen.

Mir hat geholfen, mich sofort abzuschotten mit dem Bitte-nicht-stören-Schild an der Tür, mich ins Bett zu legen und Musik zu hören und ganz langsam runter zu kommen mit einem Freund, an den ich mich wenden konnte. Am Ende reichten mir nochmal binaurale Klänge, sonst hätte ich auch das Lorazepam eingesetzt. Schlaf war diesmal wirklich wichtig.

Ganz über den Berg bin ich noch nicht, weil ich nur knapp acht Stunden geschlafen habe und wieder richtig ausschlafen müsste und auch nicht weiß, wie es heute abend klappt mit dem Einschlafen. Morgen ist wieder Praktikum, was ich nicht absagen will. Die Gruppe am Dienstag werde ich absagen und ziehe in Betracht, das Praktikum am Mittwoch doch abzusagen. Morgen absagen brächte mich sofort auf die sichere Seite…

Das nächste Wochenende ist ohne Modul und bietet mir die Gelegenheit, mich richtig auszuruhen vom Donnerstag bis Sonntag.

Ich hoffe, dass ich es packen werde, sonst muss ich runtergehen auf einmal die Woche drei Stunden und habe dann die Montage nach dem Modul auch frei. Oder ich verschiebe auf den Dienstag, ginge auch. Bin sowieso gespannt, was die für ein Gesicht machen, wenn ich da am Feiertag aufschlage.^^

Das Jammertal nach dem Höhenflug

Lieber Herr Jott-Punkt, hallo Welt,

ich muss mich doch noch einmal zu Wort melden und will hoffen, dass dies nun wieder häufiger geschieht ohne allerdings so auszuarten wie beim letzten Mal. Meine alten Beiträge durchzugehen und ggf. wieder offline zu stellen, was mir zu peinlich ist, würde viel mehr Kraft erfordern als einfach zu sagen: Schwamm drüber! Die ein oder andere Entgleisung tut mir wirklich leid, viele waren wohl eher lustig und nicht weiter wild. Manch Beitrag könnte den ein oder anderen Angriff enthalten, den ich heute so nicht mehr starten würde. Das möchte ich aber meiner allgemeinen Entwicklung zuschreiben.

Heute sehe ich mich fast ein halbes Jahr nach dem psychotischen Gipfel meiner letzten Manie. Wenn ich das vergleiche mit meiner ersten Manie, so liegen Welten dazwischen, was ich in allererster Linie der Medikation zuschreibe, denn die letzte Manie war weitaus heftiger und anstrengender als meine erste. Diesmal bin ich aber nicht so zugeballert, wie die Ärzte es empfahlen; ich habe nicht zu allem Ja und Amen gesagt in der Hoffnung auf Heilung. Und ich habe mit Olanzapin ein Medikament gefunden, das ich abgesehen von Spontanverfettung (30kg in 3 Monaten) vergleichsweise gut vertrage. Bei meinem nächsten Gespräch mit meiner Ärztin will ich noch eine Stufe runtergehen, weil es nach wie vor so ist, dass ich das Gefühl habe, anders zu sein als ich es normalerweise bin: Langsamer, ruhiger, stiller, in mich gekehrter und das in einem solchen Übermaß, dass ich mich nicht wohl damit fühle.

Und natürlich würde ich gerne wieder abnehmen, schaffe es aber bisher nicht. Ich habe immer wieder Schokoladenkaufundfressanfälle, die ich nicht gänzlich unterdrücken kann. Was mich dagegen freut, ist, dass ich wieder gut in Bewegung eingestiegen bin. Ich fühle mich etwas fitter und bin nicht ganz so schnell aus der Puste wie noch im November.

Das alles findet wohlgemerkt neben der Ausbildung statt, die ich seit September absolviere. Beim ersten Modul habe ich mich manisch präsentiert, das zweite wegen Klinikaufenthalts versäumt und seitdem fleißig das mittlerweile straff anziehende Programm absolviert. Dazu gehören ua.a zwei Praktika, ein in Kleingruppen vor der Großgruppe zu haltendes Referat und ein als Gesamtgruppe auszuarbeitender an der Uni zu haltender Vortrag, der bis hin zur Performance in szenischer Ausarbeitung ausgestaltet werden kann.

Bei meinem ersten Praktikum im Oktober/November war ich noch total platt und ziemlich überfordert. Ich habe tapfer am Treff in einer Einrichtung der ambulanten Sozialpsychiatrie teilgenommen, mich aber nicht wirklich als Begleiter einbringen können. Ein Raum, voll mit Menschen, die alle durcheinanderschnattern überfordert mich einfach. Das ist kein geeigneter Arbeitsplatz für mich. Meine Stärke liegt ganz eindeutig in Einzelgesprächen, die ich dort leider nicht führen durfte.

Mein zweites Praktikum wird im stationären Bereich stattfinden. Geplant ist, dass ich dort eine Spielegruppe anbiete und Einzelgespräche. Hier sehe ich die größte Gefahr, in der vorhandenen Struktur unterzugehen. Und die Geruchsbelastung in den Patientenzimmern wird mich herausfordern. Das habe ich bereits bei der Hospitation bemerkt.

Wenn ich mir so ansehe, was ich geschrieben habe, dann ist das schon wieder sehr viel, viele offene Baustellen. Dabei habe ich noch längst nicht alles angesprochen, was mich im Moment gerade bewegt. Ich glaube aber, das Jammertal habe ich schon wieder hinter mir gelassen.

