Rentnersocken

Rentnersocken und Gangart

10 Juli 2016

Schreitest Du schon oder knallst Du noch die Hacken auf? Venenschwäche, Ballen- und Hackengang stehen offenbar in einem Zusammenhang. Zumindest, wenn man Dr. med. Peter Greb glauben möchte, der ein Buch über Ballen- sowie Hackengang geschrieben und den Begriff GODO geprägt hat.

Einen Auszug möchte ich zitieren:

Da die Muskelpumpen beim GODO doppelt und differenzierter aktiviert werden, kann sich venöses Blut nicht so leicht in den Beinen stauen wie beim Hackengang. Der Hackengänger leidet immer an den Folgen einer nur einfachen Muskelpumpe pro Schritt, die beim „Ich will“ aktiviert wird. Ein „Ich will“ benutzt die extrinsische Muskulatur. Eine zweite Pumpaktion entsteht nur beim Ballengang aus dem Auftreten mit dem Vorfuß und dem folgenden intrinsischen Absenken beim Zur-Ruhe-Kommen. Beim Hackengang wird diese zweite Muskelpumpaktion durch die direkte Landung auf der Ferse nie erzeugt. Hackengehend unterdrücken wir also in jedem Schritt die eine der beiden Muskelpumpaktionen und schwächen damit den venösen Teil unseres Kreislaufes. […]

Seiner Ansicht nach hat die Gangart noch weitere Folgen, die über Venenschwäche, Rückenschmerzen und andere Haltungsschäden hinausgehen. Mir reichte aber alleine dieser Abschnitt, um es mal ganz bewusst mit einer neuen Gangart auszuprobieren. Letzte Woche habe ich mir, obwohl ich dieses Buch schon zur Hand gehabt habe, dennoch spezielle Abrollschuhe (MBT-Schuhe) für knapp 250,- EUR im Sanitätshaus gekauft, um dann festzustellen, dass ich mir auch mit diesen neuartigen Schuhen eine neuartige Gangart angewöhnen muss – nämlich der Hackgang auf die Spitze getrieben.

Hintergrund  ist die Tatsache, dass die Messung meiner Venenleitgeschwindigkeit nach einem Jahr trotz Gewichtsreduktion von 30 Kilo zwischen den beiden Messpunkten und trotz nahezu täglich einer Stunde Sport und trotz dem fast ausnahmslosen Tragen der verordneten Kompressionsstrümpfe (ich nenne sie liebevoll meine Rentnersocken, siehe Beitragsbild), die ich täglich mit der Hand wasche, eine deutliche Verschlechterung ergeben hat, so dass ich zur weiterführenden Diagnostik in eine Klinik überwiesen wurde und mir sogar schon eine OP angedroht wurde. Wenn das mal keine Motivation ist, etwas im Leben zu verändern, dann weiß ich es auch nicht.

Noch spekuliere ich zwar auf einen Messfehler, will die Zeit aber auch nicht ungenutzt verstreichen lassen. Zudem gefällt mir der Gedanke, dass zweimal Muskelpumpe pro Schritt vielleicht auch mehr Kalorien verbrennt.

Im ersten Schreck hatte ich geglaubt, die Strümpfe hätten die Verschlechterung verursacht, weil sie den Venen die Arbeit erleichtern und diese daher nachlassen.

Nun habe ich also vorschriftsmäßig mithilfe der Anleitung im Buch den richtigen Stand eingenommen und ein Gefühl für das richtige Abrollen erarbeitet. Es kam mir recht bekannt vor von der Körperarbeit beim Tanzen. Und als ich dann sehr bewusst im Ballengang ging, fühlte ich mich tatsächlich wie im Buch angekündigt exponiert. „Rentnersocken und Gangart“ weiterlesen

Advertisements
LOVE KNOWS NO GENDER

Nach dem CSD ist vor dem CSD: Schriftsteller auf Urlaub

Montag, 4. Juli 2016

Schwul bin ich ja auch noch, egal ob ich schreibe oder nicht. Und da bin ich nicht der einzige. „Und das ist gut so“, müsste ich als Berufsschwuler wohl dazu sagen. So jemand bin ich aber nicht, genauso wie ich keine Berufstranse bin. Ich bin ich und das auch noch im Urlaub. (Ob man von Krankheit wirklich Urlaub nehmen kann, lasse ich an dieser Stelle mal offen; vom Patientenalltag kann man sich dagegen sehr gut beurlauben, indem man sich von jeglichen Terminen durch Ortsabwesenheit entzieht.)

am 3. Juli 2016 fand die CSD-Parade Demo Colognepride 2016 in Köln statt, die (aus politischen Gründen) offiziell als „Demonstration“angekündigt worden ist, weshalb ich mich schwer getan hatte, sie auf der Homepage bei der Suche nach „Parade“ überhaupt zu finden. Nichtsdestotrotz ist es mir dank tatkräftiger Unterstützung gelungen, dort im Trans*Block mitzulaufen.

