Unser Vortrag an der Uni

Am nächsten Dienstag, 20. Juni 17, um 18 Uhr hält unsere EX-IN-Kursgruppe eine Vorlesung an der Universität Hamburg, Edmund-Siemers-Allee 1, Hörsaal A.

Es geht um die Fragestellung, was Genesungsbegleiter zu weniger Zwang und Gewalt in der Psychiatrie beitragen können. Wir haben uns in den letzten Wochen sehr intensiv zum Thema ausgetauscht und nun liegen angesichts unseres bevorstehenden Auftritts die Nerven blank – meine jedenfalls, spätestens nach der heutigen Generalprobe.

Es handelt sich um eine öffentliche Veranstaltung; hier zur Programmankündigung der Uni: Beitrag der Peerarbeit zu hilfreichen Milieus und gegen Zwang

Autogramme gibt es dann nach der Vorstellung. 😉

Meine Arbeit als Genesungsbegleiter

Sonntag, 30.04.17

Zum Tag der Arbeit mache ich mir Gedanken über meine Arbeit. Es gehört mit zum Portfolio, das wir ausarbeiten sollen, auch darüber zu schreiben. Das Portfolio zu erstellen ist im Grunde eine Sammlung von Reflexionsübungen. Abgabetermin ist der 10. Juli, also so langsam wird es mal Zeit und die Tabletten bremsen mich jetzt nicht mehr so sehr.

Da ich gerade mein Vertiefungspraktikum begonnen habe, werde ich oft gefragt, was ein Genesungsbegleiter so macht. Ich sage gerne, ich begleite bei der Genesung.  „Meine Arbeit als Genesungsbegleiter“ weiterlesen

Das Jammertal nach dem Höhenflug

Lieber Herr Jott-Punkt, hallo Welt,

ich muss mich doch noch einmal zu Wort melden und will hoffen, dass dies nun wieder häufiger geschieht ohne allerdings so auszuarten wie beim letzten Mal. Meine alten Beiträge durchzugehen und ggf. wieder offline zu stellen, was mir zu peinlich ist, würde viel mehr Kraft erfordern als einfach zu sagen: Schwamm drüber! Die ein oder andere Entgleisung tut mir wirklich leid, viele waren wohl eher lustig und nicht weiter wild. Manch Beitrag könnte den ein oder anderen Angriff enthalten, den ich heute so nicht mehr starten würde. Das möchte ich aber meiner allgemeinen Entwicklung zuschreiben.

Heute sehe ich mich fast ein halbes Jahr nach dem psychotischen Gipfel meiner letzten Manie. Wenn ich das vergleiche mit meiner ersten Manie, so liegen Welten dazwischen, was ich in allererster Linie der Medikation zuschreibe, denn die letzte Manie war weitaus heftiger und anstrengender als meine erste. Diesmal bin ich aber nicht so zugeballert, wie die Ärzte es empfahlen; ich habe nicht zu allem Ja und Amen gesagt in der Hoffnung auf Heilung. Und ich habe mit Olanzapin ein Medikament gefunden, das ich abgesehen von Spontanverfettung (30kg in 3 Monaten) vergleichsweise gut vertrage. Bei meinem nächsten Gespräch mit meiner Ärztin will ich noch eine Stufe runtergehen, weil es nach wie vor so ist, dass ich das Gefühl habe, anders zu sein als ich es normalerweise bin: Langsamer, ruhiger, stiller, in mich gekehrter und das in einem solchen Übermaß, dass ich mich nicht wohl damit fühle.

Und natürlich würde ich gerne wieder abnehmen, schaffe es aber bisher nicht. Ich habe immer wieder Schokoladenkaufundfressanfälle, die ich nicht gänzlich unterdrücken kann. Was mich dagegen freut, ist, dass ich wieder gut in Bewegung eingestiegen bin. Ich fühle mich etwas fitter und bin nicht ganz so schnell aus der Puste wie noch im November.

Das alles findet wohlgemerkt neben der Ausbildung statt, die ich seit September absolviere. Beim ersten Modul habe ich mich manisch präsentiert, das zweite wegen Klinikaufenthalts versäumt und seitdem fleißig das mittlerweile straff anziehende Programm absolviert. Dazu gehören ua.a zwei Praktika, ein in Kleingruppen vor der Großgruppe zu haltendes Referat und ein als Gesamtgruppe auszuarbeitender an der Uni zu haltender Vortrag, der bis hin zur Performance in szenischer Ausarbeitung ausgestaltet werden kann.

Bei meinem ersten Praktikum im Oktober/November war ich noch total platt und ziemlich überfordert. Ich habe tapfer am Treff in einer Einrichtung der ambulanten Sozialpsychiatrie teilgenommen, mich aber nicht wirklich als Begleiter einbringen können. Ein Raum, voll mit Menschen, die alle durcheinanderschnattern überfordert mich einfach. Das ist kein geeigneter Arbeitsplatz für mich. Meine Stärke liegt ganz eindeutig in Einzelgesprächen, die ich dort leider nicht führen durfte.

Mein zweites Praktikum wird im stationären Bereich stattfinden. Geplant ist, dass ich dort eine Spielegruppe anbiete und Einzelgespräche. Hier sehe ich die größte Gefahr, in der vorhandenen Struktur unterzugehen. Und die Geruchsbelastung in den Patientenzimmern wird mich herausfordern. Das habe ich bereits bei der Hospitation bemerkt.