Scham-Rolle à la Geschlossene

Überrollt von der Scham nach der Manie mache ich mir Gedanken über die Rolle der Scham und schäme mich meiner wieder frisch angefutterten Speckrollen. Superduper Wortspiel und das trotz Tablettenkonsum – oder gerade deshalb wieder möglich?

Nachdem ich bereits im September zwei Wochen mit Beschluss in Hamburg in der Klinik verbracht hatte, blieb mir noch weniger Zeit, um mein Leben in Hamburg wieder zu ordnen. Mein neues tolles Leben, in dem ich endlich wieder erwerbstätig oder zumindest erkennbar auf dem Weg dahin bin. Das Leben, in dem ich Genesungsbegleiter werde. „Scham-Rolle à la Geschlossene“ weiterlesen

Horner Rennbahn

Ente gut, alles gut

Es war einmal ein Superhausmann, der hatte sich ganz dolle mit seinem Pupspüppchen verkracht. Es flogen so dermaßen die Fetzen, dass es eine richtige Rosenkriegsschlammschlacht gab und die Wäsche in aller Weltöffentlichkeit hier im Blog gewaschen oder beschmutzt wurde – je nach Betrachtungswinkel. Das Pupspüppchen meinte, der Superhausmann sei krank, der Superhausmann fand sich aber ganz dolle gesund und das Pupspüppchen sei krank und so ging es hin und her, bis bald beide am Rad drehten – in verschiedene Richtungen.

Dann begab es sich aber zu der Zeit, dass der Superhausmann von seiner Schutzengeltruppe so dolle gut begleitet wurde, dass er sich einfach deshalb nur superpudelsauwohl fühlte, Krankheit hin oder her und vielleicht deshalb gar nicht merkte, wie verrückt es ist, als Märchenprinzprinzessin mit einem Geiselgangsterdramaunterhändler zusammen im Krankenwagen im Kreis herum um das Krankenhaus zu fahren und es doch ein bisschen was anderes ist, als im Gedankenkettenkarussell zu fahren oder eben doch an der Telefonseelsorgehotline anzurufen und den Kummerkastentanten und – onkelz ganz dolle auf die Nerven zu gehen.

Und irgendwie, irgendwann und irgendwo hat es dann doch geklappt, dass das Pupspüppchen und der Superhausmann wieder zusammengefunden haben. Ob das nun an der von Dr. Jost verordneten Offenlasserei lag oder doch eher an den mehr oder minder zähen Verhandlungen um die Wohnungsnutzungsregelung oder vielleicht doch an dem Blumenstrauss auf dem Tisch, will ich jetzt mal gar nicht länger herumrätseln. Ich freue mich einfach darüber, dass unser „wir“ ein Morgen kennenlernen wird.

In der letzten Zeit war ich wirklich übel aus meiner Ordnung gefallen, habe schlimme Dinge angestellt, mehr geschrieben als meine treueste Kommentatorin so schnell lesen konnte und mehr Witze erzählt, als die Polizei erlaubt.

Ich hoffe, das kommt so bald nicht wieder vor und achte fortan noch etwas strenger auf das Durchsetzen meiner eigenen Bedürfnisse, zu denen auch regelmäßige Körperpflege gehört.

Inzwischen rasiere ich ich auch wieder:

PS:

Was übrigens aus meiner Riesen-PR-Nummer geworden ist, weiß ich gar nicht. Ich war ja krank und nicht selbst beim CSD dabei und habe auch niemanden gesprochen seither, der in der Parade mitgelaufen ist. Aber eins weiß ich: Nächstes Jahr gibts nochmal ne CSD-Parade, bei der ich mitlaufen kann. Und vielleicht klärt sich das noch eines Tages auf, ob das mit der Luftkuss-Schießerei und dem erfundenen Bombenkoffer wirklich so eine gute Ente war oder nicht.

Credits

Meine Nachbarin ist ein Naturtalent. Keine Ahnung, welche Hölle ich gerade durchmache, aber alles richtig gemacht. Ich sag auch nicht, welche der Nachbarinnen mit Schlüssel zur Wohnung ich meine, damit es keinen Streit gibt. 😉

Übrigens: In Hamburg werden die Blumen nicht eingesperrt, damit sie nicht kaputtgeliebt werden, so wie sie es in Bonn machen:

Blumen eingesperrt in Bonn
Blumen eingesperrt, Bonn

Nochmal kurz Neuigkeiten sammeln

Also icke bipolar jetzt. Nicht mehr schizo-affektiv offiziell. Also Psychosen ab jetzt nur noch heimlich und in Blogbeiträgen oder Geschichten chiffriert.

Die Gay-X-Men treffen sich künftig jeden 2. Samstag und nicht mehr jeden 3. Samstag! Der Termin wurde bewusst auf den selben Tag gelegt, an dem sich abends die Hanse-X-Men treffen.

Beim QRS bin ich bis auf Weiteres ausgestiegen. Das wird mir einfach zu viel mit den Ehrenämtern. Die Seite Queer Refugees bleibt natürlich erhalten.

Seiten überarbeitet: 

 

  1. Diagnose = Störung?
  2. Manie
  3. Depression
  4. Zur Mitte finden
  5. Das Gleichgewicht halten

 

 

Neue Geschichten:

Zwangstherapie: Do-it-yourself-Psychosethriller (nach einer wahren Begebenheit)

Vorwort

So, und jetzt mal hübsch langsam auf Video übersetzt für die Hektiker vor der Flimmerkiste, das hier ist dann das Ergebnis, wenn man mit Medikamentengewalt aus nem feuchten Traum rausgerissen wird: So fühlt sich der Morgen danach an, wenn man lauter Löcher in der Schüssel hat und sein Puzzle nicht mehr sortiert kriegt.