Video-Beweis: http://livestream.com/CSD2016/parade/videos/128533876

Das Video ist über drei Stunden lang. Nein, ich habe es nicht angesehen. Es wurde mir von einem Fan zugemailt, der mir eine SMS schrieb, dass er mich im Livestream gesehen habe. Ich bin etwa ab 2:25:00 im Bild.

Es war für mich bei aller Reizüberflutung in erster Linie ein ausgedehnter Spaziergang durch die Menschenmassen, der mir großen Spaß gemacht hat, auch wenn oder weil ich nach sechs Stunden Gehen bzw. Stehen auf Asphalt meine körperlichen Grenzen deutlich gespürt habe. Urban Hiking ist das neue Wandern, yeah! (Und ich dachte, ich habe eine tolle Idee, dabei hat schon jemande anders eine Website darüber erstellt.)

Ein Künstler hat uns mit Aquarellstiften bunte Tattoos aufgemalt, die der in Schauern immer wieder einsetzende Regen leider allzubald wieder abgewaschen hat. Zum Glück habe ich rechtzeitig Fotos machen können: „Nach dem CSD ist vor dem CSD: Schriftsteller auf Urlaub“ weiterlesen

Mut zu mehr Lücken

Guten Morgen,

ich habe beschlossen, dass ich noch weniger schaffen darf als bisher.

Es kommt ja, wie ich aus zuverlässiger Quelle weiß, doch keine Sau mit dem Lesen hinterher – abgesehen von Extremjunkies vielleicht, die ausreichend Tages- oder Nachtfreizeit haben.

Nachdem meine treue Leserin Sonja mir so hübsch die Hosen runtergezogen und mich vor den Spiegel gezerrt hat (O-Ton:

Wie immer ein gewollter und gekonnter Mix aus Berichterstattung mit informativen Elementen, aber aus subjektiver Sicht geschildert und über einen eingestreuten kurzen Exkurs in die Vergangenheit wieder zielgerichtet in die Zukunft geschaut.

)

Ganz ehrlich, meine Liebe?

Mein erster quergeschossener Gedankenimpuls dazu war die drängende Frage, wer Dir denn bitte ins Gehirn geschissen hat, mir eine derartige Absicht zu unterstellen. Wenn ich mich nicht entscheiden kann zwischen Hoch- und Tiefstapeln, dann kannst Du doch nicht einfach die Frechheit besitzen, mir ganz ungefragt zu erklären, warum meine Texte so gut beim Publikum ankommen – damit wärst Du nach Anklam Insultings schon die zweite Person, die mir das erklärt.

Nachdem der Schmerz dieser Erkenntnis verklungen war, frage ich mich zögernd: Hat sie vielleicht recht? Verwechsel ich jetzt schon Licht mit Scheffel und nicht mehr nur die Ausrichtung? Bin ich wirklich sooo genial, dass ich mich selbst für verrückt halte, obwohl ich es gar nicht bin? Das mittlerweile vier Jahre alte Dilemma, das ich mittlerweile satt habe.

So nach dem Motto:

  • Wenn der Hahn mich jagt und ich hock mich hin, bin ich ein Flittchen.
  • Lauf ich weg, bin ich feige.
  • Wie ichs mach, mach ichs verkehrt.
  • Ach watt, ich stolper einfach.

Und so mache ich das jetzt auch: Ich mache diesen EX-IN-Spagat und bin mit einem Auge durchgeknallt und mit dem anderen seriös. Halb Künstler, halb Heiler, halb krank = 150% ich. Ein Fuß in der Klapse und einer im Hörsaal vorm hochverehrten Auditorium. Man wird mir Gehör schenken. Man wird mich lesen. Ich komme vielleicht im Fernsehen, quatsche mit Domian und lerne noch mehr Promis kennen – High Society ich komme.

Ich werde endlich die Zeit zum Schreiben – also richtig produktiv schreiben, so mit nachher fertig Buch aufm Buchmarkt und so, ganz echt zum anfassen ein haptisches Buch zum Liebhaben – diese Zeit werde ich nicht nicht einfach so urplötzlich finden, sondern die werde ich mir ganz bewusst nehmen, indem ich meine Zukunft wie ein mündiger Bürger mitgestalte.

