Eine Reihe von Bildern von mir in schrecklich unvorteilhafter Pose.

Woher ich meine eiserne Disziplin nehme

Ich habe keine solche übermenschliche Disziplin. Die wird mir jedoch regelmäßig unterstellt und ich wehre mich entschieden gegen dieses Stigma des naturschlanken Alles(von-Geburt-an)Könners.

Eigentlich ist eher das Gegenteil der Fall: Ich gehe den Weg des geringsten Widerstands, indem ich mich vom Leidensdruck leiten lasse. Ich gebe einfach nach, weil ich ein Warmduscher bin.

Okay, auf Anregung von Mark Lauren dusche ich inzwischen am Ende kalt ab, aber das mache ich doch freiwillig. Und weil ich mich dazu überwunden habe, es ein paarmal zu tun, konnte ich erleben, wie angenehm und außerordentlich hilfreich –  ganz abgesehen von Kreislauf und Immunsystem – solche Spiele mit der Temperatur sein können. Ein großer Vorteil ist zum Beispiel, dass sich nach einer kalten Dusche das nicht ganz so kalte Wasser im Schwimmbecken sich nicht mehr so kalt anfühlt. Wenn ihr euch schon bescheißen wollt, dann macht es bitteschön richtig. Und nein, das meine ich jetzt nicht im Wortsinne. Das ist doch wirklich Geschmackssache. Selbe Farbe, anderes Thema.

Wenn ich mich unwohl fühle, auf Schokolade verzichten zu müssen, dann esse ich sie. Ich vertraue darauf, dass mein Körper ganz automatisch dafür sorgt, dass ich mir hole, was ich brauche. Jetzt bin ich in einer Gewichtsreduktions- und Kraftaufbauphase, deshalb gibts jetzt keine.

Aber sobald ich wieder Platz auf den Hüfte habe, ist die zur Belohnung fällig, gell? Ne schicke Lederhose und geile Boots, damit es sich lohnt, die Figur zu halten, sind doch viel zu teuer. Jedenfalls teurer als eine Tafel Schokolade. Hm, als ich aufgehört hab zu rauchen, hab ich 150,-EUR pro Monat gespart. Aber ich kann ja auch nicht rechnen, ist ja nichts für (Milch)Mädels. Hm…. Kann einer von euch rechnen?

Mal Spaß beiseite: Wenn mir so überhaupt nicht nach Kalorienzählen ist, dann pausiere ich die Gewichtsreduktion und vertage die Fortsetzung auf einen späteren Zeitpunkt. Achtung! Das ist die Legaldefinition der sogenannten Fettlogik: „Eine Diät beginnt immer morgen.“ Ich darf das!

(Das ist bitte nicht als Kritik an der  von mir hoch geschätzten Autorin Nadja Hermann aufzufassen, sondern als ganz persönlichen Befreiungsschlag für mich ganz alleine. Und zwar weil ich weiß, dass ich Appetit, Hunger und Heißhunger auseinanderhalten kann und entsprechend auf meine Interpretation meiner Körperempfindungen vertrauen darf. Solange man das nicht kann, ist das Kalorienzählen richtig angewendet – dh. mit Küchenwaage und ehrlicher Berechnung des Verbrauchs – ein Segen. Ich bin also an einer anderen Stelle meines Weges und höchst dankbar für das Entfernen der Scheuklappen durch die Lektüre des von mir empfohlenen Buchs Fettlogik überwinden. Das hat mir doch ein deutlich höheres Tempo bei der Gewichtsreduktion ermöglicht, weil ich nicht weiter an einer ganzen Reihe von Fehlannahmen festhalte.)

Wenn ich meine Grenzen spüre, weil mir zB die Knie weh tun, dann memme ich ein bisschen und versuche, dagegen anzukämpfen, aber dann folge ich dem Ruf und breche meine Reise ab. Ich respektiere meine Grenzen, weil ich mich und meinen Körper wertschätze. Das hält mich nicht davon ab, sie langsam zu verschieben, indem ich mich behutsam herantaste und ein Babyschrittchen drüberlatsche.

Und wenn ich dann hinterher einfach behaupte oder stillschweigend den Eindruck entstehen lasse, das alles von vorneherein so als großen Masterplan ausgearbeitet und durchgezogen zu haben, dann begehe ich ein Verbrechen an den Leuten, die verzweifelt versuchen, es mir gleichzutun und sich kaputtfrustrieren, weil sie durch mein Vorbild die Erwartung an sich selbst viel zu hoch gesteckt haben und ihr Ziel faktisch nicht erreichen können, weil es nicht erreichbar ist.

Ich bin kein Superheld. Ich bin ein Mensch, möchte auf Augenhöhe bleiben, und bestehe auf meinem Recht auf Imperfektheit.

Babyschritte führen zum Erfolg.

(Aus: What about Bob?)