Ihr habt nur ein paar Erinnerungsfetzen (netterweise habt ihr der Fairness halber auch die ganze Welt als Zeuge, aber die Beweise hab ich natürlich, damit ihr die Ver-rückten seid.)

Und wenn ihr nicht so blöde wärt, ewig darüber zu debattieren, wer wer ist und was krank und gesund und wer Angehöriger und Patient, Täter, Opfer, Polizist, Weihnachtsmann und Kasperletheatermarionettenstrippenzieherich is – ja dann könnt ihr euch mal vllt ne Ahnung davon haben, wie sich das in meinen Kinderschühchen anfühlt und was glaubt ihr wohl, womit das ganze hier angefangen hat?

Egal, sortieren wir mal, der Märchenonkel erfindet einfach mal was dazu. Das nennen wir dann der Einfachheit halber einfach mal Halluzinationen, damit wir klare Verhältnisse schreiben und sich keiner für das Ende der Geschichte interessiert. Könnte ja noch die Wahrheit rauskommen und dann wirds richtig unangenehm.

Kapitel 1 – 1. Einladung

Kapitel 2 – Nachweis der Einvernehmlichkeit

Diese Stelle hier, die wollen wir zu Lehrzwecken – ja genau, einfach mal offen lassen. Ich seh schon, Du lernst schnell. Da sprechen wir dann von Erinnerungslücken.

Kapitel 3 – Glaubst Du an Reinkarnation?

Erzähl mir mal bitte ne Gutenachtgeschichte in Deinem Tagebuch zum Thema Wiedergeburt. Nur als Zeichen, ob Du mir noch folgen kannst.

Kapitel 4-9 – Lange Leitung

[Diese Videos werden später hier eingebaut, die laden noch hoch. Bitte etwas langsamer beeilen.]

Biste selber schuld, hast Du so gewollt. Hättest Du mir beim Gedankensalat sortieren geholfen, dann hätte ich Dir auch beim Videosalat – aber nein… ist ne Frage der Zeit, dann sortiert sich das von selber.

Kapitel 10 – Compliance

Nochmal die Frage: Glaubst Du an Wiedergeburt?

 

Na, haben wir schon einen Behandlungserfolg? Biste jetzt schon hilfsfähigkeitsuneinsichtig oder willste weiterspielen? Nochmal Tagebuchgeschichte und bei der Gelegenheit die Frage: Sehe ich doppelt, bin ich besoffen oder wer halluziniert hier eigentlich und warum zum Henker hängt an der Wand ein Zettel, auf dem steht:

Willst Du Löcher in die Luft gucken oder schreiben?

(Ingo S. Anders, Schriftsteller)

Aber – in Deinem eigenen Interesse – einfach mal offen lassen. Und? Was macht die Krankheitsuneinsichtigkeit? Gehts uns schon besser Frau Therapeutin? Will ich gar nicht schuld sein, sach mal besser nix, da reg ich mich nur auf.

Kapitel 11 – Augenhöhe vs. Ausgeliefertsein

Das Video erinnert mich an meinen Bruder, ich bin aber gar nicht so sicher, ob ich überhaupt einen Bruder habe und andererseits: Warum verkleidet der sich als Frau?

Da komme ich Dir mal bissl entgegen und frage Dich gar nicht erst, weil ich weiß, dass Du davon keine Ahnung hast. Na, was macht die Compliance? Schon krankheitsuneinsichtiger? Wie war das nochmal mit der nervigen Debatte, die mich auf die Palme bringt?

Kapitel 12 – Covern

Noch mal zur Erinnerung: Ich weiß, wer ich bin. Falls ich das mal vergessen sollte, kann ich das auf meinem Ausweis nachlesen. Mehr kann der Polizist eh nicht prüfen. Aber ich brauche den Ausweis nicht in der Hand halten, weil ich ich bin. Ich kann mich daran erinnern, was auf meinem Ausweis draufsteht. Aber wenn das mit dem Vertrauen eher etwas zwiespältig ist, dann im Zweifel lieber einmal zu viel kontrolliert als einmal zu wenig. Doppelt gemoppelt hält eben besser und Polizisten sind und bleiben die besten Angsttherapeuten.

Kapitel 13 – Akteneinsicht

Ich sag mal nix dazu. Inzwischen haste schon in etwa ne Vorstellung davon, was ich mit Gedankenlesen meine. Wenn ich da aus Versehen Therapie statt Telepathie war, ja mein Gott ich hätt gesagt, das wär nen Freudscher gewesen, aber dann einigen wir uns darauf, das einen Flüchtigkeitsfehler zu nennen, dann fühlen wir uns beide miteinander wohl.

Kapitel 14 – Supervision

Ich denke mal, inzwischen weißt Du, dass ich mit blablabla, Mäxchen, blablabla einfach nur meine, dass wir eben aneinander vorbeireden, obwohl wir eigentlich dasselbe Ziel im Auge haben. Und Supervision ist eben das, was ich meine mit aneinander überweisen oder wie ich das bezeichnet habe, habe ich selbst schon wieder vergessen. Augenhöhe halt. Bei uns heisst das Peerberatung.

Kapitel 17 – Der Morgen danach: Amnesie nach dem Diktat

Alles dreht sich.