Und falls das nix werden sollte mit der Rente, bewerbe ich mich noch fix beim Netto um die Ecke, die suchen nämlich grad Aushilfen. Das gibt eh nur rentenverträgliche 450,- EUR und macht bestimmt Riesenspaß, das mal auszuprobieren. Und selbst wenn ich damit wieder zusammenbreche, dann ist das wieder ein Schritt in Richtung Rente und nebenbei eine prima Gelegenheit, Gleichstellung zu beantragen.

Ich mach das jetzt einfach wieder so wie früher, bevor ich wusste, was ich alles nicht können darf. Hm, nein, ich hatte eine bessere Formulierung dafür:

Sehr vieles in meinem Leben habe ich erreicht, weil ich gar nicht wusste, dass das unmöglich ist.

(Ingo S. Anders, Schriftsteller)

Und jetzt, liebe Sonja, möchte ich Dir die Füße küssen dafür, dass Du mir bewusst gemacht hast, wie mein therapeutisches Schreiben funktioniert. Durch genau diesen Weg vom Jetzt in die Vergangenheit geschwenkt, ein Blick in die Zukunft und zurück ins Hier und Jetzt. Genau so muss eine gut geführte Therapiesitzung verlaufen, um mir Halt bieten zu können.

Genau dieses Muster übernehme ich jetzt in einer Drei-Tage-Woche.

  • Montag: Gestern
  • Mittwoch: Heute
  • Freitag: Morgen

Damit kann ich an einem einzigen Arbeitstag eine Drei-Tage-Woche simulieren. Gut, oder? Ich muss nur meine Ergüsse noch besser aufdröseln und dafür brauche ich einfach eines: Zeit.

Und die Geschichte mit der Botschaft

Zeit hat man nicht. Zeit nimmt man sich.

(Meine bessere Hälfte, aber davor bestimmt auch schon jemand – http://www.gidf.de)

Der Faktor Zeit ist sehr entscheidend lehrt einer, der selbst gar nicht gut schreiben kann -aber er kann es einfach verdammt nochmal gut erklären, wie jemand anders das hinkriegen kann. Namen sind Schall und Rauch, solange man sich nicht für die Außenwelt interessiert, aber im Informatikstudium habe ich gelernt, dass es sehr wichtig ist, Objekte eindeutig bezeichnen zu können, damit sie wiedererkannt werden. Also wenn ich Dir nun eine Lektüreempfehlung machen will, muss ich entweder nach dem haptischen Buch in meinem Regal suchen (da steht der Name drauf!) oder in meinem angeblich kaputten, ganz unbestritten aus dem Takt geratenen, Hirn graben.

Also: Aufstehen, Bücherregal. Ohne meine Ordnung, wo alle Dinge ihren festen Platz haben, wäre ich manchmal echt im Arsch und nicht nur am Arsch.

Dazu: Zeit ist Geld und jeder Gang macht schlank.

Und bitte:

James N. Frey: Wie man einen verdammt guten  Roman schreibt 2.

Kann ich Dir gerne bei Gelegenheit mitbringen, falls Du Interesse hast. Der Vollständigkeit halber auch den ersten, den Du zum Vergleich heranziehen kannst, weil er in Teil 2 beschreibt, was er in Teil 1 falsch gemacht hat.

Das Buch „The Design of everyday Things“ musste ich überhaupt nicht lesen, weil der Autor so nett war im Vorwort der überarbeiteten Auflage reinzuschreiben, was er mit seinem Buch falsch gemacht hatte. Er hatte auf seinen eigenen Ratschlag nicht gehört. Das scheint irgendsoeine Art Betriebsblindheit zu sein, die viele Menschen ergreift, die Supervision benötigen. Da ich irgendwie anders ticke, kann man mich nun für einen seltenen biographischen Unfall (Prof. Peter Kruse über Kreativität) halten oder mich für verrückt halten und als krank etikettieren – mir mittlerweile alles recht, wie gesagt: Ich stolpere.

Nächsten Dienstag gehe ich zur Notfallsprechstunde der medizinischen Fachkraft mit Approbation, der ich derzeit noch vertrauen kann und bitte sie darum, mich wegen emotionaler Instabilität krankzuschreiben bis zu unserem nächsten regulären Termin am 1. September. Egal was sie denkt, egal, was sie auf den Zettel schreibt: Es bringt mich meinem Ziel näher. Entweder hält sie mich für verrückt, dann gehe ich in Rente, oder sie hält mich für gesund, dann bin ich endlich geheilt und auf der sicheren Seite und werde nie wieder weggesperrt.