Wenn ich mir so ansehe, was ich geschrieben habe, dann ist das schon wieder sehr viel, viele offene Baustellen. Dabei habe ich noch längst nicht alles angesprochen, was mich im Moment gerade bewegt. Ich glaube aber, das Jammertal habe ich schon wieder hinter mir gelassen.

Jahrestag

Liebes Tagebuch,

alles Gute zu Deinem Geburtstag!

Es ist ein Jahr vergangen, seit ich dieses Blog eingerichtet habe. In diesem Jahr ist verdammt viel passiert. Von einem Höhenflug ging es durch eine dysphorische Manie ab in die Klinik und von da in den Keller der Depression. Noch bin ich dabei, mich von diesen Strapazen zu erholen. Ich habe auch deshalb nicht mehr gebloggt, weil es mich schlichtweg zu sehr angestrengt hätte.

Für mich ist es ein Segen, nun auch offiziell als bipolar zu gelten. Nun habe ich das Gefühl, dass mir auch geholfen wird und ich kann diese Hilfe besser annehmen. Ich bin nur noch unsicher, was ich bin und was ich bin, weil ich manisch-depressiv bin. Dieses Phasenhafte gehörte immer schon zu meinem Erleben und ich bin mir nicht sicher, ob ich es überhaupt anders haben will. Wenn ich da von anderen lese oder höre, die sich haushoch verschulden oder/und wild durch die Betten hopsen – das mache ich nicht. Ich schreibe wirre Mails und wenns ganz schlimm kommt, verschenke ich mein Eigentum.

In diesen Monaten seit meinem letzten Klinikaufenthalt im August und September habe ich auch wieder kräftig zugelegt. Ich bin wieder da, wo ich vor zwei Jahren zuletzt war: um 120kg. Das finde ich wirklich schlimm und ich kann die Schuld nur zum Teil auf die Tabletten schieben. Ich war so kurz vorm Ziel und das ist wirklich bitter. Zur Zeit habe ich jedoch auch noch mit Knieproblemen zu kämpfen, deshalb mache ich die letzten Wochen guten Gewissens mit dem Sport Pause. Der Orthopäde will ausschließen, dass der Außenmeniskus angerissen ist. Im März wird ein MRT gemacht und dann wissen wir mehr.

Die Zeit meiner EX-IN-Ausbildung ist schon zur Hälfte vorbei und es steht mein zweites Praktikum bevor. An diesem Blog merke ich sehr deutlich, wie enorm zuviel ich mir vorgenommen habe, beispielsweise diese Kategorie EX-IN und ich habe überhaupt nicht wie angedacht regelmäßig berichtet. Offline habe ich eine kleine Datei, in der ich dann und wann etwas tippe, um meine Entwicklung nicht ganz aus dem Auge zu verlieren. Morgen werde ich Spinatcremesuppe kochen, da sich eingebürgert hat, dass immer samstags jemand von uns kocht und wir dann gemeinsam essen. Das finde ich eine schöne Tradition.

 

Scham-Rolle à la Geschlossene

Überrollt von der Scham nach der Manie mache ich mir Gedanken über die Rolle der Scham und schäme mich meiner wieder frisch angefutterten Speckrollen. Superduper Wortspiel und das trotz Tablettenkonsum – oder gerade deshalb wieder möglich?

Nachdem ich bereits im September zwei Wochen mit Beschluss in Hamburg in der Klinik verbracht hatte, blieb mir noch weniger Zeit, um mein Leben in Hamburg wieder zu ordnen. Mein neues tolles Leben, in dem ich endlich wieder erwerbstätig oder zumindest erkennbar auf dem Weg dahin bin. Das Leben, in dem ich Genesungsbegleiter werde. „Scham-Rolle à la Geschlossene“ weiterlesen

Der Wal, zeichnet sich durch sein unhandlliches Format aus

Game Over

Anders als vorhin (Der Tango als paartherapeutisches Element) angenommen, hat es nun heute überhaupt nicht geklappt mit dem Tanzen. Es fehlte ein Schlüssel, weshalb wir den Raum nicht nutzen konnten.

Unterwegs zu einer anderen Location, wo heute eine Milonga stattfindet, haben wir uns ein wenig unterhalten. Dort angekommen stellte ich fest, dass mir 9 EUR Eintritt für diese Milonga zu teuer waren.

Wir setzten uns also auf ein Getränk zusammen und haben sozusagen vor Zeugen (Tanzlehrer und Tanzpartnerin) ganz offiziell unsere Trennung vollzogen.

Von meiner Seite steht das Angebot: Sobald mir eine Paartherapie konkret angeboten wird, bin ich dabei. Aber ich initiiere keine mehr.

Das kommende Jahr wird mein EX-IN-Jahr und das werde ich so oder so in einer eigenen Wohnung verbringen. Tanzen kann ich auch gerne woanders, damit wir uns nicht in die Quere kommen. Ebenso wie ich die gemeinsame Wohnung bereitwillig aufgebe, weil ich weiß, dass ich in der Lage bin, mir eine neue zu suchen – mit oder ohne Hilfe.

Meinem Ex wünsche ich viel Kraft und Erfolg bei der angestrebten Einzeltherapie.