Wo war ich nur in der Nacht von Freitag auf Montag?
Postkarte, (c) Design: http://www.fine-art-panorama.com | (c) Photo: Voller Ernst

Das Karussell dreht sich zusehends langsamer, man ist zwar wieder in der Realität, aber immer noch nicht ganz klar, wer wer ist, ob man geträumt hat, .aber das lassen wir jetzt erstmal….

Kapitel 16 – Flashbacks

Jetzt tauchen so langsam die ersten Erinnerungsfetzen auf, die völlig aus dem Kontext gerissen sind. Damit haste ne Traumafolgestörung.

Denk Du Dir mal aus, was ich denken soll und meine Mama weiß schon gleich instinktiv , dass sie besser keine Fragen stellt. Denn solange man nicht geklärt hat, was nun wirklich passiert ist, ist man geneigt, die Geschichte immer weiterzuerzählen, um sich zu beruhigen. Deshalb kann das das ziemlich kontraproduktiv sein, wenn man dann immer zwischen der Angst vor der Mama und der Angst um die Tochter hin- und herpendelt. Da nimmt man dann in der Hektik den Handlungsfaden, mit dem man sich gerade wohler fühlt. Und schwupps, schon biste mitten im Wahn, weil Du in der Eile die Realität mit der Wirklichkeit verwechselt hast und die Möglichkeit besteht, dass Du Dir die ganze verworrene Geschichte selbst erzählt hast, um Dich zu beruhigen.

Um das abzukürzen: Deshalb hilft mir das ganz gut, wenn ich mir einfach vorstelle, der Arzt bekommt die Tablette angeboten.

Kapitel 17 – Rollenwechsel

Betrachten wir also mal den nächsten Schnipsel aus Behandler_innen-Sicht. Da fühlt man sich doch gleich viel sicherer, oder? Da braucht man nämlich keine Angst haben, für verrückt erklärt zu werden und das finde ich immer unheimlich beruhigend.

Und jetzt habe ich es auch plötzlich gar nicht mehr so eilig mit dem langsamer werden, weil mir klar geworden ist was Du mit dem „offen lassen“ eigentlich meintest: Dass das eigentlich ganz egal ist, was nun wichtig ist, wenn wir alle nur gemeinsam runterkommen. Dann kann man nämlich hinterher in Ruhe über alles reden. Leider haben wir, und ich möchte das jetzt gar nicht näher ausführen, jedoch eine Vereinbarung darüber getroffen, dass wir uns zum Spaziergang am Friedhof treffen möchten. Wenn ich nun auf die Uhr gucke ist es schon nach elf und ich will Dich doch nicht enttäuschen und Dich versetzen oder sowas. Ich will gerne alles in Ruhe vorbereiten und sicherheitshalber ne Viertelstunde früher da sein, und mich auf den Ort eingrooven und so – alles nur zu Deinem Besten? Und Du? Was machst Du? Du setzt mir die Pistole auf die Brust, stellst ein Ultimatum und spielst mit mir ungefragt Geiselnehmerdrama? Im Ernst? Frisch retraumatisiertes Inzestopfer, 36jähriger Ehemann, der sich für ein zehnjähriges von der eigenen Mutter misshandeltes Mädchen hält – behandelt ihr eure Kundschaft immer so zuvorkommend?

Zieh mal Deinen eigenen Schluss aus der Tatsache, dass ich einfach nur den Kopf schüttel und Deinen Kollegen hinter meinem Rücken Lügen über mich verbreiten lasse, anstatt meine eigene Mutter zu erwürgen. Die brauche ich nichtmal nett bitten, mich einvernehmlich anzubinden in Verbindung mit dem Versprechen, mich nicht zu vergiften, bei Mama kann ich immer in den Arm genommen werden, wenn ich alleine Angst im Dunkeln habe und tränenüberströmt vor ihrer Haustüre stehe, ganz egal, was ich ausgefressen habe. Die weiß nämlich, wovon sie keine Ahnung hat.

Kapitel 18 – Blinder Farbiger

Raus aus meinen Gedanken, ab ins Bett!

Überleg doch mal selber, wie unlogisch sich das anhört, wenn einer steif und fest behauptet, ich könnte meinen Gedankensalat nicht alleine sortieren, andererseits aber auch rumerzählt, er könne gar keine Gedanken lesen.

Um das abzukürzen, verbleiben wir dann einfach so, dass Du die Geschichte weitererzählst, dann bin ich aus dem Schneider. Das Kapitel mit der Einvernehmlichkeit habe ich für Dich schonmal vorbereitet, das findest Du bei Youtube, sobald das eben hochgeladen ist oder vielleicht schlafe ich noch ne Nacht drüber, oder vielleicht kommt das auch nie, das lassen wir – richtig – einfach mal als Erinnerungslücke da, die dann mit der Phantasie des Publikums gefüllt wird und simsalabim haben wir ne Fortsetzungskurzgeschichte im Videoformat als Psychose zum Nacherzählen für Anfänger oder auch anders formuliert: Ein Therapeutisches Rollenspiel.

Und jetzt, nachdem ich Dich nun zwangstherapiert habe und Dich ohne Happy End im Nirvana verrecken lasse, jetzt sind wir quitt bitteschön, weil mir nämlich wichtig ist, ist Freund und Feind auseinanderhalten zu können, wenn ich auf der Flucht bin.