An diesen Traum klammere ich mich jetzt, um bis Dienstag durchzuhalten.

Meine Krisenbegleitung ist (mal wieder) überfordert und heute morgen um fünf – ich habe ehrlich gesagt simuliert, aber ich musste wirklich ausprobieren, ob man nachts anrufen kann oder nicht – kann man nicht, jedenfalls nicht bei dieser Person und ich weiß ja nie wer dran ist.

Ich werde alles daran setzen, dass es mir gut geht, dass ich weiterhin funktioniere und ich werde mit Behinderung argumentieren. Das ist nicht gelogen und hilft mir dabei, mich durchzusetzen. Ob ich behindert bin oder werde lasse ich mal offen, aber normalerweise will da niemand den Feststellungsbescheid sehen.

Vom Steuerberater mal abgesehen. Aber dem bereite ich nur noch das vor, was ich noch schaffe. Denn ab Dienstag bin ich ja dann krank und muss nicht mehr funktionieren. Und das WE komme ich endlich hier raus und mein Mann ist unter Aufsicht und ich muss mich nicht selbst kümmern. Und das alles ohne Diagnose für ihn – was für ein Glück es doch ist, hinreichend liquide zu sein.

Was die Krankenkasse nicht zahlt, setzen wir von der Steuer ab und fertig. Ich fasse es echt nicht, dass ich jahrelang so verfickt verkrampft war und uunbedingt auf Teufel komm raus alles immer alleine und selbst machen wollte und niemandem zugetraut habe, irgendetwas auch mal ordentlich zu machen. Natürlich würde ich es selbst gründlicher machen und meinen eigenen Vorstellungen dafür näher kommen, wenn ich nur die Zeit hätte, alle die tollen Ideen auch so akribisch umzusetzen, wie ich das gerne würde.

Aber wie gesagt:

Geld ist Zeit. Die anderen haben das falsch verstanden. Nicht Zeit ist Geld, sondern Geld ist Zeit. Mit Geld kann ich mir Zeit kaufen um das zu tun, was ich gerne tun will anstatt dem, was ich zwar auch kann, aber nicht so gerne tun will.

(Ingo S. Anders, Schriftsteller)

Also ich will gerne jetzt mal bissl Gas geben mit meiner Schriftstellerkarriere. 2014 habe ich meiner Ergotherapeutin das versprochen. 2016 habe ich mir selbst das versprochen. Der Unterschied in Sachen intrinsischer Motivation ist gewaltig, wenn ich es für mich selbst tue.

Und vor allem, seit ich eingesehen habe, dass ich ohnehin keine andere Wahl habe als zu schreiben, weil das das ist, was ich tun muss, um halbwegs bei Sinnen zu bleiben, ist auch meine 16jährige Berufsorientierungskrise vorüber.

Meinen Weckruf hatte ich dieses Jahr am Valentinstag.

Es reicht vollauf, wenn diejenigen Bücher schreiben, die man von der Tastatur wegzerren muß, damit sie das Essen nicht vergessen…

(Andreas Eschbach, Schriftsteller)

Andreas Eschbach ist ein megamäßig gottgleich überhöhtes Ideal, wie ein Schriftsteller sein sollte – jetzt bin ich tatsächlich so weit, mich da wieder zu erkennen.

Meine erste Veröffentlichung hatte ich im Alter von zehn Jahren. Kommt bestimmt gut in der Vita.

Schade nur, dass ich in einem dieser beschissen Anfälle von Selbsthass mein Belegexemplar zerstört habe und nun einfach nicht die Zeit finde, mich selbst ins Archiv zu hocken und danach zu suchen. Aber ich bin sicher, es gibt fleißige Rentner_innen, denen nichts lieber wäre als eine gescheite Aufgabe, damit der Tag ein Highlight hat und die sich über ein Buch als Belohnung sicher freuen würden. Irgendwo da draußen sind sie und warten nur darauf, in Aktion treten zu dürfen.

Sobald ich mit meiner Mutter gesprochen habe und noch mal klar habe, welche Zeitung das war, wann das ungefähr war und wo die das Archiv haben und so weiter – dann blogge ich darüber und dann wünsche ich mir einfach vom Universum (Danke Hape!) , dass sich das früher oder später schon regeln wird und bin ganz gespannt darauf was werden wird.

