Erdung durch Essen / Schokolade für die Nerven

Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.

(Sprichwort, Erläuterung im Wiktionary)

Ja klar: Mir hilft auch das Essen von Schokolade, um in der Mitte zu bleiben.

Es hat einen antidepressiven Effekt, wie ich oder besser gesagt Gerald Hüther schon einmal erklärt hatte, weil es die Wiederaufnahme von Serotonin hemmt und zudem hat es wie andere als Suchtmittel geeigneten Substanzen einen antriebssteigernden Effekt, weil durch die Aktivierung des Belohnungszentrums Dopamin ausgeschüttet wird (Quelle: GEO, Ausgabe 06 2016, Titelstory Zucker: unser Feind auf dem Teller).

Zu viel Essen führt aber vor allem dazu, dass Leib und Seele sich immer weiter voneinander entfernen, genauso wie wenn man sich der Nahrungsaufnahme komplett entzieht. Spätestens wenn die Haut reißt, hat man irreversible Schäden, weil diese Narben („Schwangerschaftsstreifen“) zwar mit der Zeit verblassen, aber nie wieder verschwinden. 

Mir reicht inzwischen die Feststellung, dass ich derzeit genauso viel Geld für Süßigkeiten und Junkfood ausgebe wie schon einmal für Zigaretten. Daran ist für mich erkenntlich, dass ich ein ernsthaftes Problem habe, das über das der nicht mehr sitzenden Hose hinausgeht.

Ich bin wieder über 95kg durch den Stress in der letzten Zeit und ich war bereits unter 88kg gewesen: Am 10. Mai, als ich aus München zurückgekommen war. Es ist bekanntlich nicht so, dass ich es nicht hinkriegen könnte mit dem Abnehmen, aber es ist so, dass ich es unter diesen Rahmenbedingungen nicht schaffe. Und zwar halte ich sie auch trotz Schokolade als Beruhigungsmittel nur sehr bedingt aus.

Fertigprodukte und Zucker sind, so schreibt Christian Schwägerl in der GEO, oft schneller, billiger Ersatz fürs Nachdenken, damit er sich keine Mühe mit dem Essen geben muss und Zeitersparnis. Das ist für mich ganz genau dasselbe. Ich finde nicht die Zeit, besser für mich zu sorgen – und das als Rentner in spe.

Ich bin nicht erwerbstätig, gelte als arbeitsunfähig erkrankt, als chronisch psychisch krank und hetze von Termin zu Termin – als Patient. Durch alle meine Bitten um Hilfe fallen bumeranggleich stets neue Aufgaben für mich ab, die ich zu erledigen habe. Wie soll ich denn da gesunden?

Zunehmend erhärtet sich mein Eindruck, dass das Gesundheitssystem krank ist. Informationen aus den Medien, das deutsche Gesundheitssystem sei das teuerste Europas und zugleich dasjenige, das die schlechteste Versorgung biete.

Nun ist die Situation hier zu Hause nicht mehr die gewohnte, dass mein Ehemann tagsüber im Büro ist und ich allein zu Haus, sondern er verbringt mehr Zeit hier in der Wohnung als ich. Das stellt uns für ungeahnte Herausforderungen.

Er nimmt mir die „Arbeit“ ab, einkaufen zu gehen, kocht für mich und beteiligt sich auch darüber hinaus am Haushalt. Aber anstatt mich zu entlasten, belastet mich diese Veränderung. Nicht nur durch die Veränderung an sich, denn die Situation hat schon eine Weile Bestand und ist nicht mehr ungewohnt neu.

Die neue Wochenstruktur passt für mich nicht und auch für ihn – für uns beide ist das schwierig. Wo ich vorher seine Nähe vermisst habe, fehlt mir jetzt Alleinzeit. Natürlich kann man jetzt faul damit argumentieren ich sei eben krank und gehöre in Therapie, aber das trifft es nicht.

Wir müssen – wenn wir unseren Lebensweg gemeinsam weitergehen wollen – eine gemeinsame Lösung für einen neuen gemeinsamen Umgang finden.

Dazu gehört auch ein gemeinsamer Umgang mit Essen, denn die Trennung von Küche und damit der Verzicht auf gemeinsame Mahlzeiten sollte aus meiner Sicht nur eine vorübergehende Maßnahme zur Erleichterung meiner Gewichtsreduktion sein.

Als ich die Gewichtsreduktion aussetzte, dachte ich an eine noch kurzzeitigere Ausnahme zwecks psychischer Stabilisierung und nicht daran, noch einmal über 150kg wiegen zu wollen. Es ist bereits jetzt so, dass ich mich wieder elend fühle mit meinem Übergewicht.

Nicht nur mit der Fresserei an sich, was ich als fehlgeschlagene Selbstbewältigungsstrategie interpretiere, auch mit dem neuerlich zugelegtem Umfang. Noch passen die Hosen, das ist – noch (!) – kein Problem. Aber ich fühle mich elend, permanent so vollgefressen zu sein.

Ich mag mich nicht gerne bewegen, wenn ich so vollgefressen bin, und muss mich immer öfter zum Sport zwingen. Es macht keinen Spaß mehr und wird zur leidigen Verpflichtung. Dahin wollte ich nie zurück.

Und ich sitze jetzt hier und überlege ernsthaft, ob es mir die 150,- Euro für die Fahrkarte nach Bonn und zurück wert ist, um wenigstens eine Pause davon zu machen. Warum muss ich das überlegen?

Weil ich a) kein Einkommen habe und b) eigentlich die Krankenkasse die Kosten dafür übernehmen sollte, dass ich nicht krank werde. Zumindest dann, wenn sie sich als „Gesundheitskasse“ aufstellt.^^

Zudem fühle ich mich nicht gut damit, wenn mein Blutzuckerspiegel so hoch ist, weil ich dann ständig unter Strom bin, jederzeit auf dem Sprung und viel zu energiegeladen – eigentlich schon wieder mit einem Fuß in der Hypomanie.

Es ist ein für meine derzeit gedrückte Grundstimmung viel zu hoher und damit nicht stimmiger Antrieb. Dadurch habe ich die Entschlossenheit eines Selbstmordattentäters und ebenso das Aggressionspotential – ich fühle mich wie eine tickende Zeitbombe.

Und ich kann den Spagat nur deshalb so lange halten, weil ich permanent mein Cortisol senke. Nur deshalb explodiere ich nicht schon wieder, wie es am 2. Mai passierte.

Also muss ich mal wieder auf die (finanzielle) Hilfe der Krankenkasse verzichten und eben selbst vorbeugend etwas für mich tun in der Hoffnung, es werde sich irgendwann einmal auch für mich auszahlen.

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