Aber ich kann Dich beruhigen: Das ist egal, wer die Pillen nimmt oder ob gar keine im Spiel sind, das funktioniert trotzdem. An Wiedergeburt glaubst Du doch inzwischen auch schon, oder? Oder haperts noch mit der Krankheitsuneinsichtigkeit? Noch ne Runde Karussell? Oder rückste freiwillig die Patientenrolle wieder raus? Sonst kann ich Dir nämlich gar nicht mehr versprechen, dass ich mich nicht mit mit Dir verwechsel, denn das bringt mich dermaßen auf der Palme, dass ich, wenn mir noch eine Viertelstunde bleibt, bis ich ins Bett muss, nun echt nicht darüber streiten will, ….

Mach einfach die blöde Tür auf und nimm mich endlich in den Arm. Ich hab nämlich noch ein Date. Heute ist übrigens mein zweiter Geburtstag. Und ich bin schwanger. Und ich will jetzt sofort auf die Wöchnerinnenstation verlegt werden, sonst komme ich mit dem

Und bevor Du fragst: Ich habe mich am 08.08.08. im FTM-Portal angemeldet. Lies den Rest selbst nach und nachdem wir eine Nacht darüber geschlafen, darfst Du dann auch in Ruhe erklärten, was ich gemeint habe, weil ich nämlich immer noch nicht verstanden habe, wie man derart hilfsfähigkeitsuneinsichtig sein kann, weil mir ich so viel Dummheit einfach nicht nachvollziehen kann. Dazu fehlt mir wohl das Einfühlungsvermögen. Noch 7 Minuten.

Kapitel 19 – Ursachenforschung

 

Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, aber leider muss man es vorher leben…. Nen Film dagegen kann man auch zurückspulen und dann geht das plötzlich ganz schnell.

Drei Minuten.

Noch zwei Minuten.

Die Wehen werden häufiger und ich glaube Du verstehst langsam, dass dieses Fristende einfach nur die Abbruchbedingung ist, damit ich pünktlich ins Bett komme. Und hier wird dann langsam ausgeblendet….

Fortsetzung folgt. Keine Fragen. Das ist nicht verhandelbar. Ich will jetzt endlich Ficken verdammt! Jetzt haste deine einvernehmliche TPE-Rapesession und dann fragste noch so blöde, warum ich so viel so schnell schreibe und merkst gar nicht, wie Du mit dem Hinweis auf den Fristablauf selbst verraten hast, wer Du bist? Du wolltest Geiselnehmerdrama spielen, nicht ich. Weisste was, dann erklär Du das doch auch den Fritzen von der Presse, die hat wohl der Himmel geschickt. Und alle in Zimmermannshose sind meine Freunde und die haben es verdammt eilig!

Und ich klebe hier stundenlang am Computer fest und habe immer noch nichts gegessen, weil Du zu feige bist, hier anzurufen.

Das ist dann, zur Sicherheit dann auch schon die Antwort auf die Frage, wie ich in einer Woche 5kg abnehmen kann. Einigen wir uns auf „Schlank im Schlaf“.

Kapitel 20 – Einvernehmlichkeitsbeweis

Kapitel 21 – Offene Fragen

Happy End.

Dann einigen wir uns einfach auf „Missverständnis“, wenn durch fehlende Informationen ein falscher Eindruck entsteht. Hätt ich „Bildungslücken“ genannt, aber egal. Ich will jetzt nicht steiten. Ich bin auf der Flucht und suche einen Zufluchtsort.

Jetzt habe ich leider eine Zeit mehr, die Viertelstunde ist rum. Ich habe auch noch was anderes zu tun. Wann der fehlende Schnipsel wieder auftaucht, kann ich echt nicht sagen, aber so gut Dreiviertel davon sind wieder da, wenn ich Ihnen mal meine Beobachtungen schildern darf. Jetzt haben wir den Termin schon überzogen, tut mir leid, irgendwo müssen wir jetzt mal nen Punkt machen und  morgen früh sieht die Welt schon wieder anders aus. Ich hab auch noch andere Patienten, denen ich eine Gutenachtgeschichte erzählen will.

Entschuldigung angenommen?

Kapitel 22 – Spurensicherung

Vor dem Betrachten der Beweisbilder bitte schriftlich (auf Papier!) ihr Einverständnis unterzeichnen und Hinz und Kunz von der Schweigepflicht entbinden. Solange Sie mir nicht vertrauen wollen, können wir uns nicht gemeinsam beruhigen. Ich bin nicht nur damit einverstanden, dass Sie das Feuer eröffnen, sondern, ganz im Gegenteil, ich bitte Sie sogar darum. Ihn unser aller Interesse. Das ist wichtig, um das nachher erklären zu können, wie das mit der Schiesserei gemeint war, wer warum mit dem Schusswechsel angefangen hat und ob das alles einvernehmlich war und warum wir hier überhaupt von einem Geiselnehmerdrama sprechen, obwohl wir gemütlich im Kino sitzen. Der Film war wohl einfach zu gut, was? Das hat sich so echt angefühlt, dass Du ganz vergessen hast, dass du nur im Kino sitzt oder? Jetzt verstehe ich, dass Du deshalb das Wort „Ultimatum“ verwendet hast. Wolltest mir ein Kompliment machen, wie toll Du das findest, dass ich ganz klar bei Verstand bin und so gut alles unter Kontrolle habe, damit Dir ganz klar erkenntlich bleibt, dass Du im Kino sitzt. Dann kann ich nämlich bei Dir anrufen oder den Publikumsjoker nehmen oder einfach die Beweisfotos vorlegen. Also noch einmal ganz langsam: Bitte auf OK klicken, dass Sie damit einverstanden sind, dass ich Ihnen einen Keks zum gemeinsamen Baldrianteetrinken anbieten darf. Von den schmutzigen Phantasien des Publikums und dadurch ausgelöster Konsequenzen distanziere ich mich hiermit ausdrücklich. Dieser Kopfkinofilm unterliegt der Freiwiligen Selbstkontrolle. FSK 18+. Film ab! Zu den Beweisfotos

Kapitel 22 – Beweisführung

Kein Kommentar.