Falls Du mal keine Zeit zum Pilgern hast, Sonja, aber Dir danach wäre: Das hat schonmal einer gemacht. Gibt ein Hörspiel, das ich Dir ausleihen könnte: Ich bin dann mal weg von Hape Kerkeling.

Und jetzt bin ich dann mal weg. Zumindest hier im RL stehe ich die nächste Zeit nicht mehr als Patient zur Verfügung. Ich lasse mich krankschreiben, um Urlaub vom Kranksein zu machen. So.

Ich werde berichten, früher oder später.

Und tschüß!

Ruheforst

Mein Freund der Baum

Samstag, 28.05.16

Als ich dieses Lied das erste Mal hörte, musste ich weinen. Das war so traurig, dieses Schicksal des Baums, dass es mich mit sich riss. Damals als Kind konnte ich noch ungehemmt weinen, wenn mir danach war. Ich hatte noch nicht gelernt, dass man als Erwachsener seine Gefühle zu verbergen hat.
„Mein Freund der Baum“ weiterlesen

Therapieabbruch – Strukturwechsel

Mittwoch, 25. Mai 2016

So ihr Lieben, Schluss mit lustig.

Ich habe an einer Ergotherapie teilgenommen (das dritte Mal insgesamt in den letzten drei Jahren, ich steh total auf Ergo) und hatte vom ersten Moment an das Gefühl, dort nicht gut aufgehoben zu sein. In Begleitung habe ich die Räumlichkeiten das erste Mal aufgesucht und fast schon über meinen Kopf hinweg wurde ein Termin vereinbart. In dem Moment war ich außer mir und nicht in der Lage, das abzulehnen oder anderweitig gestaltend einzugreifen.

Als ich dann dort im Wartebereich saß bestätigte sich noch vor der Bekanntschaft mit der Therapeutin mein Ersteindruck: Das geht gar nicht hier. Die Räume sind viel zu offen gestaltet und es ist grausam hellhörig. Glastüren sind eine nette Sache für Konferenzräume, aber wenn ich therapiert werde in einer Einzelsitzung, wünsche ich dabei keine unnötige Ablenkung.

Gegen Publikum habe ich nichts, solange es sich nicht bewegt. Aber eine im Flur vorbeihuschende Person ist nunmal ein visueller Reiz, der mich unnötig belastet, wenn ich meine volle Konzentration brauche. In diesem Raum habe ich nie sitzen müssen, aber dennoch fiel es mir auf.

Ich habe Verständnis dafür, dass die Türe zum Treppenhaus mit einem Keil blockiert werden muss, weil man zu faul ist, den Klient_innen die Türe einzeln zu öffnen. Trotzdem fände ich es angenehmer, wenn man etwas Geld in die Hand nehmen und eine technisch komfortablere Lösung suchen würde, damit der Schall aus dem Treppenhaus auch dort bleibt.

Was ich aber das allerschlimmste finde, und das habe ich mehrfach und erstmals gleich bei der ersten Begegnung mit der Therapeutin rückgemeldet: „Wenn ich da sitze und warte, dann möchte ich mir nicht anhören müssen, wie ihre Kollegin auf der Toilette strullert.“ „Therapieabbruch – Strukturwechsel“ weiterlesen

Ich vor einem großen Baum, dem viele Äste abgesägt wurden.

Wanderung an der Oberalster

Männer, die gerne in der Natur sind, pinkeln in der Regel auch gerne in den Wald. Jedenfalls stelle ich mir das so vor – ich habe mich noch nicht getraut, direkt nachzufragen. Falls es sie gibt: Zu denen gehöre auch ich.

Ein beeindruckender Baum an der Oberalster.
Kastrierter Baum

Am Samstag vorvergangener Woche habe ich an einer Wanderung an der Oberalster mit Marc von der Outdoor-Gruppe von Startschuss teilgenommen. Für mich hat dieses Wochenende mit den sehr angenehmen Temperaturen (mit derselben dünnen Hose!) nun endgültig den Sommer eingeläutet.

Leider habe ich den beeindruckenden Kirschbaum* in voller Blüte nur mit meinem Hirn geknipst und ihr müsst jetzt mit dem kastrierten Baum vornehmen, der an dem Platz stand, an dem wir gerastet und gespiesen haben.

Bewusst für die anderen offen plauderte ich übers Abnehmen und Nichtrauchen und hörte von der Leidenschaft fürs Radfahren, die ich nicht teile, und tauschte Träume von Fernwanderungen.