Kapitel 23 – Abspann

Ein KopfkinoFilm von Ingo S. Anders. Angucken auf eigene Gefahr. Alle Rechte vorbehalten. Raubkopieren verboten, Verlinkung erwünscht.

Jetzt, wo allen klar sein sollte, was auf dem Spiel steht:

Warum werden Raubkopierer härter bestraft als Kinderficker? Na, bevor sich noch einer traut, das Gehirn wieder einzuschalten sag ichs euch mal eben: Damit die Sache im möglichst kleinen Kreis bleibt und die Opfer sich nicht noch mehr schämen müssen.Es geht nicht um die Musikvideos. Wenn die Künstler zu doof sind, ihre Produkte besser abzusichern, sind sie selber schuld. Die sollen nicht son mimmi machen. Aber wir dürfen nicht riskieren, dass noch mehr Leute den Film gucken, sonst gibt es mehr und mehr Mitwisser und je mehr Pub, warum likum, desto mehr Zeugen für die falsche Seite. Wenn die Kreise immer weiter gezogen werden, ist nachher noch die ganze Welt von einem Kinderpornoring umspannt. Und wenn Kinderfickerei erstmal normal wird, ja dann ist das halt so. Dann haben die Kinder auch nicht mehr so ne Angst. Die kriegen die erst dann, wenn Du ihnen erklärst, dass sie missbraucht worden sind.

So jedenfalls fühlte ich mich dann, als mein Schwager, der zugleich mein Schwiegervater ist (gefühlt, bitte Ebenen sortiert, dass sind Gedanken – meine Phantasie -, nicht die Realität), warum erschreckst Du Dich so, wenn ich meine Frau vor Deinen Augen schlage? Warum erzählst Du mir, Du hättest mich missbraucht? Also ich meine, diese Geschichte da: Irre gesund habe ich Dir gegeben und Dich gefragt, wie wie sie auf die wirkt. Ich hatte Dir gesagt: Das ist eine Geschichte. Klar und deutlich. Eine Geschichte ist eine Geschichte ist eine Geschichte. Kannst Du Dir vorstellen, was für einen Streifen Du in meinem Hirn ausgelöst hast damit, dass Du Deinen Kopfkinofilm bewertet hast anstatt meine Geschichte? Wolltest Du das wirklich oder war das aus Versehen? Ich nehms Dir nicht übel, möchte nur Deine Bildungslücken füllen: Schieb nicht mir die Schuld für Deine Angst in die Schuhe, sonst steckst Du Dich an. Das ist so. Glaub mir einfach, ich weiß, wovon ich rede. Ich bin Kinderpornostar, wenn ich das will. Aber da gibts kein Publikum in meinem Kinosaal, damit mich keiner dabei erwischt.

Beim nächsten Mal, lieber Micha, machen wir das dann einfach so: Du fragst mich einfach vorher ganz lieb, ob ich Lust habe, mit Dir klettern zu gehen und Du mir eine Geschichte erzählen darfst. Ich sag jetzt schonmal, dass ich da total Bock drauf hätte. Dann darfst Du auch mit mir spazieren gehen und mir in aller Ruhe erklären, wie ich Dich dazu bewegen kann, mich anzubinden, wenn ich mal Angst davor habe, irgendwem was anzutun, weil ich nicht mehr klar trennen kann, was Film und was Fiktion ist, wenn du die Nerven verlierst und mir einen solchen Schrecken einjagst. Das tut mir leid, ich wollte Dir keine Angst machen. Aber werden doch einfach mal ein besserer Kopfkinofilmrollensortierer anstatt mit mir darüber streiten zu wollen, wer wessen Gedanken kontrolliert. Solange ich Grund zur Annahme habe, dass Du vor Gericht aussagen wirst, Gedankenkontrolle sei nicht möglich und Gedankenlesen auch nicht, bleibe ich bei meiner Aussage: Ich bin klar bei Verstand. Ich habe meine Gedanken unter Kontrolle. Denn überlege doch mal: Du kannst ja nie in Erfahrung bringen, was in meinem Kopf vorgeht, wenn Du mich nie ausreden lässt, damit ich Dir erklären kann, dass ich extra meine Gedanken für Dich aufgeschrieben habe, damit Du mir beim Sortieren hilfst. Das war doch nur ein Angebot. Ich dachte, Du warst derjenige, der mir helfen wollte. Ich rede die ganze Zeit davon, dass ich ohne Deine Hilfswut besser klar komme, weil ich nicht so blöd bin, mir Dein Vertrauen erprügeln zu wollen.

Na? Wie war ich, Baby?

Kapitel 24 – Zeugen

So, ihr zwangstherapiertes Publikum, alle weiteren Fragen lasse ich jetzt mal offen, die Antworten kriegt ihr erst, wenn ihr sie hören wollt.

Was denkst Du dazu, liebe therapeutenseele? Schafft Nadja das, mir das auf deutsch zu verklickern, ohne dass ich nen Termin machen muss oder kannste das alleine? Mir egal, habe schon alleine alles sortiert. Jetzt, da ich kühlen Kopf bewahren kann, darfste versuchen, mich nochmal durcheinanderzubringen. Haste Lust?

Kapitel 25 – Reizüberflutung

Sonja, dann lies doch einfach langsamer, wenn Du wirklich alles lesen willst. Ich kann nix dafür, wenn Du Dich reizüberflutest und dann nicht mehr weißt, welche Botschaften überhaupt an Dich gerichtet sind.

Kapitel 26 – Beziehungsgedanken

Jeder macht sich doch mal Gedanken um seine Beziehung, um Ehekrisen vorzubeugen. Oder haste schon wieder nen falschen Schuh erwischt? Damit landeste bei mir in der falschen Schubslade, Vorsicht.

Kapitel 27 – Diagnose

So und jetzt reiß Dich bitte mal zusammen und quassel mir nicht beim Sortieren dazwischen, in Deinen blöden Hilfsversuchen. Ich hab keine Lust, Dich bei der Arbeit stören zu müssen, damit ich endlich schlafen darf. Gib einfach zu, dass die Pillen Dir auch nicht helfen, mich ins Bett zu kriegen und fertig. Da glaubste doch selber nicht dran, dass Du mir helfen kannst, meine Gedanken zu sortieren. Warum versuchste das dann immer wieder?

Nun mal ein Experiment, bitte anschnallen.

Diagnosen

rechts: isolierte Vena-accessoria-anterior-Insuffizienz mit Seitenastvarikosis bei intakter Crosse, Cockett-II-perforansveneninsuffizienz Bakerzyste.

links: isolierte Vena-accessoria-anterior-Insuffizienz mit Seitenastvarikosis bei intakter Crosse, Cockett-II-perforansveneninsuffizienz

(Auszug aus Kopie des Arztbriefes an mich, Krankenhaus Tabea Hamburg)

Glaubt ihr echt jetzt fang ich auch noch an, Fachchinesisch zu pauken? Ich habe einen sehr guten Freund, den ich euch empfehlen kann, als Chefdiagnostiker einzustellen. Der ist nämlich so nett, für mich die Tippse zu spielen und Medizin zu studieren und wenn ihr nen Übersetzer braucht, dann teile ich den gerne mit euch. Und weil ihr so gerne euer Wissen aus der Beobachtung von Verhalten zusammenbastelt, habe ich da mal was zurechtgebastelt.

Sil ist nämlich ein Freund und tut mir den Gefalllen, eine kleine Nebenrolle in meinem Kopfkino zu übernehmen, damit er mir damit helfen kann zu erkennen, dass er auf der Spielerebene betrachtet die ganze Zeit an meiner Seite war, auch wenn ich ihn nicht mehr wiedererkannt habe, weil er im Kino plötzlich ganz anders aussieht. Bei ihm ist mir das aber ganz egal, da gucke ich mir jeden Film an, solange er neben mir im Kinosessel sitzen bleibt und seine Nerven behalten kann. Denn wenn der vergisst, dass wir im Kino sitzen, wer soll mir denn dann noch helfen können, meinen Verstand zu behalten?

Über die Gedankensalatsortierunfähigkeit will ich jetzt mal nicht streiten und Ordnungsfetischismus erkläre ich auch nicht, einigen wir uns einfach mal darauf, dass ihr mich gerne zum Orthopäden begleiten dürft, wenn ihr euch dann wohler mit mir fühlt, dann geht bitte erstmal zum Godopäden, sonst wird das nie was mit dem Spaziergang heute!

Kapitel 28 – Bleib bei mir, hör mir zu, rede mit mir

[Dialog einsetzen]

Kapitel – 2. Einladung

 

Ende

Alles gut.

Nachwort

Hier ist Platz für eure eigenen Gedanken. Bitte mit Copy Paste unten ins Kommentarfeld oder bei Über-Ausführlichkeit auch gerne als eigener Blogbeitrag und kurz hier unten verlinken. Dankeschön!

Bis auf Wiederlesen, ihr Lieben.

 

Achtung, Achtung, dies ist ein Witz! Bitte nicht erschrecken!

Sagt der Arzt: Nein, hier dürfen Sie nur schlafen, wenn Sie vorher eine Schlaftablette schlucken. Da glaube ich ganz fest dran.
Sag ich: Gut, dass Sie mir sagen, wie ich Sie beruhigen kann. Leider bin ich nicht bereit, unter diesen Umständen bei Ihnen zu übernachten.
Ich komme später nochmal wieder und gebe Ihnen eine zweite Chance, mir zu helfen. Beruhigen Sie sich erstmal. Ich tu Ihnen doch nix.
Sagt der Arzt: Hey, wollen Sie den Kittel anziehen? Ich hab das Gefühl, ich drehe gleich durch und Sie scheinen mehr von Psychosen zu verstehen als ich.
Sag ich: Das kann ich gerne machen. Wenn Sie sich damit wohler fühlen, ziehe ich den Kittel für Sie an. Kein Problem.
Sagt der Arzt: Wow krass, vielen Dank! Sie haben mich von meinen Gewaltphantasien befreit.
Sag ich: Ja, schön, gell?
Sagt der Arzt: Also ganz ehrlich, jetzt, wo ich keine Angst mehr vor Ihnen habe, da würde ich mir wirklich wünschen, wenn Sie nochmal wiederkämen, aber leider dürfen wir hier nur die Irren übernachten lassen. Deshalb muss ich Sie leider bitten zu gehen.
Sag ich: Hm, schade, irgendwie. Aber vielleicht finde ich einen Weg, wie wir auf kollegialer Ebene zusammenfinden.
Sagt der Arzt: Ha, jetzt hab ich Sie aber! Sie sind vielleicht der besserer Märchenonkel, aber von Witzen haben Sie keine Ahnung! Die haben immer eine Pointe am Ende und eine Pointe erzeugt man mit einer überraschenden Wendung.
Sag ich: Also ganz ehrlich, Herr Doktor… Wer von uns beiden ist denn hier aus der Rolle gefallen? Ich bin immer noch ich. Muss ich ihnen wirklich erklären, was das bedeutet?