Für mich war es das erste Mal, dass ich gut mir Kontakt und Rückzug gut haushalten und so die Wanderung sehr genießen konnte und auch die Gespräche mit vielen verschiedenen Menschen als angenehm erlebt habe.

Nur eine Situation war grenzwertig, als ich alleine ging, während sich vor mir zwei unterhielten und ich deren Gespräch sowie das der beiden hinter mir und der beiden dahinter verfolgte und nur dann, wenn sie sich gegenseitig übertönten, Satzfetzen nicht bei mir ankamen.

Ich nahm also gut 85% der Informationen dieser sechs Sprecher nebst Vogelgezwitscher und anderer Hintergrundgeräusche bewusst auf. Dazu kommen sämtliche visuell aufgenommenen Informationen und Empfindungen meines Körpers, wie Gerüche, Geschmack, Gluckern im Gedärm, brennende Muskeln, schmerzende Knochen,…

Unterm Strich betrachtet habe ich ein episodenhaftes Gedächtnis, dh ich erinnere Erlebnisse wie Filmszenen nebst all dem, was der Zuschauer eines Films – oft zum Glück – nicht mitbekommt. Ein bisschen fühle ich mich wie die Heldin in Unforgettable, die – künstlerisch überhöht – in ihrer Erinnerung zurückgehen kann als spule sie ein Video zurück.

Jetzt beim Schreiben kann ich in aller Ruhe sortieren und die Reize von Außen herauspflücken, in hübsche Worte kleiden und mit dem ein oder anderen Schuss Gedanken meiner damaligen oder jetzigen Innenwelt garnieren. Beispiel:

Dieser Kirschbaum erinnerte mich an die Sommer meiner Kindheit. 
Ich erblickte ihn am Ende einer Biegung des Weges vor einigen 
Häusern am Waldrand und schmeckte sofort die Luft auf meiner
Zunge, die baldigen Regen ankündigte. Es roch nach Elektrizität.
Ein Gewitter nahte.
Die Straße, in der ich aufgewachsen war, war von noch recht 
jungen japanischen Zierkirschen umsäumt - ganz hatte das Geld
für eine Allee nicht gereicht. Lange war ich nicht mehr dort.
Wie groß die Bäume wohl heute sind?
Dieser Baum hier erhebt sich majestätisch vor mir auf seiner
Anhöhe. Seine Blüten sind ein rosa Fest für die Sinne - 
es duftet nach Sommer und das leise Rauschen strahlt die Ruhe
und die Kraft aus, mit der er fest in der Erde verwurzelt ist.

(Naja ok, eigentlich erlebe ich die meisten Düfte als Gestank,
weil sie einfach zu intensiv sind, um angenehm zu sein.
Ich denke, der Detailreichtum ist trotz Weichzeichner und
kitschigem Geschwurbel deutlich geworden.
Dieselbe Erinnerung kann auch sehr viel technischer mit Fach-
wörtern beschrieben werden. Diese Genauigkeit ist sehr hilfreich
beim Erstellen von Bugreports oder bei der Definition von Kenn-
zahlen oder beim Schreiben von User Stories.)

Für Schriftsteller oder Journalisten und alle anderen, die beobachten und darüber berichten wollen ist das natürlich grandios. Für jemanden wie mich, der unterbezahlt in ein Großraumbüro gesetzt wird, dagegen Folter. Zum Glück blieb mir das bisher erspart.

Dies (und anderes, ich möchte hier nicht zu weit ausschweifen) ist eine Folge der sogenannten „Reizfilterstörung“ meiner schizo-affektiven Störung und oder, was ich konzeptionell vorziehe, die niedrigere Wahrnehmungsschwelle aufgrund meiner Hochsensibilität. Die psychische Minderbelastbarkeit bleibt, aber ich kann durch Optimierung meiner Work-Life-Balance so sehr dissimulieren, dass man mir meine Behinderung nicht anmerkt.

In einem Chat wäre es für mich kein Problem, diese Daten alle zu verarbeiten (ich habe auch schon, über Stunden hinweg und ohne Pausen, 15 oder 20 private Chatgespräche gleichzeitig geführt), weil dort 100% der

Ich klettere auf einen Baum.
Ich musste klettern, sonst gäbe es kein Foto.

Informationen von drei Gesprächen bei mir ankommen und ich allen parallel ohne Probleme folgen kann.

Die Aufnahme akustischer Informationen dagegen fällt mir sehr viel schwerer und das Ausblenden der Stimmen der anderen ist allerdings noch schwieriger, weil es erfordert, den Fokus meiner Aufmerksamkeit ganz bewusst auf etwas anderes zu lenken und damit viel Konzentration kostet.