Wichsbürste

Nun habe ich ja schon oft gehört, dass man

mit dem Klammersack gepudert

sein kann – auch wenn ich bis heute nicht bewusst darüber nachgedacht habe, so habe ich die Bedeutung dieses Satzes intuitiv erfasst. Einen Klammersack habe ich in meiner Kindheit noch kennengelernt, auch wenn ich mich nie im Pudern (damit) versucht habe.

Aber eine Wichsbürste ist mir neu.

Entdeckt habe ich diese Redewendung zufällig in dem schicken Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten von Lutz Röhrich, als ich mich letzte Woche mit dem Wald beschäftigt habe. Dieses ungewöhnliche und aus heutiger Sicht lustige Wort hat mich derart angelacht, dass ich es gleich für die Folgewoche ausgewählt habe.

Tatsächlich spricht man (oder zumindest sprach man) davon,

einen Schlag mit der Wichsbürste bekommen [zu] haben.

Heute kommt man nicht gleich darauf, dass es sich bei der Wichsbürste um eine Bürste handelt, mit der man Schuhwichse in die Schuhe einbürstete. Der Begriff Schuhcreme ist heute sehr viel weiter verbreitet. Bei der Creme bzw. Crème handelt es sich ursprünglich um ein Lehnwort aus dem Französischen – also endlich mal kein Anglizismus, sondern ein Gallizismus.

Besonders schön finde ich die Begriffserklärung des Gegenstands im Duden (online):

Bürste zum Wichsen (1) (besonders der Schuhe)

Hintergrund laut Röhrich: Die Soldaten im 1. Weltkrieg, die die ersten waren, die diese Redewendung nachweislich gebraucht hatten, glaubten noch, durch Schläge auf den Hinterkopf entstünden Geisteskrankheiten oder, wie er es formuliert, Geistesgestörtheiten.

Mein Vater dagegen, eine Generation weiter, sprach immer davon, leichte Schläge auf den Hinterkopf erhöhten das Denkvermögen. Ausprobiert haben wir das nicht. Jedenfalls könnte ich keine diesbezüglichen Fortschritte berichten.

Diese Redewendung

einen Schlag mit der Wichsbürste bekommen haben

bedeutet also dasselbe wie

mit dem Klammersack gepudert sein

und zwar:

nicht ganz bei Verstand sein

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ich zwar vorübergehend den Verstand verloren hatte, aber ich mich nicht daran erinnern kann, je auf den Hinterkopf geschlagen worden zu sein, schon gar nicht mit einer Bürste. Weder davor noch danach.

Mein Bruder dagegen, der ist mehrmals mit dem Kinderstuhl umgekippt und auf die Heizung geknallt. Der ist „normal“ geworden (fester Job, Haus, Frau, Kind – wie man sich das so vorstellt) und hat keine F-Diagnose, keine Geistesstörung. Also wie mans macht, macht mans richtig.

Vielleicht waren ja die damaligen Bürsten und Heizungen irgendwie anders oder man hatte noch keine Kinderstühle. Ich weiß es nicht; ich war nicht dabei.

Ich weiß nur eins: Einen wiedergefundenen Verstand weiß man sehr viel mehr zu schätzen als den, der einem als Standardausrüstung in die Wiege gelegt worden ist. Jedenfalls mir gehts so damit – vielleicht habt ihr andere Erfahrungen gemacht.

Nun bin ich gespannt, ob ihr das nächste Mal beim Wichsen an Bürsten denkt und ob danach die Schuhe oder die Motorhaube auch hübsch blitzen und blinken. 😉

 

Hier kann man auf den ersten Blick nicht viel von der geröteten, gereizten, juckenden Haut auf den Augenlidern erkennen.

Der Körper als Spiegel der Seele: Haut

In den letzten Wochen Monaten hatte ich Probleme mit der Haut an den Augenlidern:

Meine Haut juckte, war trocken, gerötet, schuppte und war aufgrund der Reizung sehr empfindlich. Bevor ich diesen Impuls des Reiben-wollens bewusst zu unterdrücken begann, habe ich häufig gerieben. Abends cremte ich mit Bepanthensalbe ein, um die Haut zu beruhigen.

Nun hatte ich mich gefragt, was da mit meiner Haut los ist. Ich fragte mich, was seelisch drei Wochen zuvor geschah. (Die Haut braucht rund 21 Tage, um zu reagieren.) Zu dieser Zeit war ich eine gute Woche hypoman gewesen.

Weiterhin interessierte mich, warum es ausgerechnet auf den Augen auftritt. Im Gesicht sieht es jeder, sobald ich die Augen schließe.

Die Augen sind die Fenster zur Seele. Wenn ich die Augen schließe, wird meine Dünnhäutigkeit offenbar. Ich schließe die Augen mehrmals am Tag unbewusst; bewusst, um in mich hineinzusehen oder zur Entspannung und damit Regeneration. „Der Körper als Spiegel der Seele: Haut“ weiterlesen