Aus diesem Grund, und weil Menschen sich auch in der S-Bahn unterhalten, habe ich in den ÖPNV immer meine Kopfhörer bei mir und höre Musik, um die dortige Geräuschkulisse zu übertönen.

Zum Glück gab es aber auch Streckenabschnitte, wo wir schweigend neben- oder hintereinander hergingen und ich so die Gedanken in meiner Innenwelt schweifen lassen konnte. Das neben dem Weg verlaufende Gewässer tat sein Übriges zu meinem Ausgleich.

 

Mein persönliches Highlight war wie immer meine Pinkelpause:

Ich habe – und das ist eine andere Geschichte – endlich kein mentales Problem mehr, meine 7-EUR-Pinkelhilfe zu benutzen. Ich musste mich bei Harndrang also nur unauffällig zurückfallen lassen, eine geeignete Stelle ausgucken, am Rand stehen bleiben, die Hose aufmachen, in die Tasche greifen, um mein Hilfsmittel herauszuholen und damit mein Geschäft verrichten.

Der Pee Off von Laura Méritt machts möglich.

Ich hoffe, ihr verzeiht mir, dass aus der Wanderung an der Oberalster eine Wanderung durch meine Innenwelt geworden ist. Die Freiheit nehme ich mir einfach, da mich keiner für meine Arbeit bezahlt.

Als Entschädigung zeige ich euch noch meinen hart erarbeiteten Knackarsch:

Ich erklettere einen Baum.
Äffchen

 

Das Bild zeigt einen Blick in die Lüneburger Heide.

Wanderndes Walross

Ich bin enorm leidensfähig und zudem auch noch gut im Verdrängen, was es sehr schwierig macht, mit unter 100kg noch einen Grund zu finden, weiter abzunehmen. In meinem Alltag habe ich normalerweise keine Herausforderungen, die mich derartig an meine körperlichen Grenzen bringen würden, dass ich mich unwohl fühlen müsste.

Es ist mir jedoch gelungen, und zwar indem ich mir einen lang ersehnten Wunsch erfüllt habe: Endlich wieder wandern zu gehen.

Geplant war der gesamte Heidschnuckenweg mit 223km in gemütlichen 14 Tagen. Tatsächlich musste ich diese Reise, auf die ich drei Jahre hingearbeitet hatte, trotz Minimalstgepäck von 6kg leider nach knapp der Hälfte wegen Knieschmerzen abbrechen.

Wäre es wärmer gewesen, hätte ich unabhängig von Einkehrmöglichkeiten und somit sehr viel häufiger pausieren können und das hätte es zumindest erträglicher gemacht. Solche Beschwerden wie jetzt mit rd. 95kg erinnere ich nicht von meiner letzten längeren Wanderung vor vierzehn Jahren damals in Schweden mit ca. 80kg – trotz mehr als doppelt so viel Gepäck. Ja, das Alter, der Verschleiß, Arthrose in den Knien…

Fakt ist, ich bin mit 95kg bei 175cm noch mindestens 20kg zu schwer und anders als der Rucksack, den ich nach wenigen Stunden ablegen kann, belastet mich dieses überflüssige Fett permanent. Jeden Schritt, den ich am Etappenziel mache, mache ich mit diesem unnötigem Gewicht. Das muss nicht sein.

Nun bin ich froh, dass ich wieder Motivation gefunden habe, mein Ernährungstagebuch fortzuführen. Es fällt mir auch kein Grund ein, nicht gleich am nächsten Montag noch einmal mit der 90-Tage-Challenge zu beginnen. Das Laufen auf dem Crosstrainer fällt mir derzeit etwas schwer; die Knie ächzen auch nach einer Woche Schonung noch.

Wenn Du also gerne an den Punkt kommen möchtest, abnehmen zu wollen: Setze Dir ein Ziel, das Du erreichen möchtest, auch wenn es bisher völlig außerhalb Deiner Möglichkeiten zu liegen scheint.

Konzentriere Dich auf etwas, dass Dir mit weniger Gewicht leichter fallen wird. Wenn es nicht das alltägliche Treppensteigen ist, dann möchtest Du vielleicht Deinen Spaziergangs-Radius ausdehnen oder Dich einfach nur auf der Toilette nicht mehr abstützen müssen.

Mein noch nicht erreichtes Ziel ist übrigens immer noch das Klettern. Mit 16 Jahren und etwa 120kg bin ich an einer erbärmlichen Strickleiter gescheitert. Solche Leitern stellen inzwischen kein Problem mehr für mich dar, aber ich möchte gerne mal in einen Klettergarten oder eine Kletterhalle gehen und nicht nach 5 Minuten feststellen, dass ich es nicht ohne Aufzug nach oben schaffe. Meine Belohnung für das Unterschreiten der 90kg-Marke wird eine Reitstunde sein. Mit weniger als 80kg werde ich mich dann nochmal ans Wandern wagen – im Inland, wo ich jederzeit abbrechen kann. Klappt das hierzulande problemlos, geht es für drei Wochen nach Schweden.

Urlaub auf Rügen – Experiment Zelten

Irgendwann will ich ja mal mit meinem Schatz durch Irland hajken. Das geht aber nicht, wenn er total unerfahren ist mit Zelten. Also erstmal langsam rantasten und lagern mit Tagesausflügen. Schliesslich sind wir ja beide nicht so fit.
Ein Kollege hatte ihm Prerow empfohlen, da war aber schon alles ausgebucht. Natürlich war alles ausgebucht, wir hatten uns ja immerhin die Hauptsaison ausgesucht. Letztlich habe ich alles in der Gegend abtelefoniert, bis es uns nach Altefähr auf Rügen verschlagen hat. Das hatte auch einen entscheidenden Standortvorteil, nämlich ne Hertz-Vermietstation gegenüber in Stralsund. Darum konnten wir dann sehr dekadent packen, weil wir alles mit dem Auto auf dem Campingplatz abgeladen haben und nachher wieder eingeladen. Dann das Auto abstellen und mit dem Taxi zurück zum Platz – sehr bequem!
So kam es dann auch, dass wir Koffer im Zelt hatten.

Wir haben es also erstmal ruhig angehn lassen und uns danach davon ausgeruht. *gg

Wandern:
Auf der Suche nach einem geeigneten Badestrand sind wir 5km die Küste langgelaufen, aber Fehlanzeige. Was gleich in der Nähe war, war auch die einzige Möglichkeit: Feiner weisser Sandstrand, aber im Wasser überall Seegras. Und ständig kamen Strandspaziergänger an diesem (FKK)-Strandabschnitt vorbeigelaufen.
Quer durch den Ort sind wir auch noch gelaufen, um uns Orientierung zu verschaffen. Wir haben tatsächlich einen Bäcker, Metzger und Kiosk gefunden. Der Bahnhof befindet sich beknackterweise ausserhalb vom Kaff am ganz anderen Ende. Aber es gibt einen. ^^

Radfahren:
Die 30km entfernte Straussenfarm lockte uns, doch mal Räder auszuleihen und unsere Radwanderkarte zu testen. Böse!
Wir hatten beide ewig nimmer aufm Rad gesessen und nach knapp der Hälfte der Strecke hat unser Popo nein gesagt, also noch schnell ein Softeis gegessen und zurück au-au. {Emotic(buns)}
Fraglich, ob wir es geschafft hätten, wenn wir von Anfang an auf den Radwegen laut Karte gefahren wären (blau) anstelle auf den Wanderwegen (rot).
Wenn wir dennoch in Samtens die Pause gemacht hätten, wäre es vermutlich kein grosser Unterschied gewesen.

Kultur:
Beim Deutschen Meeresmuseum, Aussenstelle Ozeaneum, haben wir gleich ein Kombiticket erworben, eins ermässigt für den Studenten und eins für meinen mehr oder minder erwachsenen Schatz. 😉
Mich haben mehr die Aquarien interessiert, aber ich kenne da jemanden, der liest sich jede einzelne Zeile der Beschreibungen durch. {Emotic(help)}
Wenn Du meine Knochen fragst, sind solche Museumsbesuche die anstrengendsten Eskapaden des Urlaubs gewesen.

Gastronomie:
Sehr zu empfehlen ist in Altefähr der Grieche Athos. Zum einen ist das Essen dort wirklich lecker, zum anderen wird man abgefüllt mit Ouzo. 3 Runden gabs aufs Haus!
Das andere ist in Samtens das Gasthaus direkt an der Kreuzung an der Bundesstrasse. Die Soljanka soll sehr gut sein und die Preise sind original ostdeutsch.
Das Eis fand ich im örtlichen Eiscafé am besten, auch wenn man an jeder Ecke Eis kriegen kann.

War schon gut, dass wir ein Brot, zeltplatztaugliche Wurst und ein Stück Käse hatten, sonst wären wir wohl für jede Mahlzeit essen gegangen. Auswahl gabs genug.